Jacobs-UniversitätEine Uni, finanziert aus der Kaffeekasse

Eine Bremer Privathochschule kämpft ums Überleben. Die Zukunft der Uni hängt von neuen Steuermillionen ab – und der Stiftung eines Kaffee-Unternehmers. Von E. Stengel von Eckhard Stengel

Sie nennt sich selbstbewusst "Deutschlands erfolgreichste private Universität in Lehre und Forschung". Finanziell ist die private Elitehochschule "Jacobs University Bremen" (JUB) aber alles andere als erfolgreich. Seit ihrer Gründung 2001, damals noch unter dem Namen "International University Bremen", lebt sie mehr oder weniger von der Hand in den Mund und muss immer wieder ums Überleben kämpfen.

Derzeit, sagt JUB-Sprecher Peter Wiegand, finanziert sie nur 35 von 55 Millionen Euro Jahres-Etat "aus eigener Kraft", also aus Forschungsaufträgen, Studiengebühren, Kapitalstockzinsen und örtlichen Spenden. Die fehlenden 20 Millionen werden vor allem von der Schweizer Jacobs Foundation aufgebracht, einer Stiftung des 2008 gestorbenen Kaffeekönigs Klaus J. Jacobs. Auch das Land Bremen griff der Privatgründung bis 2011 unter die Arme.

Anzeige

In jüngster Zeit spitzten sich die Finanzprobleme wieder zu – aber inzwischen konnte die Jacobs University Entwarnung geben: Ihre treuen Partner Bremen und Jacobs-Stiftung wollen ihre bisher befristete Förderung verlängern. Genaue Beträge stehen noch nicht fest, doch steigen nunmehr die Chancen, dass die Jacobs University längerfristig überleben kann.

Paradiesische Zustände auf Kosten privater Sponsoren

Die Privatuniversität war 2001 mit gerade mal 130 Studierenden auf einem früheren Kasernengelände in Bremen-Nord eröffnet worden. Heute lernen hier fast 1.400 junge Leute aus über hundert Nationen, betreut von rund 130 Professoren und 260 wissenschaftlichen Mitarbeitern. Ein paradiesischer Personalschlüssel im Vergleich zu Staatshochschulen.

Dafür sind aber auch 20.000 Euro Studiengebühr pro Jahr fällig. Finanzschwache Bewerber, die das anspruchsvolle Aufnahmeverfahren bestehen, kommen allerdings günstiger davon. Und von diesen Teilzahlern gab es jahrelang mehr als erwartet.

Auch deshalb kam die Jacobs University nie auf einen grünen Zweig, vor allem aber, weil sich nicht genügend private Sponsoren fanden. Angestrebt wurde ein Kapitalstock von 250 Millionen Euro, doch bis 2006 kamen nur 70 Millionen zusammen. Umso glücklicher war Unipräsident Joachim Treusch, als damals die Jacobs Foundation einsprang: Sie stiftete 200 Millionen Euro, verteilt auf mehrere Jahre - die angeblich größte Privatspende, die jemals in Europa an eine wissenschaftliche Einrichtung vergeben wurde. 

Leserkommentare
  1. Universität ist ein Wirtschaftsunternehmen.

    Eine staatliche häufig ein vom Steuerzahler finanziertes Faß ohne Boden.

    Hier brauchen wir einen Ausgleich der fair zu beiden Systemen ist.

    Der im Moment beschrittende Weg der Regierung erscheint mir da als der völlig faksche weil immer nur repariert anstatt erneuert wird. Die handelnden Politiker haben doch Angst bei der nächsten Wahl zu verlieren wenn sie so handeln würden wie es erforderlich ist.

    • Rudi01
    • 31. Oktober 2012 17:14 Uhr

    ..geht ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell nicht funktioniert, zugrunde.

    Mit welcher Begründung erwartet diese Hochschule (von "Universität" würde ich bei 130 Professoren eher nicht sprechen) eine dauerhafte künstliche Beatmung durch das Land Bremen?

    Ich denke, es dürfte gerade in Bremen so manches Projekt und so manche Institution geben, die die erwartete Unterstützung aus Steuermitteln dringender braucht, als eine Lehranstalt für einen sehr kleinen Kreis von Menschen, deren Familien in der Lage sind, rund 20000 Euro pro Jahr für Studiengebühren aufzubringen.

    Und wieso berichtet eigentlich die ZEIT so häufig über diese sogenannten Privatuniversitäten, die bei aller angestrebten bzw. vorgeblichen Exklusivität doch immer wieder gern Unterstützung vom Steuerzahler annehmen?

    7 Leserempfehlungen
  2. Der Name ist reinste Täuschung!

    Vermutlich wird an diesen Hochschulen nur im Bereich der schönen Künste und der Geisteswissenschaften ausgebildet, es wäre ja grotesk, wenn diese Einrichtungen behaupten würden, sie könnten beispielsweise Ökonomen oder Betriebswerte ausbilden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sehen Sie doch mal im Internet nach, die haben da auch eine Seite!

