AufnahmeprüfungBewerber wollen wegen Frauenvorteil Uni in Wien verklagen

Der Medizin-Aufnahmetest der Hochschule stuft Frauen höher ein als Männer – bei gleicher Leistung. Abgelehnte Testteilnehmer wollen sich das nicht bieten lassen.

Wer dieses Jahr den Eignungstest der Medizinischen Universität Wien bestehen wollte, musste knobeln, kombinieren – und am besten eine Frau sein. Die Hochschule bewertete die Ergebnisse weiblicher Teilnehmer automatisch höher als die männlicher. Der Grund: In den vergangenen Jahren hatten stets mehr Männer den Test bestanden, obwohl sich mehr Frauen beworben hatten. Das fanden die Verantwortlichen an der Universität ungerecht.

Kurzerhand bekamen alle weiblichen Bewerber einen kleinen Vorteil. Am Ende waren manche Frauen höher platziert als ihre männlichen Mitbewerber, obwohl sie weniger Punkte erreicht hatten. Letztlich wurden 56 Prozent  Frauen und 44 Prozent Männer zugelassen. 2011 hatten es nur 43 Prozent der weiblichen Bewerberinnen geschafft.

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Mehrere abgelehnte Bewerber wollen sich das nicht bieten lassen. Österreichische Medien berichten, dass einige Testteilnehmer eine Sammelklage gegen das Ergebnis einreichen wollen. "Ich fühle mich von der Universität betrogen", zitiert das österreichische Blatt Kurier einen männlichen Bewerber, der sich an der Klage beteiligen will. Ihm gehe es nicht um sexistische Hetze, sondern um Gerechtigkeit: "Nur weil ich ein X-Chromosom zu wenig habe, darf ich nicht Medizin studieren."

Inzwischen sieht die Uni Nachbesserungsbedarf

Ob eine Klage Erfolg hätte, darüber sind sich Rechtsexperten uneinig. Laut dem Verfassungsjuristen Heinz Mayer hätte eine Klage gute Chancen. Dem Kurier sagte er: "Ich halte es für bedenklich, Frauen und Männer unterschiedlich zu bewerten. Im Studium und später als Ärzte müssen beide die gleiche Leistung bringen, daher muss auch die Leistung des Eignungstests gleich bewertet werden."

Der Verfassungsjurist Theo Öhlinger sieht das anders. Dem Standard sagte er, er halte eine Klage für "nicht aussichtsreich, weil eine gewisse Berücksichtigung von Benachteiligungen zulässig ist." Prinzipiell gäbe es in der österreichischen Bundesverfassung eine Ermächtigung zur aktiven Förderung von benachteiligten Gruppen, auch Frauen. "Der Gesetzgeber hat hier Spielraum." Natürlich müssten die Maßnahmen "sachlich sein, nicht willkürlich".

Die Medizinische Universität Wien ist sich sicher, dass ihre Maßnahmen auch vor Gericht Bestand haben: "Die genderspezifische Auswertung war unsere Lösung, um dem bestehenden Gender-Gap entgegenzuwirken", sagte Universitätssprecher Klaus Dietl. Das habe sich die Hochschule auch rechtlich absichern lassen.

Dennoch soll nun nachgebessert werden. "Das Ziel der Uni ist es, ein faires Verfahren zu entwickeln", sagt Dietl. Ab 2013 solle in Wien, Graz und Innsbruck ein neuer Test eingeführt werden, der keinen mehr benachteilige.

Beim genannten Test handelt es sich um das Aufnahmeverfahren an der Medizinischen Universität Wien, die eine eigenständige Universität ist und mit der Uni Wien nicht verbunden ist. Dies wurde in einer vorherigen Version des Artikels nicht richtig dargestellt und ist nun korrigiert. Die Redaktion.

