Plagiate und Spickzettel Studie offenbart Schummel-Kultur an deutschen Unis
Spicken, plagiieren, fälschen: Eine Studie erhebt erstmals Daten zum Schummeln im Studium. Danach täuschen vier von fünf Studenten. Fast nie fliegt der Schwindel auf.
Schummeln gehört an der Uni zum Alltag. Der Spickzettel unter der Sitzbank, die Hausarbeit aus dem Internet oder der Laborbericht, in dem die Messergebnisse ein klein wenig aussagekräftiger gemacht wurden, als es das Experiment hergibt – sie alle sind keine Einzelfälle an deutschen Universitäten. Das zeigt eine neue Studie, die erstmals empirische Daten zum Schummeln unter mehreren Tausend Studenten und Dozenten erhoben hat und vorab exklusiv ZEIT CAMPUS vorliegt.
Das Ergebnis: 79 Prozent aller Studenten haben innerhalb eines Semesters mindestens einmal geschummelt, knapp jeder fünfte hat mindestens ein Plagiat abgegeben. Erwischt wird kaum jemand: 94 Prozent der Plagiatoren bleiben unentdeckt, trotz der Aufregung über die Doktorarbeiten des früheren Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg oder der Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin.
Die Fairuse-Studie wurde von Soziologen der Universität Bielefeld und der Universität Würzburg im Auftrag des Bundesbildungsministeriums durchgeführt. Die Wissenschaftler fragten bewusst nicht nur nach Plagiaten, sondern auch nach anderen Verstößen gegen die Prüfungsordnung. "So wie in den Medien über studentischen Betrug diskutiert wird, sind die Naturwissenschaften fein raus", sagt Sebastian Sattler, Projektleiter der Studie. "Über das Fälschen und Erfinden von Messergebnissen redet niemand. Dabei betrifft es etwa ein Drittel aller Naturwissenschaftler und Mediziner." Zudem schreiben 37 Prozent aller befragten Studenten in Klausuren vom Nachbarn ab, bei den Medizinern sind es sogar zwei Drittel.
Zufriedene Studenten schummeln seltener als unzufriedene
Ein herausragendes Schummelfach gibt es laut der Fairuse-Studie allerdings nicht. Ob und auf welche Art geschummelt wird, hängt vor allem von der Art der Prüfung ab – und davon, wie die befragten Studenten mit ihrem Studium zurechtkommen. Zufriedene Studenten schummeln demnach seltener als unzufriedene. Zum Täuschen neigt dagegen eher, wer gestresst ist, starken Konkurrenzdruck empfindet oder mit Prüfungsangst kämpft. Das gilt für alle Arten des Schummelns und für alle Fächer. Und auch diejenigen, die sich mit ihrem Fach und dessen Methoden auskennen, sind ehrlicher.
Damit bestätigt die Studie, was Experten schon länger vermutet haben. "Im Bereich Prävention und Methodenlehre gibt es in Deutschland noch Verbesserungspotenzial, das muss sich durchs ganze Studium ziehen", sagte der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Prof. Dr. Wolfgang Marquardt, schon vor Bekanntwerden der Ergebnisse ZEIT CAMPUS.
Studienleiter Sebastian Sattler sieht zudem die Dozenten in der Pflicht. Diese beschränken sich laut der Ergebnisse der Fairuse-Studie oft auf ein Minimum an Prävention. Nur ein kleiner Teil derjenigen, die an ihrer Universität Zugang zu einer Plagiatssoftware haben, nutzen diese auch. Und nicht mal jeder vierte befragte Hochschullehrer gibt Sätze aus Hausarbeiten stichprobenartig bei Google oder anderen Suchmaschinen ein.
Professoren in der Pflicht
Zwar sagten fast alle, sie achteten bei Klausuren darauf, dass ihre Studenten weit auseinander säßen und keine Smartphones dabei hätten. Aber nur eine Minderheit verteilt unterschiedliche Klausurversionen, in denen die Fragen anders sortiert sind, um das Abschauen zu erschweren. Das liegt neben dem Zeitmangel der Dozenten laut Sattler auch daran, dass viele einen Generalverdacht ihren Studenten gegenüber vermeiden wollen, um das Lehrklima zu schonen.
