Elite-UniversitätenDas exzellente Überraschungsei

16 deutsche Unis kämpften um den begehrten Elite-Status. Elf haben den Titel bekommen. Auf Gewinner- und Verliererseite gibt es Überraschungen. von 

Studenten in der Technischen Universität Dresden

Studenten in der Technischen Universität Dresden  |  © Arno Burgi/lsn/dpa

Es ging um Renommee und sehr viel Geld. Nun stehen die Sieger der zweiten Hochschulexzellenzinitiative fest: Künftig tragen elf Hochschulen den Titel Elite-Universität. Ihren Status erfolgreich verteidigen konnten die LMU und TU in München , die FU Berlin , Konstanz , Heidelberg und die RWTH Aachen .

Fünf weitere Hochschulen haben den Aufstieg zur Elite-Universität geschafft: die Humboldt-Universität Berlin sowie die Unis in Bremen , Dresden , Köln und Tübingen . Hingegen müssen die Hochschulen in Karlsruhe , Göttingen und Freiburg ihren Titel abgeben. Nicht durchsetzen konnten sich außerdem die Universitäten Bochum und Mainz .

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In der zweiten Exzellenzinitiative von Bund und Ländern ging es um die Vergabe von 2,7 Milliarden Euro Forschungsgeld, das die Universitäten bis 2017 zusätzlich erhalten.

Unter den Ergebnissen gibt es einige Überraschungen. Die größte ist, dass die Universität Karlsruhe trotz ihrer viel beachteten Zusammenarbeit mit der außeruniversitären Forschung nicht mehr zu den Elite-Unis zählt. Das ist erstaunlich, weil ursprünglich von zwölf geplanten Elite-Hochschulen die Rede war. Es wäre noch ein Platz frei gewesen.

Überraschungssieger Bremen und Köln

Die wenigsten hatten außerdem damit gerechnet, dass Bremen oder Köln eine Chance bekämen. Bis vor wenigen Jahren galt die Uni Bremen noch als eines der Schlusslichter der deutschen Hochschullandschaft. Und Köln haftet seit Langem der Ruf als überfüllte Massen-Uni an.

Kritiker hatten vorher befürchtet, die neuen Elite-Unis könnten zu großen Teilen aus den alten bestehen. Gezweifelt wurde auch am Auswahlverfahren, das – so die Kritik – eher durch politische Gefälligkeiten als durch wissenschaftliche Kriterien bestimmt wäre. Beides konnte die Jury mit ihrer Entscheidung widerlegen.

Die deutliche Neupositionierung der Exzellenz-Initiative wirft viele Fragen auf. Was wird aus den ehemaligen Elite-Unis? Werden sie zu Förderruinen oder haben sie einen Plan B?

Ob Elite oder nicht: An der Situation der Lehre ändern auch die zusätzlichen Milliarden nichts. Das Geld dient in erster Linie der Forschung. Überfüllte Hörsäle und Betreuungsnotstand werden also auch an Elite-Unis weiter ein Thema sein.
 

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Leserkommentare
  1. ... man schaue sich nur den Alltag an deutschen Universitäten an. Bei der Vergabe des Labels "Eliteuniversität" ist doch der Wunsch Vater des Gedankens. Nennen wir sie "Elite", geben wir ihnen Geld - und dann sind sie es auch.

    Tatsache ist doch: die neuen "Elite"-Universitäten sind, aus der Erfahrung jahre- und jahrzehntelanger Sparpolitik und den resultierenden Verfahren der Geldfreigabe (kompliziert und langwierig), gar nicht in der Lage, den Geldsegen einfach mal so umzusetzen.

    Tatsache ist doch: wo die einen mehr bekommen, erhalten die anderen nichts - oder, um genauer zu sein, weniger. Bei steigenden Studierendenzahlen. Da kann man sich an zwei Fingern abzählen, wie sich das auf die Qualität der "gewöhnlichen" Universitäten auswirkt.

    Augenwischerei: indem man die "Elite" fördert und das Ganze propagandistisch schön präsentiert, vertuscht man den katastrophalen Zustand der restlichen deutschen Hochschullandschaft.

