Dissertation : Schavan bestreitet erneut Plagiatsvorwurf

Eine Täuschungsabsicht beim Verfassen ihrer Doktorarbeit weist die Bundesbildungsministerin entschieden von sich. Das hat Schavans ehemalige Alma Mater jetzt schriftlich.
Annette Schavan (CDU) im Bundestag ©Maurizio Gambarini/dpa

Annette Schavan geht in der Plagiatsaffäre um ihre Doktorarbeit in die Gegenoffensive. Wie die Rheinische Post berichtet, reichte die Bundesbildungsministerin bei der Universität Düsseldorf eine umfassende schriftliche Stellungnahme ein. Sie behauptet darin, in ihrer Dissertation keine fremden Texte abgekupfert zu haben.

Die Zeitung beruft sich auf Quellen im Umfeld der Ministerin. Ihrem Bericht zufolge bestreitet Schavan in dem Schreiben den Vorwurf, in ihrer 1980 verfassten Dissertation im Fachbereich Erziehungswissenschaften an mehreren Stellen Textpassagen aus anderen Studien verwendet zu haben, ohne diese ausreichend als Übernahmen zu kennzeichnen. Sie gebe auch Auskunft darüber, wie sie die Arbeit damals angefertigt habe. Wissenschaftler und Juristen hätten die Politikerin bei der Abfassung der Stellungnahme beraten, berichtet die Rheinische Post.

Ein Sprecher des Bundesbildungsministeriums wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Die Ministerin habe stets deutlich gemacht, dass "die Universität Düsseldorf Herr des Verfahrens" sei. Die Heinrich-Heine-Universität darf zum Stand des Verfahrens keine Auskunft mehr geben; Schavan selbst äußert sich derzeit nicht.

Promotionsausschuss prüft

Ihre Dissertation wird vom Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät der Heine-Universität geprüft. Er soll eine Empfehlung aussprechen, ob der Doktortitel aberkannt werden soll. Möglich ist aber zuvor die Bestellung weiterer Gutachter.

Im Oktober war ein internes Gutachten öffentlich geworden, in dem der Vorsitzende des zuständigen Promotionsausschusses, Stefan Rohrbacher, von einer "leitenden Täuschungsabsicht" der Ministerin spricht. Die Universität musste daraufhin Kritik einstecken, weil der vertrauliche Inhalt des Gutachtens an die Öffentlichkeit gelangt war.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ) hatte Schavan ihr Vertrauen ausgesprochen . Politiker der Opposition forderten vereinzelt den Rücktritt der Ministerin.
 

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Kommentare

26 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Frau Dr. Schavan

wehr sich lediglich. Das ist nicht nur berechtigt, sondern wohl auch geboten, denn die Uni konnte noch nicht einmal das 1. Gutachten vertraulich behandeln. Dass die Uni "Herr des Verfahrens" ist, bedeutet "lediglich" dass sie die Doktorarbeit von Frau Dr. Schavan sachgerecht zu prüfen und zu einem Ergebnis zu kommen hat. Letzteres muß einer gerichtlichen Nachprüfung standhalten.

Entscheidung

"Sie behauptet darin, in ihrer Dissertation keine fremden Text abgekupfert zu haben."

Ich bin gespannt, wie das ausgeht. Wird Frau Schavan mit ihrer Darstellung durchkommen? Oder wird die Universität Düsseldorf trotz des großen politischen Drucks von Seiten der Ministerin und ihrer Mitstreiter in der Wissenschaft eine Entscheidung fällen, die an den Tatsachen orientiert ist?

Die "leitende Täuschungsabsicht" hat sich Herr Rohrbacher ja nicht ausgedacht, sondern kann sie anhand diverser Textstellen belegen. Aus heutiger Sicht halte ich es für wahrscheinlich, dass sein Gutachten vom Schavan-Lager öffentlich gemacht wurde.

Wenn Frau Schavan obsiegt, wird die Lehre für alle Beobachter sein: Rules are for fools.