Kleinere Hochschulen: Wie Nicht-Eliteunis um Geld und Aufmerksamkeit kämpfen
Im Schatten der Eliteunis: Wie können sich die vielen kleinen und mittleren Hochschulen profilieren, die nicht in der Exzellenzinitiative bedacht wurden?
In der deutschen Wissenschaft ist derzeit viel von Siegern die Rede – von den elf Universitäten, die zu "Exzellenzunis" gekürt wurden, und den 28, die ein Forschungscluster oder eine Graduiertenschule gewinnen konnten. Die meisten gehören zu den großen Unis. Doch wie steht es um die mittleren und kleineren Hochschulen, die nicht bedacht wurden? Drohen sie im Kampf um Ressourcen unterzugehen?
Dass der Drang zur Differenzierung im Hochschulsystem alle betrifft, ist klar, wie der Hochschulforscher Ulrich Teichler (Kassel) sagt: "Der Wettbewerb um Exzellenz zwingt alle Hochschulen in einen Wettbewerb um Auffälligkeit." Teichler sprach am Mittwochabend in der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin bei einer Diskussion, wie sich Hochschulen "jenseits der Exzellenz" profilieren können.
Bei der Exzellenzinitiative geht es um Spitzenforschung. Daneben wäre die Lehre das ideale Feld, um sich hervorzutun. Dennoch würden Universitäten wie Fachhochschulen den Differenzierungsprozess einseitig "als Sortierung des Feldes nach dem Kriterium Forschung" verstehen, kritisierte Thomas May vom Wissenschaftsrat. Unis schielten nach dem Exzellenzlabel, FHs wünschten sich das Promotionsrecht.
Dabei gibt es Gegenbeispiele. Die Leuphana in Lüneburg etwa hat das College eingeführt und sich der Nachhaltigkeit verschrieben. Die "Duale Hochschule" in Baden-Württemberg, wo ein Studium mit einer betrieblichen Ausbildung verbunden ist, zeige, wie gesellschaftliche Herausforderungen zur Profilbildung führen, sagte May. Von einem "Schattendasein" kleinerer Hochschulen könne "keine Rede sein", betonte Ernst-Dieter Rossmann, wissenschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag. Wenn er an Hochschulen in seiner Heimat Schleswig-Holstein wie die Uni Lübeck oder die FH Westküste denke, "stellen die sich alle auf dem Markt gut dar".
Liegt es auch an der Politik, dass Unis sich selten auf die Lehre stürzen? Schließlich ist die Exzellenzinitiative mit mehr Geld dotiert als der Wettbewerb für die Lehre. Für Ulrich Schüller aus dem Forschungsministerium zählt das nicht: Manche Unis bekämen im Lehrwettbewerb mehr als zehn Millionen Euro. Er beobachte, dass "kleine Hochschulen in der Lehre experimentierfreudiger sind". Ulrich Teichler widersprach: Als er an seiner Uni vorgeschlagen habe, sie zur "studierbarsten in Deutschland" zu machen, hätten die Professoren aufgeschrien: "Das stigmatisiert uns in der Forschung!"
Können in Zeiten knapper Kassen und des langfristigen demografischen Wandels Fusionen von Hochschulen weiterhelfen? In Brandenburg versucht Ministerin Sabine Kunst gegen große Widerstände die BTU Cottbus und die FH Lausitz zu vereinen. Für Thomas May ist eine Fusion "nur ein allerletzter Schritt". Er halte Kooperationen für sinnvoller. Kunst kündigte an, der Wissenschaftsrat werde sich demnächst mit der Lausitz befassen.
Der ehemalige Berliner Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner schließlich warnte Hochschulen davor, um jeden Preis nach Alleinstellungsmerkmalen zu suchen. Es gebe "eine Profilierung im Normalen", sagte Zöllner: "Es kann auch ein Profil sein, seinen Job einfach gut zu machen."









Im Rahmen der Hochschullandschaft stellt sich schon die Frage wie eine kleine Universität da bestehen soll. Große naturwissenschaftliche Schwerpunkte lassen sich aufgrund der Größe nicht durchführen, und der daraus resultierende Schwerpunkt auf Sozial- und Geisteswissenschaften bedeutet extrem reduzierte Chancen auf größere Mengen an DFG Mittel und Web Of Science Publikationen. Lüneburg hat das schon ganz clever gemacht: Liberal Arts Profil, extrem viel Marketing, kleinere konzentrierte Forschungsschwerpunkte (Nachhaltigkeit und Kulturwissenschaften).
Und teuer wie oben beschrieben muss das ganze auch nicht sein: für Lüneburg wurde nur die krasse Unterfinanzierung der letzten Jahrzehnte auf das gleiche niedrige Niveau anderer niedersächsischer Hochschulen gesetzt; und das Land Niedersachsen zahlt im Anteil nun wirklich wenig dafür, dass jetzt an einer kleinen Hochschule der bundesweit beachtete Libeskindbau entsteht.
Meiner Meinung nach ist das ein positiver Trend in Deutschland: wenige starke und vorallem große Forschungsunis; und dazu viele kleinere Unis mit klaren Schwerpunkten. Und die Studis können dann entscheiden, ob es der Forschungsschwerpunkt im Studium sein soll (wozu braucht ein Diplom-Kaufmann die x-te VWL Vertiefung?), oder ein anspruchsvolles breites Studium (vielleicht nicht ganz soo breit wie in Lüneburg).
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