EU-Richtlinie EU liebäugelt mit Turbo-Medizinstudium
Nach EU-Willen soll die Medizinerausbildung von sechs auf fünf Jahre verkürzt werden – bei gleicher Mindeststundenzahl. Einigen dauert auch das noch zu lange.
Die Mindestdauer für ein Medizinstudium in Europa soll nach dem Willen der EU um ein Jahr verkürzt werden. Statt wie bisher sechs Jahre soll es mindestens nur noch fünf Jahre dauern, die Mindeststundenzahl (5500 Stunden Unterricht) soll allerdings beibehalten werden. Das sieht die Neufassung der entsprechenden EU-Richtlinie vor, die die EU-Kommission jetzt ins Europäische Parlament eingebracht hat. Treibende Kräfte hinter dem Vorhaben sind Irland und Großbritannien. Irland würde die Mindestdauer sogar gerne auf vier Jahre verkürzen.
In Deutschland dauert ein Medizinstudium bisher in der Regel 13 Semester, also sogar sechseinhalb Jahre.
Der Medizinische Fakultätentag befürchtet nun, ein fünfjähriges Studium könnte sich künftig als Regelstudienzeit europaweit durchsetzen, "um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden", wie es in einer Mitteilung heißt. Eine Verkürzung bei gleicher Stundenzahl würde aber das Studium erschweren und zu mehr Studienabbrüchen führen, warnt Heyo Kroemer, Präsident des Fakultätentages. Insgesamt würde die Qualität der Medizinerausbildung leiden. Weil die Stundenpläne noch voller würden, könnten Studierende nicht mehr nebenbei arbeiten, was auch die soziale Zusammensetzung der Medizinerschaft langfristig verändere.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften hat daher einen Änderungsantrag ins EU-Parlament eingebracht, der wie bisher eine Mindestdauer von sechs Jahren vorsieht. Die Parlamentarier sollen Anfang des Jahres abstimmen.
- Datum 11.10.2012 - 14:53 Uhr
- Quelle Tagesspiegel
- Kommentare 17
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Endlich ist es so weit, wir werden es schaffen, etwa zwanzigjährige, lebenserfahrene Ärzte auf Patienten loszulassen!! (Das ist Ironie!)
Was soll das Ganze? Mehr Stueren? Mehr Ärzte? Sollen wirklich nur noch die durchkommen, die schnell viel auswendig lernen können oder wird evtl. auch noch Wert auf Lebenserfahrung oder so gelegt?
Ich finde die Vorstellung absurd, die Idee für viel zu kurz gedacht und den Gedanken an unglaublich junge Ärzte, die nur die Schulbank und die Hörsaalsitzplätze kennen, einen Graus.
Es tut mir Leid, dass es sich hierbei nicht um einen konstruktiven Kommentar handelt, ich befinde mich gerade kurz davor, an die Decke zu gehen vor Wut über solch schwachsinnige Überlegungen!!
Und wer von den EU-Kraten die dort oben sitzen wird sich wohl von einem Arzt behandeln lassen, der so einen "Turbo-Studiengang" hinter sich hatte?
Ich glaube, dass die EU-Komissare sicherlich nicht so lange leben, um die Früchte ihrer eigenen Arbeit kosten zu dürfen.
Ausbaden darf es mal wieder der Bürger.
Dieses ganze Turbo-Getue ist totaler Schwachsinn!
Warum sollten wir Deutschen mit der qualitativ besten Ausbildung in ganz Europa diesen eurokratischen Schwachsinn mittragen?
Und sorry für meinen Tonfall, aber bei so einer Scheiße bleibt mir offen gesagt nur die Spucke weg.
"Warum sollten wir Deutschen mit der qualitativ besten Ausbildung in ganz Europa diesen eurokratischen Schwachsinn mittragen?"
Welche Studie besagt denn, dass hierzulande die qualitativ beste Ausbildung von Medizinern gegeben ist?
Deutschland ist schließlich nicht von Entwicklubgsländern umringt.
Auf diesem schönen Kontinent befinden sich (neben Deutschland) andere hochentwickelte Länder, mit erstklassiger Ausbildung und Patientenversorgung.
Das kann ich durch einige Auslandsaufentlate in der Branche bestätigen.
Aber der selbstüberschätzte Deutsche glaubt ja auch, dass jenseits der Grenzen das Leitungswasser verseucht ist, man von korrupten Polizisten ausgenommen wird und man sich überall im Urlaub eine Lebensmittelvergiftung zuzieht... wie gut das in Good old Germany alles besser ist!
