European Business SchoolHessen fördert überschuldete Hochschule mit Millionen

Das Land unterstützte die European Business School mit Steuergeld, obwohl sie defizitär ist. Der Rechnungshof erhebt schwere Vorwürfe gegen die Wissenschaftsministerin. von Christoph Schmidt Lunau

Glaubt man dem Präsidenten der EBS-Universität mit Sitz in Oestrich-Winkel und Wiesbaden, Rolf Cremer, dann war 2012 "das erfolgreichste Jahr" in der Geschichte der 1971 gegründeten Hochschule. Zunächst war das private Institut mit Sponsoren aus der Wirtschaft und Förderern in der Politik auf Business-Studiengänge spezialisiert. Seit zwei Jahren bietet die EBS-Law-School zudem einen rechtswissenschaftlichen Studiengang an. Im April wurde der EBS-Business-School das internationale Gütesiegel Equis zugesprochen, im Mai wurde die Uni vom Wissenschaftsrat akkreditiert, freute der Präsident sich jetzt bei seiner Jahresbilanz. Mit rund 1300 Business- und knapp 200 Rechtsstudenten habe man zudem einen neuen Rekord aufgestellt.

Doch wie zuvor andere Privathochschulen ist auch die EBS, die lange als Pionierin und Vorzeigebeispiel der Branche galt, in finanzielle Schwierigkeiten geraten und kämpft ums Überleben. Da waren die Negativschlagzeilen um den im Streit gegangenen ehemaligen EBS-Präsidenten Christopher Jahns, den die Wiesbadener Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue angeklagt hat. Jahns setzt sich mit Strafanzeigen und Zivilklagen gegen die Behörde und seinen früheren Arbeitgeber zur Wehr. Da war die Rückforderung der hessischen Landesregierung von 950.000 Euro Fördergeldern, weil die EBS das Geld vereinbarungswidrig verwendet haben soll.

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In der vergangenen Woche irritierte dann die hessische Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) den Landtagsausschuss. Die Ministerin, die als Förderin der privaten Hochschule gilt, hatte öffentlich Zweifel an der Liquidität der Hochschule geäußert und angekündigt, fällige Zahlungen an die EBS zu stornieren. Am Wochenende kam es noch dicker. Der Landesrechnungshof stellte dem Landtag ein vertrauliches Gutachten zu. In dem Dokument, das dem Tagesspiegel vorliegt, erheben die Kontrolleure schwere Vorwürfe gegen die EBS und das Wissenschaftsministerium.

SPD-Abgeordneter legt Ministerin den Rücktritt nahe

Das Ministerium habe fast 24 Millionen Euro Landeszuschüsse an die EBS ausgezahlt, ohne deren Bonität und Liquidität zu überprüfen, trotz vorhandener Hinweise auf eine finanzielle "Schieflage" der EBS. Die Hochschule habe Vergaberegeln nicht eingehalten, Mittelverwendungen nicht belegt und nicht schlüssig darlegen können, dass die Finanzierung des Projekts dauerhaft gesichert sei. Der SPD-Landtagsabgeordnete Marius Weiß legte der Ministerin deshalb den Rücktritt nahe. Es gilt als sicher, dass SPD und Grüne einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu den Vorgängen erzwingen werden.

Der EBS-Präsident und der Kanzler hatten Ende vergangener Woche noch versucht, Medienberichte über den angeblich über der EBS kreisenden Pleitegeier zu entkräften. Doch bei einem Pressetermin konnten sie die Zweifel an der Seriosität der vorgelegten Finanzplanung nicht ausräumen. Zwar will die Uni mit einem "Wachstumsprogramm EBS 2018" ab 2014 schwarze Zahlen erwirtschaften. Die Drittmittel der Förderer sollen um 25 Prozent gesteigert werden, die Einnahmen aus Weiterbildungsprogrammen sogar um 33 Prozent. Außerdem rechne die Hochschule mit steigenden Studierendenzahlen und werde die Studiengebühren in der Business-School von 6000 auf 7000 Euro pro Semester erhöhen.

Doch im laufenden Jahr werde das private Institut ein Minus von 1,5 Millionen Euro erwirtschaften, selbst wenn die vom Ministerium stornierten Zahlungen fließen sollten, sagt der Kanzler. Das "negative Eigenkapital" der Hochschule betrage bereits jetzt 5,5 Millionen Euro. Für das kommende Jahr rechnen die Verantwortlichen mit einem weiteren operativen Verlust von zwei Millionen Euro.

"Wir stehen nicht am Abgrund"

Weshalb die Gönner der EBS angesichts der negativen Schlagzeilen und in Krisenzeiten spendabler werden sollen, blieb denn auch offen. Zudem hat mit der dem Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG der wichtigste Partner im Geschäft für die Weiterbildung gerade seinen Vertrag mit der EBS gekündigt. Die Entscheidung über das ambitionierte, auf 72 Millionen Euro kalkulierte Bauprojekt eines "Campus Moritzstaße" rund um den früheren Wiesbadener Justizpalast ist auf Februar 2013 verschoben. Nach den seinerzeit mit dem Land ausgehandelten Verträgen sollte ursprünglich noch 2012 mit dem Bau begonnen werden.

"Wir stehen nicht am Abgrund", versicherte EBS-Präsident Rolf Cremer. Dass er allerdings für die Aufstellung des Finanzplans angeblich eine Beratungsfirma engagiert hat, die sich laut Eigenwerbung auf die Sanierung "krisengeschüttelter mittelständischer Unternehmen" spezialisiert hat, wollte er nicht dementieren.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
    • vagabuu
    • 13. Dezember 2012 11:39 Uhr

    Business School arbeitet defizitär.

