Bund-Länder-BerichtGespaltene Bildungsrepublik

346 Seiten, neun Kategorien und vor allem eine Erkenntnis: Der Bundesbildungsbericht zeigt, wie Bildung in Deutschland auseinanderdriftet. Von Ruben Karschnick

Den Guten geht es besser, den Schlechten weiter schlecht. Das zeigt der am Freitag veröffentlichte Bundesbildungsbericht. Einerseits geht aus dem Papier hervor, dass immer mehr junge Leute das Abitur schaffen und ein Studium beginnen. Andererseits gibt es weiter einen harten Kern von bis zu 20 Prozent Bildungsverlierern: diejenigen, die nicht richtig lesen und schreiben können, obwohl sie das längst können sollten. Sie finden selten eine Lehrstelle, brechen häufig die Ausbildung ab und nehmen später auch selten an Fortbildungen teil.

Weil der Anteil der Verlierer des Bildungssystems nicht signifikant gestiegen ist, die Zahl der Abiturienten und Studenten aber schon, jubelten viele über einen Anstieg des Bildungsniveaus. Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Ties Rabe (SPD), sagte nach der Veröffentlichung des Berichts, das deutsche Bildungssystem sei "auf dem richtigen Reformweg".

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Ein Blick auf die einzelnen Entwicklungen zeigt allerdings, wie sehr die von Angela Merkel ausgerufene Bildungsrepublik Deutschland auseinanderdriftet.

Auf der Gewinnerseite sieht man bei den Privatschulen eine Entwicklung, die nachdenklich macht: In den letzten zwölf Jahren ist die Zahl der Schulen in privater Trägerschaft um ein Viertel gestiegen. Offenbar wollen also weniger Eltern ihre Kinder dem staatlichen Bildungssystem überlassen. Dieser Trend hat mittlerweile auch die Jüngsten erreicht. Die Zahl der Grundschulen in privater Trägerschaft ist im gleichen Zeitraum um 152 Prozent gestiegen.

Auf der Verliererseite zeigen sich besonders Schwierigkeiten für Kinder aus Migrantenfamilien. Unter Dreijährige mit Migrationshintergrund besuchen mit 14 Prozent viel seltener eine Kita als Kinder deutscher Abstammung – bei ihnen sind es 25 Prozent. Im Osten werden sogar Quoten um 50 Prozent erreicht. Da der Anteil der Kinder mit ausländischen Wurzeln stetig zunimmt, sprach der Leiter der Autorengruppe des Bildungsberichts, Horst Weishaupt, von großen Herausforderungen für das Bildungssystem.

Für eine große Herausforderung steht auch der Anteil von 29 Prozent Kindern und Jugendlichen, die in einer Familie mit sogenannter Risikolage aufwachsen. Dazu zählen mangelnde Bildung der Eltern, Einkommen unter der Armutsgrenze, oder dass kein Elternteil berufstätig ist. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sprach in diesem Zusammenhang von einer "Schere zwischen Bildungsgewinnern und –verlierern", die immer weiter auseinandergehe.

 
Leserkommentare
  1. ... denn so sehr ist Intelligenz eben nicht erblich. Es gibt durchaus eine Veranlagung, aber die wird erstens nicht sonderlich berechenbar vererbt, und zweitens schwanken die Angaben über deren Einfluss stark. Und wenn man annimmt, dass Intelligenz zu ungefähr fünfzig Prozent vererbt wird, lässt das einen enormen Entwicklungsspielraum - vor allem auch deswegen, weil sich das Gehirn von Kindern noch entwickelt und in der Pubertät noch einmal komplett umbaut!
    Angebliche genetische Dispositionen dürfen im übrigen wie ich denke gerade in Deutschland (!!!) keine Entschuldigung für die Diskriminierung ganzer Bevölkerungsschichten sein; Sozialdarwinismus, der sich zum Beispiel in der pauschalen Abwertung von "Schulversagern" (die man angeblich aussortieren darf, weil sie ohnehin "minderwertig" sind) äußert, ist für mich moralisch durch nichts zu rechtfertigen und im übrigen durch nichts in der Biologie zu begründen.
    Evolution ist ein extrem komplexer und vielschichtiger Prozess - wer aus ideologischen Gründen grob vereinfachende Schlüsse daraus zieht, hat von der Natur wirklich gar nichts verstanden. Da sollten wirklich bei jedem demokratischen Bürger die Alarmglocken läuten!
    Wer eine sechs in Mathe (nicht, dass man darauf stolz sein sollte...)hat, ist auch ein Mensch. Vielleicht kann er etwas anderes besser.

