Hochschulen: Extra-Punkte nur fürs Frausein
Darf man Männer diskriminieren, um Frauen zu fördern? Eine Wiener Uni verfährt so in ihrem Zulassungstest. Jetzt klagt ein Mann vor dem Verfassungsgericht.
Martina hätte den Studienplatz an der Medizinischen Universität Wien bekommen. Martin* wurde abgelehnt. Denn er ist ein Mann.
Dass die Absage etwas mit seinem Geschlecht zu tun hatte, bekam der 20-Jährige nur zufällig mit. Er ärgerte sich, dass es mit dem Aufnahmetest nicht geklappt hatte. Woran lag's? Im Internet suchte er nach Antworten. In einem Forum schrieb eine Bewerberin, sie sei mit 134 Punkten zugelassen worden – Martin hatte 135 erreicht. Das machte ihn stutzig. Er recherchierte weiter. Und fand heraus: Die Hochschule hatte die Ergebnisse von Frauen automatisch höher bewertet als die von Männern, um der Ungerechtigkeit zu begegnen, dass sich in der Vergangenheit stets mehr Frauen beworben hatten, aber mehr Männer studierten.
Wie in der ganzen Gesellschaft ist Frauenförderung auch an Universitäten zum großen Thema geworden. So sehr, dass schon die Bezeichnung "Studenten" als zu männlich gilt. Die Besucher einer Hochschule heißen nun "Studierende". Doch das Zulassungsverfahren der MedUni Wien geht weit über sprachliche Details hinaus. Es wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie weit darf Frauenförderung gehen? Darf sie Männer benachteiligen? Muss sie das vielleicht sogar?
- Der Test
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Bewerber müssen seit 2006 den Eignungstest für das Medizinstudium (kurz: EMS) absolvieren.
Abgefragt werden unter anderem Fähigkeiten in den Bereichen Mathematik, Geometrie, Organisation, Textanalyse und medizinische Grundlagen.
- Die "genderspezifische" Auswertung
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Mit einer Formel errechnet die Universität einen Testwert. Daraus wird eine Rangliste erstellt, nach der Teilnehmer zugelassen werden. Bei der "genderspezifischen Auswertung" wird der Testwert für Männer und Frauen mit zwei unterschiedlichen Formeln errechnet.
Frauen stehen dadurch auch mit weniger Punkten vor Männern. Sie benötigen bis zu acht Punkte weniger als männliche Bewerber, um in der Rangliste trotzdem vor ihnen zu stehen.
Gerne würde man diese Fragen der MedUni Wien stellen. Zumal Vizerektorin Karin Gutiérrez-Lobos, Beauftragte für Lehre, Gender und Diversity, wohl Antworten parat hätte. Auf unsere Fragen schickt die Uni allerdings ihren Sprecher vor – und der antwortet nur mit einer E-Mail. Darin steht: Das alte Zulassungsverfahren sei kritisiert worden, weil Frauen regelmäßig schlechter abschnitten als Männer. Da die Universität zur Frauenförderung verpflichtet sei, gäbe es nun einen Test mit "getrennten Mittelwerten". Oder anders gesagt: Deshalb bekommen Frauen im Test einen Vorteil.
Quotenärztin – ja oder nein?
In dem Brief, den der abgelehnte Bewerber Martin bekommt, geht die Uni noch weiter: Der neue Test diene dazu, "tatsächlich in der sozialen Wirklichkeit bestehende faktische Ungleichheiten" zwischen Männern und Frauen zu beseitigen. Dass Frauen im Test schlechter abgeschnitten hatten, läge an Einstellungen, Verhaltensmustern und Strukturen in der Gesellschaft.
Wenn Raoul Wagner das hört, wird er sauer. Wagner ist ein Freund von Martins Familie und Rechtsanwalt. Er will nicht tatenlos zusehen, wie Martins Studienplatz einer schlechter qualifizierten Frau zugute kommt. "Mich regt die Sache wahnsinnig auf. In einer offenen und humanistischen Gesellschaft darf das nicht vorkommen", sagt er. Wagner hat keinen Zweifel: "Ich darf aufgrund des Geschlechts niemanden diskriminieren." Bei gleicher Leistung sei es nachvollziehbar, wenn Frauen bevorzugt würden. Aber bei schlechterer Leistung? Da müsse sich ja jede Frau die Frage gefallen lassen: Quotenärztin – ja oder nein?
Wagner schlägt vor, Beschwerde beim österreichischen Verfassungsgerichtshof einzureichen. Martin stimmt zu. Das war vor einigen Wochen, Montagabend haben sie die Beschwerde nun eingebracht.