    Noch besser:
    "Aufstellung des Finanzplans angeblich eine Beratungsfirma engagiert"

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Xdenker
    • 13. Dezember 2012 13:25 Uhr

    Was soll man von Winkel-Ökonomen und Winkel-Advokaten auch anderes erwarten?

    (Sorry, ich weiß: Das Örtchen Oestrich-Winkel kann nichts dafür)

    • Lobel
    • 13. Dezember 2012 11:43 Uhr

    Mir tun die Studenten leid; nicht jedoch die Verantwortlichen. Die "Uni" wird untergehen. Zumindestens die Law School.

  1. Bevor hier wieder das unqualifizierte Privatschulenbashing los geht...

    Frankfurt School of Finance and Management: Profitabel, renommiert, skandalfrei und ohne verschwendete Fördermittel.

    Es geht halt auch anders!

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    • Cassini
    • 13. Dezember 2012 14:37 Uhr

    Wenn man sich deren Finanzierungsstruktur anschaut, dann ist das mehr ein Unternehmen als eine Schule. 70% der Umsätze werden durch
    - Internationale Beratung
    - Berufsbegleitende Programme
    - Firmenprogramme & Services hereingeholt

    Kann so eine Schule wirklich unabhängig und kritisch sein?

    • Xdenker
    • 13. Dezember 2012 13:06 Uhr

    ist, wenn eine Business-Schule nicht wirtschaften kann.

    Ich würde da nicht studieren, schon allein des Images wegen.

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    ... aber die Leute, die dort studieren, kriegen nunmal Bombenjobs.

    Ich kenne Einige, die vor etwa 10 Jahren dort abgeschlossen haben und denen sind die Jobs zugeflogen. Und zwar solche bei denen man sehr weit überdurchschnittlich verdient und etliche von diesen Jobs sind nie offen auf den sozusagen freien Jobmarkt gekommen. D.h. Leute von einer normalen Uni haben diese Einstiegsmöglichkeiten nie gehabt, weil sie sie gar nicht zu Gesicht bekommen haben.

    Die Leute, die dort studieren sind keineswegs irgendwie außergewöhnlich schlau, eher guter Durchschnitt würde ich sagen, aber sie sind von vorneherein auf eine Richtung getrimmt, die insbesondere Beratungsfirmen und Banken haben möchten und dafür dann eben auch viel Geld bezahlen.

    Letztlich kauft man sich mit dem hohen finanziellen Aufwand für das Studium einen hochbezahlten Job. So einfach ist das.

    Win-win für Studenten und Arbeitgeber.

    • Xdenker
    • 13. Dezember 2012 13:25 Uhr

    Was soll man von Winkel-Ökonomen und Winkel-Advokaten auch anderes erwarten?

    (Sorry, ich weiß: Das Örtchen Oestrich-Winkel kann nichts dafür)

    Antwort auf "Satire bei ZeitOnline"
  2. 6. [...]

    In manchen öffentlichen Schulen fällt der Putz von der Wand, oder die Heizung geht nicht.

    Von der technischen Ausstattung gar nicht zu reden. Da findet man noch Kassettenrecorder der Marke Universum aus den 70ern.

    [...]

    Das ist eine dermaßen dreiste Klientelpolitik - lernt man das auf solchen Unis?

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ls

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Neiddebatte unterstellt wird: das hat in meinem gar nichts mit Neid zu tun, sondern mit Gerechtigkeitsempfinden. Solche privaten Business Schools generieren im Gegensatz zu den Wirtschaftswiss. Fak. der staatlichen Unis keinerlei Nutzen im Bereich der Grundlagenforschung.

    Das einzige was da gelehrt und erforscht wird sind Aspekte die einem kleinen Teil der Gesellschaft dienen. Gemeint sind in diesem Fall v.a. Bereiche wie Bankentheorie etc. in einer angewandten Form, dass wissenschaftlichen damit nichts anzufangen ist. Profiteuere von so einer Lehre sind eigentlich nur Banken und z.T. Versicherungen. Daher könnte die m.E. EBS eigentlich auch von diesen Branchen subventioniert werden.

  3. ... mal ein paar Milliönchen für ihre verwöhnten Kinder locker machen.
    Schließlich möchte der "elitäre" Salem-Nachwuchs ja mal eine "renommierte" Hochschule besuchen, und sich nicht mit dem staatlichen Balg rumschlagen.

    Ich kann hierzu nur das Buch "Die Elite" empfehlen. Hoffentlich geht die EBS bald bankrott (das wäre immerhin ein gewaltiger Schritt in Richtung Auflösung der 2-Klassen-Gesellschaft)...

  4. Neiddebatte unterstellt wird: das hat in meinem gar nichts mit Neid zu tun, sondern mit Gerechtigkeitsempfinden. Solche privaten Business Schools generieren im Gegensatz zu den Wirtschaftswiss. Fak. der staatlichen Unis keinerlei Nutzen im Bereich der Grundlagenforschung.

    Das einzige was da gelehrt und erforscht wird sind Aspekte die einem kleinen Teil der Gesellschaft dienen. Gemeint sind in diesem Fall v.a. Bereiche wie Bankentheorie etc. in einer angewandten Form, dass wissenschaftlichen damit nichts anzufangen ist. Profiteuere von so einer Lehre sind eigentlich nur Banken und z.T. Versicherungen. Daher könnte die m.E. EBS eigentlich auch von diesen Branchen subventioniert werden.

    Antwort auf "[...]"

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