PlagiateDer Forscher von gestern ist der Schummler von heute

Plagiierte Doktorarbeiten verjähren nicht. Welche Probleme das für Verdächtige und Gutachter mit sich bringt, zeigt der Fall Schavan besonders deutlich. Von H. Horstkotte von 

Annette Schavan steht wegen auffälliger Stellen in ihrer Doktorarbeit unter Plagiatsverdacht . Ganz gleich, wie die Sitzung des Promotionsausschusses der Uni Düsseldorf am Mittwoch ausgeht: Einen Imageschaden wird die Bildungsministerin so oder so davontragen.

Hätte Schavan etwa beim Abitur geschummelt, wäre das juristisch längst verjährt. Für Plagiate in Doktorarbeiten gibt es aber keine Fristenregelung. Ein Fehlverhalten bei der Promotion knickt also auch nach 20 oder 30 Jahren nicht nur Karrieren, auch der Titel kann Plagiatoren bis ans Lebensende aberkannt werden. Ob das geschieht, liegt – wie auch im Fall Schavan – im Ermessen des promovierenden Fachbereichs.

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Das darf nicht sein, findet der Bonner Rechtsprofessor Wolfgang Löwer, zugleich Sprecher des bundesweiten Gremiums "Ombudsmann für die Wissenschaft". Er fordert eine Verjährungsfrist für Plagiate in Doktorarbeiten. Denn selbst berufsqualifizierende Prüfungen wie das Diplom, Bachelor und Master oder etwa das juristische Staatsexamen könnten nach fünf oder zehn Jahren nicht mehr aufgehoben werden. Das ist landesgesetzlich oder in einzelnen Hochschulordnungen so geregelt.

Lebenslängliche Ächtung

Demgegenüber eröffnet die Doktorprüfung keinen Berufszugang außerhalb der Hochschule. Der Titel ist also für die allermeisten Promovierten – wie zum Beispiel für Bildungsministerin Schavan – nicht mehr als ein schmückender, amtlich nur "geduldeter" Namenszusatz. Weshalb sich also darüber groß aufregen? Die Zeiten, in denen der Doktor so etwas wie das konkurrierende bürgerliche Adelsprädikat neben dem feudalen Geburtsadel von und zu war, sind doch längst vorbei. 

Jurist Löwer weist darauf hin, dass die Titelaberkennung nach aller Lebenserfahrung auch heute den "sozialen Geltungsanspruch" des Betroffenen gefährden kann und seine außerwissenschaftlichen Leistungen zu überspielen droht. Der Rechtsprofessor Paul Laband hat das schon vor gut hundert Jahren so ausgedrückt: "Die Verleihung eines Titels hebt den dadurch Ausgezeichneten bei weitem nicht in dem Grade, wie ihn die Entziehung herabsetzt." Dies hat sich in jüngster Zeit gerade bei Polit-Prominenten wie Karl Theodor zu Guttenberg gezeigt. Eine lebenslängliche Ächtung des falschen Doktors, auch über den Funktionskreis der Universität hinaus, erscheint fast selbstverständlich.

Das Schicksal eines Berufsschullehrers mit erschlichenem Doktorgrad zeigt, dass es auch anders gehen kann: Vor ein paar Jahren entzog ihm die katholische Kirche wegen unzureichender Vorbildfunktion die Lehrerlaubnis für den Religionsunterricht. Was für die Kirche gilt, muss in der modernen Gesellschaft aber nicht überall gelten: Der Schulbehörde war die Plagiatsaffäre ganz einfach egal, weil ein Lehrer eben kein Doktor sein muss. Er blieb mit anderen Fächern unbeschadet in Amt und Würden.

Leserkommentare
  1. ist gezwungen, einen Dr.-Titel außerhalb der Universität groß in Pass, Visitenkarte, Bewerbungsunterlagen oder auf Wahlplakaten zu präsentiern.

    Umgekehrt ist es verdächtig, wenn Verteidiger des Betrugs verdächtigter Doktoren die Abschaffung dieser Möglichkeit fordern: Wenn ich nichts mehr vortäuschen kann, darf es auch das nicht mehr geben, was ich vorgetäuscht habe?

    Das ist doch Potenzierung des durch den Betrug entstandenen Schadens.