"Warum sollten wir Deutschen mit der qualitativ besten Ausbildung in ganz Europa diesen eurokratischen Schwachsinn mittragen?"
Welche Studie besagt denn, dass hierzulande die qualitativ beste Ausbildung von Medizinern gegeben ist?
Deutschland ist schließlich nicht von Entwicklubgsländern umringt.
Auf diesem schönen Kontinent befinden sich (neben Deutschland) andere hochentwickelte Länder, mit erstklassiger Ausbildung und Patientenversorgung.
Das kann ich durch einige Auslandsaufentlate in der Branche bestätigen.
Aber der selbstüberschätzte Deutsche glaubt ja auch, dass jenseits der Grenzen das Leitungswasser verseucht ist, man von korrupten Polizisten ausgenommen wird und man sich überall im Urlaub eine Lebensmittelvergiftung zuzieht... wie gut das in Good old Germany alles besser ist!
Lassen wir die Mediziner doch ein Jahr weniger auswendig lernen. Ich vermute mal, das wird nichts an ihrer späteren Leistung als Arzt ändern. :-)
Jeder Arzt begegnet in seinem Berufsleben ununterbrochen Situationen, denen er zuvor noch niemals ausgesetzt war.
Das ist gar nicht zu vermeiden.
Eine solide theoretische Ausbildung bedeutet nichts weniger als Patientenschutz vor den allergröbsten Fehlern in komplexen Situationen.
Jeder Arzt begegnet in seinem Berufsleben ununterbrochen Situationen, denen er zuvor noch niemals ausgesetzt war.
Das ist gar nicht zu vermeiden.
Eine solide theoretische Ausbildung bedeutet nichts weniger als Patientenschutz vor den allergröbsten Fehlern in komplexen Situationen.
...um dann 17 jährige 1,0er G8 Absolventen mit 22 auf Patienten loszulassen.
die Studienzeit auf 5 Jahre zu kürzen finde ich richtig. Andere Länder in der EU schaffen es, das gleiche Wissen in 5 Jahren zu vermitteln, ohne dass die Stundenpläne zu voll sind. Vielleicht sollte man gelegentlich auch mal kritisch überdenken, ob alles das was man im deutschen Medizinstudium lernt, für die Ausübung des Berufs relevantes Wissen ist.
Und was spricht dagegen das Studium auf 5 Jahre zu kürzen aber im selben Moment mehr praktische Ausbildung im Studium zu verankern. Denn was bringt es dem Patienten wenn der Arzt zwar über eine große Menge theoretisches Wissen verfügt aber zu wenig praktische Erfahrung hat um den Patienten angemessen zu behandeln?!
Über Reife lässt sich hier natürlich streiten, aber ich wüsste nicht was anderthalb Jahre zum Ende des Studiums hin da ändern sollten.
Dann sollte man eher überlegen, nach welchen Kriterien man Medizinstudenten auswählt, aber das ist sicher ein anderes -hier nicht weniger intensiv diskutiertes- Problem.
...aber ich bezweifle stark, dass das Curriculum auf ein zeitgemäßeres umgestellt wird, wie es beispielsweise in den Niederlanden seit Jahren Programm ist. Noch glaube ich an eine umfassende Umstellung der Auswahlverfahren, wenn man sich doch super mit alibi-revolutionären Neuerungen wie an der Universität Münster schon genug Lorbeeren einheimsen kann. Erstrebenswert wäre es natürlich, da haben Sie recht.
Tja es geht hier allerdings nicht um eine Neustrukturierung des Medizinstudiums bzw. eine kritische Auseinandersetzung was gelehrt werden muss und was nicht (mal davon abgesehen hatte ich neulich ein Gespräch mit einem Arzt dazu, Zitat:"man brauch das Wissen!"). Die Stunden sollen identisch bleiben! Sprich, der gleiche Stoff in weniger Zeit.
Also ernsthaft (tut mir Leid für den Tonfall): welcher Volldepp hat sich den Sch*** bitte ausgedacht?
Jeder der sich auch nur ansatzweise mit dem Medizinstudium auseinander gesetzt hat oder es vielleicht selbst studiert weiß, wie viel Arbeit da bereits dahinter steht. Da muss man sich einfach jeden Tag meist mehrere Stunden nach mehreren Vorlesungen hinsetzen und lernen um überhaupt den Stoff schaffen zu können. Von Extremsituationen wie das Physikum mal ganz zu schweigen, die den üblichen Medizinstudenten äußerst nahe wenn nicht sogar über seine Belastungsgrenze bringen.