    Aber Gratulation den neuen "Eliteuniversitäten": Inseln der Glückseligen. Aber eben genau das: Inseln.

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    > Tatsache ist doch: wo die einen mehr bekommen, erhalten die anderen nichts - oder, um genauer zu sein, weniger. Bei steigenden Studierendenzahlen. Da kann man sich an zwei Fingern abzählen, wie sich das auf die Qualität der "gewöhnlichen" Universitäten auswirkt.

    Mir scheint es als würden die Exzellenten Unis nur langsamer die Qualität senken als die restlichen. Jetzt wurde zumindest von Tillich in der DNN verkündet, dass die TU mit Siegel nun zumindest von der derzeitigen Runde von Stellenkürzungen verschont bleiben wird.

  2. Da geht die Exzellenzinitiative in die falsche Richtung. Nichts gegen Sozial-, Geistes- und Wirtschaftswissenschaften - ich gehöre selbst dieser Gruppe an. Aber es sind vor allem die Ingenieure und Naturwissenschaftler, die weltweit zum deutschen Erfolg beitragen.

    Es ist nur zu hoffen, dass diese Entscheidung nicht zu sehr von den Motiven der alten politischen Eliten motiviert war.

    Auf ihr Piraten - nun seit ihr gefordert die Informatik zu retten.

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    Eine technische Uni hat (eigentlich) lediglich ein geringeres Lehrangebot,als eine (Voll-)Universität.
    Ihr Schluss leigt daher daneben. In Zeichen von Bologna und dem allgemeinen Marketing-Gau, sagen diese Bezeichnungen nicht mehr viel über die Lehranstalt aus. Mittlerweile nennt sich jede Wald- und Wiesen-FH Hochschule und gelegentlich auch Universität/University.

    Der naturwissenschaftliche Primat ist sehr wohl berücksichtigt, wenn man sich anschaut, welche Exzellenzcluster im Einzelnen bewilligt worden sind. Das sind mehrheitlich naturwissenschaftliche bzw. technologische, mit lediglich zwei oder drei geisteswissenschaftlichen.

  3. haben sich die Befürworter einer Regionalquote durchgesetzt.

    Nichts gegen die Uni Bremen und Entwicklungshilfe für Berlin - aber warum nennt man das Projekt nicht so, wie es heißen müsste: Politisch korrekte Bewertung von Antragspoesie?

    Wo bleibt die Vorstellung der ERGEBNISSE der in der ersten Runde geförderten Projekte?

    Wo bleibt der Vergleich der ERGEBNISSE geförderter und nicht geförderter Projekte?

  4. und morgen ist auch der Name "UNI" nichts mehr Wert.

  5. Nur die UNI erzeugt Eliten und dann muß man darauf antworten
    "Eigenverschulden"!

  6. > Tatsache ist doch: wo die einen mehr bekommen, erhalten die anderen nichts - oder, um genauer zu sein, weniger. Bei steigenden Studierendenzahlen. Da kann man sich an zwei Fingern abzählen, wie sich das auf die Qualität der "gewöhnlichen" Universitäten auswirkt.

    Mir scheint es als würden die Exzellenten Unis nur langsamer die Qualität senken als die restlichen. Jetzt wurde zumindest von Tillich in der DNN verkündet, dass die TU mit Siegel nun zumindest von der derzeitigen Runde von Stellenkürzungen verschont bleiben wird.

  7. ausgegeben um den bachelor einzufuehren, stichwort "vergleichbarkeit", jetzt dsds bei den unis um die gleicheren unter den gleichen zu ermitteln.

    Man sollte UNIs abschaffen; offensichtlich wird auf substantielles kein Wert mehr gelegt stattdessen werden werbestars gesucht.

  8. Eine technische Uni hat (eigentlich) lediglich ein geringeres Lehrangebot,als eine (Voll-)Universität.
    Ihr Schluss leigt daher daneben. In Zeichen von Bologna und dem allgemeinen Marketing-Gau, sagen diese Bezeichnungen nicht mehr viel über die Lehranstalt aus. Mittlerweile nennt sich jede Wald- und Wiesen-FH Hochschule und gelegentlich auch Universität/University.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Hochschule | Forschung | Geld | Universität Karlsruhe | Euro | Bremen
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