Der Soziologe warnt davor, das Schummeln an deutschen Universitäten kleinzureden, auch wenn ein hastiger Blick auf die Klausur des Nachbars eine andere Qualität habe, als ein wochenlang ausgetüfteltes Plagiat. "Es wird viel Geld in die Bildung investiert – wenn Leute betrügen, ist das eine Fehlinvestition", sagt Sattler. "Zudem sollen an der Uni nicht nur Stoffe, sondern auch Werte vermittelt werden. Nicht zufällig gibt es in vielen Berufen Probleme mit Korruption, Diebstahl am Arbeitsplatz oder unzuverlässiger Zeitabrechnung. Das verursacht einen volkswirtschaftlichen Schaden. Und irgendwo fängt die Bereitschaft zu betrügen an."
Zwischen 2009 und 2012 haben Sattler und seine Kollegen in mehreren Erhebungswellen zwischen 2.000 und 6.000 Studenten sowie rund 1.400 Dozenten anonym befragt. Ihre wichtigsten Ergebnisse werden in der neuen Ausgabe von ZEIT CAMPUS abgedruckt, eine vollständige Publikation der Studie ist für September 2012 geplant.
- Datum 13.08.2012 - 10:29 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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....dass sie erst jetzt gemacht wird. Das Ergebnis entspricht der Beobachtung jeder Schülergeneration, mit der man darüber spricht.
eher interessieren, ob die Zahlen in der Studie auch richtig sind, oder ob da einer einfach einen Skandal sucht. Muss man sich anhand der Ergebnisse schon fragen.
Vielleicht liegt der Fehler auch nicht bei den Studenten. Die meisten Prüfungen an Unis sind sowas von überzogen, dass zum Lernen für das reale Berufsleben später kaum Zeit bleibt, weil man stupide irgendwelche Dinge auswendig lernen muss, die weder anwendungsbezogen noch nützlich sind.
eher interessieren, ob die Zahlen in der Studie auch richtig sind, oder ob da einer einfach einen Skandal sucht. Muss man sich anhand der Ergebnisse schon fragen.
Vielleicht liegt der Fehler auch nicht bei den Studenten. Die meisten Prüfungen an Unis sind sowas von überzogen, dass zum Lernen für das reale Berufsleben später kaum Zeit bleibt, weil man stupide irgendwelche Dinge auswendig lernen muss, die weder anwendungsbezogen noch nützlich sind.
Aus erster Hand musste ich erfahren, dass die Schummler noch dazu diejenigen sind, die die heißbegehrtesten Stipendien und erhalten.
Mein Sohn und ich sind uns dennoch einig, dass ehrlich erreichte Ziele die wertvolleren sind, auch wenn er mittlerweile glaubt, dass er ein Außenseiter wegen seines Nichtschummelns ist.
....das Honor System und Studenten wurden kaum beaufsichtigt. Als einer der Kennedy Brüder dennoch seine Prüfung schreiben ließ, wurde er der Schuld verwiesen.
Wenn populäre Politiker in ihrer Doktorarbeit in einem anspruchsvollen Fach praktisch ganze Bücher abschreiben und diese auch noch mit "summa cum laude" durchgewunken wird und dann nicht einmal eine wirkliche Strafe zu befürchten haben, ist es doch klar, dass sich die Studenten fragen, warum sie das nicht auch tun sollten. Genau genommen ist es ja nicht mal unmoralisch, denn unser lieber Guttenberg wurde ja von praktisch alles einflußreichen Medien verteidigt á la "der hat doch nur ein bisschen abgeschrieben. Wer hat denn noch nie mal abgeschrieben? Der arme Mann wird sooo gejagt und hat sich dabei noch nichts zu schulden kommen lassen." Gerade als Jurist sollte Guttenberg es besser wissen...
Wenn er wenigstens politisch abgesägt wäre. Aber das ist er ja nicht. Er wird ein paar Jahre in der EU geparkt und wird dann wie der Heiland persönlich zurückkehren in die Arme seiner Schäfchen...
So einer soll ein Vorbild sein? Lächerlich, echt lächerlich.
Warum sollte ich also nicht schummeln. Gibt ja ohnehin keine Konsequenzen und wenn es schon hohe Würdeträger tun dürfen, darf ich das wohl auch.
....das Honor System und Studenten wurden kaum beaufsichtigt. Als einer der Kennedy Brüder dennoch seine Prüfung schreiben ließ, wurde er der Schuld verwiesen.
