Exzellenzinitiative : Deutschland hat fünf neue Elite-Unis

Die zweite Exzellenzinitiative hat fünf neuen Hochschulen den Status Elite-Universität verliehen. Die Hochschule in Karlsruhe musste ihren Titel überraschend abgeben.
Die Humboldt-Universität in Berlin (Archivbild) © Johannes Eisele/AFP/GettyImages

Die Sieger der zweiten Exzellenzinitiative für Spitzenforschung an Hochschulen von Bund und Ländern stehen fest – künftig gibt es elf deutsche Elite-Unis. Fünf neue Hochschulen gehören zu diesem Kreis: die Humboldt-Universität Berlin, Bremen , die TU Dresden, Köln und Tübingen . Ihren Titel behalten die beiden Münchener Universitäten, die Freie Universität Berlin , Konstanz , Heidelberg und die RWTH Aachen . 



Zu den Absteigern gehört überraschend die Universität Karlsruhe , die wegen ihrer viel gelobten Zusammenarbeit mit der außeruniversitären Forschung besonders im Blickfeld der Bildungspolitik steht. Auch Göttingen und Freiburg verlieren ihren bisherigen Elite-Status. 



Nicht durchsetzen mit ihrem Zukunftskonzept konnten sich die Universitäten Bochum und Mainz . 



Bei der zweiten Exzellenzinitiative von Bund und Ländern geht es um die Vergabe von 2,7 Milliarden Euro Forschungsgeldern, die die Universitäten bis 2017 zusätzlich erhalten. Davon trägt 75 Prozent der Bund, 25 Prozent zahlen die Länder. Bei der ersten Exzellenzinitiative wurden zwischen 2006 und 2009 rund 1,9 Milliarden Euro Forschungsgelder an die Sieger-Universitäten ausbezahlt.

Bund und Länder haben entschieden, dass es nach 2017 keine dritte Exzellenzinitiative geben soll. Allerdings gibt es Vorschläge und Beratungen, wie die Spitzenforschung in Deutschland weiter gemeinsam gefördert werden kann. Im Gespräch ist auch eine Grundgesetzänderung zur Lockerung des Kooperationsverbotes von Bund und Ländern in der Bildung.

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Kommentare

60 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Logik?

Die Logik soll mir mal einer Erklären. Man gibt da Gelder hin, wo ohnehin schon alles ziemlich gut verläuft.Warum? Das erinnert mich schwer an "No Child left behind" von George W. Bush Jr.

ein Politisches Programm, nachdem Schulen, in denen die Noten schlechter sind, weniger Geld erhalten als dort wo die Noten gut sind.

Dass aber gerade Bildungseinrichtungen Geld brauchen um ihr Strukturen zu verbessern, die nicht Exzellent sind, das geht wohl in den Köpfen der Politikern nicht hinein.

Die SPD hat dieses Elitebildungsprogramm zu verantworten. Es ist ein Schlag in die Gesichter der ArbeiterInnen, ein Schlag gegen die Gleichberechtigung durch gute Bildugnsangebote und ein Handschlag mit den Eliten dieses Landes.

So ein Quatsch...

...die Exzellenzinitiative ist gerade eben kein Nivellierungsprogramm, sondern soll exzellente wissenschaftliche Projekte fördern. Dass solche nicht von Wald-und-Wiesen-Universitäten geplant werden können, versteht sich von selbst. Deutschlands einzige Rohstoffe sind Bildung und Forschung. Daher ist die Förderung solcher Projekte durch den Bund absolut sinnvoll. Dass in diesem Zusammenhang die besten Projekte mit der größten Chance auf Erfolg ausgewählt werden, ist dem verantwortlichen Umgang mit Steuergeldern geschuldet. Ein ideologisches Gleichmachungsprojekt, wie Sie es andeuten, wäre der wirkliche Schlag in das Gesicht der "ArbeiterInnen", ergo der Steuerzahler.
Aber warum antworte ich überhaupt, wer die Gleichung Elite=Schlecht aufstellt, hat sich ja eigentlich in einer ernsthaften Diskussion gleich selber disqualifiziert...

Kungelei...

Grundsätzlich gebe ich Ihnen recht.

Wenn ich mir aber die Liste der Zu- und Abgänge mal so anschaue, dann riecht die ganze Sache mehr nach Bundesländer-Kungeleien.

Die einzige echte Elite-Universität die Deutschland je hatte, die Uni Göttingen, ist gerade wieder herausgeflogen. (Diesen Status hatte Göttingen vor dem WKII und bewegte sich damals dort, wo die Ivy-League heute ist.)

Nach meiner, nicht unbedingt repräsentativen Einschätzung ist von dem "neuen" Haufen lediglich die RWTH und die TUM wirklich "Spitze".