 
Leserkommentare
  1. Nein, Frauen sind nicht weniger intelligent als Männer. Dennoch gibt es in gewissen Teilbereichen Unterschiede. Im Aufnahmeverfahren für Medizin wird unter anderem das räumliche Vorstellungsvermögen getestet, worin Männer gegenüber Frauen Vorteile haben. Testdimensionen wie verbale Intelligenz, in denen Frauen oft geringfügig besser als Männer abschneiden, werden in dem Verfahren nicht abgefragt.
    Ich sehe hier jedoch keine Diskriminierung von Frauen, da räumliches Vorstellungsvermögen für Mediziner nun einmal wesentlich wichtiger sein dürfte als verbales Verständnis.
    Dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird, finde ich nicht nur gegenüber den Männern unfair, die wegen ihres Geschlechts keinen Studienplatz bekommen. Den Frauen wird auch signalisiert, dass sie als "schwaches Geschlecht" keine Chance hätten, durch ein faires Zulassungsverfahren an einen Studienplatz zu gelangen. Auch werden die angehenden Ärztinnen auf Grund der Quotenregelung wahrscheinlich nicht mehr ernst genommen.
    So gesehen, wirkt sich der Auswahlmodus für beide Geschlechter nachteilig aus.

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    • Tom S.
    • 07.08.2012 um 22:05 Uhr

    Da kann ich nur zustimmen. Das Männer und Frauen in manchen Dingen (im Durchschnitt) unterschiedlich begabt sind, daran kann eigentlich niemand ernsthaft zweifeln.

    Ein gut ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen bei einem Chirurgen ist mir deutlich lieber, als die Fähigkeit mir danach gut zu erklären warum ich fortan mit Folgeschäden weiterleben muss.

    • Tom S.
    • 07.08.2012 um 22:05 Uhr

    Da kann ich nur zustimmen. Das Männer und Frauen in manchen Dingen (im Durchschnitt) unterschiedlich begabt sind, daran kann eigentlich niemand ernsthaft zweifeln.

    Ein gut ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen bei einem Chirurgen ist mir deutlich lieber, als die Fähigkeit mir danach gut zu erklären warum ich fortan mit Folgeschäden weiterleben muss.

  2. ...da wurde mir anderes gelehrt ! Mir wurde immer gesagt, dass Frauen eh alles besser können ! Bin aus der Schweiz. Vielleicht ist es auch so?
    Mittlerweile kann ich es akzeptieren, dass Männer (angeblich) dümmer als Frauen sind. Dieses Prüfungsverfahren ist der beste Beweis! War sicherlich auch ein Mann dabei der dies entschieden hat - wollte aber sicherlich nicht negativ auffallen und kein Geschrei...Der Mann muss ja eh nichts können...vor 10000 Jahren früher musste er nur Fleisch nach Hause bringen (jagen). Dafür brauchts kein Hirn.
    Eines konnte mir bis jetzt niemand beantworten:
    Weshalb haben Frauen bis jetzt nichts ERFUNDEN?

  3. (1) Alle Staatsbürger sind vor dem Gesetz gleich. Vorrechte der Geburt, des Geschlechtes, des Standes, der Klasse und des Bekenntnisses sind ausgeschlossen. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Die Republik (Bund, Länder und Gemeinden) bekennt sich dazu, die Gleichbehandlung von behinderten und nichtbehinderten Menschen in allen Bereichen des täglichen Lebens zu gewährleisten.
    (2) Bund, Länder und Gemeinden bekennen sich zur tatsächlichen Gleichstellung von Mann und Frau. Maßnahmen zur Förderung der faktischen Gleichstellung von Frauen und Männern insbesondere durch Beseitigung tatsächlich bestehender Ungleichheiten sind zulässig....

    Was folgt daraus ? Lieber nochmal in Deutschland zum Arzt, bevor man nach Österreich fährt.

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    • Mabus
    • 08.08.2012 um 9:30 Uhr

    "[...]
    Was folgt daraus ? Lieber nochmal in Deutschland zum Arzt, bevor man nach Österreich fährt."

    Sehr geehrter Mitforist!

    Bei der von Ihnen angegeben Vorgangsweise wäre ich vorsichtig, da einige deutsche Studierende nach Wien auch zum Medizinstudium ziehen (Stichwort: Numerus-clausus-Flüchtlinge, wie sie hier auch liebevoll über einen kamm geschoren genannt werden). Da Deutsche statistisch gesehen auch besser abschneiden sah man sich gar gezwungen, eine Quotenregelung gemäß Staatsbürgerschaft einzuführen, damit der Ärztenachwuchs und Bedarf nach selbigem in Österreich gedeckt werden kann.

    Zu einem anderen Thema: In Österreich klagt man, man verklagt nicht. Die Medizinische Fakultät der Universität Wien wäre dementsprechend hier die beklagte Partei.

