Wer sich auf den Internetseiten von Hochschulen umsieht, stößt bald auf die "Semestergebühren und -beiträge". Auch dort, wo es gar keine Studiengebühren gibt. Es geht um die Beiträge, die Studierende für Immatrikulation und Rückmeldung, für das Studentenwerk und die Studierendenschaft (Asta oder Referat) zahlen müssen – in Berlin sind das beispielsweise 99,90 Euro. Hinzu kommen in der Hauptstadt 177,60 Euro für das Semesterticket. Insgesamt 277,50 Euro also müssen Studierende hier zweimal jährlich an ihre Hochschule überweisen , erst dann können sie ihr Studium aufnehmen.

Auf ein halbes Jahr gerechnet mögen 200 bis 300 Euro leicht zu verkraften sein, zumal der größte Teil für das gegenüber den normalen Ticketpreisen erheblich verbilligte Semesterticket gezahlt wird. Doch die Semesterbeiträge sind trotzdem umstritten.

Den bundesweit höchsten Betrag müssen Studierende der Universität Hannover überweisen, bevor sie ins Semester starten können. Zu den in Niedersachsen noch immer erhobenen Studiengebühren von 500 Euro kommen insgesamt 300,72 Euro hinzu: 75 Euro für Verwaltungskosten, 65 Euro für das Studentenwerk, 10 Euro für den Asta und 150,72 Euro für das Semesterticket.

"Niedersachsen ist eigentlich der schlechteste Ort, um zu studieren", sagt Amina Yousaf von der Landesastenkonferenz. An den Hochschulen haben die Asten im vergangenen Jahr Unterschriften gegen diese "Bildungsgebühren" gesammelt, im April übergaben sie 15.000 an Wissenschaftsministerin Johanna Wanka ( CDU ). Nach dem Treffen kritisierten die Studierenden, Wanka habe "die bundesweit restriktivsten Bildungsgebühren mit Verwaltungskostenbeitrag, allgemeinen Studiengebühren und Langzeitstudiengebühren" verteidigt und als langfristigen Standortvorteil gepriesen.

Im zweiten deutschen Land, das noch Studiengebühren verlangt, in Bayern , wurden die Verwaltungskostenbeiträge zwei Jahre nach dem Gebührenstart 2009 gestrichen. Die 50 Euro hätte man den Studierenden nicht länger zusätzlich zu den 500 Euro Gebühren zumuten wollen, heißt es an der LMU München. Dass es auch ohne allgemeine Studiengebühren mit niedrigen Verwaltungsgebühren oder ganz ohne geht, zeigen die Unis in Mecklenburg-Vorpommern . In Greifswald zahlt man – neben Beiträgen für die Studentenvertretung und das Studentenwerk – eine Einschreibgebühr von elf Euro oder eine Rückmeldegebühr von sechs Euro. Weitere Gebühren, etwa für Zeugnisse oder Prüfungen, werden einzeln erhoben. Die Universität Rostock erhebt gar keine Verwaltungsgebühren, es sei denn, man meldet sich verspätet zurück.

Wofür aber fließen anderswo Beträge von bis zu 75 Euro, fragen die niedersächsischen Studierenden. Es werde nicht transparent gemacht, "in welchen Kanälen sie landen", sagt Amina Yousaf. Die Landesastenkonferenz gehe davon aus, dass die Verwaltungsgebühren nicht den tatsächlichen Kosten entsprechen, denn die Immatrikulation laufe ebenso online wie etwa Prüfungsanmeldungen.

Grundsätzlich infrage gestellt wurden die Rückmeldegebühren vor knapp zehn Jahren vom Bundesverfassungsgericht. 2003 hatten die Karlsruher Richter den in Baden-Württemberg erhobenen Betrag von 51 Euro für verfassungswidrig erklärt. Tatsächlich entstünden den Hochschulen bei Immatrikulation und Rückmeldung nur Kosten in Höhe von 4,25 Euro. Daraufhin änderten die Länder bundesweit ihre Hochschulgesetze, die Gebühr wird seitdem allgemeiner für den Verwaltungsaufwand bei der Immatrikulation und der Beratung der Studierenden erhoben – und neu begründet. In einer Erklärung zum Hamburgischen Hochschulgesetz von 2005 heißt es etwa, der Beitrag diene damit der "teilweisen Kostendeckung" und einem "Vorteilsausgleich für die potenzielle Inanspruchnahme von Leistungen". Ob die Studierenden Beratungsleistungen tatsächlich in Anspruch nehmen, spiele keine Rolle.