Englische Elite-UnisHalten Sie sich für schlau?

Die englischen Elite-Unis sind berüchtigt für ihre kniffligen Aufnahmetests. Skurrile Interviewfragen bringen sogar Musterschüler ins Schwitzen. Von Dominic Graf von Dominic Graf

Florian Mockel wurde nicht verschont. Während seines Bewerbungsinterviews in Oxford fragte ihn der Prüfer, wie er einem Außerirdischen Politik erklären würde und wozu der Mensch sie überhaupt bräuchte. "Da musste ich schon tief schlucken und erst mal länger überlegen, wie ich darauf antworten soll", sagt der 22-Jährige.

Dann legte er los, erklärte, dass Menschen in Gruppen zusammenleben und sich organisieren müssten und kam schließlich bei den heutigen politischen Systemen an. In diesem Moment hatte er keinen blassen Schimmer, ob die Prüfer das hören wollten. Umso erleichterter war Mockel, als er schließlich angenommen wurde.

Damit gehört er zu den rund 20 Prozent, die das Aufnahmeverfahren überstehen. Der Weg dahin ist steinig: Wer mit seinen Schulnoten überzeugt, ein Empfehlungsschreiben vorweisen kann, seine Motivation schlüssig begründet und einen schriftlichen Test besteht, hat die größte Hürde immer noch vor sich: das Bewerbungsinterview.

Sagen, was man denkt

Das weiß auch John Fardon. Der Buchautor hat das Bewerbungsverfahren an der Universität Cambridge erfolgreich durchlaufen. Gerade ist sein Buch Halten Sie sich für schlau? auf Deutsch erschienen, eine Sammlung skurriler Testfragen der englischen Elite-Unis.

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"Welche Bücher sind schlecht für Sie?", "Wie würden Sie das Gewicht Ihres eigenen Kopfes messen?" oder "Was würde passieren, wenn man ein Loch quer durch die Erde bohrte und dann hineinspränge?" Insgesamt 60 solcher Fragen führt Fardon auf. Zu jeder hat er eine Musterlösung verfasst.

Die Frage "Halten Sie sich für schlau?" etwa sollte man Fardon zufolge weder mit Ja noch mit Nein antworten, sondern mit "Ich bin so schlau, wie sie mich haben wollen" und dies wiederum mit Witz und Originalität begründen. Das Wichtigste: Nicht die Antwort sei das Ziel, sondern der Weg, der Gedankengang. "Man darf nicht den Fehler machen und still vor sich her grübeln. Die Tutoren wollen die Gedankengänge hören und wissen, wie man auf eine Antwort kommt", rät auch Florian Mockel.

Hartmut Mayer, Professor für Politik, Philosophie und Volkswirtschaft an der Uni Oxford, ist seit 15 Jahren einer der berüchtigten Prüfer. "Wir testen die Kandidaten auf ihre Spontanität, Kreativität und darauf, dass sie unter Druck konstruktive Problemlösungen hervorbringen können", sagt der Professor, der ursprünglich aus Deutschland stammt.

Leserkommentare
  1. Es muss ja nicht unbedingt genauso aussehen, aber statt der bloßen Fixierung auf Schulnoten (NC) wünsche ich mir auch für Deutschland ein breiter gefächertes Zulassungssystem.

    Wurde über UCAS an einer schottischen Uni angenommen (Psychologie) und dadurch einige Vor- wie auch Nachteile des Britischen Bewerbungssystems kennengelernt. Auf Empfehlungsschreiben (stets subjektive Lobhudelei) von Lehrern kann man gut verzichten, aber Aufnahmetests wie der TMS in BaWü und der HamNat in Hamburg für Medizin und/oder Interviews (natürlich nicht immer so rigoros wie in Oxnridge) wären meines Erachtens eine gute Methode das wahre Potential und Interesse von Bewerbern zu erkennen.

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    • Mike M.
    • 10. August 2012 14:52 Uhr

    Der Satz: "Denn mittlerweile gäbe es Kandidaten von englischen Privatschulen, die ein ganzes Jahr lang auf die Interviews vorbereitet werden und problemlos mit dem Überraschungsmoment umgehen könnten." sagt schon alles.

    Was eine Verschwendung von Ressourcen, wenn jemand ein Jahr bei privaten Anbietern für den Aufnahmetest büffelt und dabei viel unsinniges Wissen aufhäuft, um allein den Test zu bestehen. Danach sind dann nur drei Jahre Zeit für das eigentliche Studium. Da sich die Universtitäten ungern die Blöße geben, sie hätten die Falschen ausgewählt, fällt dann auch kaum noch einer durch. So kommen leute wie George W. B. zu Abschlüssen von angeblichen Eliteunis.

