Wird Martins Beschwerde das Zulassungsverfahren der MedUni Wien tatsächlich als verfassungswidrig entlarven? Ja, sagt der österreichische Verfassungsrechtler Heinz Mayer . Am Telefon wirkt er, als frage er sich, warum man darüber überhaupt diskutieren müsse. "Ein Bewerbungsverfahren muss objektiv und sachlich sein. Ich muss prüfen, ob ein Bewerber die Voraussetzungen erfüllt, nicht, ob er Mann oder Frau ist."

In den Medien machen Martins Pläne schnell die Runde. "Studenten wollen Universität verklagen" , schreibt der österreichische Kurier . Deutsche Zeitungen ziehen nach. Und dann gibt es plötzlich 60 Nachrückerplätze – zur Verfügung gestellt durch den Vorsitzenden des Universitätsrates. Schnell ist von "Zugeständnissen" und einem "Einknicken der Uni" die Rede. Offiziell will man davon nichts wissen, aber auch nichts über die Hintergründe verraten. 60 Studenten, männliche wie weibliche, werden zugelassen. Martin ist nicht dabei.

Doch vermutlich hat er trotzdem gute Chancen, einen Studienplatz zu bekommen. Dafür sorgt in Österreich die Ergreiferprämie. Die bedeutet: Wer vor Gericht Recht bekommt, hat eine Sonderstellung. In Martins Fall hieße das, er würde zum Studium zugelassen werden.

Neues Zulassungsverfahren in Arbeit

Bleibt die Frage: Wenn ein unabhängiger Verfassungsrechtler die Beschwerde gegen den Test für vielversprechend hält, wer hat den Test dann genehmigt? Die Universität teilt schwammig mit, sie habe sich mit Rechtsexperten aus Österreich und von der Europäischen Union beraten. Ob es ein Gutachten gibt und was drin steht – dazu schweigt sie.

Es gibt viele Indizien dafür, dass an der Wiener MedUni dieses Jahr einiges schief gelaufen ist. Das wissen wohl auch die Verantwortlichen. Sie arbeiten derzeit an einem neuen Zulassungsverfahren, das ab 2013 in Wien, Graz und Innsbruck zum Einsatz kommen soll.

Um sich noch mehr Ärger zu ersparen, könnte die Uni einen einundsechzigsten Nachrückerplatz zur Verfügung zu stellen. Denn die verfassungsrechtliche Debatte ist für Martin zweitrangig. Er möchte einfach nur studieren. Wenn die Uni ihn lässt, will er die Beschwerde zurückziehen.

*Name von der Redaktion geändert