In dem Zusammenhang würde mich auch mal interessieren wie viele Mediziner tatsächlich nebenbei arbeiten. Ich rate mal: der prozentuale Anteil ist deutlich geringer als bei anderen Studiengängen.
...aber ich bezweifle stark, dass das Curriculum auf ein zeitgemäßeres umgestellt wird, wie es beispielsweise in den Niederlanden seit Jahren Programm ist. Noch glaube ich an eine umfassende Umstellung der Auswahlverfahren, wenn man sich doch super mit alibi-revolutionären Neuerungen wie an der Universität Münster schon genug Lorbeeren einheimsen kann. Erstrebenswert wäre es natürlich, da haben Sie recht.
Tja es geht hier allerdings nicht um eine Neustrukturierung des Medizinstudiums bzw. eine kritische Auseinandersetzung was gelehrt werden muss und was nicht (mal davon abgesehen hatte ich neulich ein Gespräch mit einem Arzt dazu, Zitat:"man brauch das Wissen!"). Die Stunden sollen identisch bleiben! Sprich, der gleiche Stoff in weniger Zeit.
Also ernsthaft (tut mir Leid für den Tonfall): welcher Volldepp hat sich den Sch*** bitte ausgedacht?
Jeder der sich auch nur ansatzweise mit dem Medizinstudium auseinander gesetzt hat oder es vielleicht selbst studiert weiß, wie viel Arbeit da bereits dahinter steht. Da muss man sich einfach jeden Tag meist mehrere Stunden nach mehreren Vorlesungen hinsetzen und lernen um überhaupt den Stoff schaffen zu können. Von Extremsituationen wie das Physikum mal ganz zu schweigen, die den üblichen Medizinstudenten äußerst nahe wenn nicht sogar über seine Belastungsgrenze bringen.
In dem Zusammenhang würde mich auch mal interessieren wie viele Mediziner tatsächlich nebenbei arbeiten. Ich rate mal: der prozentuale Anteil ist deutlich geringer als bei anderen Studiengängen.
...aber ich bezweifle stark, dass das Curriculum auf ein zeitgemäßeres umgestellt wird, wie es beispielsweise in den Niederlanden seit Jahren Programm ist. Noch glaube ich an eine umfassende Umstellung der Auswahlverfahren, wenn man sich doch super mit alibi-revolutionären Neuerungen wie an der Universität Münster schon genug Lorbeeren einheimsen kann. Erstrebenswert wäre es natürlich, da haben Sie recht.
Tja es geht hier allerdings nicht um eine Neustrukturierung des Medizinstudiums bzw. eine kritische Auseinandersetzung was gelehrt werden muss und was nicht (mal davon abgesehen hatte ich neulich ein Gespräch mit einem Arzt dazu, Zitat:"man brauch das Wissen!"). Die Stunden sollen identisch bleiben! Sprich, der gleiche Stoff in weniger Zeit.
Also ernsthaft (tut mir Leid für den Tonfall): welcher Volldepp hat sich den Sch*** bitte ausgedacht?
Jeder der sich auch nur ansatzweise mit dem Medizinstudium auseinander gesetzt hat oder es vielleicht selbst studiert weiß, wie viel Arbeit da bereits dahinter steht. Da muss man sich einfach jeden Tag meist mehrere Stunden nach mehreren Vorlesungen hinsetzen und lernen um überhaupt den Stoff schaffen zu können. Von Extremsituationen wie das Physikum mal ganz zu schweigen, die den üblichen Medizinstudenten äußerst nahe wenn nicht sogar über seine Belastungsgrenze bringen.
In dem Zusammenhang würde mich auch mal interessieren wie viele Mediziner tatsächlich nebenbei arbeiten. Ich rate mal: der prozentuale Anteil ist deutlich geringer als bei anderen Studiengängen.
- das steckt hinter der Idee. Die Studenten sollen pauken, und zwar das, was die Pharmaindustrie vorgibt und fördert. Gehirnwäsche könnte man, etwas böswillig, auch dazu sagen: der Student kommt nicht mehr zum Nachdenken, zur Kritik. Durch den Zeitdruck werden dann auch zwangsläufig "zweitrangige" Studienzweige, etwa in alternativer Medizin, fallen gelassen, und das ist ganz im Sinn der Lobby.
Unzureichend ausgebildete Ärzte, zu wenig Praxis? kein Problem, es gibt ja Berater ...
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