Freiheit im StudiumMeine Uni lässt mich machen

Eigene Forschungsprojekte, zahlreiche Wahlveranstaltungen – Leser Oskar Brabanski genießt an seiner Uni große Freiheiten. Das hat ihn anfangs überfordert. von Oskar Brabanski

In seinem Leserartikel "Es geht nur darum, Klausuren zu bestehen" schreibt Leser Sebastian G., dass er sein Studium abgebrochen hat, weil seine Universität Leistungen außerhalb des Lehrplans nicht bewertet. Ich habe diese Erfahrung nie geteilt und genieße in meinem Studium große Freiheiten. 

Warum Leserartikel?

Text- und Bildbeiträge unserer Leser bereichern unsere Inhalte um zusätzliche Sichtweisen, Erfahrungsberichte und Meinungen. Sie sind von Menschen, die wissen, wovon sie sprechen, weil sie es selbst erlebt haben oder unmittelbar betroffen sind. Oder weil sie sich in einem bestimmten Thema sehr gut auskennen. Erzählen Sie unseren Lesern die Geschichten, die wir nicht erzählen können. Und zeigen Sie ihnen die Fotos und Videos, die sie sehen sollten. Zur Artikeleingabe

Leserartikel schreiben

Grundsätzlich ist jedes Thema für einen Leserartikel geeignet, solange Sie aus Ihrer eigenen Erfahrung und einem persönlichen Blickwinkel darüber berichten und keine Rechte Dritter verletzen. In unseren Leserartikel-FAQ finden Sie Hinweise für das Verfassen Ihres Artikels für ZEIT ONLINE. Bitte senden Sie uns Ihren Artikel bzw. Links zu Fotos und Videos über unser Leserartikel-Formular.

Der ZEIT-ONLINE-Wald

© BeneA / photocase.com

Als Dankeschön schenken wir Ihnen für jeden veröffentlichten Leserartikel einen Baum. Seit 2011 haben wir in Zusammenarbeit mit iplantatree.org knapp 1.500 Bäume gepflanzt und geben diese nach und nach an unsere Leserartikelautoren ab. So wächst in Berlin Friedrichshagen ein ZEIT ONLINE-Wald heran, genährt von unseren schreibenden Lesern. Aktuell rangiert das "Team ZEIT ONLINE" auf Platz 19 der aktivsten Baumpflanzer des Projektes. Dafür danken wir Ihnen.

Ich studiere seit 2009 den Bachelor "Philosophie und Kulturreflexion" an der Privatuniversität in Witten/Herdecke. Dort werden Eigenständigkeit und persönliche Interessen gefördert. Ich kann zum Beispiel mit Unterstützung eines Dozenten mein eigenes Forschungsprojekt durchführen und bekomme dafür ECTS-Punkte. Wenn ich eine Tagung besuche, schreibe ich zu der Thematik eine Hausarbeit. Generell schreibe ich nur Hausarbeiten oder habe mündliche Prüfungen, in denen ich eigene Gedanken entwickle. Denn auch das ist Freiheit: Neues Wissen schaffen, statt altes zu reproduzieren.

Anzeige

Und: Richtig gelesen, ich studiere seit 2009. Das heißt ich bin im 7. Semester. Manch einer mag aufschreien, ich habe die Regelstudienzeit überschritten. Es juckt mich nicht, denn Freiheit braucht Zeit.

Doch ist zu viel Freiheit wirklich gut?

Als ich anfing zu studieren, war ich verwirrt. Ich hörte von der Bolognareform, von Modulen, Pflicht-, Wahl- und Wahlpflichtveranstaltungen. Was ich erlebte, war aber das Gegenteil. In meinem Studium gibt es keine Pflichtkurse, nur eine grobe Vorgabe, wie viel Credits ich im philosophischen, im geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Bereich belegen muss. Hinzu kommt ein riesiger Wahlbereich. Ob ich mich mit Michelangelos Kunst oder Puschkin und russischer Literatur, mit Fragen der Wirtschaftsethik oder Erkenntnistheorie beschäftige, bleibt mir überlassen.

Wie viele andere Kommilitonen fiel ich im dritten Semester in ein Loch. Da ich für die Organisation meines Studium selbst verantwortlich war, probierte ich von Wissensdurst getrieben alles Mögliche aus. Dabei verlor ich vor lauter Angebot den Überblick, weil ich keinem Studienverlaufsplan folgte. Ich fühlte mich wie ein Nichtschwimmer, der ins Olympiabecken geworfen wurde. Doch ich lernte schwimmen.

Ich fand durch diese Umwege heraus, was mich wirklich interessiert: in meinem Fall die politische Theorie. Daraufhin richtete ich mein Studium dann aus. Jetzt habe ich die Gewissheit, dass ich genau das studiere, was ich möchte, und mich auf ausgewählte Felder spezialisiere. Diese Gewissheit ist mir ein Zusatzsemester wert – und wäre mir auch mehr wert. Ich bin frei und glücklich, das zu machen, wofür ich brenne.

Zur Startseite
 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Quelle ZEIT ONLINE
    • Schlagworte Literatur | Philosophie | Bachelor
    Service