Die Frage ist doch wie sieht der Test aus?
Es ist bekannt, dass Frauen andere Lösungsstrategien verfolgen als Männer. Wenn der Test nun aber bestimmte Lösungsstrategien abfragt, die tendenziell Männer näher stehen als Frauen, dann ergibt sich die Frage wie fair der Test ist.
Eine Lösungsstrategie/ Denkweise sagt ja nichts über den Erfolg anderer Herangehensweisen aus.
Aus Erfahrung weiss ich, dass eine Klausur nie gerecht ist, selbst wenn sich alle systemkonform verhalten, keiner schummelt, alles wird ganz gleich korregiert (schon das trifft in der Regel nicht zu!), aber schon die Auswahl der Fragen/Aufgaben ist nicht fair, da jeder letzlich etwas anderes weiss und die Fragenauswahl selbstverständlich die bevorzugt, die genau diese Fragen gut beantworten können.
Letzlich ist auch das nur ein Anhaltspunkt wie "gut" jemand ist.
Deshalb grieft die Frage Quote ja oder nein zu kurz.
Lieber bernd64,
zum Text gehört ein kleiner Infokasten, der eben noch nicht angezeigt wurde. Nun sollte er sichtbar sein. Ich hoffe, er beantwortet Ihre Fragen.
Beste Grüße
Ruben Karschnick
...als wenn zweimal die gleiche Formel verwendet würde, die über die Ergebnisse aller Bewerber mittelt und die besten X% zulässt. Der Infokasten legt jetzt nahe, dass völlig unterschiedliche Formeln angewandt werden. Könnten Sie darauf genauer eingehen und klar schreiben, ob verschiedene Formeln angewendet werden oder zweimal die gleiche Formel - einmal für die Plätze der Männer, einmal für die der Frauen?
...als wenn zweimal die gleiche Formel verwendet würde, die über die Ergebnisse aller Bewerber mittelt und die besten X% zulässt. Der Infokasten legt jetzt nahe, dass völlig unterschiedliche Formeln angewandt werden. Könnten Sie darauf genauer eingehen und klar schreiben, ob verschiedene Formeln angewendet werden oder zweimal die gleiche Formel - einmal für die Plätze der Männer, einmal für die der Frauen?
Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die unterstreichen, wie stark negativ die Begriffe vom Männlichen und vom Weiblichen aufgeladen sind. Sogar so stark, dass alleine die Notwendigkeit das eigene Geschlecht einzutragen die Frauen messbar schlechter (und die Männer besser) abschneiden lässt, als bei Kontrollgruppen ohne das Feld. Das beweist, dass die Rollen vom männlich Starken und weiblichen Schwachen so stark internalisiert werden, dass Frauen dadurch einen Nachteil haben. Dagegen gilt es vorzugehen. Wer ein Testverfahren vor dem Hintergrund als "objektiv und sachlich" bezeichnet, ignoriert wissenschaftlich etablierte Fakten. Tests sind nicht objektiv.
Wenn Frauen statistisch signifikant schlechter in einem Test abschneiden, dann halte ich es gar nicht für unwahrscheinlich, dass es wirklich am Test liegt. Wer etwas anderes behauptet müsste erst einmal einen guten Grund finden, aus welchem selbst verschuldeten (!) Grund die Frauen grundsätzlich schlechter abschneiden.
Wenn keine Schuld der Frauen erkennbar ist, handelt es sich hier nicht nur um eine unproblematisch, sondern um eine notwendige Maßnahme, die es überall geben sollte.
Last but not least messen Eignungstest nicht die eigene Qualifikation, sondern geben lediglich eine grobe Einschätzung. Es ist wissenschaftlich gesehen einfach nur Unsinn, die Bewerberin auf Basis dessen als "schlechter qualifizierten Frau" zu titulieren.
"Wenn Frauen statistisch signifikant schlechter in einem Test abschneiden, dann halte ich es gar nicht für unwahrscheinlich, dass es wirklich am Test liegt."
Wenn das wirklich so ist muß der Test geändert werden statt einfach einen Frauen-Bonus zu berechnen.
"Wenn Frauen statistisch signifikant schlechter in einem Test abschneiden, dann halte ich es gar nicht für unwahrscheinlich, dass es wirklich am Test liegt."
Wenn das wirklich so ist muß der Test geändert werden statt einfach einen Frauen-Bonus zu berechnen.
