Florian Mockel wurde nicht verschont. Während seines Bewerbungsinterviews in Oxford fragte ihn der Prüfer, wie er einem Außerirdischen Politik erklären würde und wozu der Mensch sie überhaupt bräuchte. "Da musste ich schon tief schlucken und erst mal länger überlegen, wie ich darauf antworten soll", sagt der 22-Jährige.

Dann legte er los, erklärte, dass Menschen in Gruppen zusammenleben und sich organisieren müssten und kam schließlich bei den heutigen politischen Systemen an. In diesem Moment hatte er keinen blassen Schimmer, ob die Prüfer das hören wollten. Umso erleichterter war Mockel, als er schließlich angenommen wurde.

Damit gehört er zu den rund 20 Prozent, die das Aufnahmeverfahren überstehen. Der Weg dahin ist steinig: Wer mit seinen Schulnoten überzeugt, ein Empfehlungsschreiben vorweisen kann, seine Motivation schlüssig begründet und einen schriftlichen Test besteht, hat die größte Hürde immer noch vor sich: das Bewerbungsinterview.

Sagen, was man denkt

Das weiß auch John Fardon. Der Buchautor hat das Bewerbungsverfahren an der Universität Cambridge erfolgreich durchlaufen. Gerade ist sein Buch Halten Sie sich für schlau? auf Deutsch erschienen, eine Sammlung skurriler Testfragen der englischen Elite-Unis.

"Welche Bücher sind schlecht für Sie?", "Wie würden Sie das Gewicht Ihres eigenen Kopfes messen?" oder "Was würde passieren, wenn man ein Loch quer durch die Erde bohrte und dann hineinspränge?" Insgesamt 60 solcher Fragen führt Fardon auf. Zu jeder hat er eine Musterlösung verfasst.

Die Frage "Halten Sie sich für schlau?" etwa sollte man Fardon zufolge weder mit Ja noch mit Nein antworten, sondern mit "Ich bin so schlau, wie sie mich haben wollen" und dies wiederum mit Witz und Originalität begründen. Das Wichtigste: Nicht die Antwort sei das Ziel, sondern der Weg, der Gedankengang. "Man darf nicht den Fehler machen und still vor sich her grübeln. Die Tutoren wollen die Gedankengänge hören und wissen, wie man auf eine Antwort kommt", rät auch Florian Mockel.

Hartmut Mayer, Professor für Politik, Philosophie und Volkswirtschaft an der Uni Oxford, ist seit 15 Jahren einer der berüchtigten Prüfer. "Wir testen die Kandidaten auf ihre Spontanität, Kreativität und darauf, dass sie unter Druck konstruktive Problemlösungen hervorbringen können", sagt der Professor, der ursprünglich aus Deutschland stammt.