Uni-Aufnahmeverfahren Hat sich Ihr Geschlecht seit der Geburt geändert?

Wer sich bei britischen Universitäten bewirbt, soll Fragen nach Hautfarbe, Sexualität und Religion beantworten. Das hat nichts mit Diskriminierung zu tun – im Gegenteil. von Susan Djahangard

Wer sich online für die Aufnahme an britischen Unis registriert, bekommt pikante Fragen gestellt. Neben Namen, Adresse, Geschlecht und Staatsangehörigkeit sollen Bewerber auch ihre Ethnie angeben. Zur Auswahl stehen: white, black, asian, mixed, dazu kommt eine genaue Herkunftsangabe wie etwa caribbean bei schwarzer oder scottish bei weißer Hautfarbe. Und wer sich keiner der genannten Möglichkeiten zuordnen kann, kreuzt einfach other mixed background an.

Neben der Ethnie werden weitere persönliche Daten abgefragt: Religion, sexuelle Orientierung und ob sich seit der Geburt das Geschlecht geändert hat. "Erst musste ich darüber lachen", sagt Victoria Michalczak, die an der Universität Aberystwyth in Wales studiert. "Beim Ausfüllen war das aber wirklich befremdlich." Auch Sozialwissenschaftsstudent Christian Strauch war erstaunt, als er die Kategorien im Onlineportal sah: "Da kann man sich durchaus diskriminiert fühlen." Er fragt sich, warum seine Ethnie überhaupt eine Rolle spielt: "Was kann man denn damit anfangen, wenn man weiß, welche Hautfarbe ich habe?"

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Daten sollen der Gleichberechtigung dienen

Die Antwort: Die Fragen sollen der Gleichberechtigung dienen. In Großbritannien gibt es die Higher Education Statistics Agency (HESA), ein privates Unternehmen, das verschiedene Daten zur Hochschulbildung sammelt. Anhand der Daten soll überprüft werden, ob die Vorgaben aus dem Equality Act eingehalten werden können. Der Equality Act wurde im Jahr 2010 in Großbritannien beschlossen. Damit soll die Gleichberechtigung verschiedener Gruppen − eben auch ethnischer Minderheiten − erreicht werden. "Alle Universitäten in Großbritannien müssen die Studenten deshalb nach dieser Information fragen", erklärt eine Sprecherin der Universität in Nottingham.

Auch in Deutschland gibt es eine Hochschulstatistik, die vom Statistischen Bundesamt erstellt wird. Ethnie, Religion und sexuelle Orientierung von Studenten werden dabei allerdings nicht abgefragt. Renate Rampf vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland empören die Fragen der englischen Unis: "Nach meiner Einschätzung wäre das in Deutschland rechtlich nicht erlaubt. Sehr persönliche Daten wie die sexuelle Orientierung dürfen in Deutschland nicht ausgeforscht werden."

Ist Anonymität gewährleistet?

In Großbritannien ist es immerhin möglich, die Antwort zu verweigern. Außerdem berichtet die HESA auf ihrer Homepage, dass die Daten strengen Geheimhaltungskriterien unterliegen. Einige Studenten geben ihre persönlichen Daten trotzdem nur ungern heraus: "Ich frage mich schon, ob die Daten auch noch andere Verwendung als nur statistische Zwecke finden", sagt Christian Strauch.

Weniger kritisch sieht das Jake Turner. Der britische Chemie-Student sagt: "Aus meiner Sicht kann man hier nicht von Diskriminierung sprechen. Der Vorteil, den man durch das Wissen aus den Daten ziehen kann, überwiegt eindeutig." Er vertraue darauf, dass die Anonymität gewährleistet ist.
 

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Leserkommentare
  1. Davon abgesehen, dass ich es zwar nicht unbedingt als diskriminierend empfinde (das wäre es erst, wenn sich aufgrund Hautfarbe oder Religion Nachteile ergeben würden), frage ich mich allerdings was Sinn und Zwecks ein sollte.

    "Du bist schwul, dich können wir nicht nehmen, von denen haben wir schon genug" oder "Du hast die falsche Hautfarbe, wir bräuchten noch zwei Studenten in dem Fach XY die schwarz sind" oder wie darf ich mir das erklären???

    Denn wenn das alles sowieso geheim ist, dann ... wer erträgt daraus denn welche Erkenntnis?