...als wenn zweimal die gleiche Formel verwendet würde, die über die Ergebnisse aller Bewerber mittelt und die besten X% zulässt. Der Infokasten legt jetzt nahe, dass völlig unterschiedliche Formeln angewandt werden. Könnten Sie darauf genauer eingehen und klar schreiben, ob verschiedene Formeln angewendet werden oder zweimal die gleiche Formel - einmal für die Plätze der Männer, einmal für die der Frauen?
Für die Testwertermittlung von Männern und Frauen werden zwei unterschiedliche Formeln verwendet. Frauen schneiden dadurch automatisch mit einer höheren Punktzahl ab.
Für die Testwertermittlung von Männern und Frauen werden zwei unterschiedliche Formeln verwendet. Frauen schneiden dadurch automatisch mit einer höheren Punktzahl ab.
So wie es der Artikel beschreibt, klingt die Geschichte durchaus diskriminierend.
Aber wie verhält es sich denn mit der Option, die Studienplätze (jedoch nicht das Studium) geschlechtsspezifisch zu trennen? Das heißt, bei 100 Studienplätzen gibt es 50 für männliche Bewerber und 50 für weibliche Bewerberinnen. Und dann werden halt die 50 besten Männer, und die 50 besten Frauen genommen. Wäre das auch diskriminierend? Wenn ja, warum?
Es geht darum, 100 hervorragende Ärzte zu bekommen. Und selbst wenn diese 100 ausschließlich Männer wären weil eben bei einem Test die 100 besten Absolventen männlich wären, dann wäre dies nichts was einen Eingriff i.S. von Gerechtigkeit erfordern würde. Das ist doch genau das Problem. Man versucht Gelichmacherei obwohl es um Gleichberechtigung geht.
Und die Gleichberechtigung ist m.E. damit erfüllt, dass Frauen Abitur machen dürfen, Frauen zum Studium zugelassen sind, Frauen zum Medizinstudium zugelassen sind und der selbe geschlehctsneutrage an den Anforderungen des Medizinstudiums ausgerichtete Test bestanden werden muß. Das ist Gleichberechtigung. Was die Uni in Wien (wie viele andere auch) versucht ist aber Gleichmacherei. Und Menschen sind nicht gleich und das Leben ist nicht "gerecht". Ich wäre auch gerne Fußballstar mit einem siebenstelligen Jahreseinkommen. Aber leider habe ich zwei "linke Füße" was das Fußballspiel betrifft. Kann ich jetzt dagegen klagen?
Geht es bei der Geschlechteremanzipation nicht eigentlich darum, dass der Ursache, dessenwegen diskriminiert wird, abgeschafft oder zumindest keine Rolle mehr spielt bei der Beurteilung eines Menschen hinsichtlich seines Charakters, Denkens oder seiner Fähigkeiten? Eine Geschlechterquote macht aber genau das Gegenteil: Sie erhebt das Geschlecht zum Kriterium der Beurteilung eines Menschen. Dabei soll doch das Geschlecht eben nicht mehr im Mittelpunkt der Beurteilung stehen. Die Bevorzugung eines Menschen aufgrund seines Geschlechts ist die Benachteiligung eines anderen Menschen aufgrund seines Geschlechts. Von daher: Nein zu jeglicher Quote.
Wer wirklich Diskriminierungen bekämpfen will, der darf sie nicht gegen eine andere ersetzen, sondern muss gegen diese Diskriminierung überhaupt sein. Nicht nur Sexismus gegen Frauen ist falsch, sondern auch Sexismus gegen Männer - und damit Sexismus überhaupt. Nicht nur Rassismus gegen Schwarze, Gelbe, Grüne und Rote ist falsch, sondern auch Rassismus gegen Weiße - und damit Rassismus überhaupt.
Will man Diskriminierungen praktisch bekämpfen, so sollte man zu Mitteln greifen, die wirklich blind sind gegenüber jeglicher Form von Diskriminierung. Zum Beispiel Zufallsentscheidungen. Wenn ein Mann und eine Frau bei gleicher Eignung für eine Stelle geeignet sind, warum dann keine Münze werfen? Oder losen? Zumal sich dadurch statistisch langfristig eine Gleichverteilung der Geschlechter automatisch durchsetzen würde.
Es geht darum, 100 hervorragende Ärzte zu bekommen. Und selbst wenn diese 100 ausschließlich Männer wären weil eben bei einem Test die 100 besten Absolventen männlich wären, dann wäre dies nichts was einen Eingriff i.S. von Gerechtigkeit erfordern würde. Das ist doch genau das Problem. Man versucht Gelichmacherei obwohl es um Gleichberechtigung geht.