Wenn populäre Politiker in ihrer Doktorarbeit in einem anspruchsvollen Fach praktisch ganze Bücher abschreiben und diese auch noch mit "summa cum laude" durchgewunken wird und dann nicht einmal eine wirkliche Strafe zu befürchten haben, ist es doch klar, dass sich die Studenten fragen, warum sie das nicht auch tun sollten. Genau genommen ist es ja nicht mal unmoralisch, denn unser lieber Guttenberg wurde ja von praktisch alles einflußreichen Medien verteidigt á la "der hat doch nur ein bisschen abgeschrieben. Wer hat denn noch nie mal abgeschrieben? Der arme Mann wird sooo gejagt und hat sich dabei noch nichts zu schulden kommen lassen." Gerade als Jurist sollte Guttenberg es besser wissen...
Wenn er wenigstens politisch abgesägt wäre. Aber das ist er ja nicht. Er wird ein paar Jahre in der EU geparkt und wird dann wie der Heiland persönlich zurückkehren in die Arme seiner Schäfchen...
So einer soll ein Vorbild sein? Lächerlich, echt lächerlich.
Warum sollte ich also nicht schummeln. Gibt ja ohnehin keine Konsequenzen und wenn es schon hohe Würdeträger tun dürfen, darf ich das wohl auch.
""Im Bereich Prävention und Methodenlehre gibt es in Deutschland noch Verbesserungspotenzial, das muss sich durchs ganze Studium ziehen""
Dazu gehört eben nun einmal üben, üben, üben. Das Erlernen wissenschaftlicher Methodik ist allerdings seit Umsetzung der Bologna extrem unchic geworden. Das Ziel der "Vergleichbarkeit" von Leistungen an Hand vorgegebener "Standards" kann nur über Klausuren erreicht werden. Bei Hausarbeiten und Referatsausarbeitungen geht das nicht - die mit dem Vergleich der Leistungen der Studenten beauftragten Betriebs- und Verwaltungswirte in den Hochschulverwaltungen wären damit vollkommen überfordert.
Bologna hat das deutsche Universitätswesen kaputt gemacht.
"Bologna hat das deutsche Universitätswesen kaputt gemacht."
... aber ohne große Not hat dieser Wahn, alles Globalisieren und Internationalisieren zu wollen, die starken Wurzeln deutscher Bildungstradtion (im hochschulischen Bereich) beschädigt. Um so bedauerlicher, als dass dies eine der wenigen Errungenschaften nationalen Ausmaßes waren.
Hingegen gilt es in einigen Generationen noch immer als extrem chic, bei jeder Gelegenheit gegen Bologna zu wettern. Plagiiert haben die Studierenden auch bereits vor Bologna, nicht nur das: dumm plagiiert haben auch Magister und Diplomanden! Pröpädeutika wurden weit vor Bologna abgeschafft: Wie wissenschaftliches Arbeiten funktioniert, wie richtig zitiert und bibliographiert wird, durfte ich mir vor zehn Jahren während meines Grundstudiums selbst aneignen.
Ich lehre selbst an der Universität und kann getrost behaupten, dass das einzige, was den Studierenden heute wie damals vollständig abgeht ist die Fähigkeit und der Wille, sich selbständig, also informell, bestimmte Kenntnisse und Kompetenzen anzueignen.
Was sich allerdings - um adäquat auf Ihre Behauptung, Bologna sei Schuld, einzugehen - geändert hat: Es werden an allen Instituten und Fachbereichen, aber auch fächerübergreifend, zunehmend Tutorien und Mentorien angeboten, in denen Kompetenzen wissenschaftlichen Arbeitens vermittelt werden, in denen gelehrt wird, wie und wo man recherchieren kann, welche Zitierweisen es gibt, wie wissenschaftliche Arbeiten zu verfassen sind etc.pp.
Ich möchte Sie an den Qualitätspakt für die Lehre erinnern...
Bologna immerzu als Sündenbock für alles zu nominieren ist zwar bequem, aber weiß Gott nicht zeitgemäß.
Ich habe als studierendes Mitglied im Fachbereichsrat sitzen dürfen just zu jener Zeit, als die Umstrukturierung vonstatten ging: Wenn etwas das Universitätswesen kaputt gemacht hat, dann die ewig Gestrigen. Das sich nicht einlassen Wollen auf die neuen Strukturen, das nicht Erkennen der neuen Möglichkeiten, das ewige Gezicke und Gezanke der Lehrstühle, das noch immer mit Wonne praktiziert wird. Worum wird denn gefürchtet? Die Denker sind nicht weniger geworden, zumindest nicht in den Geisteswissenschaften.
