Studenten demonstrieren gegen Bologna-Reform © Arnd Wiegmann/Reuters

Zehn Jahre nach dem Start des Bologna-Prozesses sehen die Direktoren der deutschen Hochschulen schwere Mängel in der Reform: Die Mobilität der Studenten sei eingeschränkt, die Studienzeiten seien verkürzt.

Das neue System mache es den Studenten nicht leichter, ins Ausland zu gehen, sagte Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), der Süddeutschen Zeitung . "Dieses Versprechen ist nicht wirklich erfüllt worden."

Hippler rückt damit von Bildungsministerin Annette Schavan ( CDU ) ab, die das Bologna-Abkommen als Beispiel für eine europäische Erfolgsgeschichte gelobt hatte, weil es auch die Mobilität der Studierenden gefördert habe.

Mehr internationale Mobilität ist ein Kernanliegen der Reform. Ein Punktesystem für die neuen Studiengänge Bachelor und Master sollte Leistungen vergleichbar machen und den Wechsel vereinfachen. Auslandsaufenthalte seien aber nach wie vor schwierig, sagte Hippler. Nur jeder fünfte Bachelor-Student einer Universität gehe laut Statistik für ein Semester ins Ausland – die Macher der Reform hatten sich mehr versprochen.

Zehnjähriges Jubiläum - Ist die Bologna-Reform ein europäischer Erfolg? Jan-Martin Wiarda kommentiert Ist die Bologna-Reform zehn Jahre nach ihrem Start in Deutschland eine "europäische Erfolgsgeschichte", wie Bildungsministerin Anette Schavan sie jüngst bezeichnete? Jan-Martin Wiarda, Redakteur ZEIT-Chancen, über die Bildungsreform.

Der HRK-Präsident sprach sich für eine Verbesserung des Systems aus: "Vor allem brauchen wir wieder ein Studieren in unterschiedlichen Geschwindigkeiten, abseits der starren Vorschriften der Regelstudienzeit." Wer neben dem Beruf studiere, Kinder habe oder Angehörige pflege, könne das Studium in sechs Semestern nicht leisten.

Eine Universität müsse mehr leisten als Ausbildung, nämlich Bildung und das tue sie mit dem Bachelor nicht, sagte Hippler weiter. Dass dieser Ansatz falsch sei, habe inzwischen auch die Wirtschaft erkannt: "Die Unternehmen brauchen Persönlichkeiten, nicht nur Absolventen." Der "Jugendwahn" sei an dieser Stelle vorbei.

Im Mai dieses Jahres hatte Hippler nach seiner Wahl als HRK-Präsident bereits angekündigt, er wolle mit dem ewigen Harmoniegetue Schluss machen .

2009 demonstrierten Studenten bundesweit für Reformen. Sie kritisierten unter anderem den Leistungsdruck und überfrachtete Studienpläne, die mit der Bologna-Reform einher gegangen waren. Seit zehn Jahren gelten Bachelor und Master als gleichberechtigte Abschlüsse in Deutschland. Die Einführung der Bachelor- und Master-Studiengänge geht auf die im Jahr 1999 unterzeichnete Bologna-Erklärung zurück. Darin verständigten sich europäische Staaten, einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum zu schaffen.