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    Bedenklicher finde ich die Charaktere die sich in abartigem Eifer hinsetzen und nach "auffälligen Stellen" suchen, um anschließend bspw. einen Guttenberg mit Fackeln und Mistgabeln aus dem Dorf zu jagen....

    • mrto
    • 16. Oktober 2012 23:04 Uhr

    "Umgekehrt ist es verdächtig, wenn Verteidiger des Betrugs verdächtigter Doktoren die Abschaffung dieser Möglichkeit fordern: Wenn ich nichts mehr vortäuschen kann, darf es auch das nicht mehr geben, was ich vorgetäuscht habe?"

    Wenn Sie und andere nicht so viel auf die außerwissenschaftliche Bewertung des Doktorgrades geben würden, würden die Menschen nicht so leiden müssen, wie es im Artikel völlig richtig beschrieben steht: "Die Verleihung eines Titels hebt den dadurch Ausgezeichneten bei weitem nicht in dem Grade, wie ihn die Entziehung herabsetzt."

    Solche Probleme entstehen nur, weil viele geifern.

    • an-i
    • 16. Oktober 2012 23:11 Uhr

    der zu Gutenberg, der Blender, und sie glauben der lässt sich mit Mistgabeln verjagen?
    Der hat sich selber verjagt...
    Ich habe einen sehr netten Beitrag gelesen, wo ein Doktorand zugegeben hat, es ist schon schwierig ein Thema zu finden, um zu habilitieren, da schon fast alles gesagt und gedacht worden ist.
    Warum tut man es dann überhaupt...was ist es...es soll eigentlich eine wissenschaftliche Arbeit sein...aber wenn ständig nur zitiert wird...kann man nicht darauf verzichten? Ist eigentlich (auch wenn mein Sohn ein Dr. ist) ein Relikt aus dem 19 Jahrhundert, wo man sich mit Herr Doktor (egal welcher Fachrichtung) angesprochen hat, und auch die Gattin des Herrn Dr., mit Frau Dr. angeredet wird (obwohl sie nur die Grundschule absolviert hat z.B. in Lindau/Bayern üblich)
    ist das alles? brauchen wir das?

    Man ist zum Führen des Doktoritels verpflichtet, da er Namensbestandteil ist. Er steht also im Pass, im Personalausweis, im Führerschein usw. Und sollten Sie vor Gericht bei der Feststellung der Personalien, und sei es aus Gewohnheit, den eigenen Doktortitel nicht nennen, kann das schwerwiegende Folgen haben. Mindestens ist dann eine Ermahnung oder ein Bußgeld fällig. Bei Aussage unter Eid könnte es sogar ein schwerwiegendes Delikt sein.

    "des durch den Betrug entstandenen Schadens"

    Die Zahl Null können sie beliebig potenzieren, es kommt höchstens "eins" dabei heraus... ;-)

    Ausserdem hat der Doktorand oft sich selbst geschadet, da er in der Zeit der Promotion oft weniger verdient hat, als wenn er gleich in die Wirtschaft gewechselt wäre....
    Und der Doktortitel ist normalerweise auch nicht mehr wert als ein paar Jahre Berufserfahrung und genau die hat er während der Promotion auch bekommen, egal ob geschummelt oder nicht.

    Wir streiten hier also um Kaisers Bart, falls es Ihnen um Geld geht...

  2. Man sollte nach den Grundthesen, dem Aufbau der Arbeit, dem Gang der Argumente fragen. Wenn dies originell ist, so ist die Arbeit sicher kein Plagiat, wenn dies abgekupfert ist, handelt es sich um Betrug.

    Das Herumsuchen in den Krümeln der Fußnoten bringt meines Erachtens nichts. Das ist etwas für Leute, die von Wissenschaft nur wenig Ahnung haben.

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  3. 3. [...]

    Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Danke, die Redaktion/mo.

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  4. Abererkennung hin oder her....mir ist eigentlich Wurst ob Schavan ihren Titel abgeben muss oder nicht. Mir geht es darum, ob sie absichtlich/wissentlich plagiert hat und damit eines Doktors nicht würdig ist. Sollte das der Fall sein, ist sie als Bildungsministerin nicht tragbar! Sollte dies nicht der Fall sein, habe ich kein Problem (zumindest nicht dieses) mit ihr.

    Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung! Das wird leider bei solchen Dingen meist schnell "vergessen".

    My two cents

    Chris

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    "Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung! Das wird leider bei solchen Dingen meist schnell "vergessen"."

    Könnte auch daran liegen, dass die Unschuldsvermutung ausser im Strafverfahren - und natürlich in Leserbriefen - nicht vorkommt. Im Zivilrecht gibt es keine Unschuldsvermutung.

  5. die Doktortitel einfach ab.

    Wer in die Forschung gehen will, darf promovieren und ihn tragen, für alle anderen ist er tabu.

    Damit hat sich das Versilbern, als auch das Jammern aufgrund "historisch bedingter Grausamkeiten" von alleine gelöst.

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    .

    Es wird Zeit den Doktor-Titel wieder zurück in die akademische Laufbahn zu bringe oder besser noch: Diesen gleich abzuschaffen. Letztendlich erspart dies dem Steuerzahler auch viel Geld, welches er sonst für Disserationen mit fraglichem Nährwert ausgibt.

    • Perelly
    • 18. Oktober 2012 9:23 Uhr

    Zunächst mal handelt es sich beim Doktor um einen akademischen Grad, nicht um einen Titel. Dieses grundlegene Wissen fehlt 99% derjenigen, die hier diskutieren ("Ehrentitel" und ähnliche Dummheiten). Das diffuse Halbwissen zu diesem Thema ist erschreckend. Hier reden Blinde von der Farbe.

    Und wenn dieser akademische Grad nur noch in der Forschung gelten soll, dann muss das ja wohl auch für andere Grade gelten, nämlich für Diplom, Bachelor und Master. Die sind mindestens genau so zur Selbstetikettierung gedacht und sollen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen.

    Besten Dank für die Belehrung.

    Im Text, auf den ich mich bezogen habe steht:

    "auch der Titel kann Plagiatoren bis ans Lebensende aberkannt werden"

    der Höflichkeit halber habe ich mich dementsprechend geäussert.

  6. Selbstverständlich sollte die Beurteilung eines Täuschungsversuchs immer im Kontext des Erstellungszeitraums gesehen werden. Was jedoch nicht davon entbindet, eine wissenschaftliche Arbeitsweise zu praktizieren. Und dazu gehört nun mal schon immer, alle verwendeten, dem Autor bekannten, Quellen anzugeben - und dies auch in der Original-Schrift, also der Primärquelle. Ich möchte Frau Schavan keine Absicht unterstellen, aber sie war zu mindest in einigen Stellen - wenn das, was geschrieben wird, stimmt - schlampig in der Arbeitsweise. In wiefern das einer guten Wissenschaft gerecht wird, muss die Uni D-Dorf entscheiden und nicht die Medien oder Plagiate-Jäger.

    Äußerst gefährlich hingegen ist die Debatte in Richtung Verjährung der Angreifbarkeit von Promotionen. Man vergisst leicht, dass eine Promotion ein EHREN-Titel ist. Es ist kein Berufsabschluss oder -Qualifikation, sondern wird einem Verfasser verliehen, der sein Leben in den Dienst der Wissenschaft gestellt hat - wenn auch nur einen kurzen Lebensabschnitt lang. Und diese EHRE kann man selbstverständlich immmer und jeder Zeit verlieren. Sei es, dass nach mehr als 50 Jahren rauskommt, dass man abgeschrieben hat, oder der Inhaber des Titels sich diesem irgendwie anders geartet unwürdig zeigt. Diese Möglichkeit darf nicht verloren gehen, sonst verkommt der Doktortitel endgültig zu einer Trophähe und entehrt alle, die diesen Titel aus ideellen Gründen anstreben.

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    die jemals in Deutschland geschrieben worden sind. Denn warum sollten wir uns nur auf die Lebenden beschränken? Das Gewicht, das der Doktortitel für die Bedeutung der eigenen Ansichten für sich in Anspruch nimmt, muss auch bei den Toten überprüft werden. Wohl dürfte sich so manche verstorbene Koriphäe auf Normalmaß zurückstutzen lassen und - unabhängig von ihrer Wirkungsgeschichte - als unbeachtlich erscheinen.

