Plagiatsgutachten Schavan"Eine gravierende Fehleinschätzung"

Schavan hat nicht getäuscht, schreiben die Bildungsforscher Elmar Tenorth und Helmut Fend in einem Gastbeitrag. Das Gutachten der Uni Düsseldorf kritisieren sie scharf. von Helmut Fend und Elmar Tenorth

In der Plagiatsaffäre um Annette Schavan liegt jetzt eine erste, aber gewichtige gutachterliche Stellungnahme vor. Auf 75 Seiten hat der Vorsitzende des Promotionsausschusses der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf, Stefan Rohrbacher, die Ergebnisse seiner intensiven Prüfung der Doktorarbeit von Frau Schavan niedergelegt.

Auf zwei Seiten diskutiert er darin abschließend und eher knapp die "Relevanz der erhobenen Befunde" für den Plagiatsvorwurf, und in drei knappen Zeilen resümiert er das Ergebnis. "Eine leitende Täuschungsabsicht" sei zu konstatieren, und nicht ohne Grund wird dieser Satz in der Öffentlichkeit wie ein vorweg genommenes Urteil der Fakultät interpretiert; denn so eindeutig formulieren deutsche Professoren selten. Das erwartbare Urteil, ein Schuldspruch, scheint also schon formuliert und ist auch öffentlich geworden.

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Doch ist die Beweisführung überzeugend? Wir, ein Autor dieser Zeilen und ein "betroffener" in der Dissertation zitierter Autor, haben uns im Sommer im Blick auf die Plagiatsvorwürfe schon einmal geäußert, zwar Zitierfehler und handwerkliche Fehler gefunden, aber weder den Plagiatsvorwurf akzeptiert noch gar eine "leitende Täuschungsabsicht" konstatiert. Hat uns Herr Rohrbacher eines Besseren belehrt?

Zitierfehler ja, Täuschung nein

Heinz-Elmar Tenorth

war seit 1991 Professor für Historische Erziehungswissenschaft an der Humboldt-Universität in Berlin. Mittlerweile ist er Emeritus.

Nein. Zwar sind "Regelwidrigkeiten", also die von uns schon genannten "Zitierfehler" nicht zu bestreiten. Aber eine ausschließlich Textstelle für Textstelle vergleichende Technik erscheint uns nicht hinreichend, um Dissertationen zu bewerten oder Doktorgrade zu entziehen. Es ist überraschend, dass Herr Rohrbacher aus der Frequenz und Verteilung von "Regelwidrigkeiten" Erkenntnisse gewinnt, die einen Rückschluss auf "Absichten", hier sogar auf "leitende Täuschungsabsichten" erlauben. Wie funktioniert das, der kühne Schluss von empirischen Verteilungen auf Motive, die die Urheberin des Textes bei seiner Konstruktion vermeintlich gehabt hat, die sie aber – die Täuschungsabsicht – explizit schon mehrfach geleugnet hat?

Gut hermeneutisch verlässt sich Herr Rohrbach bei der Klärung der konkreten Textgestalt und der zu konstatierenden "Regelwidrigkeiten" nicht auf den Urheber des Textes, sondern auf seine eigene Methode der Analyse. Zwei Hypothesen prüft er, um nicht nur zu zählen, sondern die Textgestalt insgesamt zu erklären. Die erste geht "von Flüchtigkeit und mangelnder Sorgfalt in der Befolgung von Regeln und Konventionen" aus.

Helmut Fend

war bis 2006 Pädagogikprofessor in Konstanz und Zürich. Er wurde in Schavans Dissertation zitiert

 Aber diese Erklärung befriedigt ihn nicht, schon wegen der Frequenz der Fehler. Er sucht nach dem System, das die Fehler generiert und findet "eine gewisse Systematik". Diese sei als "Ergebnis einer plagiierenden Vorgehensweise" erklärbar und ein "das Profil der Dissertation wesentlich mit prägendes Element". Im Verweis auf den umfangreichen Teil 2 der Arbeit, in dem die übergroße Zahl der "Regelwidrigkeiten" zu finden ist, sei deshalb auch eine "weitgehende oder auch vollständige Abhängigkeit von Leistungen anderer" zu konstatieren, so dass also – so darf man wohl diesen Hinweis konkretisieren – nach Meinung des Gutachters offenbar plagiiert werden musste, weil der Autorin zu ihrem Thema selbst nichts eingefallen sei.

