Einigen britischen Eliteuniversitäten fehlen Studenten. An rund einem Drittel der führenden Universitäten des Landes sei die Zahl der Erstsemester zurückgegangen, meldet die  Russell Group , der Verbund der 24 forschungsstärksten Universitäten.

Grund dafür ist eine Änderung der zweiten Stufe des Zulassungsverfahrens , des sogenannten Clearing s. In der ersten Stufe bewerben sich die Schüler ein Jahr vor dem Schulabschluss bei ihren Wunschunis. Bewerber, die dabei nicht ihren Wunschplatz bekommen haben, können sich im Clearing ein zweites Mal auf einen Studienplatz bewerben. Die Universitäten versuchen auf diesem Weg, ihre wenig nachgefragten Kurse aufzufüllen. Da Hochschulen in Großbritannien stärker als etwa deutsche Universitäten auf die Studiengebühren ihrer Studenten angewiesen sind, ist es für sie wichtig, ihre Kurse mit der maximalen Teilnehmerzahl zu füllen.

Bislang bekamen die Universitäten von der Regierung vorgeschrieben, wie viele Studenten sie maximal aufnehmen dürfen. Nach dem neuen Clearing-Verfahren können die Hochschulen so vielen Bewerbern zusagen wie sie wollen, vorausgesetzt, diese haben mindestens ein AAB in ihrem Schulabschluss, den A-levels (vergleichbar mit einer 1,8 im deutschen Abitur). Davon profitieren vor allem kleinere Hochschulen, die mehr Bewerber anziehen, weil sie im Clearing auch beliebte Fächer wie VWL anbieten; ganz im Gegensatz zu den Eliteunis, die meist nur noch Orchideenfächer auffüllen wollen, etwa Textilwirtschaft.

Den Eliteunis fehlen 80 Millionen Pfund

Da jede Universität möglichst viele Studenten – und damit Studiengebühren – haben will, fand im diesjährigen Clearing ein regelrechter Kampf statt um Bewerber mit AAB-Abschluss oder höher. "Schüler ziehen kleine Unis vor, weil sie dort eher den Kurs finden, den sie studieren wollen", sagt Andreas Chen, der in Cambridge Land Economy studiert. Ein VWL-Bewerber gehe lieber an eine Nicht-Eliteuni statt an einer Top-Adresse, dafür aber Buchhaltung zu studieren. "Gerade wegen der hohen Studiengebühren sagen sich viele: Wenn ich schon so viel bezahle, dann wenigsten für das, was ich auch studieren will."

Die neue Wahlfreiheit der Studenten bekommen die Eliteunis nun deutlich zu spüren. An der Universität Southampton etwa gibt es dieses Jahr 600 weniger Erstsemester als noch 2011. "Der Rückgang trifft uns. In der gesamten Russell Group fehlt ein Betrag in Höhe von etwa 80 Millionen Pfund. Das ist für uns eine erhebliche Summe", sagte Wendy Piatt, Direktorin der Russell Group der BBC .

Der Universitätsverbund begrüße zwar die größeren Wahlfreiheiten, doch gleichzeitig warnt Russell-Group -Direktorin Piatt vor den Folgen der Studiengebühren-Einbußen: "Wir werden uns bemühen, dass sich das nicht auf die Studenten auswirkt. Trotzdem wird es spürbar sein."

Die britische Regierung hat bereits reagiert und angekündigt, durch eine Absenkung der Mindest- A-level -Note den Pool der Bewerber ohne Zulassungsbeschränkung im nächsten Jahr zu vergrößern. Der zuständige britische Minister, Vince Cable, sagte der BBC: "Es ist ein Experiment. Wir versuchen, das alte sowjetisch-anmutende System loszuwerden. (...) Wir wollen den Universitäten und Studenten etwas mehr Freiheiten geben, im Moment gibt es zu viele Vorgaben und das System ist sehr ineffizient."