    • ad hoc
    • 16. Oktober 2012 20:31 Uhr

    Soweit ich das bislang wahrnehmen konnte sind bisher nur einige Auszüge des Gutachtens von Professor Rohrbacher im Umlauf.

    Professor Rohrbacher ist kein Plagiatsjäger sondern auf Wunsch der Universität mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt worden.

    Frau Dr. Schavan selbst hatte die Universität nach Bekanntwerden der Vorwürfe duch Schavanplag um Aufklärung gebeten.

    Das Gutachten soll 75 Seiten umfassen und innerhalb von 5 Monaten ohne PC/Plagiateoftwareeinsatz erarbeitet worden sein.

    Ich finde es sehr erstaunlich wie viele selbsternannte Gutachter ohne wirkliche Kenntnis des Gutachtens von Professor Rohrbacher seine Arbeit hier in Zweifel ziehen, ihm vorwerfen diesen oder jenen Aspekt nicht zu berücksichtigen.

    Woher wissen sie dass die jeweiligen Überlegungen z.B. zu Gepflogenheiten damaliger Zeit nicht berücksichtigt wurden ?

    Sind sie sich bewusst, dass sie indem sie das Gutachten Professor Rohrbachers so vehement anzweifeln damit gleichzeitig ihn und seine Arbeit diskreditieren ?

    Und das ohne jeder Kenntnis.

    • mrto
    • 16. Oktober 2012 21:03 Uhr

    ... daß ich die Verjährungsidee sehr gut finde, da hier zweifellos eine Regelungslücke besteht ...

    "Man vergisst leicht, dass eine Promotion ein EHREN-Titel ist. Es ist kein Berufsabschluss oder -Qualifikation, sondern wird einem Verfasser verliehen, der sein Leben in den Dienst der Wissenschaft gestellt hat - wenn auch nur einen kurzen Lebensabschnitt lang. Und diese EHRE kann man selbstverständlich immmer und jeder Zeit verlieren."

    Das ist falsch.

    Eine Dissertation ist eigentlich "nur" der Nachweis des selbständigen wissenschaftlichen Arbeitens. Wurde dies nachgewiesen (und das geht vorrangig - nicht ausschließlich, aber vorrangig - durch Inhalt), ist die Leistung erbracht. In der Wissenschaft kommen Sie ohne Promotion nicht weit.

    Die Überhöhung des Titels ist es, was hier nun das Problem schafft. In Berlin ist ein Unternehmer, der vor laaanger Zeit mal Jura studiert hat, nun Justizsenator. Ohne Doktorgrad, aber auch ohne erkennbaren Bezug zum Amt. Er hat als Unternehmensberater und Unternehmer gearbeitet. Na und?

    Das sind politische Ämter. Die haben nix mit der Promotion zu tun. Also sollte man auch nicht alles miteinander vermengen, was einem so gerade in den Sinn kommt.

    Heutzutage ist es viel einfacher, solche strikten Forderungen nach umfänglichen und peniblen Referenzen zu erfüllen: man hat digitalen Volltextzugriff auf die Literatur, man kann viele Quellen einfach über das Internet abrufen, man hat eine Textverarbeitung mit einem Literaturverwaltungsprogramm wie "endnote", mit dem man alle Quellen leicht pflegen und fast automatisch in sein Werk einbinden kann.

    Selbst Prof. Rohrbacher, der jetzt Frau Dr. Schavans Arbeit beurteilt hat, hätte 1991 seine Diss schon auf einem Rechner mit Windows 2.0 mit Word erledigen können.

    Frau Schavan hingegen mußte ihre Arbeit mit der Hand oder auf der Schreibmaschine verfassen. Die Literatur-Datenbank bestand vermutlich aus Karteikarten und Zettelkästen. Literatur mußte umständlich über Fernleihe besorgt werden, was oftmals Wochen dauerte.

    Ich halte es da für nachvollziehbar, und es war vermutlich üblich, daß jemand, der z. B. einen Originaltext nicht bekommen kann, ihn nach einer Sekundärquelle zitiert. Oder daß jemand vielleicht den Überblick verliert, ob nun etwas von Seite 40 oder nicht auch noch von Seite 36 der Quelle entnommen wurde (ja, selbst solche Erbsenzählereien finden sich auf "schavanplag").