Leserkommentare
  1. In der FAZ ist eine Synopse abgedruckt, in der Schavans Text (A) der angeblichen Vorlage (B) gegenübergestellt wird. Tatsächlich scheint sie aber eine in der Fußnote angegebene Quelle (C) zu zitieren und zu paraphrasieren, die auch in der angeblichen Vorlage B mit Fußnote zitiert und paraphrasiert wird. Denn in der Schavan-Fassung A ist das Zitat länger als in der angeblichen Vorlage B. Schavan kann es also nur der Quelle C entnommen haben. Selbstverständlich ergeben sich daraus Textähnlichkeiten in den Paraphrasen der Texte A und B, weil beide Texte ja aus der gleichen Textquelle C schöpfen. Zumindest diese Textstelle entlastet Frau Schavan.

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    http://de.vroniplag.wikia...

    Was Schavan hier geleistet bzw. nicht geleistet hat, ist schon arg. Dass das kein wissenschaftliches Arbeiten ist, wird schon den Erstsemestern jeglicher Fachrichtungen eingebläut.
    Richtig, die Primärquellen hat sie richtig angegeben und sie hat offensichtlich auch umfangreicher zitiert als die angebliche oder tatsächliche Vorlage. Das ändert nur nichts daran, dass sie sich hier einfach der Leistung eines anderen Autors bedient hat.
    Sie bewegt sich damit wohl in einer Grauzone. Ob man so einen Doktortitel verdient, sei mal dahingestellt...

  2. http://de.vroniplag.wikia...

    Und dann erklären Sie bitte noch einmal, dass das "handwerkliche Fehler" sind. Hier hat es sich Frau Schavan einfach ein bisschen leicht gemacht. Das ist nunmal ein Fakt.

    Die Arbeit wurde vom Verfasser der Quelle geleistet. Bücher lesen, nachdenken, bewerten, zusammenfassen. Frau Schavan hat das abgeschrieben. Dadurch sieht es so aus, als hätte sie diese Arbeit geleistet. Das ist eine Täuschung.

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    • Floak
    • 17. Oktober 2012 12:10 Uhr

    Wie schon gesagt, wird in Teil 2 vorhandene Literatur herangezogen um den Stand der zu dem Zeitpunkt vorherrschenden Fachmeinung wiederzugeben. Das sie dazu die Fachmeinung aufzählt und zitiert, gehört im Stil der damaligen Zeit einfach dazu. In Teil 3 wird diese Fachmeinung dann erörtert und verwertet. Das ist kein Plagiieren, sondern die damals übliche Vorgehensweise. Man kann ein ganzes Buch in seiner Arbeit Wort für Wort zitieren, ohne als Plagiator zu gelten, solange man dann im selbst verfassten Teil der Arbeit genug Zeit investiert.

    Wie kann man sowas nur fehlinterpretieren? Mit fallen nur 2 Gründe ein. Entweder man kommt aus dem gegnerischen politischen Lager und ist zu ideologisiert um klar denken zu wollen oder zu können. Oder man bildet sich seine Meinung alleine aus den Schlagzeilen der Boulevardpresse, ohne das Thema überhaupt zu durchleuchten, bevor man am Stammtisch seine Meinung zum besten gibt.

    zeigt, das sehe ich ebenso, einige Schludrigkeiten bezüglich überleitender Textbausteine, die freilich nicht besonders Aussage relevant sind. Freilich haben die oben genannten Bildungsforscher recht, wenn sie auf die damalige Zitationspraxis verweisen. Ich erinnere mich daran, dass ich bei univeritären Hausarbeiten, die ich in den 80ern abzuliefern hatte, wiederholt ermahnt wurde, bei Zitaten nicht gar zu akkribisch vorzugehen, um nicht den Anmerkungsapparat aufzuschwemmen. Letztlich galt eine vergleichbare, freilich ungeschriebene Regel wie in Wagners Meistersingern: "Wer über vier der Silben nicht eingreift in andrer Meister Weis'/ des Lied erwerb sich Meisterpreis." :-)

    • Afa81
    • 17. Oktober 2012 12:25 Uhr

    Aber alle längeren, unter diesem Link farblich gekenn-zeichneten Stellen, wurden mit [FN x] gekennzeichnet und weiter unten mit Angabe des Autors, Name des Werkes und Seitenzahl angeführt.

