BildungsstudieArbeiterkinder schrecken vor Studium zurück

Die Zahl der Arbeiterkinder mit Abitur wächst, aber die Zahl derjenigen, die danach studieren, sinkt wieder. Experten sprechen von "Aufstiegsangst".

Germanistik-Studenten sitzen in einem Hörsaal der Heidelberger Universität.

Germanistik-Studenten sitzen in einem Hörsaal der Heidelberger Universität.

Der Ausbau der deutschen Hochschulen hat in den vergangenen drei Jahrzehnten nicht zu mehr Studienchancen für Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern geführt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Mannheimer Zentrums für europäische Sozialforschung im Auftrag der Vodafone Stiftung.

Noch immer seien die "Zugangswege zum Studium sozial selektiv". Akademikerkinder verfügten über eine etwa sechsmal so hohe Chance, ein Studium aufzunehmen als Kinder von Eltern ohne Hochschulabschluss, heißt es in der Untersuchung.

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Zwar erwerben laut Studie heute deutlich mehr Arbeiterkinder eine Hochschulzugangsberechtigung als noch in den siebziger oder achtziger Jahren. Der Großteil der Bildungsfernen schaffe diese Berechtigung über alternative Wege, wie vor allem über Fachschulen, Kollegs und berufsbildende Schulen. Dagegen sei der Ausbau der Gymnasien für diese Kinder "nicht zum Türöffner" zu mehr Chancengerechtigkeit geworden.

Nur ein zunehmend geringer Anteil der jungen Menschen aus den bildungsfernen Schichten mache anschließend von seiner Studienberechtigung auch Gebrauch. "Wir brauchen Initiativen, die sozial benachteiligten Jugendlichen die Aufstiegsangst nehmen", sagte Stiftungs-Geschäftsführer Mark Speich.

Verwiesen wird dabei auf die regelmäßigen Umfragen des Hochschul-Informations-Systems (HIS). Danach lag die Studierbereitschaft junger Menschen aus Arbeiterfamilien Mitte der siebziger Jahre noch bei 80 Prozent. 30 Jahre später waren es nur noch 50 Prozent. Im Zweifel würden sich diese junge Menschen eher für eine Berufsausbildung entscheiden.

 
Leserkommentare
    • G Eich
    • 10.09.2012 um 16:17 Uhr

    Kurz zu mir und meinem Hintergrund: Vater über mehrere Jahre arbeitslos, einfacher Angestellter; Mutter arbeitsunfähig und beide geschieden.
    Zur Zeit bin ich Student und am schwarzen Brett fragen sich meine Mitstudenten, zu wem bloß meine Matrikel-Nummer gehört - wegen den mit Abstand besten Leistungen.
    Am Gymnasium sah das auch nicht viel anders aus.

    "Fehlendes kulturelles Verständnis", eine angeblich grundlegend andere Einstellung zur Demut und Ähnliches, wie meine Vorredner angeführt haben, ist mir übrigens gänzlich unbekannt. Im Gegenatz dazu schäme ich mich ab und zu über kulturelles Unverständnis mancher Ralf Lauren-Richkids.
    Und zum Schluß noch zwei Bemerkungen, die vllt im weiteren Diskussionsverlauf hilfreich sein könnten...
    - HIS kenne ich nicht und Hilfsprojekte Namen wie "Arbeiterkind" zu geben empfinde ich als diskriminierend, auch wenn die Aktion sicherlich nett gemeint ist
    - ohne BAFöG würde ich allerdings nichz studieren

    ... und eine Bemerkung für andere "Bildungsferne"(Danke für diese Betitelung):
    - Ein himmelweiter Unterschied zwischen den Anforderungen von Gymnasium und Hochschule existiert einfach nicht. Wer keine Probleme beim Abitur hatte, wird auch im Studium keine haben.

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    • Repec
    • 11.09.2012 um 6:57 Uhr

    Während ich als erstes "Arbeiterkind" unser Familie das allg. Abitur nachholte, stimmte mein Bruder erst nach langer Diskussion zu, seine Kinder auf das reguläre Gymnasium zu schicken.

    Die Älteste mach nun ihren Abschluss am G8 und gerade erst 17 Jahre geworden, hat sie noch keine Vorstellung was sie machen möchte. Mein Bruder ist strikt gegen ein Studium. Er würde sie weder finanzieren noch unterstürzen. Sie ist noch zu jung und unselbständig und mit der Situation völlig überfordert und so wird sie wohl nächstes Jahr trotz guter Noten eine reguläre Berufsausbildung absolvieren.

