Auditorium der Universität Göttingen

Das war nach den Spielregeln von Anfang an klar: Nicht alle neune, die vor fünf Jahren in der milliardenschweren Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zu Spitzenuniversitäten gekürt wurden, würden das in der nächsten Runde 2012 noch einmal schaffen. Denn zu jedem Wettbewerb gehören auch Verlierer. Also haben internationale Juroren die Unis in Freiburg , Karlsruhe und Göttingen vorige Woche von der obersten Stufe der Förderskala herabgesetzt. Dafür steigen Tübingen, Köln, Bremen, Dresden und die Humboldt-Universität Berlin nun auf .

Göttingen und Freiburg konnten mit ihren "Zukunftskonzepten" für die gesamte Uni nicht mehr überzeugen. Und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), der Zusammenschluss der Landesuniversität mit einem Forschungszentrum des Bundes, konnte mit keinem fächerübergreifenden Forschungs-Cluster oder "-Klumpen" genug Eindruck machen. So gehen den Dreien jeweils gut 20 Millionen Euro im Jahr verloren.

Die Einbußen sind jedoch relativ: Denn die Gesamtsumme der Drittmittel, die die Hochschulen jeweils auf dem freien Forschungsmarkt erzielen, sind mehrfach höher als das Geld aus der Exzellenzinitiative, ganz abgesehen von der staatlichen Grundfinanzierung. Göttingen wirbt nach eigenen Angaben mehr als 75 Millionen Euro im Jahr ein (2010), Freiburg gut 90 und das KIT sogar mehr als 200 Millionen.

Das Geld wird reichen

Die Ex-Elite-Unis fallen also in ein gut ausgepolstertes Netz. "Vieles von dem, was wir uns vorgenommen hatten, werden wir trotzdem umsetzen, wenn auch nicht so schnell wie erhofft", betont etwa das KIT-Präsidium. Für die kommenden zwei Jahre hilft die Exzellenzinitiative noch mit einer Auslauffinanzierung: Zunächst gibt es fast drei Viertel der bisherigen Förderung, im letzten Jahr knapp die Hälfte.

Das gilt nicht nur für die Zukunftskonzepte der Unis, die bisher Elite-Status hatten, sondern ebenso für auslaufende Doktoranden-Schulen und Forschungs-Cluster anderer Hochschulen. Die Zweijahresfrist reicht jedenfalls aus, um angefangene Promotionsvorhaben zu Ende zu führen. Die Übergangszeit können Institute und Rektorate nutzen, um beim Land, Bund, der Europäischen Union oder privaten Sponsoren weitere Zuschüsse zu suchen.

Baden-Württemberg hat bereits zugesagt, alle bisherigen Exzellenz-Projekte "nachhaltig zu stellen". Auch Niedersachsens Wissenschaftsministerin Johanna Wanka erklärte, "das Göttinger Zukunftskonzept weiterhin in Schwung zu halten". Ohnehin haben die jeweiligen Länder bislang schon ein Viertel der Förderung an ihren Hochschulen getragen. Grundsätzlich sind sich alle Experten einig: Eine Startphase von fünf Jahren wie bei der Exzellenzinitiative ist einfach zu knapp, um über Erfolg oder Misserfolg akademischer Großprojekte eine verlässliche Voraussage zu machen.

Zudem mussten die Hochschulen schon bei ihren Bewerbungen ungefähre Angaben über die Zukunft ihrer Vorhaben nach dem Ende der Förderung machen. Noch am Tag der Entscheidung, vergangenen Freitag, wollten die alten Elite-Unis über einen Plan B aber nicht Genaueres sagen, mit zwei Ausnahmen. So erklärte ein Sprecher der Technischen Universität München, allein schon mit den neuen Studienbewerbern aus doppelten Abiturjahrgängen (G8) seien das wissenschaftliche Personal, Hörsäle und Labors voll ausgelastet. "Also keine Angst vor Kurzarbeit", sagte der Sprecher. Alle Besorgnis erwies sich dann auch als unbegründet, die Münchner TU blieb ungeschoren.

Auch Ernst Schmachtenberg, Rektor der Technischen Hochschule Aachen, zeigte sich auf Eventualitäten vorbereitet. Für ihn geht es um 33 Millionen Euro im Jahr, rund ein Zehntel seiner Drittmittel. Kern der Aachener Vorsorge ist ein Strategiefonds: Darin hortet das Rektorat frei werdende Professorenstellen geringeren Profils, um sie bei Bedarf für überragende andere Fachrichtungen und Forscher umzuwidmen. Im Einzelfall gefällt das natürlich nicht allen Fachbereichen. Aber so verstärkt die Exzellenzinitiative die Leistungsbereitschaft hochschulweit. Und damit kann sich Aachen nach wie vor seines Elite-Status erfreuen.

Umgekehrt hätte ein Titelverlust eine schwer verdaubare Blamage bedeutet, sagt Schmachtenberg. Genauso, wie der Rechtsprofessor Paul Laband schon vor mehr als 100 Jahren klar formulierte: "Die Verleihung eines Titels hebt den dadurch Ausgezeichneten in der allgemeinen Achtung bei Weitem nicht in dem Grade, wie ihn die Entziehung des Titels herabsetzt". Damit erklärt sich die ganze Dramatik des Exzellenzwettbewerbs und die unverhohlene Enttäuschung der drei Absteiger.