Der Bankkaufmann Marcel Pohl muss die vollen Gebühren für sein Studium bezahlen, obwohl er weniger als die Hälfte der dafür vorgesehenen Zeit benötigt hat. Das entschied das Amtsgericht in Arnsberg am heutigen Mittwoch.

Die Hochschule für Oekonomie & Management (FOM) hatte gegen ihren ehemaligen Studenten geklagt, weil er nach seiner Exmatrikulation aufgehört hatte zu zahlen. Gut 12.000 Euro berechnet die FOM für einen Bachelorstudiengang, knapp 10.000 Euro für einen Masterstudiengang, aufgeteilt in monatliche Raten.

Vor Gericht argumentierte Pohl, durch die Exmatrikulation von der Hochschule würden die Verträge gekündigt. Damit sei er nicht mehr verpflichtet, die Gebühren zu bezahlen. Darüber hinaus habe er durch die kurze Studienzeit nicht alle Leistungen in Anspruch genommen. Da ein Studienabbrecher vorzeitig kündigen könne, müsse ihm das gleiche Recht bei einem vorzeitigen Abschluss zustehen.

Das Gericht entschied gegen ihn. "Die Parteien haben gerade keine Semestergebühren vereinbart, sondern einen verbindlichen Gesamtpreis, der in monatlichen Raten gezahlt werden sollte", hieß es in der Begründung des Urteils. Es komme nicht entscheidend darauf an, ob der Student alle Leistungen der Fachhochschule in Anspruch genommen habe.

Pohls Anwalt erwägt Berufung

Auch dass Pohl seinen Vertrag vorzeitig kündigte, ließ der Richter nicht gelten. Eine vorzeitige Beendigung des Vertrags sei gar nicht möglich gewesen, weil die Fachhochschule durch den Studienabschluss ihre Verpflichtungen erfüllt habe. Mit der Situation eines Studienabbrechers sei der Fall nicht vergleichbar, weil dieser "nicht alle für einen Abschluss notwendigen Leistungen der Fachhochschule in Anspruch genommen" habe.

Pohls Anwalt bleibt anderer Meinung. "Abbrechen ist okay, aber abkürzen nicht – das ist für mich ein unvereinbarer Widerspruch", sagte der Jurist nach Urteilsverkündung. "Der Vertrag hat ein Kündigungsrecht, und von dem hat mein Mandant Gebrauch gemacht." Pohl und sein Anwalt überlegen nun, gegen das Urteil Berufung einzulegen.

"Wir hatten noch nie einen Studenten, der den Vertrag anders interpretiert hat", hält der Rektor der FOM, Burghard Hermeier, dagegen. "Bei aller Sympathie für Ehrgeizige und Schnellstudenten bin ich froh über das Urteil, weil es vermeidet, dass wir unsere Studiengebühren neu kalkulieren müssen."

Aus Sicht der Hochschule sind die Kosten eines Studiums größenteils nicht zeitabhängig. "Die außergewöhnlichen Bedingungen, die wir mittels der Gebühren schaffen, haben es Herrn Pohl überhaupt erst möglich gemacht, so schnell zu studieren", sagt Hermeier.

Pohl hatte in lediglich vier Semestern Bachelor und Master an der FOM abgelegt. Dabei half ihm der Umstand, dass seine Hochschule über 22 Standorte in ganz Deutschland verfügt; zur richtigen Zeit am richtigen Ort, war es fast immer möglich, einen bestimmten Kurs zu besuchen. Zudem studierte er mit zwei Kommilitonen im Team. Parallel besuchten sie unterschiedliche Veranstaltungen und tauschten sich anschließend über die Inhalte aus.