Die Schauspielstudenten Amjad Hashem, Roman Pertl, Linus Ebner und Muayad Owda (v.l.n.r.) © Fritz Habekuß

Ein alter Mann kommt an einen Checkpoint. Als er passieren will, schlagen die Detektoren an. Er zittert vor Angst, muss umdrehen, sich ausziehen und noch einmal durch die Detektoren. Wieder schlagen sie an. Nachdem er auch beim dritten Versuch nicht passieren darf, bricht er zusammen.

Nach eineinhalb Stunden Uraufführung von "Irgendwo müsste es schön sein" ist der letzte Satz gesprochen. Anhand von Szenenfragmenten aus dem deutschen und palästinensischen Alltag haben die Zuschauer erlebt, was die große Politik mit den Menschen im Kleinen macht.

Das Licht geht aus. Stürmischer Applaus brandet auf, die Schauspieler kommen zurück auf die Bühne der Kammerspiele im Schauspielhaus Bochum . 16 Schauspielschüler der Folkwang-Universität in Essen und der Drama Academy Ramallah im Westjordanland fassen sich an den Händen und lächeln ins Publikum.

Die Aufführung ist das Ergebnis einer einzigartigen Kooperation: Einmal jährlich erarbeiten Studierende aus Deutschland und Palästina gemeinsam ein Stück. Zu den Aufführungen reisen die Palästinenser nach Deutschland, anschließend fährt die deutsche Theatergruppe aus dem Ruhrgebiet nach Ramallah.

So geschlossen sie dort stehen und sich verbeugen, so unterschiedlich sind die Biografien der Studenten. Die einen kommen aus der deutschen Mittelschicht, manch einer der anderen hat seine Kindheit im Flüchtlingslager verbracht.

Einer der acht palästinensischen Schauspielschüler ist Amjad Hashem. Er lebt in Jerusalem und pendelt für die Schauspielschule nach Ramallah in Westjordanland. Der Student hat am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, an einem Checkpoint gestoppt zu werden. "Wir kommen aus einem politischen Hotspot . Als wir nach Deutschland gekommen sind, haben wir haben uns gefragt: Wo sind denn hier die bewaffneten Polizisten?", sagt Amjad. ­

Mit dem Theaterspielen könne er Dinge verändern, hofft der palästinensische Student. "Wir wissen, dass die Israelis die Medien sehr gut einsetzen, dass sie eine große Macht haben. Wir sollten einen neuen Weg finden, uns dagegen zu stellen. Nicht durch Waffen. Durch Kunst. Das ist mein Weg." Ihm ist klar, dass dies kein leichter Weg sein wird. Doch er glaubt daran, einen Teil für eine bessere Zukunft beitragen zu können – auch wenn diese Zukunft noch fern sein mag.