    9 Leserempfehlungen
    • Azenion
    • 24. September 2012 16:11 Uhr
    2. [...]

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie differenziert. Danke, die Redaktion/mk

    7 Leserempfehlungen
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    • Ffm74
    • 24. September 2012 16:33 Uhr

    Sie sollten den Artikel besser lesen. Es geht hier nicht um die Bevorzugung einer Gruppe, sondern um die Vermeidung einer Diskriminierung. Aber wahrscheinlich wollten Sie überhaupt keine objektiven Auseinandersetzung mit dem Artikel,[...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie bei sachlichen Argumenten. Danke, die Redaktion/mk

  2. wuerde wie in meinem englischen Arbeitsvertrag lesen koennen, dass diese Angaben freiwillig sind.
    Weshalb daraus eine Schlagzeile machen?

    Eine Leserempfehlung
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    Redaktion

    Lieber MRLondon,

    stimmt, die Angaben sind freiwillig. Wir haben das Thema trotzdem aufgegriffen, weil viele den Hintergrund der Datenerhebung nicht kennen und sich wundern, was das soll. Denn ob freiwillig oder nicht: Nach seiner sexuellen Orientierung oder möglichen Geschlechtsumwandlungen wird man ja nicht jeden Tag gefragt.

    Beste Grüße aus der Redaktion.

    • Ffm74
    • 24. September 2012 16:33 Uhr
    4. [...]

    Sie sollten den Artikel besser lesen. Es geht hier nicht um die Bevorzugung einer Gruppe, sondern um die Vermeidung einer Diskriminierung. Aber wahrscheinlich wollten Sie überhaupt keine objektiven Auseinandersetzung mit dem Artikel,[...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie bei sachlichen Argumenten. Danke, die Redaktion/mk

    Antwort auf "[...]"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Azenion
    • 24. September 2012 16:45 Uhr

    Wie soll die Hochschule jemanden diskriminieren, dessen diskriminierungswürdige Eigenschaften sie gar nicht kennt?

    Und wie kommen Sie darauf, ich würde diskriminiert?

    Ich hätte gedacht, wenn man sich beispielsweise gar nicht erst für die sexuelle Orientierung eines Menschen interessiert, dann ist eine diesbezügliche Diskriminierung unmöglich.

  3. 5. [...]

    Entfernt. Verzichten Sie auf diskriminierende Äußerungen. Die Redaktion/mak

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    mein Kommentar sei diskriminierend? Jetzt fühle ich mich aber ein bisschen diskriminiert. Etwa weil ich es mit der Frauenquote verglichen habe, die genauso Posten einfach nach Geburtsmerkmalen verteilen will? Oder weil ich nicht verstehe, wie diese Daten zu einer besseren Verteilung der Studienplätze führen soll, weil es ja bisher auch total benachteiligend stattgefunden hat oder wie? Oder weil ich GB für einen Überwachungsstaat halte? Vielleicht sollte man sich mal fragen ob nicht genau eine solche Erhebung erst zu Diskriminierung führt im Gegensatz dazu diese Informationen nicht zu haben. Vielleicht sollte man sich auch mal mit einem Kommentar auseinandersetzen statt plump zu behaupten man wäre diskriminierend.

    • Azenion
    • 24. September 2012 16:45 Uhr

    Wie soll die Hochschule jemanden diskriminieren, dessen diskriminierungswürdige Eigenschaften sie gar nicht kennt?

    Und wie kommen Sie darauf, ich würde diskriminiert?

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
  4. Ich hätte gedacht, wenn man sich beispielsweise gar nicht erst für die sexuelle Orientierung eines Menschen interessiert, dann ist eine diesbezügliche Diskriminierung unmöglich.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
  5. Redaktion

    Lieber MRLondon,

    stimmt, die Angaben sind freiwillig. Wir haben das Thema trotzdem aufgegriffen, weil viele den Hintergrund der Datenerhebung nicht kennen und sich wundern, was das soll. Denn ob freiwillig oder nicht: Nach seiner sexuellen Orientierung oder möglichen Geschlechtsumwandlungen wird man ja nicht jeden Tag gefragt.

    Beste Grüße aus der Redaktion.

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Geburt | Diskriminierung | Gleichberechtigung | Großbritannien | Hautfarbe | Religion
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