PrivathochschulenEuropean Business School droht zum Millionengrab zu werden

Hessen fördert die Privatuni mit Millionen, trotzdem gibt es Pleitegerüchte. Die Landesregierung steht in der Kritik, allzu leicht Steuergeld überwiesen zu haben. von 

Schloss Reichartshausen in Oestrich-Winkel hätte ein Leuchtturm werden sollen. So nannte die hessische Landesregierung zu Zeiten von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) ihre Renommierprojekte. Die private European Business School (EBS), die seit 1980 in dem schicken alten Gemäuer zwischen den Riesling-Reben von Oestrich-Winkel im Rheingau residiert, war eines davon. Die Regierung wollte die Hochschule zur Universität päppeln und förderte den Aufbau einer juristischen Fakultät mit Millionen von Euro.

Mittlerweile ist die Law School zwar gegründet und die EBS darf sich Universität nennen. Doch von einem Leuchtturm-Projekt kann trotzdem keine Rede sein. Denn wo Studenten lernen sollen, richtig zu wirtschaften, häufen sich Fälle von schlampiger Buchführung. Den ehemaligen Präsidenten der Hochschule will die Staatsanwaltschaft Wiesbaden sogar wegen des Verdachts der Untreue vor Gericht stellen.

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Seit einigen Wochen führen die EBS-Führung um Präsident Rolf Cremer und dessen entlassener Vorgänger Christopher Jahns einen Streit, der der Hochschule den Rest geben könnte. Schon Jahns' vorübergehende Verhaftung im April 2011 und sein Rauswurf hatten Sponsoren und potenzielle Studenten verunsichert. Nun deutete Jahn in einem Brief an Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und andere Regierungsmitglieder an, die EBS rechne ihre Bilanz schön und stehe in Wirklichkeit kurz vor der Pleite.

Die Hochschule schrieb ihrerseits einen Brief, über dem zwar vertraulich stand, der aber – wie der von Jahns – auch etliche Journalisten erreichte. Die EBS trage schwer am Erbe des früheren Präsidenten, heißt es in dem Schreiben. Das Management der Universität unter seiner Führung sei "teilweise fragwürdig" gewesen. So habe die Hochschule unter Jahns' Präsidentschaft eine 600.000-Euro-Party gefeiert, als die Wirtschaftshochschule zur Universität ernannt wurde.

Jahns, so die EBS-Führung, habe eine undurchschaubare Führungsstruktur wachsen lassen und die EBS "in einen Teufelskreis aus immer größeren Versprechungen und immer höherem Mittelbedarf geführt". Das trägt nicht gerade zum Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit der Hochschule bei, auch wenn die neue Führung inzwischen einiges entflochten hat, was zu Jahns' Zeiten zusammenwuchs. Für 2011 hat die EBS noch keine Zahlen vorgelegt, versichert aber, dass sie über "ausreichende finanzielle Mittel verfügt, um den Studienbetrieb in vollem Umfang zu gewährleisten". Die Zahl der Studierenden sei auf gut 1.500 gestiegen.

Leserkommentare
    • Sikasuu
    • 17. September 2012 17:22 Uhr

    ... dann doch nicht haben.
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    Schon im Studium "hauen, stechen und Stühlesägen" zu lernen, mag zwar für den Überlebenskampf in der Wirtschaft, aber Grundlagen der BWL,VWL, ..... sind doch wohl erst einmal für die Stdierenden wichtiger :-)
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    Bildung bir zur UNI gehören als Vorsorgeleistungen wie Wasser,Strom, Gesundheit.... in stattliche oder wenigstens öffendliche Hände!
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    Wenn jemand PRIVAT eine Schule, UNI.... eröffnen will, sei ihm das unbenommen.
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    Aber Geld aus den allgemeinen Töpfen hat da dann nichts verloren! Und bei den Abschlüssen sollten sich diese Institute bzw. die Lernenden/Studierenden ganz normal als Externe an den staatlichen Prüfungen beteiligen.
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    Meint
    Sikasuu

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    • Mike M.
    • 17. September 2012 17:45 Uhr

    ... durchaus Geld. Ich finde es deshalb in Ordnung, wenn insofern ein paar Zuschüsse gezahlt werden. Eine Stadt profitiert ja auch enorm, wenn sie zur Universitätsstadt wird. Da auch die EBS-Jura-Studierenden ein Staatsexamen machen müssen, besteht zudem keine Gefahr, dass gute Noten quasi gekauft werden können.