    • mrto
    • 17. Oktober 2012 12:27 Uhr

    "Die Arbeit wurde vom Verfasser der Quelle geleistet. Bücher lesen, nachdenken, bewerten, zusammenfassen. Frau Schavan hat das abgeschrieben. Dadurch sieht es so aus, als hätte sie diese Arbeit geleistet. Das ist eine Täuschung."

    Unsinn. Sie hat Grundlagen zitiert und dies in einer Form, die ihre eigenen Gedankengänge nachvollziehbar erscheinen läßt. Nur bei äußerst böswilliger Auslegung kann man hier von einem Problem sprechen.

    hier fasst die Autorin gegebene Literatur zusammen, längere übernommene Stellen sind eindeutig gekennzeichnet und die Quellen vermerkt. Bei den kürzeren Phrasen sehe ich kein Problem und empfinde diese auch nicht als zitiert. Die Deutsche Sprache ist eben sehr korrekt und lässt nicht viele unterschiedliche Formulierungen zu. Also, ich würde der Autorin aufgrund dieser Seite mal kein Plagiat unterstellen. Zumindest in der englischsprachigen naturwissenschaftlichen Literatur wird nicht so penibel mit Fußnoten umgegangen.

  3. Die Autoren bemängeln den kühnen Schluss von den empirischen Befunden auf die Motive der Autorin und vollziehen dann eben denselben Schluss, nur in umgekehrter Richtung, dass eben keine Täuschungsabsicht zu erkennen war. Nur Flüchtigkeit und die Umstände. Müsste sich Fr. Schavan nicht, unabhängig von ihren Motiven, die ihr sowieso niemand nachweisen kann, an ihrem Erzeugnis messen lassen? Wenn man in einem wissenschaftlichen Text so und so viele unkorrekt zitierte Stellen oder gar nicht deklarierte Zitate findet, dann kommt irgendwann der Punkt, wo man sagen muss, dass hier die wissenschaftlichen Standards derart grob verletzt wurden, dass eine solche Leistung keinen Doktortitel verdient.

    Eine Leserempfehlung
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    • mrto
    • 17. Oktober 2012 12:11 Uhr

    ... Sie haben es völlig richtig erkannt:

    "und vollziehen dann eben denselben Schluss, nur in umgekehrter Richtung, dass eben keine Täuschungsabsicht zu erkennen war. Nur Flüchtigkeit und die Umstände. Müsste sich Fr. Schavan nicht, unabhängig von ihren Motiven, die ihr sowieso niemand nachweisen kann, an ihrem Erzeugnis messen lassen?"

    Täuschungsabsicht muss bewiesen werden. Bis das der Fall ist, ist dem Prüfling zu glauben. Ganz einfach.

    Warum? Weil wir auf Ver- und nicht auf Misstrauen setzen.

    Frau S. läßt sich ja messen. Sie muß sich jedoch nicht entlasten, die anderen müssen sie belasten. Und wie schwer das ist, sehen wir ja gerade.

    Und das ist auch gut so.

  4. getätigten Investitionen (Podiumsdiskussion mit Kissinger in New York schon als einfacher Abgeordneter etc.) nicht einfach so sausen lassen - da ist der einfachste Weg für das come-back natürlich der, die Plagiatsaffäre ins Absurde zu kehren, nach dem Motto: Die Deutschen haben ihn des Plagiarismus überführt? Aber hallo, die überführen jeden des Plagiarismus, von der Wissenschaftsministerin bis zu.. etc.

    • Floak
    • 17. Oktober 2012 12:10 Uhr

    Wie schon gesagt, wird in Teil 2 vorhandene Literatur herangezogen um den Stand der zu dem Zeitpunkt vorherrschenden Fachmeinung wiederzugeben. Das sie dazu die Fachmeinung aufzählt und zitiert, gehört im Stil der damaligen Zeit einfach dazu. In Teil 3 wird diese Fachmeinung dann erörtert und verwertet. Das ist kein Plagiieren, sondern die damals übliche Vorgehensweise. Man kann ein ganzes Buch in seiner Arbeit Wort für Wort zitieren, ohne als Plagiator zu gelten, solange man dann im selbst verfassten Teil der Arbeit genug Zeit investiert.

