Bundesbildungsministerin Annette Schavan beim Bezirksparteitag der CDU Württemberg-Hohenzollern in Münsingen ©Marijan Murat/dpa

Die Universität Düsseldorf wehrt sich gegen Kritik an ihrem Vorgehen bei der Prüfung der Doktorarbeit von Bildungsministerin Annette Schavan ( CDU ). "Weil es um eine verdiente Ministerin geht, sind die Maßstäbe plötzlich andere", sagte ihr Rektor Michael Piper der Süddeutschen Zeitung . Er attackierte einige "hochkarätige Wissenschaftler", die Schavan gegen den Vorwurf des Plagiats verteidigten, ohne dass sie sich textkritisch mit deren Dissertation befasst hätten.

Dies habe nichts mit Aufklärung zu tun, sagte Piper. Es sei vielmehr der Versuch, hinter vereinbarten Standards zur strengeren Untersuchung wissenschaftlichen Fehlverhaltens zurückzutreten. Die Sympathiebekundungen für Schavan würden sinngemäß pauschal "es ist alles in Ordnung" lauten. Doch die Uni Düsseldorf sei verpflichtet, den Vorwürfen nachzugehen. Alles andere sei eine "Bankrotterklärung der wissenschaftlichen Qualitätskontrolle".

Schavan wird vorgeworfen, Zitate in ihrer Doktorarbeit Person und Gewissen nicht kenntlich gemacht und dabei bewusst getäuscht zu haben. Sie bestreitet dies. Piper versicherte, der Zwischenbericht des Judaistik-Professors Stefan Rohrbacher, der Schavan belastet, sei kein Gutachten und es könnten im jetzigen "sehr frühen" Stadium der Prüfung jederzeit weitere Expertisen eingeholt werden.

"Innere Aufregung" der Kritiker

Vorwürfe, die Universität habe Verfahrensfehler begangen, spiegelten nur "die innere Aufregung" mancher Kritiker aus Politik und Wissenschaft wider, die "nichts über den Stand des Verfahrens" wüssten. Dazu gehöre auch der Ruf nach einem Zweitgutachter.

Dass die Inhalte des Zwischenberichts vorab an die Presse weitergegeben wurden, habe die beteiligten Personen "tief getroffen", sei aber nicht der Universität anzulasten: "Wir sind bestohlen worden."

Piper hob hervor, dass man alles getan habe, um den Bericht vertraulich zu halten. Er sei nicht elektronisch verschickt, sondern nur in Papierform persönlich übergeben worden, um eine Verbreitung zu erschweren. Er bezeichnete die Weitergabe als "kriminelles Verhalten eines bislang Unbekannten".

Der Düsseldorfer Parteienrechtler Martin Morlok nahm die Universität in Schutz: "Das war kein willentlicher Akt der Universität Düsseldorf, sondern die private Aktion eines Universitätsmitglieds", sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger . Die Universität erstattete wegen der Verbreitung und Veröffentlichung des Gutachtens Anzeige gegen Unbekannt.