Wer erwägt, an der Uni Hamburg zu studieren, muss die Entscheidung künftig allein von seinem Bauchgefühl abhängig machen. Die Hochschule werde sich in Zukunft nicht mehr an Rankings beteiligen, sagte Uni-Präsident Dieter Lenzen .

Die Universität werde nicht mehr bei Umfragen mitmachen, "die geeignet sind, deutsche und internationale Universitäten gegeneinander auszuspielen", heißt es in einer Stellungnahme der Universität . Gemeint sind Datenerhebungen für Ranglisten, wie sie in Deutschland etwa das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) veröffentlicht oder – auf internationaler Ebene – die Shanghaier Jiaotong-Universität. Der Boykott betrifft aber auch Meinungsumfragen. Weiter kooperieren will die Universität hingegen bei Anfragen aus dem Parlament oder dem Statistischen Bundesamt sowie bei "wissenschaftlichen Untersuchungen, an deren Zustandekommen die Universität ein Interesse hat".

Zwei Gründe nannte Uni-Präsident Lenzen für diese Entscheidung: Zum einen sei der Verwaltungsaufwand durch Datenanfragen so stark gestiegen, dass "er nicht mehr zu bewältigen ist". Zum anderen hätten "nahezu alle Anfragen erhebliche methodische Mängel". Die Uni sehe sich oft nicht richtig dargestellt. Dadurch entstünden Verzerrungen, die das Bewerbungsverhalten von Studierenden sowie die Zuwendungsbereitschaft von Staat und Drittmittelgebern beeinflussten.

Kritik an Hochschulrankings nimmt zu

Den Verdacht, Hamburgs Uni wolle nicht mehr in Rankings auftauchen, weil sie zu schlecht abschneide, dementierte eine Uni-Sprecherin im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt : "Wir haben gerade aus allen deutschen Rankings einen Mittelwert errechnet und liegen dabei auf Platz 13 von über 300 bewerteten Universitäten. Weiterhin sind wir in diesem Jahr zwei Plätze nach oben geklettert." Das zeige auch die Zahl der Bewerbungen unter Studenten. "Wir können uns vor Bewerbungen kaum retten."

Der Geschäftsführer des CHE, Frank Ziegele, kritisiert den Schritt der Uni Hamburg. Der taz sagte er: "Es ist verständlich, dass sich die Unis über eine Flut von Befragungen beschweren, aber die Uni Hamburg schießt über das Ziel hinaus." Indem sie jede Befragung ablehne, verweigere sie auch den "öffentlichen Anspruch auf Transparenz". Das CHE-Ranking betreffend sei dies bedauerlich. Die Uni nehme Studierwilligen die Möglichkeit, "sich ein neutrales und vergleichendes Bild der Leistungsfähigkeit der Universität Hamburg zu machen".

Das CHE evaluiert über 30 Studienfächer an 300 deutschen Hochschulen und erstellt Rankings, die jährlich im ZEIT-Studienführer und auf ZEIT ONLINE veröffentlicht werden.

In letzter Zeit mehrt sich die Kritik an der Methodik von Hochschulrankings: Ende August war die Uni Leipzig aus dem CHE-Ranking für das kommende Jahr ausgestiegen. Zuvor hatten bundesweit mehrere Soziologie-Institute erklärt , dass sie nicht mehr teilnehmen werden. Auch der Marburger Uni-Senat diskutiert derzeit einen Ausstieg der Universität aus dem CHE-Ranking. Studenten hatten dies gefordert. Vor wenigen Wochen hatten außerdem über 300 Professoren in einem offenen Brief zum Boykott des BWL-Rankings des Handelsblatt aufgerufen.