    Ich halte auch für möglich, daß man Wendungen oder Sätze, die man früher gelesen oder gehört hat, einfach hinschreibt, weil man die Quelle einfach nicht mehr finden kann.
    Bei einer Arbeit von 1981 die gleichen Maßstäbe anzulegen wie heute, dast ist einfach nicht fair.

    • dubie
    • 17. Oktober 2012 9:57 Uhr

    Wenn Sie recht hätten, und der Doktor ein EHRENtitel wäre, warum wird das beim "h.c." extra nochmal erwähnt?

  7. Ich musste kürzlich eine juristische Hausarbeit schreiben - nur eine Hausarbeit, 20 Seiten, keine 300 wie bei einer Doktorarbeit. Aber ich musste dutzende Formalitäten beachten, vor allem beim Zitieren. Wenn ich da auch nur einen Fehler mache, hagelts knallharte Punktabzüge.

    Ich sehe irgendwie nicht ein, warum ich als einfacher Student so viel Wert auf sorgfältige Arbeit legen muss, wenn unsere Politiker - mithin Vorbilder - geradewegs auf diese pfeifen.

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    Als Kind saß ich in den End-1960igern auf der durchgezogenen Rückbank im Auto hinter meinen mangels Sicherheitsgurt nicht angeschnallten Eltern. Erfreulich war nur, dass meine Eltern nicht geraucht haben bei den Fahrten, obwohl es damals üblich war.
    Airbag, Sicherheitsgurt, Kindersitz... Nicht mal im Traum, aber so war das halt, zu der Zeit.

    Als Frau Schavan 1980 ihre Doktorarbeit erstellte, gab es Regeln, denen diese zu genügen hatte. Genau das ist der Maßstab, den man - was heute zugegebenermaßen nicht einfach sein mag - anlegen muss, wenn ihre damalige Arbeit nocheinmal einer Begutachtung unterzogen wird. Eindeutige Plagiate waren auch 1980 schon nicht zulässig. Nähmen Sie aber die heutigen, umfangreichen und wesentlich detaillierteren Regeln als Maß, müssten Sie dem Gros der Promovierten des letzten Jahrtausends den Titel sofort aberkennen.

    Um zum Anfangsabschnitt meines Kommentars zurückzukommen: Aus heutiger Sicht waren meine Eltern sehr verantwortungslos...

    Das alles letztlich völlig unabhängig von Frau Schavan und ihrer Doktorarbeit.

    "Ich sehe irgendwie nicht ein, warum ich als einfacher Student so viel Wert auf sorgfältige Arbeit legen muss, wenn unsere Politiker - mithin Vorbilder - geradewegs auf diese pfeifen."

    Richtig !

    Ich hatte eine studentische Hilfskraftstelle, da gab es noch kein Internet oder Scanner-Programme.

    Mein Chef legte sehr viel Wert auf präzises Zitieren. So habe ich Tage und Wochen in der Bibliothek verbracht, um Zitate in Examensarbeiten und Promotionen zu überprüfen oder auch Stellen, die meinem Prof. verdächtig vorkamen.

    Und generell möchte ich sagen, dass der Doktortitel auch außerhalb des Wissenschaftsbetriebes Vorteile mit sich bringt. Wenn man sich die Hausjuristen von Unternehmen anschaut, haben die fast alle einen Titel, obwohl man die bei Anwälten und Notaren auch mit gutem Examen, weniger oft vorfindet.

    Ich bewarb mich einmal um eine Stelle. Ich bekam eine Absage mit der Begründung, man habe so viele Bewerbungen erhalten, darunter über 50 von Promovierten, dass man zur Abkürzung des Auswahlverfahrens sich entschieden habe, ausschließlich die Bewerbungen der promovierten Bewerber zu berücksichtigen.

    Und das war KEINE Stelle in der Forschung und Lehre.

    Tja, hätte ich mal promoviert.

    Weiß jemand, wie die Arbeit von Fr. Schavan benotet wurde?

    • DDave
    • 16. Oktober 2012 20:34 Uhr

    Ich will Sie persönlich nicht angreifen, aber Ihr Kommentar ist ein bisschen komisch.

    "Ich sehe irgendwie nicht ein, warum ich als einfacher Student so viel Wert auf sorgfältige Arbeit legen muss, wenn unsere Politiker - mithin Vorbilder - geradewegs auf diese pfeifen."