Unsere Politiker-Clowns sollten sich mal überlegen, welche langfristigen Auswirkungen dieses Lotteriespiel hat. Als Spitzenforscher/wissenschaftler würde ich es mir zweimal überlegen gerade an eine deutsche "Elite"-Uni zu gehen, wenn die Finanzierung und der Status so schnell wegbrechen können.
Da hilft es wenig, wenn man an seinem Fachbereich/Institut eine hervorragende Arbeit leistet.

Keine Hellseherei, Bitte!

Woher wollen Sie denn wissen, welches noch nicht verwirklichte Projekt den besten Erfolg bringt? Sind Sie Hellseher? Wenn der Erfolg tatsächlich da ist, sollte man die Anerkennung bekommen. Sich a priori als "Elite" zu definieren, zeugt vor allem von einem ungesunden Mangel an Bescheidenheit.
Eigentlich betreibt man doch Wissenschaft, weil man eben nicht weiß, was dabei herauskommt. Da sind Vorurteile nicht sehr hilfreich. Bei manchem, wie Elektrizität, hat es viele Jahrhunderte und unzählige Generationen von forschenden Menschen gebracht, bis etwas Anwendbares daraus wurde. Es hat sich doch trotzdem geloht, oder?

Exzellenz vs. Gemeinschaft

Diese Argumentation funktioniert aber nur, wenn man es aus Sicht "Standort Deutschland" betrachtet und die internationale Konkurrenz in der globalisierten Welt zum Maßstab von Investitionen macht.

Jetzt kommt ein verrückter "links-ideologischer" Gedanke: >Universitas< ist wohl Latein und bedeutet Gemeinschaft, das Ganze oder auch Kollektiv. Da könnte man natürlich auch schlussfolgern es wäre sinnvoll für die gesellschaftliche Gemeinschaft alle an der Bildung teilhaben zu lassen, statt nur ein paar Wenige exzellent zu fördern, die dann Deutschland international vertreten.

Ist ein bisschen wie beim Sport in den USA. Jede Olympiade räumen die ab und setzten Weltrekorde mit exzellenten (!) Sportlern, haben aber die meisten Fettleibigen und Diabeteskranken in ihrer Gesellschaft.

Das war kein Sozialprogramm

Vielmehr gab es einen Wettbewerb, durch Höchstleistungen an mehr Geld zu kommen, um bestimmte Projekte zusätzlich finanzieren zu können.

Allein dieser Wettbewerb hat die Uni-Landschaft auch bei denjenigen Universitäten gefördert, die nicht gewonnen haben. Auf diese Weise wurden mit knappen Mitteln das günstigste Kosten-Nutzen-Verhältnis erreicht.

Man stelle sich vor, es hätte eine Initiative gegeben, die schlechtestens Unis zu suchen und diesen dann Geld in die Hand zu drücken. Dann hätte es sozusagen einen Wettbewerb um den schlechtestens Platz gegeben.

Breite vs. Spitze

Das Problem ist doch, dass an vielen Unis ein massiver Mangel an Lehrkräften existiert und da eigentlich Geld dringend benötigt werden würde. Dozenten sind mittlerweile zeitlich so intensiv ausgelastet, dass sich dies negativ auf die Lehre und vor allem der individuellen Entwicklung und Förderung von vielen Studenten auswirkt. Seminare mit 35 Kommilitonen sind keine Seltenheit, Hausarbeiten mit einer lächerlich begrenzten Seitenzahl, weil die Zeit für die Korrektur fehlt, ebenso und da gibt es viele Beispiele.
Es ist wie bei vielen anderen Branchen auch. Investiert man in die Breite und steigert man da die Qualität vieler, oder eben in die Spitze, was zweifelsfrei auch sein Gutes haben kann (z.B. im internationalen Vergleich).

Exzellenzinitiative ist ein Belohnungsprogramm

... die Exzellenzinitiative ist gerade eben kein Nivellierungsprogramm, sondern soll exzellente wissenschaftliche Projekte fördern. Dass solche nicht von Wald-und-Wiesen-Universitäten geplant werden können, versteht sich von selbst.

Aha. Dieser Logik nach sind alle Unis bis auf elf in Deutschland Wald-und-Wiesen-Universitäten. Das ist doch Unfug.

Deutschlands einzige Rohstoffe sind Bildung und Forschung. Daher ist die Förderung solcher Projekte durch den Bund absolut sinnvoll.

Durch die Exzellenzinitiative werden aber keine Projekte gefördert, sondern es ist nur ein Belohnungsprogramm. Universitäten sollen mit ihren Mitteln so viel wie möglich an Qualität herausholen. Das wird am Ende honoriert. Der Gedanke dahinter ist, dass sich möglichst viele Universitäten daran beteiligen. Selbst wenn man nicht zur Elite-Uni am Ende gezählt wird und keine Auszeichnung bekommt, so wurde doch eine Verbesserung der Lehre angestrebt und umgesetzt.

