ExzellenzinitiativeWeitermachen ohne Elite-Stempel

Drei renommierte Hochschulen müssen ihren Platz unter den amtlichen Elite-Unis räumen. Sie verlieren Geld und Prestige. Trotzdem soll es keine Exzellenz-Ruinen geben. von 

Auditorium der Universität Göttingen

Auditorium der Universität Göttingen  |  CC BY-SA 2.5 Daniel Schwen

Das war nach den Spielregeln von Anfang an klar: Nicht alle neune, die vor fünf Jahren in der milliardenschweren Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zu Spitzenuniversitäten gekürt wurden, würden das in der nächsten Runde 2012 noch einmal schaffen. Denn zu jedem Wettbewerb gehören auch Verlierer. Also haben internationale Juroren die Unis in Freiburg , Karlsruhe und Göttingen vorige Woche von der obersten Stufe der Förderskala herabgesetzt. Dafür steigen Tübingen, Köln, Bremen, Dresden und die Humboldt-Universität Berlin nun auf .

Göttingen und Freiburg konnten mit ihren "Zukunftskonzepten" für die gesamte Uni nicht mehr überzeugen. Und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), der Zusammenschluss der Landesuniversität mit einem Forschungszentrum des Bundes, konnte mit keinem fächerübergreifenden Forschungs-Cluster oder "-Klumpen" genug Eindruck machen. So gehen den Dreien jeweils gut 20 Millionen Euro im Jahr verloren.

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Die Einbußen sind jedoch relativ: Denn die Gesamtsumme der Drittmittel, die die Hochschulen jeweils auf dem freien Forschungsmarkt erzielen, sind mehrfach höher als das Geld aus der Exzellenzinitiative, ganz abgesehen von der staatlichen Grundfinanzierung. Göttingen wirbt nach eigenen Angaben mehr als 75 Millionen Euro im Jahr ein (2010), Freiburg gut 90 und das KIT sogar mehr als 200 Millionen.

Das Geld wird reichen

Die Ex-Elite-Unis fallen also in ein gut ausgepolstertes Netz. "Vieles von dem, was wir uns vorgenommen hatten, werden wir trotzdem umsetzen, wenn auch nicht so schnell wie erhofft", betont etwa das KIT-Präsidium. Für die kommenden zwei Jahre hilft die Exzellenzinitiative noch mit einer Auslauffinanzierung: Zunächst gibt es fast drei Viertel der bisherigen Förderung, im letzten Jahr knapp die Hälfte.

Das gilt nicht nur für die Zukunftskonzepte der Unis, die bisher Elite-Status hatten, sondern ebenso für auslaufende Doktoranden-Schulen und Forschungs-Cluster anderer Hochschulen. Die Zweijahresfrist reicht jedenfalls aus, um angefangene Promotionsvorhaben zu Ende zu führen. Die Übergangszeit können Institute und Rektorate nutzen, um beim Land, Bund, der Europäischen Union oder privaten Sponsoren weitere Zuschüsse zu suchen.

Baden-Württemberg hat bereits zugesagt, alle bisherigen Exzellenz-Projekte "nachhaltig zu stellen". Auch Niedersachsens Wissenschaftsministerin Johanna Wanka erklärte, "das Göttinger Zukunftskonzept weiterhin in Schwung zu halten". Ohnehin haben die jeweiligen Länder bislang schon ein Viertel der Förderung an ihren Hochschulen getragen. Grundsätzlich sind sich alle Experten einig: Eine Startphase von fünf Jahren wie bei der Exzellenzinitiative ist einfach zu knapp, um über Erfolg oder Misserfolg akademischer Großprojekte eine verlässliche Voraussage zu machen.

Zudem mussten die Hochschulen schon bei ihren Bewerbungen ungefähre Angaben über die Zukunft ihrer Vorhaben nach dem Ende der Förderung machen. Noch am Tag der Entscheidung, vergangenen Freitag, wollten die alten Elite-Unis über einen Plan B aber nicht Genaueres sagen, mit zwei Ausnahmen. So erklärte ein Sprecher der Technischen Universität München, allein schon mit den neuen Studienbewerbern aus doppelten Abiturjahrgängen (G8) seien das wissenschaftliche Personal, Hörsäle und Labors voll ausgelastet. "Also keine Angst vor Kurzarbeit", sagte der Sprecher. Alle Besorgnis erwies sich dann auch als unbegründet, die Münchner TU blieb ungeschoren.

Auch Ernst Schmachtenberg, Rektor der Technischen Hochschule Aachen, zeigte sich auf Eventualitäten vorbereitet. Für ihn geht es um 33 Millionen Euro im Jahr, rund ein Zehntel seiner Drittmittel. Kern der Aachener Vorsorge ist ein Strategiefonds: Darin hortet das Rektorat frei werdende Professorenstellen geringeren Profils, um sie bei Bedarf für überragende andere Fachrichtungen und Forscher umzuwidmen. Im Einzelfall gefällt das natürlich nicht allen Fachbereichen. Aber so verstärkt die Exzellenzinitiative die Leistungsbereitschaft hochschulweit. Und damit kann sich Aachen nach wie vor seines Elite-Status erfreuen.

Umgekehrt hätte ein Titelverlust eine schwer verdaubare Blamage bedeutet, sagt Schmachtenberg. Genauso, wie der Rechtsprofessor Paul Laband schon vor mehr als 100 Jahren klar formulierte: "Die Verleihung eines Titels hebt den dadurch Ausgezeichneten in der allgemeinen Achtung bei Weitem nicht in dem Grade, wie ihn die Entziehung des Titels herabsetzt". Damit erklärt sich die ganze Dramatik des Exzellenzwettbewerbs und die unverhohlene Enttäuschung der drei Absteiger.

