Plagiatsvorwürfe : Gutachter wirft Schavan Täuschungsabsicht bei Doktorarbeit vor

Hat Annette Schavan bei ihrer Dissertation abgeschrieben? Ein Gutachter sieht an etlichen Stellen eine "plagiierende Vorgehensweise". Die Ministerin weist das zurück.
Die Bundesbildungsministerin im Regen © John Macdougall/AFP/Getty Image

Die gegen Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) erhobenen Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit ihrer Doktorarbeit verdichten sich. Ein Gutachter der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität erkenne an etlichen Stellen der Dissertation "das charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise", berichteten der Spiegel und die Süddeutsche Zeitung .

In dem vertraulichem 75-seitigen Papier stellt der Gutachter demnach bei Schavan "eine leitende Täuschungsabsicht" fest und beanstandet Textstellen auf 60 der 351 Seiten der Dissertation. Verfasser des Gutachtens ist nach Angaben des Spiegel der Professor für Jüdische Studien, Stefan Rohrbacher, der zugleich dem mit dem Prüfungsverfahren befassten Promotionsausschuss vorsteht.

Sein Papier ist die Grundlage für Beratungen des Promotionsausschusses, der sich voraussichtlich am Mittwoch trifft. Neben Rohrbacher sitzen im Ausschuss drei weitere Professoren, zwei wissenschaftliche Mitarbeiter und ein Studentenvertreter. Sie geben eine Empfehlung an den Fakultätsrat ab, der dann über eine Aberkennung des Doktortitels zu entscheiden hat.

Schavan wehrte sich gegen den Vorwurf. "Die Unterstellung einer Täuschungsabsicht weise ich entschieden zurück", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Dem Spiegel hatte Schavan am Freitagabend gesagt: "Die erhobenen Vorwürfe treffen mich tief und schmerzen mich sehr; soweit die Fakultät mir Gelegenheit dazu gibt, werde ich nach sorgfältiger Prüfung dazu Stellung nehmen." Zu dem Zeitpunkte kannte sie nach eigener Aussage das Gutachten noch nicht.

Doktorarbeit zum Thema "Person und Gewissen"

Anfang Mai waren auf der Website schavanplag.wordpress anonyme Vorwürfe gegen die Doktorarbeit Schavans erhoben worden. Die Philosophische Fakultät der Universität Düsseldorf kündigte daraufhin eine Prüfung an. Dies geschah auch auf Bitte der Ministerin . Schavan hatte 1980 mit der Arbeit unter dem Titel "Person und Gewissen – Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung" den Doktortitel erlangt.

Der VroniPlag-Gründer Martin Heidingsfelder hatte Schavan bereits nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Mai zum Rücktritt aufgefordert. "Wer nicht weiß, wie man richtig zitiert, kann nicht Bundesforschungsministerin und Professorin sein", hatte der bekannteste deutsche Plagiatsjäger damals gesagt. Heidingsfelder wirkte bei der Aufdeckung von Plagiatsvorwürfen gegen mehrere Spitzenpolitiker wie den ehemaligen Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin mit.

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Kommentare

264 Kommentare Seite 1 von 28 Kommentieren

Hach, schön...

die Bildungsministerin, die schon so viel Schaden an Bildung und Forschung angerichtet hat, wie kaum ein Mensch in diesem Amt zuvor, hat in ihrer eigenen Doktorarbeit (die sich auch noch mit dem Thema Gewissensbildung und Ethik auseinandersetzt) betrogen.
Eine schöne Ironie, auf die hoffentlich ein lange überfälliger Rücktritt folgt.

Kann eigentlich

auch nur ein einziger Minister(in) überhaupt irgendetwas?
Vielleicht sogar Fachbezogenes?

Gut, viel Zeit bleibt ja eh nicht bei all den Nebenjobs.

Wenn man beides zusammen nimmt, bestätigen sich die Theorien, dass seit zig Jahren nur die Entwürfe und Forderungen der oberen 10.000 einfach unterschrieben und verkauft werden.
Oder es wird gar nichts gemacht, so wie im Bildungsbereich.

Neulich im Bundeskabarett...

Juhu, endlich hat die nächste Dreck am Stecken. Ich wusste doch, dass jeder eine Leiche im Keller hat. Gott sei Dank wurde sie nun auch bei Frau Schavan gefunden.

Man könnte ja mal eine Liste mit Politikern erstellen, die unbequem sind und von der Bildfläche verschwinden sollen und in ihrer frühen Kindheit wühlen, bis man gefunden hat, wer wem den Kaugummi aus dem Mund gestohlen hat.

Übrigens:
Fachliche Eignung gibt es ja bei keinem Minister. Ein Studien- oder Ausbildungsplatz zum Umweltminister oder zum Bildungsminister ist mir noch nicht über den Weg gelaufen. Politik wird fatalerweise immer von laienhaften Laien gemacht ;)

Seh schöner Beitrag.

In solchen fällen jedoch:

-Rücktritt ohne jegliche Bezüge (außer das zum Leben unerlässliche), weil ich nicht bereit bin, diese Betrügereien auch noch in Form von Pensionen mit meinen Steuern zu bezahlen.

Weiter fordere ich z. B.:

- Nebeneinkünfte für gewählte Abgeordnete ab sofort verbieten und Zuwiderhandlungen unter (Gefängnis-)Strafe stellen.

- Parteispenden ab sofort verbieten.

- Das Amt des Bundespräsidenten sofort abschaffen oder mindestens den "Ehrensold" auf max. 10.000 € im Monat begrenzen.

Bei dieser sogenannten Elite muss mal ganz gehörig aufgeräumt werden.

Dann muss man aber Alternativen nennen

Parteispenden sind für Parteien wichtig, wenn sie, wie das Grundgesetz ihnen zugesteht, bei der politischen Willensbildung des Volkes mitwirken. Plakate, Kundgebungen, Diskussionen, Versammlungen, Präsenz in den Medien - das kostet alles Geld. Es gibt Ortsvereine, die freuen sich über jeden Schirm oder jeden Klapptisch, den sie beim nächsten Bürgerfest zusätzlich aufstellen können.

Den Ehrensold abschaffen, finde ich auch etwas billig. Ein ehemaliger Bundespräsident sollte sich nicht wieder in der Wirtschaft verdingen müssen, sondern unabhängig bleiben, um sich auch nach seiner Amtszeit glaubwürdig in gesellschaftliche Diskurse einmischen zu können. Vielmehr sollte man die Höhe und die Hürden, ihn zu beziehen, reformieren.

Die Forderungen sind verständlich, sind aber offensichtlich auch aus dem Bauch heraus formuliert und haben vor allem mit erschwindelten Doktorarbeiten nicht wirklich etwas zu tun.