    Dass private Unis jedoch gegenüber staatlichen immer Leuchttürme sein müssten, halte ich für ziemlich abwegig. Forschung dient in erster Linie der Allgemeinheit, den Studierenden ist das regelmäßig aber egal. Private Unis müssen deshalb besonders bei der Lehre punkten.

    • Sikasuu
    • 17. September 2012 18:32 Uhr

    ... durchaus Geld. Ich finde es deshalb in Ordnung, wenn insofern ein paar Zuschüsse gezahlt werden.
    ###
    Das musst du in Oestrich-Winkel gelernt haben :-))
    .
    Weil ich NICHT mit dem Auto,dem ÖPNV, fahre, dem Kindergarten, Park, .....
    .
    Bekomme ich jetz einen Ausgleich:-) Merkst du was?
    .
    Leute die im Ausland ausgebildet werden ersparen noch mehr! Überweisen wir jetzt für die von der Wirtschaft so gefragten ausländischen Fachkräfte die Ausbildungskosten an deren Heimatländer?
    .
    Über die Qaulität unserer Bildung/Ausbildung kann man/Frau sehr wohl streiten, aber wer sich nicht dem allgemeinen Wettbewerb stellen will, soll das auch selbst bezahlen!
    .
    Meint Sikasuu

  1. Beck, Wowereit und jetzt Hessen usw.

    Alle haben gemeinsam das sie nicht für die Schulden haften.

    Dann heißt es vom Land "wird zahlen die Schulden", aber mit dem "wir" ist der Steuerzahler gemeint.

    Leider kann man jeden Politiker auf die Politikerhaftung ansprechen und er wird eine Ausflucht finden.

    Das ist das schwierige an einer Demokratie.

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    • Mike M.
    • 17. September 2012 17:45 Uhr

    ... durchaus Geld. Ich finde es deshalb in Ordnung, wenn insofern ein paar Zuschüsse gezahlt werden. Eine Stadt profitiert ja auch enorm, wenn sie zur Universitätsstadt wird. Da auch die EBS-Jura-Studierenden ein Staatsexamen machen müssen, besteht zudem keine Gefahr, dass gute Noten quasi gekauft werden können.

    Dass private Unis jedoch gegenüber staatlichen immer Leuchttürme sein müssten, halte ich für ziemlich abwegig. Forschung dient in erster Linie der Allgemeinheit, den Studierenden ist das regelmäßig aber egal. Private Unis müssen deshalb besonders bei der Lehre punkten.

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    • hurt
    • 17. September 2012 19:02 Uhr

    ... dass bei derartigen Fördersummen eine große Ersparnis für den Staat möglich ist. Ein Jurastudent kostet den Staat von Einschreibung bis Abschluss insgesamt irgendwas zwischen 10.000-15.000 Euro (Jurastudenten sind für den Staat mit am billigsten zu haben). Mit einer Fördersumme von 100 Millionen Euro kann der Staat also selbst mindestens knapp 7000 Juristen ausbilden. Da die EBS maximal 160 Jura-Erstsemester pro Jahr zulässt, "lohnt" sich das ganze finanziell (rein rechnerisch) nach frühestens 43 Jahren.

    • Kelhim
    • 17. September 2012 17:47 Uhr

    "Die Opposition hatte stets so ihre Zweifel, ob es sinnvoll ist, Steuergeld in eine Hochschule zu stecken, deren Studierende sich vor allem deshalb für eine Elite halten, weil sie mehr als 5.000 Euro Studiengebühren pro Semester berappen."