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Leserkommentare
  1. ....habt ihr vergessen.

    http://tu-dresden.de/aktu...

  2. gerade einmal 41 Jahre alte Uni im Norden, auf Teufel komm raus eine Uni im Osten und natürlich noch die 2. Uni in der Lieblingsstadt aller Hippster und Geldverschwender: Berlin.

    Wer hier noch glaubt die Entscheidung ist auf Grund von objektiven Kriterien und nicht politischen Motiven gefallen, dem ist vermutlich nicht mehr zu helfen.

    Bitte achten Sie auf einen sachlichen Diskussionston. Danke, die Redaktion/lv

    4 Leserempfehlungen
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    mal in Dresden an der Uni gewesen? :) Die koennen sie auch gerne in den Westen setzen, die wird immer noch Exzellenz-Uni.

    Warum?

    Weil sie gut ist.

    Es ist zweifelhaft, ob es ein sinnvoller Zug ist, von dem Klischee einer Stadt auf die Qualität der Uni zu schließen.

  3. Wenn Uniwettbewerbe nach dem Muster von Germany's next Topmodel ausgerichtet werden, darf man doch an der Ernsthaftigkeit zweifeln. Die Uni Göttingen feiert in diesem Jahr ihr 275 jähriges Bestehen. Die Erfolge in dieser Zeit haben weltweit Geltung. Die erste Wahl zur Eliteuniversität kam also nicht rein zufällig. Diese Universität jetzt einfach aus dem elitären Kreis hinaus zu werfen, ist für den Wissenschaftsstandort Deutschland blamabel. Das gilt im übrigen auch für die anderen "Abgewählten". Das fehlende Geld kann man verschmerzen, die verlorene Reputation ist der weitaus größere Schaden. Die Juroren haben hier einfach zu kurz gedacht. Schade für Deutschland!

    6 Leserempfehlungen
  4. ...eine Uni wie Bremen hier einen Blumentopf gewinnt, dann kann etwas mit dem Verfahren oder den Kriterien nicht stimmen.

    14 Leserempfehlungen
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    die die Uni Bremen genommen hat, aber schlecht. Allerdings würde es mich schon auch interessieren, warum Karlsruhe seinen Cluster für Nanomaterialien wieder verloren hat. Gerüchteweise soll man die Gutachter mit überaus arrogantem Auftreten vergrätzt haben. Sollte dies zutreffen, hätte womöglich Zwischenmenschliches eine Sachdiskussion überlagert. Ob jedoch damit der deutschen Hochschullandschaft gedient ist?

  5. mal in Dresden an der Uni gewesen? :) Die koennen sie auch gerne in den Westen setzen, die wird immer noch Exzellenz-Uni.

    Warum?

    Weil sie gut ist.

    9 Leserempfehlungen
  6. Was viele hier vergessen ist folgendes: der Begriff "Elite-Uni" ist vollkommen irreführend. Die hier gewählten Unis sind nicht Elite, sondern wollen Fördermittel haben, um Elite zu werden. D.h. das Geld geht an die, die das beste Konzept vorlegen, um langfristig zur Weltspitze der Unis aufzusteigen.

    Klar ist es blöd, wenn bestimmte Unis in der zweiten Runde mit ihrem Konzept nicht mehr überzeugen konnte, und sicher ist die Auswahl auch nicht 100%ig objektiv (welche menschliche Entscheidung ist das schon). Wichtig ist aber, dass die drei Absteiger trotzdem 5 Jahre lang viel Geld hatten, um schöne und erfolgversprechende Maßnahmen anzuleiern und umzusetzen.

    • 2eco
    • 18. Juni 2012 14:29 Uhr

    Ich möchte auch nicht wissen, was die Entscheidungskriterien für diese Wahl sind, wenn sogar die Ruhr-Universität Bochum in der Endrunde war. Ich habe selten so herzhaft gelacht.

    2 Leserempfehlungen
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    • hurt
    • 18. Juni 2012 14:40 Uhr

    ... liegt das daran, dass der Begriff "Eliteuniversität" im Sinne der Exzellenzinitiative absolut nichts mit der Lehre (also mit dem Teil, mit welchem die meisten Studenten zu tun haben) zu tun hat. In diesem Fall geht es um die Bewertung des Zukunftskonzeptes der jeweiligen Hochschule im Hinblick auf die Forschung.

    An einer Eliteuniversität können genauso 1500 Leute in einem Hörsaal sitzen, die Betreuungsquote im Keller die didaktischen Fähigkeiten der Dozenten schlecht und der Workload der Studenten im Himmel sein.

    • hurt
    • 18. Juni 2012 14:40 Uhr

    ... liegt das daran, dass der Begriff "Eliteuniversität" im Sinne der Exzellenzinitiative absolut nichts mit der Lehre (also mit dem Teil, mit welchem die meisten Studenten zu tun haben) zu tun hat. In diesem Fall geht es um die Bewertung des Zukunftskonzeptes der jeweiligen Hochschule im Hinblick auf die Forschung.

    An einer Eliteuniversität können genauso 1500 Leute in einem Hörsaal sitzen, die Betreuungsquote im Keller die didaktischen Fähigkeiten der Dozenten schlecht und der Workload der Studenten im Himmel sein.

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Verfahrensfehler"

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Exzellenzinitiative | Johanna Wanka | Kurzarbeit | Freiburg | Göttingen | Aachen
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