Was hingegen bei dem Blockade-Gebaren gelitten hat ist tatsächlich die Studienstruktur an vielen Universitäten; Viele Studiengänge kochen regional, wenn nicht universitär ihr eigenes Süppchen, man mag das Gefühl bekommen, beinahe in beleidigter Manier. Gemeinsam wäre Bologna auch kurzfristig zum Erfolg geworden. So wie es jetzt läuft, wird es längerfristig zum Erfolg, denn in Bologna sieht meine Generation viele Chancen und zeitgemäße Neuerungen, die nun aber erst einmal etabliert werden müssen.
Und noch etwas: Die neueren Studierendengenerationen leben schon jetzt mit Bologna und kennen das Studieren überhaupt nicht mehr anders: Warum wird immer noch daran gerührt? Warum werden sie immer noch gegen BaMa aufgestachelt? Vielleicht ist es an der Zeit, das Alte einmal loszulassen. Das haben wir bei der Rechtschreibreform geschafft, das sollte auch bei Bologna funktionieren. BaMa bleibt. Daran wird auch das destruktive Gezicke dagegen nichts mehr ändern.
Das ist, glaube ich, zu einfach. Man kann Bologna zwar für sinnlos halten, aber die Qualität der Lehre hängt doch davon ab, was der Dozent erzählt und macht. Wie man die Prüfungsaufsicht organisiert und wie man Hausarbeiten benotet wird durch Bologna auch nicht vorgeschrieben. Problematischer ist da eher, dass Studenten Internetzugang haben. Nach meiner Kenntnis wurd das Internet aber nicht durch die Bolognaprozesse eingeführt.
"Bologna hat das deutsche Universitätswesen kaputt gemacht."
... aber ohne große Not hat dieser Wahn, alles Globalisieren und Internationalisieren zu wollen, die starken Wurzeln deutscher Bildungstradtion (im hochschulischen Bereich) beschädigt. Um so bedauerlicher, als dass dies eine der wenigen Errungenschaften nationalen Ausmaßes waren.
Hingegen gilt es in einigen Generationen noch immer als extrem chic, bei jeder Gelegenheit gegen Bologna zu wettern. Plagiiert haben die Studierenden auch bereits vor Bologna, nicht nur das: dumm plagiiert haben auch Magister und Diplomanden! Pröpädeutika wurden weit vor Bologna abgeschafft: Wie wissenschaftliches Arbeiten funktioniert, wie richtig zitiert und bibliographiert wird, durfte ich mir vor zehn Jahren während meines Grundstudiums selbst aneignen.
Ich lehre selbst an der Universität und kann getrost behaupten, dass das einzige, was den Studierenden heute wie damals vollständig abgeht ist die Fähigkeit und der Wille, sich selbständig, also informell, bestimmte Kenntnisse und Kompetenzen anzueignen.
Was sich allerdings - um adäquat auf Ihre Behauptung, Bologna sei Schuld, einzugehen - geändert hat: Es werden an allen Instituten und Fachbereichen, aber auch fächerübergreifend, zunehmend Tutorien und Mentorien angeboten, in denen Kompetenzen wissenschaftlichen Arbeitens vermittelt werden, in denen gelehrt wird, wie und wo man recherchieren kann, welche Zitierweisen es gibt, wie wissenschaftliche Arbeiten zu verfassen sind etc.pp.
Ich möchte Sie an den Qualitätspakt für die Lehre erinnern...
Bologna immerzu als Sündenbock für alles zu nominieren ist zwar bequem, aber weiß Gott nicht zeitgemäß.
Ich habe als studierendes Mitglied im Fachbereichsrat sitzen dürfen just zu jener Zeit, als die Umstrukturierung vonstatten ging: Wenn etwas das Universitätswesen kaputt gemacht hat, dann die ewig Gestrigen. Das sich nicht einlassen Wollen auf die neuen Strukturen, das nicht Erkennen der neuen Möglichkeiten, das ewige Gezicke und Gezanke der Lehrstühle, das noch immer mit Wonne praktiziert wird. Worum wird denn gefürchtet? Die Denker sind nicht weniger geworden, zumindest nicht in den Geisteswissenschaften.
Was hingegen bei dem Blockade-Gebaren gelitten hat ist tatsächlich die Studienstruktur an vielen Universitäten; Viele Studiengänge kochen regional, wenn nicht universitär ihr eigenes Süppchen, man mag das Gefühl bekommen, beinahe in beleidigter Manier. Gemeinsam wäre Bologna auch kurzfristig zum Erfolg geworden. So wie es jetzt läuft, wird es längerfristig zum Erfolg, denn in Bologna sieht meine Generation viele Chancen und zeitgemäße Neuerungen, die nun aber erst einmal etabliert werden müssen.
