Was Uni-Wissenschaftler mit den öffentlichen Geldern machen, hat mal mehr, mal weniger mit Rüstung und Krieg zu tun. Das Institut für Sicherheitspolitik der Uni Kiel entwickelt Strategien zur Bekämpfung der Taliban in Afghanistan . An der TU Dresden haben Psychologen für die Bundeswehr untersucht, wie viele deutsche Soldaten nach einem Auslandseinsatz traumatisiert sind.

Bei besonders pikanten Aufträgen schweigen die Beteiligten auch gerne darüber, woran sie arbeiten. Die Universität Hannover hält 13 Projekte im Bereich Rüstungs- und Sicherheitsforschung geheim – ihre Geldgeber, die Bundeswehr und, nach unbestätigten Informationen, der Rüstungskonzern Rheinmetall , wollen es so. Oder die Unis wissen selbst nicht, was sie mit dem Geld vom Verteidigungsministerium machen: Die FU Berlin hat im vergangenen Jahr laut Ministerium 78.000 Euro für zwei wehrtechnische Forschungsvorhaben erhalten. Wofür genau, sagt sie nicht – Geheimhaltung. Die FU-Pressestelle konnte auf Anfrage nicht ermitteln, um welche Projekte es sich handelt.

Klar ist: Keine deutsche Uni baut Panzer oder forscht an Waffen, mit denen sich noch effektiver Menschen töten lassen. Trotzdem sind die Grenzen zwischen militärischer und ziviler Forschung fließend. Wenn Naturwissenschaftler von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg nach Wegen suchen, um Sprengstoff aufzuspüren, kann das Flughäfen helfen, Bomben zu finden – aber eben auch der Bundeswehr im Afghanistan-Krieg nützen.

EADS lässt Hochschulen für sich forschen

Genauso umstritten ist, wie weit sich Hochschulen mit Rüstungskonzernen einlassen dürfen. Als die Universität Konstanz im letzten Jahr einen Kooperationsvertrag mit Astrium und Cassidian schloss, protestierten Studentenvertreter. Cassidian ist die Rüstungstochter von EADS , das Unternehmen baut den Eurofighter, Drohnen und Raketen. Schon seit Jahren fördert EADS Doktoranden aus Konstanz. Jetzt finanziert der Konzern der Universität ein Projekt, bei dem Physiker den Abstand von Satelliten genau zu bestimmen versuchen und ein weiteres Vorhaben in den Sportwissenschaften. Die Hochschule besteht darauf, keine Rüstungsforschung im Auftrag von Cassidian zu betreiben. Der hauseigene Justiziar prüfe jedes Projekt auf Vereinbarkeit mit der Zivilklausel der Universität, die Rüstungsforschung verbietet.

EADS lässt deutsche Hochschulen besonders gerne für sich forschen: Der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg bezahlt das Unternehmen eine Stiftungsprofessur. TU München, TU Chemnitz, die Hochschule Ingolstadt und die Bundeswehruniversität München bauen zusammen mit der EADS-Tochter Cassidian ein Drohnen-Modell. "Sagitta" heißt das Projekt. Ein vielsagender Name. Sagitta ist ein Sternbild, das an einen Pfeil erinnert. Animationen der Drohne zeigen eine viereckige, vorne spitz zulaufende Scheibe. Sie soll für Radare unsichtbar sein, Experten nennen so ein Fluggerät Tarnkappendrohne. Die Bundeswehruniversität und die TU München forschen an der Steuerung, in Chemnitz tüfteln Informatiker aus, wie die Drohne ohne Pilot Landebahnen erkennen kann. Finanziert wird das Projekt größtenteils von Cassidian – aber auch mit öffentlichen Geldern: Die TU Chemnitz bezahlt einen von zwei Sagitta-Doktoranden selbst.

2014 soll das Drohnen-Modell fertig sein. Cassidian freut sich schon jetzt über die Zusammenarbeit mit den Hochschulen: Sie ermögliche dem Konzern "Zugang zu Spitzenabsolventen der Ingenieurswissenschaften" und "den aktuellsten Trends an der Forschungsfront".