    Ad Artikelthema: Eine erschreckende, wenn auch absehbare Entwicklung.

    • Mabus
    • 08.08.2012 um 9:30 Uhr

    "[...]
    Was folgt daraus ? Lieber nochmal in Deutschland zum Arzt, bevor man nach Österreich fährt."

    Sehr geehrter Mitforist!

    Bei der von Ihnen angegeben Vorgangsweise wäre ich vorsichtig, da einige deutsche Studierende nach Wien auch zum Medizinstudium ziehen (Stichwort: Numerus-clausus-Flüchtlinge, wie sie hier auch liebevoll über einen kamm geschoren genannt werden). Da Deutsche statistisch gesehen auch besser abschneiden sah man sich gar gezwungen, eine Quotenregelung gemäß Staatsbürgerschaft einzuführen, damit der Ärztenachwuchs und Bedarf nach selbigem in Österreich gedeckt werden kann.

    Zu einem anderen Thema: In Österreich klagt man, man verklagt nicht. Die Medizinische Fakultät der Universität Wien wäre dementsprechend hier die beklagte Partei.

    Ad Artikelthema: Eine erschreckende, wenn auch absehbare Entwicklung.

  4. Wenn der Wahnsinn unserer Epoche Vergangenheit ist, und wenn es dann in irgendeiner Form noch eine offene Gesellschaft gibt, dann wird man mit Entsetzen und Abscheu auf Politiker, Juristen, Journalisten, Hochschulpräsitenten und andere schauen, die den Namen der Gleichheit missbraucht haben, um Ungleichheit aufgrund des Geschlechts oder sonstigen persönlichen Merkmalen herzustellen und zu propagieren.

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  5. Schon seltsam - Querschnittsgelähmte bestehen darauf, ihren Rollstuhl selbst zu bewegen. Auch ein Schäuble würde sich niemals schieben lassen.

    Doch die Art und Weise, wie dieser "Test" gehandhabt wird, ist genau das: Die Tester sehen Frau als behindert an, und nicht nur das, sie schieben sogar noch ungefragt ihren Rollstuhl.

    Arme Frauen - sie können einem wirklich leid tun.

    3 Leserempfehlungen
  6. 46. Frage

    Frage: Angenommen die Klage waere erfolgreich; haette das auch Implikationen fuer die Auswahlverfahren bei Stellenbesetzungen an der Uni? Es heisst ja explizit in jeder Stellenausschreibung, dass Frauen bei gleicher Qualifikation bevorzugt werden. Sollte diese Praxis bei der Vergabe der Studienplaetze vom Gericht abgewiesen werden, muesste dann nicht auch die Stellenvergabe anders gestaltet werden? Oder sind das zwei Paar Schuhe?

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    • eeee
    • 07.08.2012 um 19:54 Uhr

    Gibt es eigentlich irgend zwei Menschen, die für irgendeine Stelle genau gleich qualifiziert sind?

  7. "Letztlich wurden 56 Prozent Frauen und 44 Prozent Männer zugelassen. 2011 hatten es nur 43 Prozent der weiblichen Bewerberinnen geschafft."

    In anderen Quellen heißt es:
    2011 waren Frauen unter den Bewerbern zu 56% vertreten, unter den Zugelassenen waren Frauen jedoch nur zu 43% vertreten.
    Das ist etwas anderes, als (wie im Artikel formuliert) "43% der Frauen, die sich beworben haben, wurden angenommen".

    Und der Vollständigkeit halber: Laut Artikel wurden 2012 anteilsmäßig genau so viel Frauen bzw. Männer aufgenommen, wie sich 2011 beworben hatten - aber wie sah denn die Verteilung unter den Bewerbern 2012 aus? Waren es wieder 56% Frauen zu 44% Männer?

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    Ich denke diese Daten sind noch nicht vollständig raus, weil das Zulassungsverfahren unter Umständen noch läuft oder erst seit kurzem Abgeschlossen ist. Jedenfalls sind meines Wissens nach die deutschen Universitäten noch damit beschäftigt

    Ich denke diese Daten sind noch nicht vollständig raus, weil das Zulassungsverfahren unter Umständen noch läuft oder erst seit kurzem Abgeschlossen ist. Jedenfalls sind meines Wissens nach die deutschen Universitäten noch damit beschäftigt

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