Und noch etwas: Die neueren Studierendengenerationen leben schon jetzt mit Bologna und kennen das Studieren überhaupt nicht mehr anders: Warum wird immer noch daran gerührt? Warum werden sie immer noch gegen BaMa aufgestachelt? Vielleicht ist es an der Zeit, das Alte einmal loszulassen. Das haben wir bei der Rechtschreibreform geschafft, das sollte auch bei Bologna funktionieren. BaMa bleibt. Daran wird auch das destruktive Gezicke dagegen nichts mehr ändern.
Das ist, glaube ich, zu einfach. Man kann Bologna zwar für sinnlos halten, aber die Qualität der Lehre hängt doch davon ab, was der Dozent erzählt und macht. Wie man die Prüfungsaufsicht organisiert und wie man Hausarbeiten benotet wird durch Bologna auch nicht vorgeschrieben. Problematischer ist da eher, dass Studenten Internetzugang haben. Nach meiner Kenntnis wurd das Internet aber nicht durch die Bolognaprozesse eingeführt.
Die Schummelei ist egal. Wer gar nichts kann, dem hilft auch Schummeln nicht. Die Anforderungen des Lebens allerdings fordert und die Bewältigung zeigt die Qualität. Auch wenn man sich diesen Anforderungen, z.B. durch Ausweichen in die Politik, entziehen kann.
Ich gebe Ihnen Recht, ein notorischer Schummler wird nach der Uni schnell merken, was er sich selber angetan hat.
Allerdings kann es sein, dass der Schummler durch geschicktes Abschreiben und andere Mogelleien bessere Noten bekommt und insgesamt vermeindlich besser da steht, als ein ehrlicher Student. Und dann zum Auswahlgespräch für ein Stipendium eingeladen wird (zugegeben ein krasser Fall, hier mal zur Verdeutlichung meines Arguments), zu dem der fachlich bessere ehrliche Student nicht geladen ist.
So gesehen ist Schummelei nicht ganz egal. Aber Sie haben schon Recht, es sind meistens nicht die besten Noten, die erschummelt werden, sondern eher das Bestehen.
Ich gebe Ihnen Recht, ein notorischer Schummler wird nach der Uni schnell merken, was er sich selber angetan hat.
Allerdings kann es sein, dass der Schummler durch geschicktes Abschreiben und andere Mogelleien bessere Noten bekommt und insgesamt vermeindlich besser da steht, als ein ehrlicher Student. Und dann zum Auswahlgespräch für ein Stipendium eingeladen wird (zugegeben ein krasser Fall, hier mal zur Verdeutlichung meines Arguments), zu dem der fachlich bessere ehrliche Student nicht geladen ist.
So gesehen ist Schummelei nicht ganz egal. Aber Sie haben schon Recht, es sind meistens nicht die besten Noten, die erschummelt werden, sondern eher das Bestehen.
"Bologna hat das deutsche Universitätswesen kaputt gemacht."
... aber ohne große Not hat dieser Wahn, alles Globalisieren und Internationalisieren zu wollen, die starken Wurzeln deutscher Bildungstradtion (im hochschulischen Bereich) beschädigt. Um so bedauerlicher, als dass dies eine der wenigen Errungenschaften nationalen Ausmaßes waren.
Beim Schummeln an der Uni sollte man aber gaaaanz vorsichtig sein. Denn je nach Uni kann so ein kleiner Spickzettel nicht nur eine 5,0 bedeuten, sondern auch die Exmatrikulation. Oder, auch schon gesehen: alle Noten aus dem laufenden Semester werden für ungültig erklärt.
Bei solchen Konsequenzen kann ich nicht verstehen, wie man für ein paar Formeln sein Studium aufs Spiel zu setzen kann.
In den Naturwissenschaften sind die Klausuren so schwer, dass ein paar Formeln nichts bringen sondern man muss ein Verständnis für die Fachbereiche mitbringen.
Bei den Geisteswissenschaften werden für eine Klausur oft alle Texte+Vorlesungen des Semesters abgefragt, wie man da in irgendeiner Form schummeln soll ist mir ebenso wie bei den Sprachklausuren nicht verständlich, weil es zuviel Stoff ist.
Mir kommt es sehr suspekt vor wie man in solchen Klausuren überhaupt schummeln kann...
Das ist keine Sache der Machbarkeit (Überprüfung durch Dozenten in der Klausur = so gut wie 0!), sondern eine Sache der simplen praktischen Umsetzung eines Spickzettels!
In den Naturwissenschaften sind die Klausuren so schwer, dass ein paar Formeln nichts bringen sondern man muss ein Verständnis für die Fachbereiche mitbringen.
