WissenschaftsratStudenten erhalten zu gute Noten

Die Abschlussnote "ausreichend" erhält kaum noch ein Hochschulabsolvent, bemängelt der Wissenschaftsrat. Er bezweifelt auch, dass es bundesweit eine faire Bewertung gibt. von dapd

An Deutschlands Hochschulen werden zu viele gute Noten vergeben. Zu dieser Einschätzung kommt der Wissenschaftsrat in einem bisher unveröffentlichten Bericht über die Examensnoten aller Fachrichtungen, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt. Der Rat ist das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium von Bund und Ländern.

Demnach haben sich die Zensuren an Universitäten, Fachhochschulen sowie staatlich anerkannten Hochschulen in den vergangenen Jahren durchweg deutlich verbessert. Im vergangenen Jahr schlossen fast 80 Prozent aller Absolventen ihr Studium mit "gut" oder "sehr gut" ab. Vor elf Jahren waren es noch 70 Prozent gewesen. Gleichzeitig sank das Risiko, die schlechteste Abschlussnote "ausreichend" zu erhalten: Während vor elf Jahren etwa vier Prozent der Absolventen diese Note bekamen, sind es heute nur noch 1,1 Prozent.

Anzeige

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Wolfgang Marquard, warnte, der "Trend zu besseren Noten darf so nicht weitergehen". Der Bericht des Gremiums stelle Anzeichen für eine "Aufweichung der Bewertungsstandards" und eine "schleichende Noteninflation" fest. In den meisten Fächern werde die Notenskala kaum noch ausgeschöpft, sagte Marquardt.

Besonders gute Noten hätten Absolventen der Fächer Biologie, Mathematik, Physik, Psychologie und Chemie. Auch gebe es große Notenunterschiede zwischen den einzelnen Hochschulen, sodass etwa der Durchschnitt der Germanistik-Studenten in Gießen mit einer 1,6 abschließt, an der Humboldt-Universität Berlin mit einer 2,2. Damit ist dem Wissenschaftsrat zufolge eine faire bundesweite Bewertung nicht gewährleistet.
 

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Also wenn nicht an dem einen oder anderen Lehrstuhl gemauschelt wird, was wir ja alle kennen, wo liegt das Problem? Es gibt Profs die geben dem ganzen Jahrgang per se eine 1. Das muss man natürlich unterbinden.

    Ansonsten behaupte ich mal, dass zu 99% sehr strenge objektive wissenschaftliche Standards an die Bewertungen von Klausuren und schriftlichen Arbeiten angelegt wird. Um nicht zu sagen übermäßig streng. Ich halte das für ein reines Randphänomen.
    In meinem VWL Studium zumindest gab es keine Klausur UNTER 30% Durchfallquot(meistens darüber), im Bachelor betrug laut Statistik die Durchschnittsnote in Klausuren um die 4,1. Heißt: Wer durchschnittlich gut ist, darf wieder nach Hause gehen.

    Und da die Bewertungskriterien mehr oder minder dieselben sind, die auch vor 20, 30 Jahren schon gegolten haben:

    Vielleicht sind wir einfach besser als die Generation vor uns?!

    Immerhin haben wir deutlich mehr zu tun in der gleichen Zeit und bekommen von allen Seiten mächtig Druck und Erwartungshaltung zu spüren, mit zum Teil negativen gesundheitlichen Konsequenzen.

    Und: Schlechte Noten, ok. Aber im Gegensatz zu den Damen und Herren der HRK konnten wir nicht 5 Jahre rumschimmeln nach dem Motto "4 gewinnt" und es dann mit der Abschlussarbeit raushauen. Denn für uns zählt bereits die allererste Note in die Gesamtnote und nach 2 Semestern steht die Note schon zu einem drittel unumstößlich fest. Also bitte: sehr vorsichtig was das angeht. Der Kessel ist sowieso schon kurz vorm Platzen!