Und die Gleichberechtigung ist m.E. damit erfüllt, dass Frauen Abitur machen dürfen, Frauen zum Studium zugelassen sind, Frauen zum Medizinstudium zugelassen sind und der selbe geschlehctsneutrage an den Anforderungen des Medizinstudiums ausgerichtete Test bestanden werden muß. Das ist Gleichberechtigung. Was die Uni in Wien (wie viele andere auch) versucht ist aber Gleichmacherei. Und Menschen sind nicht gleich und das Leben ist nicht "gerecht". Ich wäre auch gerne Fußballstar mit einem siebenstelligen Jahreseinkommen. Aber leider habe ich zwei "linke Füße" was das Fußballspiel betrifft. Kann ich jetzt dagegen klagen?
Geht es bei der Geschlechteremanzipation nicht eigentlich darum, dass der Ursache, dessenwegen diskriminiert wird, abgeschafft oder zumindest keine Rolle mehr spielt bei der Beurteilung eines Menschen hinsichtlich seines Charakters, Denkens oder seiner Fähigkeiten? Eine Geschlechterquote macht aber genau das Gegenteil: Sie erhebt das Geschlecht zum Kriterium der Beurteilung eines Menschen. Dabei soll doch das Geschlecht eben nicht mehr im Mittelpunkt der Beurteilung stehen. Die Bevorzugung eines Menschen aufgrund seines Geschlechts ist die Benachteiligung eines anderen Menschen aufgrund seines Geschlechts. Von daher: Nein zu jeglicher Quote.
Wer wirklich Diskriminierungen bekämpfen will, der darf sie nicht gegen eine andere ersetzen, sondern muss gegen diese Diskriminierung überhaupt sein. Nicht nur Sexismus gegen Frauen ist falsch, sondern auch Sexismus gegen Männer - und damit Sexismus überhaupt. Nicht nur Rassismus gegen Schwarze, Gelbe, Grüne und Rote ist falsch, sondern auch Rassismus gegen Weiße - und damit Rassismus überhaupt.
Will man Diskriminierungen praktisch bekämpfen, so sollte man zu Mitteln greifen, die wirklich blind sind gegenüber jeglicher Form von Diskriminierung. Zum Beispiel Zufallsentscheidungen. Wenn ein Mann und eine Frau bei gleicher Eignung für eine Stelle geeignet sind, warum dann keine Münze werfen? Oder losen? Zumal sich dadurch statistisch langfristig eine Gleichverteilung der Geschlechter automatisch durchsetzen würde.
Für die Testwertermittlung von Männern und Frauen werden zwei unterschiedliche Formeln verwendet. Frauen schneiden dadurch automatisch mit einer höheren Punktzahl ab.
"Wenn Frauen statistisch signifikant schlechter in einem Test abschneiden, dann halte ich es gar nicht für unwahrscheinlich, dass es wirklich am Test liegt."
Wenn das wirklich so ist muß der Test geändert werden statt einfach einen Frauen-Bonus zu berechnen.
nur altbekannter Argumentation. Frauen sind anfälliger für Krankheiten, darum müssen sie auch mehr bei Versicherungen bezahlen (bald gibt es ein Update auf Frau 2.0, die ist weniger anfällig darum bekommt sie den Unisextarif). Da sie auch weniger leisten und weniger belastbar sind, bekommen sie auch weniger Gehalt, Rente usw. Soweit folgt also auch der neue Test alten Wegen.
Und ich mag weibliche Ärzte eh mehr als männliche - da ist es auch egal das die Dame im Kittel meine Bauchspeicheldrüse mit dem Blinddarm verwechselt. Sowas passiert wenn man zwar so einen Test als Frau besteht jedoch einen Punkt schlechter ist als der männliche Kollege.
So Spass bei Seite. Wer auf Quoten setzt, tut genau das was er eigentlich verhindern will - diskriminieren. Wer angesichts der Aufklärung immernoch meinte eine LeistungKostenRechnung bei Männlein vs Weiblein aufzumachen - wie Krankenkassen, Arbeitgeber, Gesetzgeber hat leider nicht verstanden, dass eine Gesellschaft nur mit beiden Geschlechtern funktioniert. Die sind zwar in einigen Dinge unterscheiden, jedoch sich im Gesamten ergänzen. Warum man nun eine der beiden Seite bevorzugt, kann jedoch keiner plausibel erklären. Und dann gibt es halt mal Jahrgänge wo es mehr Männer durch den Test schaffen als Frauen - davon geht die Welt nicht unter. Wer da versucht regulierend einzugreifen, läuft Gefahr sehr viel Qualität zu verlieren, die bekanntlich geschlechterunabhängig ist.
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