Lehre überfüllt

"Seminare mit 35 Kommilitonen sind keine Seltenheit [...]."
Bei uns haben wir in einem der Einführungsseminare mit propädeutischem Charakter (Fach Geschichte) zuletzt 123 Studierende gezählt! Wenn in Proseminaren mal "nur" 35 sind, haben wir schon eine "hervoragende" Arbeitsfähigkeit.

Generell ist doch völlig unklar, worum eigentlich im Exzellenzwettbewerb konkurriert wird. Unis sind keine Unternehmen und werden auch nie Gewinne machen. Die Rede von den "Standorfaktoren" Forschung und Bildung sind Worthülsen.

Blödsinn

dieser Wettbeweb hat den meisten Unis geschadet, weil diese zu Gunsten besserer Eliteförderung verengen mussten. Es gibt in Deutschland aufgrund der Exellenzinitiative ein Fächersterben.

Zudem sollte man die Unis selbstverständlich NICHT dafür belohnen, dass sie gut sind. Der Lohn wird schließlich sein, dass sie einen guten Ruf genießen, dadurch die Professoren angezogen werden, die ebenfalls gut sind, und die Studenten ebenso mehr dahin wollen, wodurch automatisch die Finanzierung gesteigert wird.

Es darf kein Belohnungsdenken geben. Wir müssen in der Masse denken. Jeder Student muss eine Gute Ausbildung genießen können, wenn er die Hochschulzugangsberechtigung hat. Es kann nicht sein, dass wir einige Wenige überfördern und die meisten in diesem Kampf aussen vor bleiben.

Für mich nicht nachvollziehbar

"Allein dieser Wettbewerb hat die Uni-Landschaft auch bei denjenigen Universitäten gefördert, die nicht gewonnen haben."

Diese Behauptung ist für mich schwer nachvollziehbar. Aus meiner Sicht wurden bei den Verlierern des Wettbewerbs viele Mittel verbrannt ohne dass es dafür etwas gab. Also ein schlechter Return of Invest.

Das verbrannte Geld der Verlierer hätte man besser in die Lehre investieren können, beispielsweise um Lehrbeauftragte vernünftig zu bezahlen.

Volle Zustimmung - Besser Geld für die Lehre ausgeben

Auch aus meiner Sicht wäre das Geld der Exzellenzinitiative inklusive der Kosten, die durch diese Initiative bei den Bewerbern entstehen, besser in unbefristete Stellen in der Lehre investiert worden.

Durch diese kurzfristigen Mittel werden nun noch mehr potentielle Professoren für einen Markt produziert, der sich durch einen Bewerberüberschuss und einen Stellenmangel auszeichnet.

arbeitsplätze schaffen

es mag wortklauberei sein, aber man sollte die begrifflichkeiten nicht aus modischen gründen verfälschen - 'universitat' im ursprungssinne hiess nicht, dass alle zugang zu diesen einrichtungen haben sollen, sondern dass diese einrichtungen eine universelle, sprich allumfassende bildung ermöglichen.
selbstverständlich stimme ich mit ihnen überein, dass begabte aller gesellschaftsschichten die gleiche bildung geniessen dürfen sollten. aber man sollte nicht zuviel energie darauf verwenden, aus eseln rennpferde machen zu wollen. stattdessen sollte man die rennpferde dopen, denn deren ideen schaffen neue arbeitsplätze. gleichzeitig sollte man die rennpferde dann aber auch dazu bringen, in der heimat zu bleiben und sich mit ihren steuern für die genossene bildung zu revanchieren. die derzeitige arbeitsmarktsituation treibt die hochqualifizierten fachkräfte allerdings ausser landes, ergo in die arme der konkurrenz.

Falsche Anreize!

Wer eine hervorragende Leistung erbringt, sollte dafür auch belohnt werden - das ist ein notwendiger Anreiz. Aber eine Belohnung kann nur wirksam sein, wenn sie auf eine einzelne konkrete Spitzenleistung bezogen ist. Das System "Exzellenzwettbewerb" fördert dagegen die fleißigsten Antragsschreiber!
Wer unbedingt ein Denkmal werden will, soll sich halt einen Sockel kaufen! ... und wird feststellen, dass es ganz schön langweilig dort oben ist, und dass man fürchterlich ausgelacht wird, wenn man wieder herunter möchte.
Besser wäre eine solide Grundfinanzierung der Forschung und Prämien für konkrete Erfolge. Die Pauschalwettbewerbe produzieren vor allem eine unglaubliche Bürokratielawine, die von der eigentlichen Arbeit abhält.

Genau

Da kann ich nur zustimmen!

Intern weiß auch jeder dass diese Initiative keine Lenkungswirkung hat und nur Zeit und Geld aller Beteiligten kostet, aber natürlich hat keine Uni die Wahl da nicht mitzumachen.

Forschungsgelder für einzelne, vor allem jüngere Wissenschaftler, aufgrund konkreter Indikatoren von Spitzenforschung, wären sehr viel sinnvoller für die Hochschulentwicklung als das Geld mit der Gießkanne über den sogenannten "Eliteunis" auszugießen.