    • Repec
    • 11.09.2012 um 6:57 Uhr

    Während ich als erstes "Arbeiterkind" unser Familie das allg. Abitur nachholte, stimmte mein Bruder erst nach langer Diskussion zu, seine Kinder auf das reguläre Gymnasium zu schicken.

    Die Älteste mach nun ihren Abschluss am G8 und gerade erst 17 Jahre geworden, hat sie noch keine Vorstellung was sie machen möchte. Mein Bruder ist strikt gegen ein Studium. Er würde sie weder finanzieren noch unterstürzen. Sie ist noch zu jung und unselbständig und mit der Situation völlig überfordert und so wird sie wohl nächstes Jahr trotz guter Noten eine reguläre Berufsausbildung absolvieren.

  1. Kann sich ja nicht jeder z.b. mit einem Leserartikel beim nächsten Personaler empfehlen, wenn es doch nichts wird:

    http://www.zeit.de/studiu...

    • G Eich
    • 10.09.2012 um 16:27 Uhr

    Sprechen Sie doch bitte eher für Sich Selbst als für eine diffuse Gruppe, die Sie in den Kontrast zur diffusn Gruppe "Oberschicht" stellen.
    Ich, selber "Arbeiterkind"(lächerlicher Begriff), kann keinen der angeführten Punkte bestätigen. Für mich war immer klar, dass ich studieren werde, meine Eltern freut das sehr und soziale Hürden wären mir auch neu.

    Aber wer von "kleinen Leuten","Darben","Arbeiterkindern" und von der "Oberschicht" spricht, ist sicherlich auch einfach ein anderes Naturell als der Proto-Student (oder noch nicht im jahr 2012 angekommen). Das ist wohl wahr.

    Antwort auf "Viele Gründe"
    • G Eich
    • 10.09.2012 um 16:28 Uhr

    Wieviele kennen Sie denn?
    Gibt es dazu Statistiken?

    Antwort auf "Vielleicht..."
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    http://statistik.arbeitsa...

    Es sieht für Akademiker vielleicht ingesamt rosiger aus als für andere Arbeitslose, aber es gibt sie und davon leider nicht wenige!

    http://statistik.arbeitsa...

    Es sieht für Akademiker vielleicht ingesamt rosiger aus als für andere Arbeitslose, aber es gibt sie und davon leider nicht wenige!

    • tecnyc
    • 10.09.2012 um 16:29 Uhr
    13. [...]

    Entfernt. Verzichten Sie auf diffamierende Äußerungen. Die Redaktion/mak

    Antwort auf "Sind Arbeiterkinder"
  2. An den Studiengebühren kann es ja wohl nicht liegen, gell (die paar hundert Euro...)?

    Klar, so ein Arbeiterhaushalt finanziert Studiengebühren, WG-Zimmer, Bücher, öffentlichen Nahverkehr usw. usf. ja auch aus der Portokasse.

    Wieviel "Marie Antoinette" steckt eigentlich in Menschen, die sich ernsthaft darüber wundern, dass Arbeiterkinder seltener studieren?

    "Arbeiterkinder" und Emporkömmlinge wie Gerhard Schröder & Konsorten haben tunlichst dafür gesorgt, dass die ihnen selbst noch offen stehenen Türen mit Karacho hinter ihnen zugeworfen wurden.

    Was masst sich der nachfolgende Pöbel auch an, vielleicht talentierter als das selbsternannte Bürgertum zu sein?

    Da musste ein Riegel vorgeschoben werden und nun weint man große, bittere Krokodilstränen darüber, dass dieser Riegel tatsächlich vom Studium abhält. Was für eine lächerliche uns durchsichtige Nummer.

    7 Leserempfehlungen
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    • G Eich
    • 10.09.2012 um 16:51 Uhr

    Studiengebühren gibt es nur noch in Niedersachsen und Bayern.
    Semesterbeiträge belaufen sich nach meinem Wissen auf 50-300€ alle 6 Monate, also 9-50€ zusätzlich pro Monat.
    So unmenschlich wie 5.000-30.000$/Semester, wie in der Anglosphäre weit verbreitet, hört sich das aber bei Weitem nicht an. Besser geht natürlich immer, nach unten hat Deutschland aber auch noch ein wenig Spielraum.