    Aber fünftausend Euro Studiengebühren pro Semester, und dann braucht die Hochschule trotzdem noch insgesamt 100 Millionen Euro aus dem hessischen Landeshaushalt?

    Nichts gegen private Hochschulen, aber dann sollten auch die Kosten für ihre privaten Einrichtungen privat bleiben.

    10 Leserempfehlungen
    • Chilly
    • 17. September 2012 17:55 Uhr

    Privat vor Staat nicht immer so ganz funktioniert. Das Land Hessen wollte einen Leuchtturm, die Anwaltskollegen von Rechtsanwalt Roland Koch haben ihm das vermutlich zugeflüstert. Diese waren traurig, dass die Manager in einer privaten Hochschule studieren konnten, der Anwaltsnachwuchs in Hessen nicht (geht in D bislang im Wesentlichen nur in Hamburg an der Buccerius-Law-School). Auch die Privatuni Witten-Herdecke war nach anfänglichen Erfolgen ein Problemfall geworden. Dort wurde aber auch eine sehr teure Medizinerausbildung angeboten.

    Private Hochschulen können zur Arrondierung des Bildungsangebots sinnvoll sein. Dann müssen sie aber ein funktionierende Geschäftsmodell haben. Wenn sie das nicht schaffen, kennt der Markt nur eine Antwort: Marktaustritt!!

    CHILLY

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    "Private Hochschulen können zur Arrondierung des Bildungsangebots sinnvoll sein. Dann müssen sie aber ein funktionierende Geschäftsmodell haben."

    Die meisten privaten Hochschulen gehen davon aus, dass Politiknähe bereits ein Geschäftsmodell sei und der Landesregierung die Illusion zu verkaufen, mit relativ wenig Aufwand durch nur 1-2 Fakultäten in den Besitz einer international anerkannten Elite-Universität zu kommen.

    • Sikasuu
    • 17. September 2012 18:32 Uhr

    ... durchaus Geld. Ich finde es deshalb in Ordnung, wenn insofern ein paar Zuschüsse gezahlt werden.
    ###
    Das musst du in Oestrich-Winkel gelernt haben :-))
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    Weil ich NICHT mit dem Auto,dem ÖPNV, fahre, dem Kindergarten, Park, .....
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    Bekomme ich jetz einen Ausgleich:-) Merkst du was?
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    Leute die im Ausland ausgebildet werden ersparen noch mehr! Überweisen wir jetzt für die von der Wirtschaft so gefragten ausländischen Fachkräfte die Ausbildungskosten an deren Heimatländer?
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    Über die Qaulität unserer Bildung/Ausbildung kann man/Frau sehr wohl streiten, aber wer sich nicht dem allgemeinen Wettbewerb stellen will, soll das auch selbst bezahlen!
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    Meint Sikasuu

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    • hurt
    • 17. September 2012 18:50 Uhr

    ... dass gerade 2010 der Etat der staatlichen Hochschulen in Hessen trotz steigender Studentenzahlen um 30 Millionen Euro pro Jahr gekürzt wurde. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. ;)

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    • hurt
    • 17. September 2012 19:02 Uhr

    ... dass bei derartigen Fördersummen eine große Ersparnis für den Staat möglich ist. Ein Jurastudent kostet den Staat von Einschreibung bis Abschluss insgesamt irgendwas zwischen 10.000-15.000 Euro (Jurastudenten sind für den Staat mit am billigsten zu haben). Mit einer Fördersumme von 100 Millionen Euro kann der Staat also selbst mindestens knapp 7000 Juristen ausbilden. Da die EBS maximal 160 Jura-Erstsemester pro Jahr zulässt, "lohnt" sich das ganze finanziell (rein rechnerisch) nach frühestens 43 Jahren.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte CDU | Roland Koch | SPD | Arbeitsgericht | Euro | Landesregierung
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