Merkel (l.) nebst ihrer Kabinettskollegin, Bildungsministerin Annette Schavan 2011 in Leipzig © Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Inmitten der Diskussion um Plagiatsvorwürfe gegen die Doktorarbeit von Bundesbildungsministerin Annette Schavan hat Bundeskanzlerin Angela Merkel ihrer Ministerin ihr Vertrauen ausgesprochen. Die CDU-Politikerin sei eine "hervorragende und sehr erfolgreiche Ministerin", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Die Bundeskanzlerin hat volles Vertrauen zu ihr."

Schavan selbst ging in die Offensive. Sie werde die Täuschungsvorwürfe bezüglich ihrer Doktorarbeit durch eine umfassende Stellungnahme vor der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität ausräumen, sobald der Promotionsausschuss der Universität ihr Gelegenheit dazu gebe, kündigte sie an. "Jetzt bleibt mir nichts anderes übrig, als mich zu wehren", sagte sie der Südwest Presse und fügte hinzu: "Ich lasse mir das nicht bieten."

Der Rheinischen Post sagte die Bildungsministerin , sie "habe zu keinem Zeitpunkt bei der Arbeit an meiner Dissertation versucht zu täuschen". Zwar könne sie sich nach mehr als 30 Jahren "natürlich nicht mehr an alle Einzelheiten genau erinnern", habe aber keine Quelle "bewusst falsch angegeben".

Anfang Mai waren auf der Website schavanplag.wordpress anonyme Täuschungsvorwürfe gegen Schavan erhoben worden. Die Universität kündigte daraufhin eine Prüfung an. Nach Berichten des Spiegels und der Süddeutschen Zeitung kommt nun ein Gutachter der Heinrich-Heine-Universität nach mehreren Monaten zu dem Schluss, dass etliche Stellen von Schavans Dissertation das "charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise" tragen. Insgesamt soll es auf 60 der 351 Seiten langen Doktorarbeit beanstandete Textstellen geben. Allerdings ist noch nicht sicher, ob Schavan ihren Doktortitel verliere. Die Entscheidung trifft nach Auskunft der Universität der Fakultätsrat auf Grundlage des Berichts in den kommenden Tagen.

Schavan habe ihr Amt schon jetzt beschädigt

Schavan kritisierte auch die Universität: "Es ist ein bemerkenswerter Vorgang, dass ein vertrauliches Gutachten eines Hochschullehrers der Presse vorliegt, bevor die Betroffene von der Existenz des Gutachtens weiß." Schavan hatte von dem Gutachten aus den Medien erfahren. Erst auf Nachfrage der Ministerin hatte ihr der Rektor der Universität das 75-seitige Gutachten am vergangenen Wochenende zugeschickt.

Die Opposition bringt bereits Schavans Rücktritt in die Debatte. Aus Sicht des SPD-Bildungspolitikers Ernst Dieter Rossmann muss die Ministerin aus dem Amt scheiden, wenn sie den Doktortitel verlieren sollte. "Es wird eng", sagte er der Berliner Zeitung . "Denn das ist nicht mehr nur ein anonymer Plagiate-Rechercheur, sondern die Hochschule, die zu einem Meinungsbild kommt."

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast sieht Schavan schon jetzt beschädigt: Noch habe diese ihr Amt formal inne, "aber die Glaubwürdigkeit, die sie für eine gute Amtsführung braucht, hat sie schon verloren", sagte Künast der Rheinischen Post . Es sei "beschämend, dass Schavan die Sache aussitzen will".