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Als einer, der 4.5 Jahre an der Uni rumgeschimmelt hat und mehr als 10.000 mal Studenten beurteilt hat und noch hunderte jedes Jahr bewertet, moechte ich folgendes anmerken. Stimmt, frueher waren die Durchfallquoten hoeher, als ich studierte galt jedes Fach innerhalb eines VWL Studiums mit einer geringeren Durchfallquote als 50% als trivial. Und ob es heute schwieriger ist als damals, wer will das beurteilen? Aber das Bewertungen nach wissenschaftlichen Kriterien vorgenommen werden ist mir neu, dass hat mir gegenueber noch nie jemand behauptet, ich wuesste auch nicht wie das funktionieren sollte. Es ist einfach so, man ist der Willkuer von solchen Menschen wie mir ausgeliefert, ich beurteile selbstverstaendlich teilweise subjektiv und auch relativ, also nachdem was die anderen Studenten geantwortet haben. Relativ objektiv sind multiple choice Pruefungen, aber spaetestens wenn eine sprachliche Argumentation zaehlt, wird es kompliziert. Momentan arbeite ich im Ausland und da muss einfach eine bestimmte Verteilung der Noten erreicht werden, was auch nicht zwingend gerecht ist, aber der Notenschnitt bleibt relativ gleich. Sollte ich davon abweichen muss dies oeffentlich begruendet werden. Also Noten sind alles, nur nicht als Vergleichmassstab geeignet.

    • Sirisee
    • 11. November 2012 16:37 Uhr

    ... Da musste ich laut lachen. Richtig ist, dass es die Generation ist, die fest glaubt, besser zu sein als die vorherigen, obwohl sie dazu den geringsten Grund hat.

    Allgemeinbildung größtenteils mies, sprachliche Fähigkeiten unterdurchschnittlich, gegenüber Gleichaltrigen aus anderen Ländern 1-5 Jahre zurück, Mathematikkenntnisse (bis auf wenige Ausnahmen) nicht vorhanden.

    Richtig ist, dass Powerpoint und googlen besser beherrscht wird, auch das geschickte Abschreiben aus Wikipedia. Die Selbstdarstellung ist sicherlich besser trainiert worden und Facebook ist wichtig. Sehr gut, das ist zukunftsträchtig ...

    • xNCx
    • 10. November 2012 10:54 Uhr

    Diese ist keine Pflicht. Vor allem schlechte Dozenten führen garkeine Evaluation durch. Außerdem findet die Evaluation vor den Prüfungen statt, sodass man seine Note in die Bewertung noch garnicht einfließen lassen kann. Ich bin auch Seminarleiter an meiner Hochschuhle, in einer Ingenieurswissenschaft. Die Studenten werden jeden Jahrgang schlechter. Die Prüfung jedes Jahr einfacher. Im letzten Sommersemester war nur eine Aufgabe in der Prüfung, in der man Verständnis für die Sache habben musste, die restlichen Aufgaben wurden alle schonmal im Seminar gerechnet, dennoch vielen ca 70 % durch.
    So wie die Noten an den Gymnasien besser werden, müssen sie auch an der Hochschule folgen oder 90% der Studenten werden wieder nach Hause geschickt.
    Was ich mich noch Frage, was im Text unter Examensnoten verstanden wird? Wirklich nur Staatsexamen oder alle Abschlüsse? Weil bei Bachelor und Master gegenüber Diplom ist die Sache eindeutig. Nach dem Bachelor wird nämlich ein Notenreset durchgeführt. Die Bwertung beginnt von neuen. Durch die Spezialisierung und weniger Massenabfertigung und Vorsortierung sind die Noten deutlich besser als im Bachelor. Deshalb kann man nicht Masterabschlüsse mit ehemaligen Diplomen vergleichen. Mann müsste einen (gewichteten) Mittelwert zwischen BA-Note und MA-Note bilden und diesen mit früheren Jahrgängen vergleichen.

    Antwort auf "Wenig verwunderlich"
  2. Es existiert eine Diskrepanz zwischen Notenspiegel und der Aussage! Es kann auch sein, dass der Jahrgangsbeste an einem Pruefungstag komplett versagt und dies dann eben die Gesamtleistung des Studiums, welches nur durch die Abschlusspruefung abgebildet wird, nicht widerspiegelt!
    Aber im Grund ist es auch komplett egal, da eben bei angeblich schlechten Noten, sowieso die anderen Dinge nicht zaehlen, die man/frau dann eben in anderen Arbeitsbereichen gut gebrauchen kann! Lieber tiefstapeln, als uebertreiben! Faehrt man sicherer!