    Weder Aufnahmetests noch der NC sind sonderlich aussagekräftig. Die stärkste Korrelation gibt es dennoch zwischen der Abiturnote und der Abschlussnote. Besser mehr aufnehmen, dann ein paar Leute am Anfang rausprüfen als der Aufnahmetestzirkus nach angloamerikanischem und französichem Vorbild.

    Landebahn und Startbahn sind ja auch ein und dasselbe

  2. Ich kann mir vorstellen, dass viele Kommentatoren gut abschneiden würden, in einem solchen Test. Aus dem einfachen Grund heraus, mit Schreiben und Reagieren auf Inhalten vertraut zu sein. So lassen sich schneller Worte finden und Sätze formulieren - die Gedankengänge dahinter, sind z.b. bei der Frage "Außerirdischen Politik erklären" zweitranging und mMn eher leicht zu lösen - sofern man keine Probleme damit hat, Antworten zu formulieren.
    Doch das alles sagt nichts über technische Fähigkeiten, Intelligenz oder Strebsamkeit aus, viel eher etwas über Eloquenz und Kreativität. Letzteres braucht man nur auf Kunstschulen und gnaz sicher nicht Elite-Universitäten.

    Für mich ist das ganze nur symbolhaft für die Planlosigkeit bei Bewerbungsverfahren seitens der Universitäten. Es ist halt doch nicht so einfach geeignete Studenten zu finden; und wer lässt schon einen Bewerber, der möglicherweise durch Beziehungen reinkommen sollte, durchfallen, nur weil er Mathe, Physik, usw. nicht versteht. Nein, bei einer kreativen Schreiberei, kann man nicht nachvollziehbar Bewerber aufnehmen - oder auch nicht. Dass das mit fairen Maßstäben abläuft, bezweifle ich.

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    »Doch das alles sagt nichts über technische Fähigkeiten, Intelligenz oder Strebsamkeit aus, viel eher etwas über Eloquenz und Kreativität. Letzteres braucht man nur auf Kunstschulen und gnaz sicher nicht Elite-Universitäten.«

    Soso, Kreativität ist also nur an Kunsthochschulen von Nöten. Ihr Weltbild weist ebenjenes Defizit auf, welches Armin Nassehi in seinem Kommentar für die gedruckte Ausgabe der Zeit, der vergangenen Woche so treffend formuliert hat: es mangelt an einer Zentralperspektive.

    Wie sie allerdings selbst richtig angemerkt haben, sagt die Fähigkeit zum kreativen Denken nichts über technische Kompetenzen aus; jedoch ist sie Grundvoraussetzung, um erlernte technischen Kompetenzen sinnvoll einzusetzen… und zwar in einem ganzheitlichen Zusammenhang.

    Würden die sogennanten Elite-Universitäten keinen Wert auf kreatives Denken legen, so wäre es ihnen vollkommen unmöglich relevante Denker (ungeachtet der jeweiligen Fachdisziplin) zu formen.

    • Mike M.
    • 10. August 2012 14:52 Uhr

    Der Satz: "Denn mittlerweile gäbe es Kandidaten von englischen Privatschulen, die ein ganzes Jahr lang auf die Interviews vorbereitet werden und problemlos mit dem Überraschungsmoment umgehen könnten." sagt schon alles.

    Was eine Verschwendung von Ressourcen, wenn jemand ein Jahr bei privaten Anbietern für den Aufnahmetest büffelt und dabei viel unsinniges Wissen aufhäuft, um allein den Test zu bestehen. Danach sind dann nur drei Jahre Zeit für das eigentliche Studium. Da sich die Universtitäten ungern die Blöße geben, sie hätten die Falschen ausgewählt, fällt dann auch kaum noch einer durch. So kommen leute wie George W. B. zu Abschlüssen von angeblichen Eliteunis.

    Weder Aufnahmetests noch der NC sind sonderlich aussagekräftig. Die stärkste Korrelation gibt es dennoch zwischen der Abiturnote und der Abschlussnote. Besser mehr aufnehmen, dann ein paar Leute am Anfang rausprüfen als der Aufnahmetestzirkus nach angloamerikanischem und französichem Vorbild.

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  3. Am fairsten wäre es kein Aufnahmeverfahren zu haben, dafür aber im Studium das Niveau hoch zu halten, dann kommen hauptsächlich die Motivierten und Leistungsbereiten durch.

    In meinem Technikstudium sind die Anforderungen an die Leistungsbereitschaft im Prinzip die einzige Aufnahmehürde. Beginnen kann jeder, dabei bleiben nur die, die sich das wirklich antun wollen. Am Ende zählt dann nur mehr der Abschluss. Die Studiendauer ist hingegen ein weniger geeigneter Maßstab, denn einer der es sich finanziell leisten kann länger zu Studieren und damit das Studienleben auszukosten (Auslandssemester, -jahr) braucht eben länger als solche die außer studieren sonst nichts anderes machen.

