Studienplatz : Deutsche Hochschulen ziehen Ausländer an

Fast 40.000 ausländische Studenten haben vergangenes Studienjahr einen Abschluss an einer deutschen Hochschule erreicht. Viele von ihnen kommen aus China.

Deutsche Hochschulen werden für ausländische Studenten attraktiver. Im Prüfungsjahr 2011 erwarben 38.300 Absolventen mit ausländischer Staatsangehörigkeit einen Hochschulabschluss an deutschen Hochschulen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte . Das waren acht Prozent mehr als im Prüfungsjahr 2010. Gemeint sind Absolventen aus dem Wintersemester 2010/2011 und dem Sommersemester 2011.

Die Zahl der ausländischen Studierenden steigt seit Jahren kontinuierlich an. Vor zehn Jahren hatten sich weniger als 14.000 Ausländer für ein Studium in Deutschland entschieden. Vor fünf Jahren waren es knapp 26.000. Die meisten ausländischen Studierenden stammten vergangenes Jahr aus China – 13 Prozent. Sieben Prozent waren türkische und fünf Prozent russische Staatsbürger.

Einige der ausländischen Studierenden lebten bereits zuvor im Land und waren in Deutschland zur Schule gegangen, die meisten aber kamen erst zum Studium . Das betrifft 79 Prozent der ausländischen Hochschulabsolventen, wie die Statistiker mitteilten.

Die ausländischen Studenten erwarben mit 28 Prozent am häufigsten einen Bachelorabschluss , gefolgt von den traditionellen universitären Abschlüssen wie Magister. Einen Masterabschluss erzielten rund 25 Prozent. Elf Prozent schlossen mit Promotion ab. Acht Prozent beendeten das Studium mit einem Fachhochschulabschluss. Eine Lehramtsprüfung erwarben zwei Prozent der ausländischen Studenten.

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Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Beispiel von Engagement

In unserer durch Bologna inkompatiblen Studienwelt Europas verlassen ja nur wenige das Land. Ich finde es überaus wünschenswert, wenn hier Auländer ihren Abschluß machen - ob sie nun hier bleiben oder nicht. Besser als tausend Diplomaten-Empfänge und die Arbeit politischer Parteien-Stiftungen verkörpern Studenten Integration und Anstrengung. Vielleicht kann man sich ja von der Lernbereitschaft der Ausländer - insbesondere Asiaten - einiges abschauen. Das Schönste, was einem im fernen Auland passieren kann: In Deutsch angesprochen zu werden und stolz entgegen zu nehmen: "Ich habe in Deutschland studiert!" Bessere Botschafter gibt es nicht!

destatis

Leider sind beim Link des statistischen Bundesamtes (Schnellmeldung) gar keine Informationen zu ausländischen Studierenden zu finden. Wo kommen die Zahlen denn her?
Ein Grund der Beliebtheit ist meiner Erfahrung nach schlicht und einfach, dass es hier weniger kostet und trotzdem noch einigermaßen angesehen ist, wenn es denn mit Stipendien in USA oder GB nicht klappt. Dagegen habe ich auch gar nichts, nur hat so eine reine Zahlenmeldung letztendlich keine Aussagekraft.

Es ist seltsam, ...

Statt wahrzunehmen, dass die Länder, aus denen Nicht-EU-ausländische Studierende vor allem kommen, schon jetzt unsere Konkurrenten auf dem Weltmarkt sind, sonnt man sich hierzulande in schönster Naivität in einer gewissen "Beliebtheit" bei eben diesen Studierenden, und dem Glauben "uns kann ja keiner".

Die wenigsten kommen ja hierher, um Philosophie, Kunstgeschichte oder Literaturwissenschaften zu studieren.

Hier wird die hiesige Technologiebasis unter dem begeisterten In-die-Händchen-Klatschen deutscher Bildungspolitiker quasi zum Nulltarif ins Ausland exportiert.

Dabei handelt es sich nicht um irgendeinen Firlefanz, sondern um die Grundlage des hier (noch) vorhandenen Wohlstandes.

Das ist übrigens nicht im Geringsten ein Statement gegen diese Länder (die einfach nur klug Chancen wahrnehmen), oder gar gegen diese ausländischen Studierenden: wer mit sehr guten Vorleistungen hierherkommt, und hier zielbewusst studiert, sollte willkommen sein, aber dann auch ausgesprochen zum Hierbleiben eingeladen werden. Genau dies ist es aber, was in D versäumt wird: wir schicken die High-Potentials wieder in ihre Heimatländer, und exportieren sogar den eigenen Wissenschafts-Nachwuchs in die USA.

Man muss sich schon entscheiden: globaler Wettbewerb ohne Schranken? Wenn ja, dann ist das deutsche Modell einfach nur dumm. Andere Länder sind schlauer...

Ist die Betrachtungsweise

ist die Betrachtungsweise 'wir gegen die die' nicht völlig fehlgeleitet, und vor allem aus einer Weltordnung gespeist, die wir seit zumindest 20 Jahren nicht mehr haben? Tatsächlich ist der chinesische Ingenieur nicht mehr oder weniger Konkurrenz zu einem deutschen, als einer aus der Konkurrenzfirma. Wir müssen uns von einem Weltbild verabschieden, in dem sich Länder in reich und Arm einteilen lassen. In Zukunft wird es in jedem Land Reiche und Arme geben, und das Konkurrenzverhältnis besteht nicht mehr zwischen den Nationen sondern zwischen den Unternehmen und im schlimmsten Fall zwischen allen Individuen unabhängig von ihrer Herkunft.

Der Ingenieur in einem fernen Land in Asien...

ist insofern eine viel ernstere Konkurrenz als der von der Firma zwei Strassen weiter, weil er aufgrund der dramatisch niedrigeren Lebenshaltungskosten in seinem Land mit einem dramatisch niedrigeren Lohn zufrieden sein.

Das bekommen seit Jahren viele deutsche Arbeitnehmer zu spüren, wo man (zutreffend oder nicht) meint, mit der Software-Firma in Indien oder der Fertigung in Malaysia oder China hierzulande bessere Geschäfte machen zu können.

Globalisierung, wie Sie sie erwähnen, sorgt in der ersten Phase dafür, dass europäische Unternehmen z.B. in Fernost erheblich günstiger produzieren können. In den meisten dieser Länder ist man aber durchaus so schlau, diese Technologien zu übernehmen, und in kurzer Zeit auf dem betreffenden Gebiet gleichzuziehen und dann in Phase 2 die betreffenden Waren selbst zu produzieren. Dann stirbt die entsprechende Branche in Europa. So war es mit der Unterhaltungselektronik, so war es bei den Fotoapparaten und Handies, so läuft es gerade mit der Kommunikationstechnologie, und so wird es auch mit der Autoindustrie in weniger als 10 Jahren geschehen.

Das sind keine Naturgewalten, sondern die direkten Folgen von politischen Fehlentscheidungen und von Kurzfristdenken a la USA (Quartalsbilanzen) in den Unternehmen.