    • BP89
    • 10. November 2012 11:07 Uhr

    und muss sagen, dass sich der größte Teil der Studenten im Notenbereich +-3,0 wiederfindet.

    Allerdings gibt es auch hier "Kuschelmodule" wo man mit stumpfen Auswendig lernen eine gute Note bekommt.

    Doch in Fächern wie Mathe, Thermodynamik und TM zum Beispiel, hat man mit Auswendig lernen nur geringe bzw. gar keine Chancen die Klausur zu bestehen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • G Eich
    • 11. November 2012 1:45 Uhr

    Kleiner Tipp: Bei Kommentaren im ZEIT-Forum nie die Hochschulform mit dem F erwähnen. Damit gilt man hier ganz allgemein als nicht zurechnungsfähig bis das Gegenteil bewiesen ist.

    • Morbox
    • 10. November 2012 11:12 Uhr

    Man darf hier nicht vergessen, dass auch Wissenschaftsräte Bewertungsfehler machen können. Eine vernünftige Bewertung heißt nicht, dass man immer einfach schaut, ob eine gaußsche Normalverteilung bei den Noten rauskommt. 'Leistung' (ein Begriff bei dem viele vergessen, wie abstrakt er eigentlich ist) ist nämlich nicht automatisch so verteilt, dass das stimmen könnte. Zudem muss man sich fragen, was man erreichen will. In vielen Gebieten ist es nun einmal so, dass eine "Ausreichend" in keinster Weise als ausreichend gilt, sodass man im Endeffekt eine weitere "ungenügend"-Notenstufe hat. Wenn das der Fall ist, dann kann ich gut nachvollziehen, warum Dozenten solche Noten nur dann vergeben, wenn der Student tatsächlich keine Ausreichende Leistung erbringt, weshalb dann die anderen Notenstufen "zusammenrücken" müssen. Es geht eben vor allem darum, was man erreichen will. Vielleicht ist das Ergebnis von Lehre und Lernen einfach tatsächlich sehr homogen und gut. In dem Fall wäre es falsch, diejenigen abzustrafen, die eine winzige nuance schlechter sind als die anderen, v.a. weil Noten ohnehin nur ein Kriterium für spätere Arbeitgeber sind. Ein erratisches noch dazu, "Leistung" ist schließlich ein seeehr abstrakter Begriff und kann nicht gut gemessen werden. Man sollte Noten wirklich eher als Empfehlungen betrachten, wo Tendenzen möglicherweise ausreichen müssen. Oft sind Notenunterschiede nur ein willkürliches Ausdünnungskriterium, wofür sie eindeutig nicht geeignet sind.

    • Chali
    • 10. November 2012 11:21 Uhr

    Exzellente Dozenten, Elite Studenten aus Elite-Kindergärten und Elite-Schulen, da muss ja was Tolles raus kommen.

    Und man muss ja nicht Deutschland-weit vergleichen, sondern europäisch - Bologna. Da ist doch wohl klar, dass Deutschlands Studenten besser sind als ... na ja.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Chali
    • 10. November 2012 11:35 Uhr

    Ich kann mich des Eindrucks nicht erwhren, dass die Herrn Wissenschaftler selbst unverdient gute Noten bekommen haben.

    "Auch gebe es große Notenunterschiede zwischen den einzelnen Hochschulen, sodass etwa der Durchschnitt der Germanistik-Studenten in Gießen mit einer 1,6 abschließt, an der Humboldt-Universität Berlin mit einer 2,2. Damit ist dem Wissenschaftsrat zufolge eine faire bundesweite Bewertung nicht gewährleistet"
    ie DamenHerrn scheinen anzunehmen, dass es notwendig eine Gleich-Verteilung ("Glockenkurve") der Prüfungsergebnisse sowohl zwischen Lehrsansalten als auch zwischen Ländern geben muss. Das ist aber nur eine Behauptung, und zwar eine wagemutige und unbewiesene.