Bei den Geisteswissenschaften werden für eine Klausur oft alle Texte+Vorlesungen des Semesters abgefragt, wie man da in irgendeiner Form schummeln soll ist mir ebenso wie bei den Sprachklausuren nicht verständlich, weil es zuviel Stoff ist.
Mir kommt es sehr suspekt vor wie man in solchen Klausuren überhaupt schummeln kann...
Das ist keine Sache der Machbarkeit (Überprüfung durch Dozenten in der Klausur = so gut wie 0!), sondern eine Sache der simplen praktischen Umsetzung eines Spickzettels!
Beispiel Laborpraktikum im Physik BSc.:
Messergebnisse des Vormittags werden in einem Protokoll ausgewertet, spaeter praesentiert und abgegeben.
Jeder weiss, welche Werte herauskommen sollten und welche Fehler realistisch sind. Um das Experiment nicht wiederholen zu muessen und so wertvolle Zeit zur Vorbereitung nach der Praktikums-Pfuefung zu verlieren, ist es einfach, die Werte etwas zu "korrigieren" und so unbedarftes Experimentieren zu verschleiern.
Die Praxis war in meinem Jahrgang schon ein wenig verbreitet, natuerlich nur bei denen, die nicht auch so ein reibungslosen Experiment hatten.
das bitte mit einem Augenzwinkern lesen:
Wer die direkten Messergebnisse eines einigermaßen komplexen Versuchs fälschen kann, ohne dass es aufällt, hat mehr vom Thema verstanden, als jemand, der einfach die Anleitung abarbeitet und Glück beim Messen hat.
"Die Praxis war in meinem Jahrgang schon ein wenig verbreitet, natuerlich nur bei denen, die nicht auch so ein reibungslosen Experiment hatten."
Nun ja, das eine bedingt das andere. Wie sollen Betreuer merken, dass ein Versuch aus dem Ruder läuft wenn die Messwerte "angepasst" werden. Wenn alle Gruppen eines Experiments Schotter messen, dann wüsste man, das was im Busch ist.
Im Physikgrundlagenpraktikum ist es uns einmal so ergangen, da bekamen wir eine 3 testiert, weil unsere Messungen so schlecht waren. Auf den Gedanken, dass alle anderen Messungen seit Jahren aus alten Meistern abgeschrieben waren sind die Betreuer nicht gekommen. Dazu müsste man einfach ALLE Messungen protokollieren, dann würde man das sehen. Na ja, komische Welt.
> Beispiel Laborpraktikum im Physik BSc.
Bei uns wurde alles (zwar entgegen der Studienordnung, aber Ok) in einem Rutsch gemacht, allerdings ohne Präsentation aber natürlich mit Schlussfolgerungen und Diskussion, Benotung vor Ort.
Das schließt zwar "gezieltes Falschablesen" der Werte nicht aus, dennoch konnte man auch noch eine gute Note bekommen, wenn man gut erläutern konnte, was an den Werten nicht stimmt und wo mögliche Fehlerquellen gewesen sind, wo Probleme auftauchten und was man besser machen könnte etc.pp.
Das war allerdings noch im Diplomstudiengang, da musste man effektiv nur bestehen und durfte noch Fehler machen. Ich finde, das gehört zur Wissenschaft dazu.
Ich betreue Physikpraktika in einem Bsc. Studiengang. Wenn jemand nicht die Messwerte bekommt, die er bekommen sollte, in der Auswertung aber genau erläutert wo der Fehler lag und was hätte herauskommen sollen, muss niemand den Versuch wiederholen...
Was ich aber gut nachvollziehen kann und auch selbst schon gemacht habe: Messwerte die offensichtlich nicht in die Messreihe passen und falsch sind gar nicht erst notieren
das bitte mit einem Augenzwinkern lesen:
Wer die direkten Messergebnisse eines einigermaßen komplexen Versuchs fälschen kann, ohne dass es aufällt, hat mehr vom Thema verstanden, als jemand, der einfach die Anleitung abarbeitet und Glück beim Messen hat.
"Die Praxis war in meinem Jahrgang schon ein wenig verbreitet, natuerlich nur bei denen, die nicht auch so ein reibungslosen Experiment hatten."
Nun ja, das eine bedingt das andere. Wie sollen Betreuer merken, dass ein Versuch aus dem Ruder läuft wenn die Messwerte "angepasst" werden. Wenn alle Gruppen eines Experiments Schotter messen, dann wüsste man, das was im Busch ist.
