Leserartikel

Hochschuldidaktik Schafft die Vorlesungen ab!

Wissen entsteht nicht durch Zuhören, sondern durch Denken, findet Leser Karsten Zamzow. Er will Vorlesungen abschaffen und durch Seminare und Forschungsgruppen ersetzen.

Wenn ich mich früher in der Schule gelangweilt habe, dann nicht, weil ich mich nicht für den Stoff interessierte. Schuld daran war der Frontalunterricht: Vorne stand eine Lehrkraft, die über das "wahre Wissen" verfügte, Aufgabe der Klasse war es, dieses Wissen zu reproduzieren.

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Diese Form der Wissensvermittlung ist anmaßend und dogmatisch. Im Studium wurde mir klar, dass vieles von dem, was ich in der Schule erfuhr, nur eine Forschungsmeinung unter vielen ist. An der Universität wird Wissen perspektiviert.

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Trotzdem spukt auch an der Hochschule das Gespenst des "wahren Wissens" – vor allem in der Unterrichtsform Vorlesung. Das einzige Ziel für die Studenten ist, das nachzusagen, was man ihnen vorgelesen hat. Einige Dozenten speisen ihre Studenten sogar mit fragwürdigen Multiple-Choice-Klausuren ab. Sie machen sich nicht einmal mehr die Mühe, sich mit den Gedanken der Studierenden auseinanderzusetzen, sei es in Form von Hausarbeiten und Essays oder in Form des Dialogs.

Das Seminar ist die angemessenere Lernform, weil es Kontroversen ermöglicht, die in einer Vorlesung nur am Rande stattfinden können. In der Vorlesung will der Dozent nur durch seinen Vortrag kommen und muss Wortmeldungen abkanzeln. Wen wundert es da, dass viele Studierende, sofern sie überhaupt noch zur Veranstaltung kommen, lieber zeichnen oder Smartphone-Spielchen zocken, als sich Antworten auf Fragen anzuhören, die sie nicht gestellt haben?

Dabei haben wir Studenten Fragen, für deren Beantwortung wir uns ein bestimmtes Wissen aneignen wollen. Die Aufgabe der Dozenten sollte sein, uns dabei zu unterstützen, indem sie Denk- und Arbeitsweisen hinterfragen und verfeinern – und nicht indem sie vorgefertigtes Wissen mit mehr oder weniger rhetorischem Glanz präsentieren.

Es kann unglaublich viel Freude machen, sich eine Thematik selbständig oder im Team zu erarbeiten. Das ist die Voraussetzung für spannende Erkenntnisse. Studenten sollten auf diesen Spaß bestehen!

 
Leser-Kommentare
    • TAR86
    • 30.10.2012 um 10:30 Uhr

    Als Rahmen für die Prüfung (und diese betrachte ich als notwendig) taugen Vorlesungen weiterhin. Ich habe in meinem naturwissenschaftlichen Studium Vorlesungen als Anregung und Überblick begriffen und bin damit gut gefahren -- und in einem Fach wie Mathematik gibt es nun einmal unumstößliche Wahrheiten.

    Da, wo es mehr als eine valide Meinung gibt, kann man die Vorlesung immer noch als Präsentation des Status Quo ansehen und sich damit kritisch auseinander setzen.

    Fazit: Komplettes Abschaffen würde ich nicht unterstützen.

    6 Leser-Empfehlungen
  1. zuerst müsste eine entsprechende Infrastruktur vorhanden sein. Das bedeutet entsprechende Räume, Arbeitsmittel und vor allem genügend Professoren.
    Soweit, so gut.
    Andereseits ist die Vorlesung nicht unbedingt schlecht. Es kommt immer auf den Referenten an. Erzählt er spannend, ist er interaktiv? Oder ist er eher so monoton wie das Hintergrundrauschen im Weltall? Ich habe damals beides erlebt und bin bei ersterer Sorte immer schlauer als vorher aus dem Hörsaal gegangen.
    Und in erster Linie dient die Vorlesung dazu, sich einem neuen Thema auszusetzen und es anschließend komplett nachzuarbeiten, bzw. sich selbst anzueignen. Ein Studium ist nichts anderes als selbständiges Lernen unter Anleitung. Das sollte man sich immer vor die Augen halten.

    6 Leser-Empfehlungen
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    ... 400 Leuten gleichzeitig entertainen und ihnen etwas beibringen. Ob 50 oder über 100 im Saal sitzen, macht ohnehin keinen großen Unterschied. Besser wären natürlich kleinere Gruppen. Dafür fehlt es jedoch an Räumen und an Personal.