    Vielleicht ist der Wohnraum in Giessen gümstiger, die Studenten können also fürs selbe Geld mehr Zeilt fürs Lernen (und weniger fürs Arbeiten) ausgeben?
    Oder das Nachtleben in Berlin ...

    Kann natürlich auch sein, dass in Berlin besonders viele aus den neuen Bundesländern studieren.

    OderOderOder.

  3. Als einer, der 4.5 Jahre an der Uni rumgeschimmelt hat und mehr als 10.000 mal Studenten beurteilt hat und noch hunderte jedes Jahr bewertet, moechte ich folgendes anmerken. Stimmt, frueher waren die Durchfallquoten hoeher, als ich studierte galt jedes Fach innerhalb eines VWL Studiums mit einer geringeren Durchfallquote als 50% als trivial. Und ob es heute schwieriger ist als damals, wer will das beurteilen? Aber das Bewertungen nach wissenschaftlichen Kriterien vorgenommen werden ist mir neu, dass hat mir gegenueber noch nie jemand behauptet, ich wuesste auch nicht wie das funktionieren sollte. Es ist einfach so, man ist der Willkuer von solchen Menschen wie mir ausgeliefert, ich beurteile selbstverstaendlich teilweise subjektiv und auch relativ, also nachdem was die anderen Studenten geantwortet haben. Relativ objektiv sind multiple choice Pruefungen, aber spaetestens wenn eine sprachliche Argumentation zaehlt, wird es kompliziert. Momentan arbeite ich im Ausland und da muss einfach eine bestimmte Verteilung der Noten erreicht werden, was auch nicht zwingend gerecht ist, aber der Notenschnitt bleibt relativ gleich. Sollte ich davon abweichen muss dies oeffentlich begruendet werden. Also Noten sind alles, nur nicht als Vergleichmassstab geeignet.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Objektivität"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Aber sie werden als Vergleichsmaßstab *genutzt*.

    Und was wissenschaftliche Kriterien angeht: Richtig gerechnet, gibt Punkte, falsch gerechnet, gibt keine.

    Verbalökonomie gibts bei uns nicht, heißt ja auch Applied Economics ;)

    • Chali
    • 10. November 2012 11:35 Uhr

    Ich kann mich des Eindrucks nicht erwhren, dass die Herrn Wissenschaftler selbst unverdient gute Noten bekommen haben.

    "Auch gebe es große Notenunterschiede zwischen den einzelnen Hochschulen, sodass etwa der Durchschnitt der Germanistik-Studenten in Gießen mit einer 1,6 abschließt, an der Humboldt-Universität Berlin mit einer 2,2. Damit ist dem Wissenschaftsrat zufolge eine faire bundesweite Bewertung nicht gewährleistet"
    ie DamenHerrn scheinen anzunehmen, dass es notwendig eine Gleich-Verteilung ("Glockenkurve") der Prüfungsergebnisse sowohl zwischen Lehrsansalten als auch zwischen Ländern geben muss. Das ist aber nur eine Behauptung, und zwar eine wagemutige und unbewiesene.

    Vielleicht ist der Wohnraum in Giessen gümstiger, die Studenten können also fürs selbe Geld mehr Zeilt fürs Lernen (und weniger fürs Arbeiten) ausgeben?
    Oder das Nachtleben in Berlin ...

    Kann natürlich auch sein, dass in Berlin besonders viele aus den neuen Bundesländern studieren.

    OderOderOder.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Kann natürlich auch sein, dass in Berlin besonders viele aus den neuen Bundesländern studieren."

    Sind schon wieder welche dazugekommen?

    Ansonsten verstehe ich Ihre Aussage überhaupt nicht. Wollen Sie damit anmerken, dass Sie ostdeutsche Studenten für weniger leistungsfähig halten?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dapd, nf
  • Schlagworte Wissenschaftsrat | Fachhochschulen | Hochschule | Biologie | Chemie | Mathematik
Service