Im Physikgrundlagenpraktikum ist es uns einmal so ergangen, da bekamen wir eine 3 testiert, weil unsere Messungen so schlecht waren. Auf den Gedanken, dass alle anderen Messungen seit Jahren aus alten Meistern abgeschrieben waren sind die Betreuer nicht gekommen. Dazu müsste man einfach ALLE Messungen protokollieren, dann würde man das sehen. Na ja, komische Welt.
> Beispiel Laborpraktikum im Physik BSc.
Bei uns wurde alles (zwar entgegen der Studienordnung, aber Ok) in einem Rutsch gemacht, allerdings ohne Präsentation aber natürlich mit Schlussfolgerungen und Diskussion, Benotung vor Ort.
Das schließt zwar "gezieltes Falschablesen" der Werte nicht aus, dennoch konnte man auch noch eine gute Note bekommen, wenn man gut erläutern konnte, was an den Werten nicht stimmt und wo mögliche Fehlerquellen gewesen sind, wo Probleme auftauchten und was man besser machen könnte etc.pp.
Das war allerdings noch im Diplomstudiengang, da musste man effektiv nur bestehen und durfte noch Fehler machen. Ich finde, das gehört zur Wissenschaft dazu.
Ich betreue Physikpraktika in einem Bsc. Studiengang. Wenn jemand nicht die Messwerte bekommt, die er bekommen sollte, in der Auswertung aber genau erläutert wo der Fehler lag und was hätte herauskommen sollen, muss niemand den Versuch wiederholen...
Was ich aber gut nachvollziehen kann und auch selbst schon gemacht habe: Messwerte die offensichtlich nicht in die Messreihe passen und falsch sind gar nicht erst notieren
ist dieses System fest verwurzelt.
Meine Erfahrung mit Noten und mit den "Besten" an der Uni, ist jene, dass es keine eindeutige Korrelation zwischen Noten und Leistung in der Arbeitswelt gibt!
Jene mit den besten Noten, sind meist gut angepasste, brave Mitarbeiter ohne nennenswerte Qualitäten (weder Spitze noch Niete), aber unter den Erfolgreichen im Beruf (wenn man nach Karrierestufe + Einkommen geht), sind meist Typen, die im Studium nur mittelmäßige Noten hatten.
Andere Qualitäten wie EQ, Teamfähigkeit, soziale Kompetenz, Cleverness, analytisches/innovatives Denken, Logik, Rhetorik - werden meist woanders gelernt.
Das ist zumindest meine Erfahrung von Uni + Beruf.
...
"Jene mit den besten Noten, sind meist gut angepasste, brave Mitarbeiter ohne nennenswerte Qualitäten (weder Spitze noch Niete), aber unter den Erfolgreichen im Beruf (wenn man nach Karrierestufe + Einkommen geht), sind meist Typen, die im Studium nur mittelmäßige Noten hatten."
Abgesehen davon, dass Sie für diese immer wieder gerne vorgebrachte Behauptung sicherlich keinen Beleg haben - nur weil jemand sehr gute Noten hat, ist er noch lange nicht automatisch ein braver angepasster Streber. Und umgekehrt haben viele Bewerber mit schlechten Noten auch schlechtere Jobaussichten - weil sie gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden.
Es kann auch gerade Unangepasstheit und Unbravheit sein, die zu guten Noten führt - wer Inhalte auch mal hinterfragt und dieses fundiert tun möchte, muss sich mit der Materie mehr als nötig (im Sinne des Bestehens) befassen. Umgekehrt lernen die braven Streber immer genau soviel, wie es nötig ist, und schauen nicht auch mal über den Tellerrand.
Das ist jetzt auch nur eine unbewiesene Hypothese, entspricht aber eher meinen Erfahrungen aus Studium & Beruf.
zuviel kontrolle und normierung führt lediglich dazu, dass nur noch angepasste profillose artige menschen von der uni kommen, die es nicht wagen, aus regelungen auszubrechen, auch wenns mal nötig ist.
"Meine Erfahrung mit Noten und mit den "Besten" an der Uni, ist jene, dass es keine eindeutige Korrelation zwischen Noten und Leistung in der Arbeitswelt gibt!"
Können Sie das belegen? Da Sie von Ihren Erfahrungen sprechen, können Sie das wahrscheinlich nicht. Ich möchte nicht behaupten, dass Ihre Erfahrungen nicht korrekt sind. Aber die Stichprobe ist wohl zu klein, um das zu generalisieren.
