Dazu kommen strukturelle Änderungen: Durch den Bologna-Prozess ist die Anzahl der Prüfungen stark gestiegen, da für jedes Modul eine Note vergeben wird. Mehr Studenten, mehr Prüfungen, dazu eine Vielzahl an Verwaltungsaufgaben: Das wissenschaftliche Personal fühlt sich überfordert. "Viele hier arbeiten deutlich mehr, als sie müssten", sagt ein Professor.

Studenten, die das Klausurergebnis dringend brauchen, helfen diese Begründungen allerdings wenig. Das Verwaltungsrecht ermöglicht nach drei Monaten eine Klage wegen Untätigkeit, im Einzelfall kann die Zeitspanne auch länger sein. Das passiert aber fast nie: "Setzt man den Prüfer juristisch unter Druck, besteht die Gefahr, dass sich dies ungünstig auf die Bewertung auswirkt", sagt Arne-Patrik Heinze, Anwalt für Hochschulrecht.

Gute Abstimmung erspart Ärger

Werner Schneider , Vizepräsident der Universität Augsburg, rät deshalb zu Diplomatie: Zuerst solle man den betreffenden Prüfer kontaktieren und auf die Dringlichkeit hinweisen. Die nächsten Ansprechpartner seien der Prüfungsausschuss, das Prüfungsamt und schließlich die Hochschulleitung. Um den Prozess von vornherein zu beschleunigen, empfehlen Dozenten, sich schon während des Schreibens gut mit dem Betreuer abzustimmen. Wer seinen Prüfer auf dem Laufenden hält und vielleicht schon mal einen Entwurf abgibt, erleichtert die Korrektur.

Auf eine Grundsatzentscheidung, etwa verbindliche Korrekturzeiträume, können Studenten erst einmal nicht hoffen. Das Deutsche Studentenwerk (DSW) kennt das Problem zwar, sieht die Verantwortung aber bei den Hochschulen. Allerdings arbeite man darauf hin, BAföG-Zahlungen unter Vorbehalt zu ermöglichen, heißt es auf Anfrage. Die Entscheidung liege jedoch beim Gesetzgeber.