Wer sich online für die Aufnahme an britischen Unis registriert, bekommt pikante Fragen gestellt. Neben Namen, Adresse, Geschlecht und Staatsangehörigkeit sollen Bewerber auch ihre Ethnie angeben. Zur Auswahl stehen: white, black, asian, mixed, dazu kommt eine genaue Herkunftsangabe wie etwa caribbean bei schwarzer oder scottish bei weißer Hautfarbe. Und wer sich keiner der genannten Möglichkeiten zuordnen kann, kreuzt einfach other mixed background an.

Neben der Ethnie werden weitere persönliche Daten abgefragt: Religion, sexuelle Orientierung und ob sich seit der Geburt das Geschlecht geändert hat. "Erst musste ich darüber lachen", sagt Victoria Michalczak, die an der Universität Aberystwyth in Wales studiert. "Beim Ausfüllen war das aber wirklich befremdlich." Auch Sozialwissenschaftsstudent Christian Strauch war erstaunt, als er die Kategorien im Onlineportal sah: "Da kann man sich durchaus diskriminiert fühlen." Er fragt sich, warum seine Ethnie überhaupt eine Rolle spielt: "Was kann man denn damit anfangen, wenn man weiß, welche Hautfarbe ich habe?"

Daten sollen der Gleichberechtigung dienen

Die Antwort: Die Fragen sollen der Gleichberechtigung dienen. In Großbritannien gibt es die Higher Education Statistics Agency (HESA), ein privates Unternehmen, das verschiedene Daten zur Hochschulbildung sammelt. Anhand der Daten soll überprüft werden, ob die Vorgaben aus dem Equality Act eingehalten werden können. Der Equality Act wurde im Jahr 2010 in Großbritannien beschlossen. Damit soll die Gleichberechtigung verschiedener Gruppen − eben auch ethnischer Minderheiten − erreicht werden. "Alle Universitäten in Großbritannien müssen die Studenten deshalb nach dieser Information fragen", erklärt eine Sprecherin der Universität in Nottingham.

Auch in Deutschland gibt es eine Hochschulstatistik, die vom Statistischen Bundesamt erstellt wird. Ethnie, Religion und sexuelle Orientierung von Studenten werden dabei allerdings nicht abgefragt. Renate Rampf vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland empören die Fragen der englischen Unis: "Nach meiner Einschätzung wäre das in Deutschland rechtlich nicht erlaubt. Sehr persönliche Daten wie die sexuelle Orientierung dürfen in Deutschland nicht ausgeforscht werden."

Ist Anonymität gewährleistet?

In Großbritannien ist es immerhin möglich, die Antwort zu verweigern. Außerdem berichtet die HESA auf ihrer Homepage, dass die Daten strengen Geheimhaltungskriterien unterliegen. Einige Studenten geben ihre persönlichen Daten trotzdem nur ungern heraus: "Ich frage mich schon, ob die Daten auch noch andere Verwendung als nur statistische Zwecke finden", sagt Christian Strauch.

Weniger kritisch sieht das Jake Turner. Der britische Chemie-Student sagt: "Aus meiner Sicht kann man hier nicht von Diskriminierung sprechen. Der Vorteil, den man durch das Wissen aus den Daten ziehen kann, überwiegt eindeutig." Er vertraue darauf, dass die Anonymität gewährleistet ist.