Glaubt man dem Präsidenten der EBS-Universität mit Sitz in Oestrich-Winkel und Wiesbaden, Rolf Cremer, dann war 2012 "das erfolgreichste Jahr" in der Geschichte der 1971 gegründeten Hochschule. Zunächst war das private Institut mit Sponsoren aus der Wirtschaft und Förderern in der Politik auf Business-Studiengänge spezialisiert. Seit zwei Jahren bietet die EBS-Law-School zudem einen rechtswissenschaftlichen Studiengang an. Im April wurde der EBS-Business-School das internationale Gütesiegel Equis zugesprochen, im Mai wurde die Uni vom Wissenschaftsrat akkreditiert, freute der Präsident sich jetzt bei seiner Jahresbilanz. Mit rund 1300 Business- und knapp 200 Rechtsstudenten habe man zudem einen neuen Rekord aufgestellt.

Doch wie zuvor andere Privathochschulen ist auch die EBS, die lange als Pionierin und Vorzeigebeispiel der Branche galt, in finanzielle Schwierigkeiten geraten und kämpft ums Überleben. Da waren die Negativschlagzeilen um den im Streit gegangenen ehemaligen EBS-Präsidenten Christopher Jahns, den die Wiesbadener Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue angeklagt hat. Jahns setzt sich mit Strafanzeigen und Zivilklagen gegen die Behörde und seinen früheren Arbeitgeber zur Wehr. Da war die Rückforderung der hessischen Landesregierung von 950.000 Euro Fördergeldern, weil die EBS das Geld vereinbarungswidrig verwendet haben soll.

In der vergangenen Woche irritierte dann die hessische Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) den Landtagsausschuss. Die Ministerin, die als Förderin der privaten Hochschule gilt, hatte öffentlich Zweifel an der Liquidität der Hochschule geäußert und angekündigt, fällige Zahlungen an die EBS zu stornieren. Am Wochenende kam es noch dicker. Der Landesrechnungshof stellte dem Landtag ein vertrauliches Gutachten zu. In dem Dokument, das dem Tagesspiegel vorliegt, erheben die Kontrolleure schwere Vorwürfe gegen die EBS und das Wissenschaftsministerium.

SPD-Abgeordneter legt Ministerin den Rücktritt nahe

Das Ministerium habe fast 24 Millionen Euro Landeszuschüsse an die EBS ausgezahlt, ohne deren Bonität und Liquidität zu überprüfen, trotz vorhandener Hinweise auf eine finanzielle "Schieflage" der EBS. Die Hochschule habe Vergaberegeln nicht eingehalten, Mittelverwendungen nicht belegt und nicht schlüssig darlegen können, dass die Finanzierung des Projekts dauerhaft gesichert sei. Der SPD-Landtagsabgeordnete Marius Weiß legte der Ministerin deshalb den Rücktritt nahe. Es gilt als sicher, dass SPD und Grüne einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu den Vorgängen erzwingen werden.

Der EBS-Präsident und der Kanzler hatten Ende vergangener Woche noch versucht, Medienberichte über den angeblich über der EBS kreisenden Pleitegeier zu entkräften. Doch bei einem Pressetermin konnten sie die Zweifel an der Seriosität der vorgelegten Finanzplanung nicht ausräumen. Zwar will die Uni mit einem "Wachstumsprogramm EBS 2018" ab 2014 schwarze Zahlen erwirtschaften. Die Drittmittel der Förderer sollen um 25 Prozent gesteigert werden, die Einnahmen aus Weiterbildungsprogrammen sogar um 33 Prozent. Außerdem rechne die Hochschule mit steigenden Studierendenzahlen und werde die Studiengebühren in der Business-School von 6000 auf 7000 Euro pro Semester erhöhen.

Doch im laufenden Jahr werde das private Institut ein Minus von 1,5 Millionen Euro erwirtschaften, selbst wenn die vom Ministerium stornierten Zahlungen fließen sollten, sagt der Kanzler. Das "negative Eigenkapital" der Hochschule betrage bereits jetzt 5,5 Millionen Euro. Für das kommende Jahr rechnen die Verantwortlichen mit einem weiteren operativen Verlust von zwei Millionen Euro.

"Wir stehen nicht am Abgrund"

Weshalb die Gönner der EBS angesichts der negativen Schlagzeilen und in Krisenzeiten spendabler werden sollen, blieb denn auch offen. Zudem hat mit der dem Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG der wichtigste Partner im Geschäft für die Weiterbildung gerade seinen Vertrag mit der EBS gekündigt. Die Entscheidung über das ambitionierte, auf 72 Millionen Euro kalkulierte Bauprojekt eines "Campus Moritzstaße" rund um den früheren Wiesbadener Justizpalast ist auf Februar 2013 verschoben. Nach den seinerzeit mit dem Land ausgehandelten Verträgen sollte ursprünglich noch 2012 mit dem Bau begonnen werden.

"Wir stehen nicht am Abgrund", versicherte EBS-Präsident Rolf Cremer. Dass er allerdings für die Aufstellung des Finanzplans angeblich eine Beratungsfirma engagiert hat, die sich laut Eigenwerbung auf die Sanierung "krisengeschüttelter mittelständischer Unternehmen" spezialisiert hat, wollte er nicht dementieren.

Erschienen im Tagesspiegel