    Sie halten Politiker für Vorbilder?
    Sind Sie sich bewusst, was Sie geschrieben haben?

    Also ich kann am ehesten noch auf unsere "Vorbilder" der Politik pfeifen....
    Nicht umsonst steht der Politiker auf einer der niedrigsten Vertrauensstufen der Bevölkerung(hinter Polizei, Feuerwehr, Richter, ...)

    @ Nr.7:

    Die Generation Prof in den Instituten und Fachbereichen hat teilweise sehr, ich nenne es mal, temperamentvoll studiert.
    Ich hatte mit einem Gastprof zu tun, der nach irgendeiner harten technischen Klausur auf der anschließenden Trinkorgie etwas pikiert über die Personalkontrolle eines jeden einzelnen im Audimax zum Antritt der schriftlichen Arbeit gegenwärtig sprach, deren Zeuge er ja wurde -und erzählte anschließend über die ausschweifenden Freiheiten des Studiums in den 68ern:
    dort wurde seiner Aussage nach z. B. in Statik während einer Klausur von einem Prüfling einfach nur ausführlich über das ausschweifende Liebesleben in der Studenten - WG geschrieben. Die Person bestand die Klausur nach seiner -mit leuchtenden Augen erzählten- Erinnerung damals selbstverständlich.
    Heutzutage legen die Institute zu jedem Semester immer noch eine Schippe mehr drauf und es gibt keinen Widerstand.

    Frau Dr. Schavan gehört in die Zeit der 68er. Lassen wir Sie doch einfach in dem Glauben, dass Sie das seinerzeit vorbildlich gemacht hat.

    Wer noch nie gemogelt hat, der werfe die erste Schwalbe!

    * von F. W. Bernstein

    • markamp
    • 17. Oktober 2012 9:14 Uhr

    Andere Uni, andere Prüfer, andere Zeit?! In den Jahren meines Studiums konnte der geneigte Zeitzeuge beobachten, daß selbst das passagenweise Abschreiben (= Übernahme von Formulierungen ohne dies Kenntlich zu machen) aus einschlägig bekannten Rep.-Skripten durchaus gängige Praxis war und knallhart zu keinerlei Konsequenzen geführt hat ... sieht man einmal vom Bestehen der Hausarbeit ab ;-)

  8. schlägt sich also auf die Seite derer, die meinen, einen schlechten wissenschaftlichen Arbeitsstil verteidigen zu müssen. Hier mit dem Ruf nach Verjährung.

    Was ist das für eine Botschaft an die aktuell Studierenden?

    Trickst ruhig bei der Erstellung Eurer Abschlussarbeiten, wenn ihr Glück habt, merkt es niemand, bevor die Sache verjährt ist? Die Karriere habt ihr dann sowieso schon in der Tasche?

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    und ihr Argument ist mit nichts zu widerlegen, da kann ein Herr Löwer faseln und unlogische Argumente anführen, so viel er will.

    wie am Beispiel von Frau Schavan auf dem Dr. Titel aufgebaut. Dieser Titel ist sozusagen das Fundament. Wie kann eine Täuschung dann verjähren? Das würde ich gern mal vom Juristen Löwer wissen. Ich denke, da zieht keines seiner vom falschen Ende aufgefädelten Argumente. Ich lasse mich aber gern belehren. Bin ich gespannt drauf.

    • MREI
    • 17. Oktober 2012 10:33 Uhr

    Grund fuer die Verjaehrung ist es, irgendwann einen Schlussstrich zu ziehen. Im Strafrecht verjaehren z.B. Totschlag, Betrug, Vergewaltigung und ansonsten alle Straftaten ausser Mord und Voelkermord. "Schlechter wissenschaftlicher Arbeitsstil" mag fuer Sie eine Todsuende sein, aber ihm generell die Verjaehrung zu verwehren, ist dann doch etwas unverhaeltnismaessig. Ansonsten gesetzestreue Menschen Straftaeter werden auch nicht wegen der Verjaehrungsfristen zu Straftaetern, sondern moeglicherweise weil die Taten nicht innerhalb der Fristen verfolgt werden. Aber das steht auf einem anderen Blatt.

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