    Auch wenn das nicht zum Artikelthema gehört, stimme ich der Kritik an der Asozialpolitik der letzten 3 Regierungen vollständig zu. Scheinbar wird mit aller Kraft daran gearbeitet, eine echte Parallelgesellschaft heranzuzüchten (Hartz4-Sanktionen, 1€-Jobs, GEZ-Gebühren für alle etc.).

    • G Eich
    • 10.09.2012 um 16:51 Uhr

    Studiengebühren gibt es nur noch in Niedersachsen und Bayern.
    Semesterbeiträge belaufen sich nach meinem Wissen auf 50-300€ alle 6 Monate, also 9-50€ zusätzlich pro Monat.
    So unmenschlich wie 5.000-30.000$/Semester, wie in der Anglosphäre weit verbreitet, hört sich das aber bei Weitem nicht an. Besser geht natürlich immer, nach unten hat Deutschland aber auch noch ein wenig Spielraum.

    Auch wenn das nicht zum Artikelthema gehört, stimme ich der Kritik an der Asozialpolitik der letzten 3 Regierungen vollständig zu. Scheinbar wird mit aller Kraft daran gearbeitet, eine echte Parallelgesellschaft heranzuzüchten (Hartz4-Sanktionen, 1€-Jobs, GEZ-Gebühren für alle etc.).

    • G Eich
    • 10.09.2012 um 16:42 Uhr

    Schweden und Dänemark haben schöne Studien-Finanzierungs-Modelle, die mir die Entscheidung zu studieren noch einfacher gemacht hätten.
    Mit 600€/Monat lässt es sich meiner Meinung nach aber auch ganz gut leben. In für ihre hohen Mieten bekannten Städten und/oder Bundesländern mit 500€ Semestergebüren sieht das aber sicher anders aus. Die Unis in Hannover, Frankfurt und München kamen daher u.A. leider für mich nicht in Betracht.

    Dass die Berechnung von BAFöG-Sätzen viele Faktoren nur unzureichend beachtet und Hartz4-Empfänger mehr Geld zur Verfügung haben als Studenten, ist mir bekannt. Also bitte keine Antworten wütender "vollzeitarbeitender Steuerzahler" und Studenten.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Aufstiegsangst?!"
    • G Eich
    • 10.09.2012 um 16:51 Uhr
    16. Kosten.

    Studiengebühren gibt es nur noch in Niedersachsen und Bayern.
    Semesterbeiträge belaufen sich nach meinem Wissen auf 50-300€ alle 6 Monate, also 9-50€ zusätzlich pro Monat.
    So unmenschlich wie 5.000-30.000$/Semester, wie in der Anglosphäre weit verbreitet, hört sich das aber bei Weitem nicht an. Besser geht natürlich immer, nach unten hat Deutschland aber auch noch ein wenig Spielraum.

    Auch wenn das nicht zum Artikelthema gehört, stimme ich der Kritik an der Asozialpolitik der letzten 3 Regierungen vollständig zu. Scheinbar wird mit aller Kraft daran gearbeitet, eine echte Parallelgesellschaft heranzuzüchten (Hartz4-Sanktionen, 1€-Jobs, GEZ-Gebühren für alle etc.).

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Studiengebühren?"
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    Das Problem sind ja nicht nur die Studiengebühren, sondern auch die Lebenshaltungskosten. Die müssen schon irgendwie gedeckt werden. Sicher, Bafög etc. helfen dabei, aber es fällt jemandem, dessen Eltern besser verdienen eben doch leichter. Ich persönlich bin in der glücklichen Lage, dass mir meine Familie selbst ein komplettes Auslandsstudium finanzieren konnte. (keine Studiengebühren, obwohl es in der Anglosphäre war.).
    Und dass es in anderen Ländern noch schlechter bestellt ist, kann doch kein Grund sein, die Missstände hier in Deutschland so lange schwelen zu lassen bis es soweit ist.

    Das Problem sind ja nicht nur die Studiengebühren, sondern auch die Lebenshaltungskosten. Die müssen schon irgendwie gedeckt werden. Sicher, Bafög etc. helfen dabei, aber es fällt jemandem, dessen Eltern besser verdienen eben doch leichter. Ich persönlich bin in der glücklichen Lage, dass mir meine Familie selbst ein komplettes Auslandsstudium finanzieren konnte. (keine Studiengebühren, obwohl es in der Anglosphäre war.).
    Und dass es in anderen Ländern noch schlechter bestellt ist, kann doch kein Grund sein, die Missstände hier in Deutschland so lange schwelen zu lassen bis es soweit ist.

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