"Jene mit den besten Noten, sind meist gut angepasste, brave Mitarbeiter ohne nennenswerte Qualitäten"
Woher wollen Sie das wissen? Vielleicht sind es einfach nur ehrgeizige Menschen oder Studenten, die ein wahres Interesse an ihrem Studienfach mitbringen.
Eine gewisse Teilmenge der Studenten mit guten Noten entpricht allerdings wahrscheinlich Ihrem Klischee. Deshalb gebe ich Ihnen schon Recht damit, dass man Noten nicht überbewerten sollte. Aber das zu pauschalisieren, wäre unfair gegenüber nicht hyperangepassten Studenten.
"Andere Qualitäten wie EQ, Teamfähigkeit, soziale Kompetenz, Cleverness, analytisches/innovatives Denken, Logik, Rhetorik - werden meist woanders gelernt."
Ja, da haben Sie auch Recht. Ich hoffe nur, dass Ihre Aussage nicht implizieren soll, dass diese Fähigkeiten nur weniger leistungsstarke Studenten mitbringen.
witzig - ich habe die Erfahrung gemacht, dass die gut angepassten im Beruf am schnellsten voran kommen. Diejenigen, die schon im Studium gut waren ecken häufiger an und kommen daher oft nur langsam voran. Wo arbeiten Sie denn?
"Jene mit den besten Noten, sind meist gut angepasste, brave Mitarbeiter ohne nennenswerte Qualitäten (weder Spitze noch Niete), aber unter den Erfolgreichen im Beruf (wenn man nach Karrierestufe + Einkommen geht), sind meist Typen, die im Studium nur mittelmäßige Noten hatten."
Abgesehen davon, dass Sie für diese immer wieder gerne vorgebrachte Behauptung sicherlich keinen Beleg haben - nur weil jemand sehr gute Noten hat, ist er noch lange nicht automatisch ein braver angepasster Streber. Und umgekehrt haben viele Bewerber mit schlechten Noten auch schlechtere Jobaussichten - weil sie gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden.
Es kann auch gerade Unangepasstheit und Unbravheit sein, die zu guten Noten führt - wer Inhalte auch mal hinterfragt und dieses fundiert tun möchte, muss sich mit der Materie mehr als nötig (im Sinne des Bestehens) befassen. Umgekehrt lernen die braven Streber immer genau soviel, wie es nötig ist, und schauen nicht auch mal über den Tellerrand.
Das ist jetzt auch nur eine unbewiesene Hypothese, entspricht aber eher meinen Erfahrungen aus Studium & Beruf.
zuviel kontrolle und normierung führt lediglich dazu, dass nur noch angepasste profillose artige menschen von der uni kommen, die es nicht wagen, aus regelungen auszubrechen, auch wenns mal nötig ist.
"Meine Erfahrung mit Noten und mit den "Besten" an der Uni, ist jene, dass es keine eindeutige Korrelation zwischen Noten und Leistung in der Arbeitswelt gibt!"
Können Sie das belegen? Da Sie von Ihren Erfahrungen sprechen, können Sie das wahrscheinlich nicht. Ich möchte nicht behaupten, dass Ihre Erfahrungen nicht korrekt sind. Aber die Stichprobe ist wohl zu klein, um das zu generalisieren.
"Jene mit den besten Noten, sind meist gut angepasste, brave Mitarbeiter ohne nennenswerte Qualitäten"
Woher wollen Sie das wissen? Vielleicht sind es einfach nur ehrgeizige Menschen oder Studenten, die ein wahres Interesse an ihrem Studienfach mitbringen.
Eine gewisse Teilmenge der Studenten mit guten Noten entpricht allerdings wahrscheinlich Ihrem Klischee. Deshalb gebe ich Ihnen schon Recht damit, dass man Noten nicht überbewerten sollte. Aber das zu pauschalisieren, wäre unfair gegenüber nicht hyperangepassten Studenten.
"Andere Qualitäten wie EQ, Teamfähigkeit, soziale Kompetenz, Cleverness, analytisches/innovatives Denken, Logik, Rhetorik - werden meist woanders gelernt."
Ja, da haben Sie auch Recht. Ich hoffe nur, dass Ihre Aussage nicht implizieren soll, dass diese Fähigkeiten nur weniger leistungsstarke Studenten mitbringen.
witzig - ich habe die Erfahrung gemacht, dass die gut angepassten im Beruf am schnellsten voran kommen. Diejenigen, die schon im Studium gut waren ecken häufiger an und kommen daher oft nur langsam voran. Wo arbeiten Sie denn?
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren