Dietrich Schulze hält solche Projekte für "Kriegsforschung". Der Elektrotechniker und Alt-Linke von der "Initiative gegen Militärforschung an Universitäten" lehnt jede Zusammenarbeit von Hochschulen, Bundeswehr und Rüstungsindustrie ab. Für Schulze beginnt militärische Forschung dort, wo andere ein unpolitisches Projekt sehen. Den Sonderforschungsbereich 700 an der FU Berlin nennt er "kriegsunterstützende Wissenschaft". Die FU-Forscher untersuchen, wie Herrschaft in gescheiterten Staaten funktioniert – und widmen sich auch der Nato-Mission in Afghanistan. Schulze wirft ihnen vor, den deutschen Afghanistan-Einsatz so zu legitimieren.

Im Moment sieht es so aus, als seien die Friedensaktivisten im Vorteil. Immer mehr Hochschulen geben sich selbst Zivilklauseln, darunter die TU Berlin. An vielen Unis streiten Studenten für friedliche Forschung. Jetzt bekommen die Aktivisten auch Unterstützung aus der Politik: In Nordrhein-Westfalen denkt die rot-grüne Regierung darüber nach, eine Zivilklausel ins Landeshochschulgesetz aufzunehmen. Die Linke will Unis bundesweit zur Friedensforschung verpflichten.

Das Problem: Selbst wenn Hochschulen Zivilklauseln haben, können sie diese aushebeln. Jüngst wurde bekannt, dass die Universität Bremen mehrfach Geld von Rüstungskonzernen bekommen hat, trotz ihrer Zivilklausel. Die Universität Rostock hat die Friedensforschung sogar in ihrer Grundordnung verankert. Trotzdem hat sie einen wehrtechnischen Forschungsauftrag von der Bundeswehr angenommen: Rostocker Maschinenbauer arbeiten ebenfalls daran, Minen am Meeresgrund aufzuspüren. Uni-Sprecher Ulrich Vetter hält das Projekt für ein "humanitäres Vorhaben".

Wann dient Forschung dem Militär?

"Die meisten Unis bekennen sich in ihren Zivilklauseln nur vage zur Friedensforschung. Sie können leicht argumentieren, dass Rüstungsforschung der Friedensverteidigung dient", sagt der Jurist Erhard Denninger. Nur wenn Hochschulen ausdrücklich militärische Forschung ablehnten, sei Rüstungsforschung ausgeschlossen. An der TU Berlin müssen Wissenschaftler zusätzlich bei der Forschungsabteilung angeben, ob ihr Drittmittelauftrag militärischen Zwecken dient. Ist das der Fall, wird er nicht genehmigt. Der Aktivist Dietrich Schulze fordert, dass alle Hochschulen ihre Drittmittelprojekte offenlegen. "Die Uni-Gremien wissen oft selbst nicht, ob bei ihnen Rüstungsforschung gemacht wird", sagt er.

Zwischen dem Ei auf Ralf Burgschweigers Computerbildschirm und einem besseren Sonarsystem auf Minenjagd liegen noch viele tausend Arbeitsstunden. Burgschweiger kann zwar berechnen, wie sich Schallwellen unter Wasser verhalten, wenn sie auf einen Gegenstand treffen. Aber in seinem Wasser fließt keine Strömung, es ist nicht salzig wie Meerwasser. Noch kann man mit seiner Forschung viel anfangen – nicht nur Minen aufspüren. "Genauso gut könnten meine Berechnungen helfen, Großraumbüros leiser zu machen", sagt Burgschweiger. Was die Bundeswehr mit seinen Ergebnissen mache, darauf habe er keinen Einfluss: "Der Mann, der den Hammer macht, ist nicht dafür verantwortlich, was jemand anderes damit anstellt."

Erschienen im Tagesspiegel