    Wie kann man sowas nur fehlinterpretieren? Mit fallen nur 2 Gründe ein. Entweder man kommt aus dem gegnerischen politischen Lager und ist zu ideologisiert um klar denken zu wollen oder zu können. Oder man bildet sich seine Meinung alleine aus den Schlagzeilen der Boulevardpresse, ohne das Thema überhaupt zu durchleuchten, bevor man am Stammtisch seine Meinung zum besten gibt.

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    • ST_T
    • 17. Oktober 2012 12:24 Uhr

    Trotzdem hätte sie an oben genannter Stelle den Abschnitt selbst formulieren müssen und sie hat an der Stelle die Zusammenfassung nicht angegeben.

    Natürlich darf man eine Zusammenfassung als Referenz nehmen aber auch nur unter der Berücksichtigung, dass vorher die verwendeten Primärquellen einschlägig untersucht werden.
    Frau S. hat stattdessen hier die Zusammenfassung ohne Referenz verwendet, und somit plagiiert.

    Angenommen, sie hätte lediglich die Primärquellen aus dem Buch benutzt, die Zusammenfassung aber nicht, dann wäre es eine vollkommen legitime Verhaltensweise gewesen. Sie hat aber auch die Zusammenfassung selbst kopiert und als selbst gemachte Arbeit dargestellt (denn nichts anderes zeigt die Erklärung über das eigenständige Verfassen einer Arbeit an!), da liegt der Fehler.

    Wenn solche Vorfälle mehrmals passieren dann ist nicht länger von eigenständiger Arbeit auszugehen. Ich glaube ich mache mir mal selbst die Mühe, dass ich mir die beanstandeten Stellen genau durchlese.

    ...oder man schaut einfach mal selber auf der Homepage und bildet sich ein eigenes Urteil.

    Außerdem macht man es sich zu leicht, die andere(n) Seite(n) einer Diskussion einfach als ideologisiert oder dämlich abzutun.

    Antwort auf Nr. 5 Floak: Nochmal den Artikel lesen - bitte

    Danke für den ersten Abschnitt Ihres Beitrages – erspart mir einen eigenen Beitrag.

    Dieser Artikel ist aus meiner Sicht einer der wenigen, die sich mit den Plagiatsvorwürfen auseinandersetzen, indem man diese in den Kontext a) zur Struktur der Doktorarbeit und b) in die Methodik einer Doktorarbeit im Zeitzusammenhang stellt.

    Wenn wie im Artikel angeführt, die meisten beanstandeten Textstellen in dem Kapitel 2 stehen, das die herrschenden Theorien zusammenfassen sollte, sind die beanstandeten Textstellen anders zu bewerten, weil man ja nicht unterstellen kann, die Autorin wollte diese als eigene Leistung „verkaufen“. Es bleibt natürlich möglicherweise der Vorwurf, nicht regelgerecht zitiert zu haben.

    Für mich hat der Artikel den Ertrag: ein einfaches „Satz-fürSatz-Vergleichen“ mag die notwendige Grundlage einer Überprüfung von wissenschaftlichenArbeit sein, ist aber nicht hinreichend für ein Gesamturteil.

    Ach ja, noch eins: es ist sehr einfach, schnell mal den Stab über jemanden zu brechen – aber fast unmöglich, diesen wieder zusammen zu leimen, sollte man sich geirrt haben.

    „Entweder man kommt aus dem gegnerischen politischen Lager und ist zu ideologisiert um klar denken zu wollen oder zu können,...“ Dieser Topos suggeriert im Subtext, in dem zur Regierungspartei in Opposition stehenden „politischen Lager“ ist man a priori und generell „ideologisiert“, ergo unfähig, bestenfalls unwillig zu „klarem Denken“. Diese Fähigkeit wird im Umkehrschluß exklusiv dem „Regierungslager“ zugestanden, das selbstredend per definition jeder ideologische Konditionierung, also der Neigung zu ressentiments- und interessengeleiteten Vorurteilen, abhold ist. Daß es gelegentlich auch mal genau umgekehrt sein könnte, scheint in dem göttlichen Schöpfungsplan wohl nicht vorgesehen zu sein: Merke! Wer dem „generischen“ politischen Lager angehört, hat a priori nicht alle Tassen im Schrank...