    ... 400 Leuten gleichzeitig entertainen und ihnen etwas beibringen. Ob 50 oder über 100 im Saal sitzen, macht ohnehin keinen großen Unterschied. Besser wären natürlich kleinere Gruppen. Dafür fehlt es jedoch an Räumen und an Personal.

  2. Einschätzung und Erfahrung an.
    Es gibt viele Faktoren, die die Qualität einer Vorlesung bedingen, u.a. auch die eigene Tagesform.
    Vorlesungen abschaffen zu wollen ist, als würde man Fernsehen, Radio, Zeitung - sämtliche Medien der senderlastigen, nichtinteraktiven Informationsweitergabe abschaffen wollen.

    Vorlesung ist zumeist eine Überblicksveranstaltung, die spotartig Lichter auf Aspekte des Themas wirft. Was also genau soll negativ daran sein, einen Überblick zu bekommen?

    3 Leser-Empfehlungen
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    allgemeinverpflichtende Vorlesungen haben zudem den Vorteil, dass, wenn die Zuhörenden dem auch folgen und den Stoff bearbeiten, in Seminaren erst nicht auf ein gemeinsames theoretisches Hintergrundwissen hingearbeitet werden muss.
    Seminare bauen also auf Theoriekenntnisse, die im Idealfall in der Vorlesung erworben wurden, auf.
    Wenn sich im Seminar Menschen begegnen, die unterschiedliches Wissen zu einem Themenspektrum mitbringen, ist das Seminar für viele vielleicht ebenso weniger interessant und tiefgreifend.

    allgemeinverpflichtende Vorlesungen haben zudem den Vorteil, dass, wenn die Zuhörenden dem auch folgen und den Stoff bearbeiten, in Seminaren erst nicht auf ein gemeinsames theoretisches Hintergrundwissen hingearbeitet werden muss.
    Seminare bauen also auf Theoriekenntnisse, die im Idealfall in der Vorlesung erworben wurden, auf.
    Wenn sich im Seminar Menschen begegnen, die unterschiedliches Wissen zu einem Themenspektrum mitbringen, ist das Seminar für viele vielleicht ebenso weniger interessant und tiefgreifend.

  3. allgemeinverpflichtende Vorlesungen haben zudem den Vorteil, dass, wenn die Zuhörenden dem auch folgen und den Stoff bearbeiten, in Seminaren erst nicht auf ein gemeinsames theoretisches Hintergrundwissen hingearbeitet werden muss.
    Seminare bauen also auf Theoriekenntnisse, die im Idealfall in der Vorlesung erworben wurden, auf.
    Wenn sich im Seminar Menschen begegnen, die unterschiedliches Wissen zu einem Themenspektrum mitbringen, ist das Seminar für viele vielleicht ebenso weniger interessant und tiefgreifend.

    7 Leser-Empfehlungen
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    Vorlesungen sind auch ganz gute Filter.
    Wenn nämlich der Dozent , eigentlich immer ein Prof. oder PD, in der Vorlesung schon didaktisch "es nicht hinkriegt", dann schaut man sich das Proseminar dazu einmal an und das wars.

    Sucht sich vielleicht, das passende Seminir bei einem Doktoranten oder Habilitanten.

    Das spart sehr viel Zeit und auch Nerven.

    ist nicht gleich Stoff können.
    An unserer Uni werden viele Vorlesungen aufgenommen.. Ich gehe zu praktisch keiner mehr, da ich zuhause die Vorlesungen in meinem Tempo intensiv und mit Sekundärliteratur durcharbeiten kann. Insofern: Ja zu Vorlesungen, nein zu Anwesenheitspflicht!
    Bei uns gibt es im übrigen vor jedem Seminar ein Eingangstestat.. Wer da die Themen nicht gelernt hat, hat selbst schuld.

    Vorlesungen sind auch ganz gute Filter.
    Wenn nämlich der Dozent , eigentlich immer ein Prof. oder PD, in der Vorlesung schon didaktisch "es nicht hinkriegt", dann schaut man sich das Proseminar dazu einmal an und das wars.

    Sucht sich vielleicht, das passende Seminir bei einem Doktoranten oder Habilitanten.

    Das spart sehr viel Zeit und auch Nerven.

    ist nicht gleich Stoff können.
    An unserer Uni werden viele Vorlesungen aufgenommen.. Ich gehe zu praktisch keiner mehr, da ich zuhause die Vorlesungen in meinem Tempo intensiv und mit Sekundärliteratur durcharbeiten kann. Insofern: Ja zu Vorlesungen, nein zu Anwesenheitspflicht!
    Bei uns gibt es im übrigen vor jedem Seminar ein Eingangstestat.. Wer da die Themen nicht gelernt hat, hat selbst schuld.

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