Eigentlich lief alles super. Nach seinem BWL-Bachelor an der Uni Augsburg hatte Alexander einen begehrten Masterplatz im Ausland bekommen. Doch wegen einer Formalität war dieser Studienplatz plötzlich in Gefahr: Seine Bachelorarbeit wurde nicht fristgerecht korrigiert, und Alexander konnte seiner neuen Uni keinen Abschluss nachweisen. Beinahe hätte er den Studienplatz wieder verloren. "Die Bewerbungsfrist für alle anderen Programme war zu diesem Zeitpunkt schon vorbei", sagt er.

Wie lange Studenten Zeit haben, ihre Bachelor- oder Masterarbeit zu schreiben, wird auf den Tag genau festgelegt. Wie lange der Professor für die Korrektur Zeit hat, ist dagegen nicht einheitlich geregelt. Für jede Universität und jeden Studiengang gibt es eine eigene Prüfungsordnung mit eher unverbindlichen Vorgaben. In einigen Fällen existiert überhaupt keine Regelung.

Alexanders Prüfer hätte sich laut Prüfungsordnung acht Wochen für die Korrektur nehmen dürfen. "Bei Nachfragen wurde ich mehrfach ohne Angabe von Gründen vertröstet", sagt der Wirtschaftswissenschaftler. Am Ende dauerte es fast vier Monate. Hinzu kamen zwei Wochen, die das Prüfungsamt zur Ausstellung des Zeugnisses benötigte. Ganz knapp konnte Alexander die Unterlagen noch rechtzeitig einreichen und sein Masterstudium antreten.

Ohne Zeugnis kein Bafög

Weniger Glück hatte der Maschinenbau-Student Matthias. Zwar ging die Korrektur der Bachelorarbeit zügig, doch es gab noch eine Klausur aus dem letzten Semester, die erst nach dreieinhalb Monaten korrigiert wurde. Da war Matthias längst im Master und musste bereits zwei Monate ohne Bafög auskommen. Denn um während eines Masterstudiums Bafög zu erhalten, verlangen die Studentenwerke eine Bestätigung über die bestandene Bachelorprüfung. Liegt die nicht zu Beginn des Masters vor, wird kein Geld überwiesen. Reicht man die Dokumente nach, wird zwar auch das Bafög nachgezahlt – die Zwischenzeit müssen die Studenten jedoch ohne Förderung überbrücken.

Woran liegt es, dass Professoren so lange brauchen? Offiziell will sich dazu niemand äußern. Anonym rechtfertigt sich ein Physikdozent: "Die Arbeitsbelastung ist zu hoch. Zeitweise stapeln sich die Arbeiten auf dem Schreibtisch." In der Tat dürfte das Korrekturaufkommen in den letzten Jahren gestiegen sein: Die Studentenzahlen haben zugenommen , deutschlandweit um fast 30 Prozent in fünf Jahren. Beim Lehrpersonal wurde längst nicht so stark aufgestockt. In der Folge hat sich die Betreuungsquote verschlechtert .

Klagen oder bitten?

Dazu kommen strukturelle Änderungen: Durch den Bologna-Prozess ist die Anzahl der Prüfungen stark gestiegen, da für jedes Modul eine Note vergeben wird. Mehr Studenten, mehr Prüfungen, dazu eine Vielzahl an Verwaltungsaufgaben: Das wissenschaftliche Personal fühlt sich überfordert. "Viele hier arbeiten deutlich mehr, als sie müssten", sagt ein Professor.

Studenten, die das Klausurergebnis dringend brauchen, helfen diese Begründungen allerdings wenig. Das Verwaltungsrecht ermöglicht nach drei Monaten eine Klage wegen Untätigkeit, im Einzelfall kann die Zeitspanne auch länger sein. Das passiert aber fast nie: "Setzt man den Prüfer juristisch unter Druck, besteht die Gefahr, dass sich dies ungünstig auf die Bewertung auswirkt", sagt Arne-Patrik Heinze, Anwalt für Hochschulrecht.

Gute Abstimmung erspart Ärger

Werner Schneider , Vizepräsident der Universität Augsburg, rät deshalb zu Diplomatie: Zuerst solle man den betreffenden Prüfer kontaktieren und auf die Dringlichkeit hinweisen. Die nächsten Ansprechpartner seien der Prüfungsausschuss, das Prüfungsamt und schließlich die Hochschulleitung. Um den Prozess von vornherein zu beschleunigen, empfehlen Dozenten, sich schon während des Schreibens gut mit dem Betreuer abzustimmen. Wer seinen Prüfer auf dem Laufenden hält und vielleicht schon mal einen Entwurf abgibt, erleichtert die Korrektur.

Auf eine Grundsatzentscheidung, etwa verbindliche Korrekturzeiträume, können Studenten erst einmal nicht hoffen. Das Deutsche Studentenwerk (DSW) kennt das Problem zwar, sieht die Verantwortung aber bei den Hochschulen. Allerdings arbeite man darauf hin, BAföG-Zahlungen unter Vorbehalt zu ermöglichen, heißt es auf Anfrage. Die Entscheidung liege jedoch beim Gesetzgeber.