    Da sieht man nämlich glasklar, was Sie partout nicht wahrhaben wollen: Frau Schavan hat aus Büchern fast komplette Seiten - samt Zitaten und Literaturangaben! - so gut wie unverändert übernommen, ohne die wahre Quelle zu nennen. Ihre Arbeit liest sich daher so, als habe sie selbst die Zitate in der von ihr selbst ausgewählten und gelesenen Literatur gefunden und zusammengestellt, obwohl diese gedankliche Arbeit komplett von jemand anders erbracht wurde. Das ist ein Plagiat reinsten Wassers, und keineswegs der "Stil der damaligen Zeit", wie Sie behaupten. Warum sie plagiiert hat, ist zwar meines Erachtens klar - wer sich mit fremden Federn schmückt,handelt in Täuschungsabsicht - , aber selbst wenn man unterstellt, dass ihr die Plagiate "unbewusst", quasi in einem Anfall vorübergehender geistiger Unzurechnungsfähigkeit, in ihre Arbeit "hineingerutscht" sind (s.Guttenberg-Rechtfertigung), würde das letztlich nichts ändern. Plagiate sind Betrug und haben in einer Doktorarbeit nichts zu suchen, ob diese nun von Lieschen Müller oder einer Frau Schavan eingereicht wurde. Diese Frau, an deren wissenschaftliche Integrität ich vormals geglaubt habe, ist für mich ein für allemal unten durch.

    • kfmb
    • 17. Oktober 2012 12:10 Uhr

    In Metahinsicht hat diese Diskussion genau wie die Eurokrise einen positiven Effekt: Die Menschen lernen, dass sowohl im Wissenschaftsbetrieb als auch im europäischen Politikbetrieb nicht alles so eindeutig ist, wie es immer über die Medien vernommen wird.

    Schavan leistet in dieser Hinsicht also etwas für dei Bildung ihrer Bürger. Der späte Diskurs zu ihrer Arbeit zeigt die Notwendigkeit, Die medialen und Meinungsmacher- Konstrukte zu durchbrechen und die eigene Urteilsfähigkeit zu bilden.

    Sehr schön! Allein dafür sollte sie weiterhin Bildungsministerin bleiben!

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    >>Schavan leistet in dieser Hinsicht also etwas für dei Bildung ihrer Bürger. Der späte Diskurs zu ihrer Arbeit zeigt die Notwendigkeit, Die medialen und Meinungsmacher- Konstrukte zu durchbrechen und die eigene Urteilsfähigkeit zu bilden.<<

    Letzteres ist zweifellos richtig, allerdings gilt hier zu bedenken, dass in diesem Falle jedem Bürger nicht nur die "medialen Konstrukte" zur Verfügung stehen, sondern er kann sich seine Meinung unmittelbar über schavanplag bilden und auf dieser Faktenbasis den Diskurs mitgestalten. Da alles offen liegt und noch dazu sehr strukturiert "konsumierbar" ist und es jedem zudem offen steht, die komplette Arbeit zu lesen, geht der unterschwellige Hinweis auf eine mögliche Medien"manipulation" ins Leere.

    Und nein, Frau Schavan selbst hat nichts für "die Bildung ihrer Bürger" ge"leistet". Sie war lediglich Anlaß, dass dieses Thema jetzt von anderen diskutiert wird. In dem ganzen Diskurs, der - wohlwollend - durch ihre Schludrigkeit losgetreten wurde, ist sie stehts Objekt geblieben und war nie Motor oder Richtungsgeber der Diskussion. Insofern ist hier "leisten" das völlig falsche Wort und die daraus abgeleitete Schlußfolgerung, sie solle allein deswegen im Amt bleiben, voll daneben.

    • mrto
    • 17. Oktober 2012 12:11 Uhr

    ... Sie haben es völlig richtig erkannt:

    "und vollziehen dann eben denselben Schluss, nur in umgekehrter Richtung, dass eben keine Täuschungsabsicht zu erkennen war. Nur Flüchtigkeit und die Umstände. Müsste sich Fr. Schavan nicht, unabhängig von ihren Motiven, die ihr sowieso niemand nachweisen kann, an ihrem Erzeugnis messen lassen?"

    Täuschungsabsicht muss bewiesen werden. Bis das der Fall ist, ist dem Prüfling zu glauben. Ganz einfach.

    Warum? Weil wir auf Ver- und nicht auf Misstrauen setzen.