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    • keibe
    • 22.06.2012 um 21:10 Uhr

    "Und wenn man annimmt, dass Intelligenz zu ungefähr fünfzig Prozent vererbt wird, lässt das einen enormen Entwicklungsspielraum - vor allem auch deswegen, weil sich das Gehirn von Kindern noch entwickelt und in der Pubertät noch einmal komplett umbaut!"

    Exakt eine Standardabweichung (nach oben und nach unten wohlbemerkt).

    • keibe
    • 22.06.2012 um 21:10 Uhr

    "Und wenn man annimmt, dass Intelligenz zu ungefähr fünfzig Prozent vererbt wird, lässt das einen enormen Entwicklungsspielraum - vor allem auch deswegen, weil sich das Gehirn von Kindern noch entwickelt und in der Pubertät noch einmal komplett umbaut!"

    Exakt eine Standardabweichung (nach oben und nach unten wohlbemerkt).

  2. jeder verteilen. Wer sie sich nicht nur angeeignet, sondern auch begriffen hat und einzusetzen weiss, schon. Das andere Ende der Gaußschen Kurve lässt herzlich grüßen.

    • keibe
    • 22.06.2012 um 21:10 Uhr
    11. Stimmt!

    "Und wenn man annimmt, dass Intelligenz zu ungefähr fünfzig Prozent vererbt wird, lässt das einen enormen Entwicklungsspielraum - vor allem auch deswegen, weil sich das Gehirn von Kindern noch entwickelt und in der Pubertät noch einmal komplett umbaut!"

    Exakt eine Standardabweichung (nach oben und nach unten wohlbemerkt).

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  3. Schlüssel zur Kommunikation und Interaktion zwischen Systemen. Keiner weiss alles und jeder weiss etwas. Welche Gesellschaft braucht eigentlich geförderte Eliten, die der Gesellschaft nicht dankbar sind?

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  4. ... das abgehängte Fünftel ist der Preis den wir für die gegenwärtig wie geschmiert laufende Wirtschaft bezahlt haben. Wie man sich auch entscheidet, man entscheidet sich falsch.

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    • keibe
    • 22.06.2012 um 21:47 Uhr

    an der genetischen Disposition? Steile These!

    • keibe
    • 22.06.2012 um 21:47 Uhr

    an der genetischen Disposition? Steile These!

  5. von der Zeit Online jemand der Firma Bosch mitteilen, dass geniale Werbung die ist, die man gerne liest und nicht die, die weg geklickt wird. Herzlichen Dank!

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    • keibe
    • 22.06.2012 um 21:47 Uhr

    an der genetischen Disposition? Steile These!

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    Antwort auf "Nun, ..."
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    ... genetische Argument ist natürlich schön praktisch, man kann sich selber einreden nicht verantwortlich für Mitmenschen zu sein. Allerdings ist selbst die DNA nicht in Stein gemeiselt. Aber das sind "Details" die gerne mal übersehen werden.

    ... genetische Argument ist natürlich schön praktisch, man kann sich selber einreden nicht verantwortlich für Mitmenschen zu sein. Allerdings ist selbst die DNA nicht in Stein gemeiselt. Aber das sind "Details" die gerne mal übersehen werden.

  6. ... genetische Argument ist natürlich schön praktisch, man kann sich selber einreden nicht verantwortlich für Mitmenschen zu sein. Allerdings ist selbst die DNA nicht in Stein gemeiselt. Aber das sind "Details" die gerne mal übersehen werden.

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    • keibe
    • 22.06.2012 um 22:09 Uhr

    ok!

    • keibe
    • 22.06.2012 um 22:09 Uhr

    ok!

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