RegierungsplanIndiens Studenten erhalten Recht auf gute Lehre

Die indische Regierung will Mindeststandards für Unis einführen. Werden diese nicht eingehalten, sollen Studenten ihre Kritik in einem Internetportal veröffentlichen. von 

Studierende bezahlen Studiengebühren am Balbhim College in Beed rund 350 Kilometer östlich von Mumbai.

Studierende bezahlen Studiengebühren am Balbhim College in Beed rund 350 Kilometer östlich von Mumbai.  |  © Danish Siddiqui/Reuters

Indiens Studenten sollen mehr Rechte an ihren Hochschulen bekommen. So soll ihnen garantiert werden, dass sie aus einer Mindestanzahl an Vorlesungen wählen können und dass ihnen Labore mit bestimmten Qualitätsstandards zugänglich sind. An einem entsprechenden Regelwerk arbeitet derzeit die zuständige Regierungsbehörde, die University Grants Commission. Die Verordnung soll an staatlichen und privaten Hochschulen gleichermaßen gelten.

Festgelegt werden soll auch, dass Bibliotheken genügend Bücher und Lehrmaterialien für Studierende bereitstellen. Auch Ansprüche auf Sportmöglichkeiten und angemessen eingerichtete Studentenwohnheime sollen Eingang in das Regularium finden, berichtet das Online-Magazin University World News .

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Dass Kurse ausfallen, Lehrkräfte ohne Grund fehlen und Toiletten nicht funktionierten, würde von Studierenden momentan als fast normal hingenommen, heißt es in dem Bericht. Das solle sich nun ändern, die Studierenden hätten ein Recht auf eine gute Ausbildung. Die Regierungsbehörde will demnach ein Internetportal einrichten, wo Studierende Mängel an ihren Unis veröffentlichen können.

Über das Portal sollen sich Studierende auch bei der Regierungsbehörde beschweren und Verbesserungen auf ihrem Campus einfordern können. Die Regierung will Hochschulen verpflichten, Seminare anzubieten, in denen sie die Studierenden über ihre Rechte aufklären. Studierendenvertreter hoffen, künftig so auch mehr hochschulpolitisch aktive Kommilitonen gewinnen zu können.

Das Hochschulsystem in Indien ist sehr heterogen. Einige Top-Universitäten bieten durchaus glänzende Bedingungen: die Indian Institutes of Technology (IIT) etwa oder die Nehru-University in Neu-Delhi. Hier bewerben sich oft hunderttausende junge Inder auf einige wenige Studienplätze, an der Nehru-Uni waren es 100.000 auf 2.000 Studienplätze. Der Kampf ums Studium beginnt für Jugendliche in den letzten Schuljahren, wenn sie bis zu 18 Stunden am Tag lernen, um sich für die Abschlussprüfungen und Aufnahmetests vorzubereiten.

Die meisten Studierenden im Bachelor-Bereich lernen allerdings an Colleges, wo die Situation deutlich schlechter ist. Nach Ansicht von Kritikern könnte die Kluft zwischen den großen guten Unis und den Wald-und-Wiesen-Colleges in den nächsten Jahren noch weiter auseinandergehen. Die indische Regierung plant zwar, das Hochschulsystem massiv auszubauen, um mehr jungen Indern eine akademische Ausbildung zu ermöglichen. Doch dieser Ausbau könnte umso mehr zulasten der Qualität der Ausbildung gehen, wird befürchtet – schon allein deswegen, weil es gar nicht genügend qualifizierte Lehrkräfte gibt.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. ...Indien im durchschnittlichen Hochschulbereich auf unseren derzeitigen stand zu bringen. Dazu müsste wohl auch das allgemeine Bildungswesen erst mal reformieren. Es herrscht zwar allgemeine Schulpflicht aber auch nur auf dem papier...ich mag nicht schätzen wieviel 100³ Kinder sklavenarbeit verichten müssen.

    Das größte Problem was Indien hat ist wohl das es an seiner eigenen große scheitern könnte...zumindest in der sozialen Gleichberechtigung----

    ich danke gott oder wem auch immer jeden tag dafür ein Deutscher zu sein... ein Kumpel von mir macht jedes Jahr Urlaub in Goa und erzählte mir von einem gespräch mit einem Inder der ihm folgendes erzählte:

    "I dont understand you Germans, you lost a worldwar close behind one another and you are still the best!"

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    wissen sie eigentlich wie in Indien der Auswahlprozess ist und welche prozentualen Limitierungen es für Angehörige der "höheren" Kasten gibt.
    Wenn sie so etwas in D einführen würden, dann würden sich aber die s.g. Eliten in D so etwas von aufregen.
    Indien sollte mehr in die Ausbildung von Facharbeitern investieren, anstatt Zitat eines Kollegen aus Neu-Dehli "noch mehr Kaffee kochende Sekretäre/Doktoren zu erzeugen", denn dort sind gar nicht genug Stellen für Akademiker vorhanden, etwas das ja auch in D der Fall ist. Und die Mär vom sozialen Aufstieg durch Bildung kann man auch vergessen.
    Mit dieser Recht sind sie übrigens weiter als D, dennn in D herrscht für Profs. die Freiheit der Lehre, ich könnte also als Hydrologe WaWi 101 (aka Grundkurs) damit füllen über das Fließverhalten in Toiletten zu dozieren und niemand kann etwas dagegen tun.

  2. wissen sie eigentlich wie in Indien der Auswahlprozess ist und welche prozentualen Limitierungen es für Angehörige der "höheren" Kasten gibt.
    Wenn sie so etwas in D einführen würden, dann würden sich aber die s.g. Eliten in D so etwas von aufregen.
    Indien sollte mehr in die Ausbildung von Facharbeitern investieren, anstatt Zitat eines Kollegen aus Neu-Dehli "noch mehr Kaffee kochende Sekretäre/Doktoren zu erzeugen", denn dort sind gar nicht genug Stellen für Akademiker vorhanden, etwas das ja auch in D der Fall ist. Und die Mär vom sozialen Aufstieg durch Bildung kann man auch vergessen.
    Mit dieser Recht sind sie übrigens weiter als D, dennn in D herrscht für Profs. die Freiheit der Lehre, ich könnte also als Hydrologe WaWi 101 (aka Grundkurs) damit füllen über das Fließverhalten in Toiletten zu dozieren und niemand kann etwas dagegen tun.

  3. Könnte man bei uns auch mal versuchen.

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  • Schlagworte Recht | Ausbildung | Bibliothek | Internetportal | Jugendliche | Qualität
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