Syrische Regierungstruppen haben Yasmins* Heimatstadt Homs in Schutt und Asche gelegt. Zwar lebt die Ingenieur-Studentin in Aachen, doch den Bürgerkrieg in ihrer Heimat bekommt sie auch in Deutschland zu spüren.

Wie viele andere syrische Studenten plagen Yasmin* seit Beginn des Aufstands vor mehr als einem Jahr Geldsorgen, weil Überweisungen von zu Hause nicht ankommen oder die Verwandten nicht mehr arbeiten gehen können. "Selbst Grundstücke zu verkaufen, um die letzten Reserven in Anspruch zu nehmen, können Sie unter diesen Umständen vergessen", sagt Yasmin.

In der Not bietet die Uni Aachen einem halben Dutzend Studenten seit dem Frühjahr wissenschaftsnahe Jobs von sechs bis acht Stunden pro Woche. "Ich bin froh und dankbar, dass der Uni-Kanzler uns mit Hilfskraft-Stellen finanziell unterstützt", sagt Yasmin. Das Geld dafür hat die Hochschulleitung spontan bereitgestellt. "Wir wollten damit unseren syrischen Studenten, insgesamt rund fünfzig, ein deutlich sichtbares Zeichen der Solidarität geben", sagt Heide Naderer, die Leiterin des International Office.

Kostenlose Coupons für die Mensa

Auch das Studentenwerk gibt etwas dazu und teilt – zumindest für einige Monate – kostenlose Coupons für die Mensa aus. "Bedürftige können ferner auf einen Hilfsfonds aus den Einschreib- und Rückmeldegebühren zurückgreifen", sagt Onur Ogül, der Sozialreferent des Aachener AStA. "Da sind für jeden bis zu 1.200 Euro im Jahr drin." Auch die kirchlichen Studentengemeinden haben Hilfsprogramme aufgelegt.

Zur Zeit studieren deutschlandweit etwas mehr 2.000 Syrer. Sie sind regional breit gestreut, die RWTH Aachen liegt mit fünfzig Gaststudenten deutlich über dem Durchschnitt. Schon wegen der durchweg kleineren Zahlen gibt es an anderen Hochschulen keine so außergewöhnlichen Hilfsinitiativen wie etwa für Yasmin und ihre Landsleute.

An der Ludwig-Maximilians-Universität München beispielsweise ist laut einer Sprecherin bislang noch kein Problemfall aufgetaucht. Für den Fall, dass jemand in Not gerät, gewährt die Uni Ausländern aus Krisengebieten eine Nothilfe von rund 500 Euro und das Studentenwerk Mietstundung im Wohnheim.

Nicht alle geraten in finanzielle Schwierigkeiten

Für Friederike Kreft vom amtlichen Netzwerk Ausländerstudium in Frankfurt ist Syrien eine Problemregion neben vielen anderen. "Wir helfen hier genauso mit Rat und Spendengeldern wie bei Notfällen im Zuge der Aufstände in Tunesien oder Ägypten oder anderer Krisen in Afrika ."

Ob die gesetzlich vorgeschriebenen Barreserven ausländischer Studierender auf einem Sperrkonto wirklich vorhanden sind, überprüft die staatliche Ausländerbehörde gegenwärtig bewusst nicht. Der Bundesverband ausländischer Studierender fordert sogar die generelle Abschaffung der Vorschrift. Außerdem dürfen alle Studenten mit fremdem Pass im Jahr 120 Tage für den Lebensunterhalt dazuverdienen.

Doch nicht alle syrischen Studenten sind im Zuge des Bürgerkriegs in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Die Uni Aachen hatte alle fünfzig Syrer angeschrieben, ob sie Hilfe benötigen, aber nicht mehr als zehn haben überhaupt reagiert. Ein Grund dafür könnte sein, dass etwa Stipendiaten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes ( DAAD ) weiter ihr Geld bekommen. Wenn Stipendiaten der syrischen Regierung von der Botschaft keine Hilfe mehr bekommen, springt der DAAD mit Sondermitteln des Auswärtigen Amtes in Berlin ein. Ansonsten haben gerade ältere Studenten und Doktoranden oft auch Mitarbeiterstellen an ihrem Uni-Institut.

*Name geändert