  3. Spitzenreiter im Verschuldungsranking aller Bundesländer,
    kann sich solche Subventionen doch locker leisten. :)
    Wirlich schlimm, wie dort mit öffentlchen Geldern "gehaushaltet" wird.

    Eine Leserempfehlung
  4. betrieben wird. Auch ich hätte mir das Studium an solch einer privaten "Uni" zwar leisten können, aber um ehrlich zu sein, verdienen diese Einrichtungen in Deutschland das Prädikat "Elite" mitnichten.

    Im Gegenteil. Viele meiner Kollegen, die an solchen Hochschulen studiert haben, berichteten mir von grauenhaften Missmanagement gepaart mit der künstlichen Aufrechterhaltung des - eigentlich nie dagewesenen - Renommées.
    Dies zeigte sich beispielsweise darin, dass Studenten bei Umfragen zu Rankingzwecken dazu aufgerufen wurden immer Bestnoten für die eigene Hochschule zu geben mit der Begrüdnung, dass man ja auch davon profitiere, wenn alle Welt glaube dies entspräche der Wirklichkeit. Wer jemals in der Bibliothek der European Business Scholl (EBS) war und sich danach die Rankingplatzierungen bzgl. der Bibliothekszustände ansieht, versteht was ich meine.

    Ausserdem, diese Hochschulen sind reine Ausbildungsstätten. Es wird meist keinerlei Grundlagenforschug betrieben und wenn doch, dann nur marginal. Sie sind meines Erachtens nach unter keinen Umständen eine steuerliche Unterstützung mit Gemeinmitteln wert.

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Es wird meist keinerlei Grundlagenforschug betrieben und wenn doch, dann nur marginal."

    ...ist doch völlig überbewertet.

    Netzwerken i.S.v Vitamin B führt viel schneller zum egoistischen finanziellen Erfolg.
    Früher war man dafür in einer Burschenschaft, heute muss man in selbige nicht mehr notwendigerweise eintreten, es gibt ja Privatunis.

    Wer nichts kann, muss jemanden kennen.
    Derlei selbsternannte Eliteunis können es sich selten leisten,
    Studienabbrecher zu produzieren. Denk doch mal jemand an die Kinder! Und den eigenen Ruf!

    Und bzgl. Ihrer Feststellung zu Rankings gibt es i.W. nichts hinzuzufügen.

    Leider bin ich etwas sarkastisch geworden.

    Zitat von den Nachdenkseiten.de:
    "Es gilt halt immer der gleichen Logik: Man blutet die staatlichen Institutionen aus, damit die privaten überhaupt erst eine Chance haben. Und es ist immer die gleiche Dramaturgie: Mit Hilfe der Medien werden die privaten Hochschulen zu Elite-Hochschulen hochgejubelt, um damit Staatsgelder abzupressen[...]Die nun einmal gegründete, private Hochschule zwingt dann unter Androhung des Konkurses den Staat in eine Ausfallbürgschaft."

  5. Sehen Sie doch mal im Internet nach, die haben da auch eine Seite!

    Antwort auf ""Privat"-Universität"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Tatsächlich, Sie haben Recht!
    Scheinbar bildet sie aus. Oder verteilt zumindest die Urkunden gegen eine Gebühr von 3 x 20000€.

    Nur weil jemand etwas macht, kann er es? Das glaube ich eher nicht.

  6. nun dürfen also die Eltern der Arbeiterkinder, auf die unsere exklusive Elite so gern herabschaut, den selbigen also wieder unter die Arme greifen. Nun gut, kein Problem aber folgenden

    Vorschlag:

    Pro Million "Staatsknete" ein Stipendium (ein wirkliches)für ein begabtes Arbeiter/Beamtenkind und ich sage nichts mehr, versprochen.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Pro Million "Staatsknete" ein Stipendium (ein wirkliches)für ein begabtes Arbeiter/Beamtenkind und ich sage nichts mehr, versprochen."

    Alternativvorschlag:
    Mal nicht auf die Bertelsmann-Stiftung hören und faires BAFöG plus hinreichendem studentischem Wohnplatz leisten. Dann braucht es die Millionen für subventionierte Prestigeprojekte überhaupt nicht zusätzlich.

    • Bastie
    • 31. Oktober 2012 20:37 Uhr

    sollte einfach verboten werden.

    Wenn der Student zum Kunden wird, wird der Prof zum Dienstleister, der letztendlich vom Kunden abhängig ist. Wie soll man da noch eine ausgewogene und faire Beurteilung erwarten können, insbesondere eine, in denen der Student auch mal nicht besteht?

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das klappt in den USA z.B. ganz hervorragend. Natürlich ist das System an sich mangelhaft, es kann nicht sein, dass Studenten hunderttausende von Dollar an Schulden aufnehmen müssen. Aber einige der forschungsstärksten und fortschrittlichsten Universitäten der Welt sind Privatunis, vor allem in den USA. Die gesamte Ivy League (Harvard, Dartmouth, Columbia, Princeton, Yale etc.) besteht aus Privatunis, und ein Studium an diesen Institutionen ist sicherlich weder leicht, noch von Korruption geprägt.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte SPD | Die Linke | Euro | Gründung | Henning Scherf | Jens Böhrnsen
Service