Als Andreas Hartmann die Zusage für sein Promotionsstipendium bekam, erwartete er nicht, dass der damit am Existenzminimum leben würde. "Ich habe mich bewusst für ein Promotionsstipendium entschieden und nicht für eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter, damit ich mich voll auf mein Thema konzentrieren kann", sagt der 32-Jährige. Diese Entscheidung spürt er nun in seinem Geldbeutel.

Wie jeder promovierende Stipendiat bekommt Hartmann 1.050 Euro pro Monat, zuzüglich einer Forschungspauschale in Höhe von 100 Euro. Davon zahlt er 180 Euro für die Krankenversicherung. Vergünstigungen für Doktoranden gibt es bei den Krankenkassen nicht. Denn laut eines Urteils des Bundessozialgerichts gehört die Promotion nicht mehr zur wissenschaftlichen Ausbildung.

Hartmann findet das ungerecht. Seit gut einem Jahr engagiert er sich deshalb in der Promovierenden-Initiative (PI), einem Zusammenschluss von Promotionsstipendiaten der zwölf Förderwerke wie zum Beispiel der Heinrich-Böll-Stiftung oder der Stiftung der Deutschen Wirtschaft. Aktuelles Ziel der Initiative: Ein einheitlicher gesetzlicher Status für Doktoranden wie ihn auch Studenten haben. Den gibt es bislang nämlich nicht. Solch ein Status würde Doktoranden stärkere Mitbestimmungsrechte einräumen – und so die Chancen steigern, Ermäßigungen bei Kranken- und Sozialversicherung durchzubringen.

Mit einem offenen Brief an die Landesregierungen versuchte die Initiative, auf die "prekäre berufliche Situation" von Promovierenden, die nicht an der Universität angestellt sind, aufmerksam zu machen. Im Internet starteten sie eine Petition, um ihre Forderungen zu untermauern. Doch nur gut 4.000 Personen unterstützten die Initiative – eine magere Ausbeute, schließlich gibt es bundesweit rund 200.000 Promovierende.

Der Grund ist offensichtlich: Viele Doktoranden haben einen festen Arbeitsvertrag an einer Universität als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Die Anliegen der Stipendiaten betreffen sie nicht, denn die Promovierenden bekommen ein höheres Gehalt als den Stipendiensatz und sind als Angestellte im sozialen Sicherungssystem integriert.

Promovieren ohne soziale Sicherheit

Das können die Promotionsstipendiaten nicht von sich behaupten: Promovieren wird hinsichtlich des Arbeitslosengeld-Anspruchs nicht als Berufszeit angesehen. Finden Doktoranden nach ihrem Abschluss keine Arbeit, erhalten sie also kein Arbeitslosengeld, sondern müssen direkt Hartz IV beantragen. Das gilt auch, wenn sie vor der Promotionsphase Beiträge in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben.

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte die Stipendiengeber deshalb auf, ihren Doktoranden eine Sozialversicherungszulage zu zahlen, mit der sie die Kranken-, Pflege- und die freiwillige Rentenversicherung finanzieren können. Auf lange Sicht empfiehlt die Gewerkschaft, dass Promovierende an ihrer Uni als wissenschafltiche Mitarbeiter angestellt werden sollten.

Der Trend geht jedoch in eine andere Richtung . Immer mehr Promotionsstellen werden gestrichen und durch externe Doktoranden mit Stipendien ersetzt. "Dieses mag den kurzfristigen Sparzielen der öffentlichen Haushalte entgegen kommen, kann aber den Wissenschaftsstandort auf lange Sicht gefährden", schreibt der Anwalt Cord Würmann in seinem Ratgeber für Promovierende .

Bisher ist es ruhig geblieben um die Forderungen der Stipendiaten. Keine Landesregierung hat auf den offenen Brief der PI reagiert. Auf Anfrage teilt das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Bayern mit, ein eigener Doktoranden-Status widerspreche dem Promotionsrecht der Universitäten: "Ein Eingriff in die Selbstbestimmung der Universitäten in diesem Bereich erscheint weder notwendig noch gut."

Ohne eine größere Zahl an Unterstützern werden die Stipendiaten mit ihren Forderungen weiter ins Leere laufen; solange Promovierende mit festem Arbeitsvertrag nicht für die Anliegen der PI zu begeistern sind, scheint das Vorhaben beinahe aussichtslos. Andreas Hartmann will trotzdem weiter kämpfen: "Es macht doch keinen Sinn, dass die Gesellschaft gute Leute fördern will, und diese mit solchen Unsicherheiten allein lässt."