    Ein Studium darf schwer sein, denn die Uni ist kein Dienstleister bei dem man einen Abschluss und einen Titel erwirbt. An der Uni bekommt man die Gelegenheit und die Unterstützung sich einen Abschluss zu ERARBEITEN. Zumindest sollte das so sein.

    Wenn in Massenfächern über Überfüllung geklagt wird, dann muss man sich die Frage stellen ob das Fach zu leicht ist, weil es alle studieren wollen oder ob der Staat (meist der Geldgeber der Unis) dieses Fach nicht genügend wertschätzt.

    Mein Rat an die Unis die zu viele Studenten haben (was ich für ein Luxusproblem halte) wäre, Niveau raufschrauben, aber bitte nicht mit sinnlosen Knock-Out Prüfungen. Man kann ein Studium anspruchsvoll machen, ohne den Studis sinnloses Wissen abzufordern. (Z.B. könnten die Wirtschaftler mehr über Mathematik lernen).

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    und wurde bei den technischen Studiengängen schon immer so gemacht.
    Erst mal trauen sich nicht so viele. Einen MINT-Abschluss kann man nicht herbeidiskutieren. Die holde Weiblichkeit beklagt sich gerne über Benachteiligung aber bleibt dann doch lieber bei Anglistik, Slavistik und Sozialwissenschaften.
    Damit hat man aber im Vorstand von BMW nichts zu suchen. Daran kann auch eine Quote nichts ändern.

    Die ganzen hochgelobten Elite-Hochschulen in Frankreich und UK bleiben auch den Nachweis ihrer Wirkung schuldig.
    Weder technisch noch wirtschaftlich können sowohl GB als auch F mit Deutschland mithalten. Immerhin war auch Herr Hollande auf eine Kaderschmiede. Oh weh.

  4. »Doch das alles sagt nichts über technische Fähigkeiten, Intelligenz oder Strebsamkeit aus, viel eher etwas über Eloquenz und Kreativität. Letzteres braucht man nur auf Kunstschulen und gnaz sicher nicht Elite-Universitäten.«

    Soso, Kreativität ist also nur an Kunsthochschulen von Nöten. Ihr Weltbild weist ebenjenes Defizit auf, welches Armin Nassehi in seinem Kommentar für die gedruckte Ausgabe der Zeit, der vergangenen Woche so treffend formuliert hat: es mangelt an einer Zentralperspektive.

    Wie sie allerdings selbst richtig angemerkt haben, sagt die Fähigkeit zum kreativen Denken nichts über technische Kompetenzen aus; jedoch ist sie Grundvoraussetzung, um erlernte technischen Kompetenzen sinnvoll einzusetzen… und zwar in einem ganzheitlichen Zusammenhang.

    Würden die sogennanten Elite-Universitäten keinen Wert auf kreatives Denken legen, so wäre es ihnen vollkommen unmöglich relevante Denker (ungeachtet der jeweiligen Fachdisziplin) zu formen.

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    • eeee
    • 10. August 2012 15:40 Uhr

    denen kein Gedanke zu voreilig ist, um ihn auszusprechen, haben klar die Schnauze vorn. Müssen sie ja später auch können, denn schließlich kommt es in der Wissenschaft auf den Output an.

  5. Die beschriebenen Tests können nur in ihrem Kontext wirklich eingeordnet werden. "Freiheitsfreund" hat nur eingeschränkt recht; in der Tat sind die Tests in vieler Hinsicht eine Form von Parteinahme. Bloss funktioniert letztere in GB vor allen Dingen im Hinblick auf die 'skills' die den Absolventen der sogenannten 'Public Schools' (die ja ironischerweise die Privatschulen sind) am ehesten entgegen kommen. Die 'Debattierklubs', in welchen dort die "zukünftige Elite" einen stark ritualisierten Nonkonformismus einstudiert, sind in vieler Hinsicht die Kaderschmiede fuer die Schlagfertigkeitsanwaerter, die den beschriebenen Uni-Tests mit entsprechender Starthilfe gegenueber treten. Das trifft sowohl fuer naturwissenschaftlich, als auch geisteswissenschaftlich disponierte Kandidaten zu.
    Das herrliche ( im Sinne auch des herrschaftlichen) an dieser Kiste ist, dass es diejenigen, die trotz ihres Mangels an einem solchen Bildungsvorsprungs durch Einuebung im Aufnahmeverfahren das erwartete 'intellektuelle Stehvermögen" simulieren können, durchkommen können. Damit ist dann dem Anschein der meritokratischer Ausrichtung Genüge getan. So lässt sich die Klassengesellschaft im Bildungswesen unter dem Deckmantel der Inklusion dann in Eliteunis bequem replizieren. Naja.

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  6. Landebahn und Startbahn sind ja auch ein und dasselbe

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  • Schlagworte Buch | Gedicht | Privatschule | Test | Volkswirtschaft | Manchester
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