    Frau S. läßt sich ja messen. Sie muß sich jedoch nicht entlasten, die anderen müssen sie belasten. Und wie schwer das ist, sehen wir ja gerade.

    Und das ist auch gut so.

    Antwort auf "kühne Schlüsse"
    • Millen2
    • 17. Oktober 2012 12:12 Uhr

    Über die Frage, ob bei der vorliegenden Dissertation von einer bewussten Täuschungsabsicht ausgegangen werden muss, kann zurecht gestritten werden, zumal niemand in den Kopf von Frau Schavan hineinsehen kann. Letztendlich muss das vor dem Promotionsausschuss und eventuell vor Gericht geklärt werden. Herrn Rohrbach hat in seiner Funktion als Gutachter ein Votum abgegeben und das sollte, wenn auch nicht akzeptiert, dann doch respektiert werden. Dabei sollte man sich in der Diskussion aber auch an wissenschaftliche Standards halten - Um es deutlich zu sagen: Das Argument man müsse "zeithistorische Umstände" als ausschlaggebend bewerten ist an Lächerlichkeit und Scheinheiligkeit kaum zu überbieten. Das mag bei einigen Vertretern in der Erziehungswissenschaft möglich sein - gilt aber mit Sicherheit nicht für die Mehrheit in der Wissenschaft. Frau Schavan hat in ihrer Doktorarbeit falsch zitiert - der Promotionsausschuss wird prüfen ob dies die Aberkennung des Doktortitels nach sich ziehen muss - dabei sollte man es belassen. Pseudo-wissenschaftliche Formulierungen und Nebelkerzen bringen uns in der Diskussion nicht weiter.

    Eine Leserempfehlung
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    • Mr. Mo
    • 17. Oktober 2012 12:32 Uhr

    Mit Ihrem Argument, dass die Umstände der Zeit in das Urteil nicht mit einfließen dürfen, können Sie dann schon mal anfangen, nach entsprechender Prüfung nahezu allen Promovierten des 19. und 20. Jahrhunderts den Doktortitel abzuerkennen. Haben Sie solche Doktorarbeiten schon mal gelesen? Wahrscheinlich nicht. Nach heutigen Standards wären die aber nur ganz selten haltbar. Trotzdem kommt ja keiner auf die Idee, diesen Wissenschaftlern heute den Doktortitel nachträglich abzuerkennen.

    Selbstverständlich muss man die Bewertung einer Dissertation am Maßstab ihrer Zeit messen. (Nur ein weiteres Beispiel: dank computergestützter Literaturrecherche sind Literaturlisten um ein Vielfaches länger als noch vor dreißig Jahren.) Man kann natürlich zu dem Schluss kommen, dass eine Dissertation von 1980 aus heutiger Sicht veraltet ist und heutigen Standards nicht entspricht. Aber die Note wurde nach dem damaligen Horizont vergeben. Alles andere würde zu dem führen, was ich oben geschildert habe. Wenn man die historischen Rahmenbedingungen ignoriert, ist das jedenfalls eine Frechheit gegenüber der Leistung des jeweiligen Menschen.

    Als ob eine wissenschaftliche Arbeit sich nur an der 100% Einhaltung der wissenschaftlichen Zitierpraxis messen lassen müsste. Vor allem, weil hier ja m.E. im Rahmen der menschlichen Fehlertoleranz zitiert worden ist.
    Magna Cum? Ist die Arbeit sicherlich nicht - aber einer Dr.Arbeit nicht würdig? Das kann nach Stand der jetzigen Erkenntnisse nur über den Inhalt entschieden werden.

    Man kann die restliche Eigenleistung als ausreichend für die Erlangung des Doktortitels ansehen.

    Man kann natürlich auch gewisse Sorgfaltsstandards so stark gewichten, dass allein deren Verletzung keine Zuerkennung des Doktortitels erlaubt.

    Ich denke, es dürften 10 Zitierfehler - bei denen ganze Passagen übernommen werden - reichen, um jemandem zu unterstellen, dass da ganz bewusst eine Arbeitserleichterung stattfinden sollte. Der Schluss auf das Motiv "Arbeitserleichterung" ist schnell und zuverlässig zu haben.

    Aber wie bewertet man das?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Annette Schavan | Geisteswissenschaft | Autor | Dissertation | Doktortitel
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