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Wie lange Profs zum Korrigieren haben, ist oft nicht geregelt. Studenten bekommen ihre Arbeiten mitunter erst nach Monaten zurück und geraten in Schwierigkeiten. von Christian Endt

Eigentlich lief alles super. Nach seinem BWL-Bachelor an der Uni Augsburg hatte Alexander einen begehrten Masterplatz im Ausland bekommen. Doch wegen einer Formalität war dieser Studienplatz plötzlich in Gefahr: Seine Bachelorarbeit wurde nicht fristgerecht korrigiert, und Alexander konnte seiner neuen Uni keinen Abschluss nachweisen. Beinahe hätte er den Studienplatz wieder verloren. "Die Bewerbungsfrist für alle anderen Programme war zu diesem Zeitpunkt schon vorbei", sagt er.

Wie lange Studenten Zeit haben, ihre Bachelor- oder Masterarbeit zu schreiben, wird auf den Tag genau festgelegt. Wie lange der Professor für die Korrektur Zeit hat, ist dagegen nicht einheitlich geregelt. Für jede Universität und jeden Studiengang gibt es eine eigene Prüfungsordnung mit eher unverbindlichen Vorgaben. In einigen Fällen existiert überhaupt keine Regelung.

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Alexanders Prüfer hätte sich laut Prüfungsordnung acht Wochen für die Korrektur nehmen dürfen. "Bei Nachfragen wurde ich mehrfach ohne Angabe von Gründen vertröstet", sagt der Wirtschaftswissenschaftler. Am Ende dauerte es fast vier Monate. Hinzu kamen zwei Wochen, die das Prüfungsamt zur Ausstellung des Zeugnisses benötigte. Ganz knapp konnte Alexander die Unterlagen noch rechtzeitig einreichen und sein Masterstudium antreten.

Ohne Zeugnis kein Bafög

Weniger Glück hatte der Maschinenbau-Student Matthias. Zwar ging die Korrektur der Bachelorarbeit zügig, doch es gab noch eine Klausur aus dem letzten Semester, die erst nach dreieinhalb Monaten korrigiert wurde. Da war Matthias längst im Master und musste bereits zwei Monate ohne Bafög auskommen. Denn um während eines Masterstudiums Bafög zu erhalten, verlangen die Studentenwerke eine Bestätigung über die bestandene Bachelorprüfung. Liegt die nicht zu Beginn des Masters vor, wird kein Geld überwiesen. Reicht man die Dokumente nach, wird zwar auch das Bafög nachgezahlt – die Zwischenzeit müssen die Studenten jedoch ohne Förderung überbrücken.

Woran liegt es, dass Professoren so lange brauchen? Offiziell will sich dazu niemand äußern. Anonym rechtfertigt sich ein Physikdozent: "Die Arbeitsbelastung ist zu hoch. Zeitweise stapeln sich die Arbeiten auf dem Schreibtisch." In der Tat dürfte das Korrekturaufkommen in den letzten Jahren gestiegen sein: Die Studentenzahlen haben zugenommen , deutschlandweit um fast 30 Prozent in fünf Jahren. Beim Lehrpersonal wurde längst nicht so stark aufgestockt. In der Folge hat sich die Betreuungsquote verschlechtert .

Leserkommentare
  1. Nach dem Bachelor wollte ich an ebenfalls an eine andere Uni wechseln und mein Erstprüfer wusste um diesen Umstand. Er hat sich mächtig ins Zeug gelegt und die Note nach 2 Tagen eingereicht.
    Dem Zweitprüfer war es gelinde gesagt scheiß egal, er hat sich 3 Monate genehmigt.
    In unserer Prüfungsordnung stand, dass wir nach 6 Wochen ein Ergebnis erfahren sollten. Auf Nachfrage beim Prüfungsamt kam "Achja, ich schicke mal eine Erinnerungsmail".
    Damit noch nicht genug, fehlte noch die Unterschrift des Dekans auf dem Zeugnis. Da dies eine sehr eigenwillige Prozedur ist (es darf nur in klaren Vollmondnächten mit dem Blut von Jungfrauen unterschrieben werden), musste ich auch hier mehrere Vollmonde Geduld aufbringen.
    Ergebnis: An der anderen Uni ohne Einschreibung in den Vorlesungen gesessen, ohne Matrikelnummer Leistungen eingereicht, ohne Semesterticket auf eigene Kosten zur Uni gefahren und in der Mensa ohne Studentenausweis den Gästetarif bezahlt.
    2 Monate nach Semesterbeginn endete die letzte Gnadeneinschreibefrist, die ich am letzten Tag noch nutzen konnte.
    Knappe Kiste, hätte man sich sparen können, wenn das Unipersonal seine Arbeit pünktlich erledigt hätte - schließlich wurde eine pünktliche Abgabe von uns Studenten auch stets erwartet.

    17 Leserempfehlungen
  2. > "Setzt man den Prüfer juristisch unter Druck, besteht
    > die Gefahr, dass sich dies ungünstig auf die Bewertung
    > auswirkt"

    Das ist noch weniger das Problem. Das echte Problem besteht darin, dass es einfach nichts nützt, die Dozenten zu verklagen. Die haben nämlich inzwischen einfach keine Optionen mehr. Dem wohlmeinenden Dozenten bleibt höchstens die Hoffnung, mit seinen begrenzten Ressourcen die größten Katastrophen abzuwenden.

    Denn: Der Tag hat 24 Stunden, die Woche hat 7 Tage und des Menschen Kondition für Nachtarbeit ist begrenzt. Das gilt auch für Dozenten. Keine Klage der Welt kann daran etwas ändern. Sie hält höchstens den Laden auf, denn jetzt hat der Dozent noch ein Problem mehr, um dass er sich kümmern muss.

    Man müsste schon eher die Universität verklagen als den individuellen Dozenten. Denn die hätte es auf der organisatorischen Ebene in der Hand, das notwendige Personal einzustellen. Allerdings haben die kein Budget dafür. Also müsste man eigentlich die Mitglieder des Landtages verklagen. Denn die haben die Haushaltsverantwortung und damit die organisatorische Verantwortung für den Personalmangel an den Universitäten.

    15 Leserempfehlungen
    • riessm
    • 17. Dezember 2012 14:08 Uhr

    Wann hat eigentlich endlich jeder Verantwortliche begriffen, dass das eine dämliche Idee war? Das kann doch nicht mehr lange dauern, oder? Hier nochmal ein Kommentar zu DEM Vorteil, der uns verkauft wurde.

    http://jetzt.sueddeutsche...

    Also auch das nicht!

    Was mich am Artikel allerdings stört ist, dass auf den langsamen Professoren rumgehackt wird und nur am Rande die Überlastung zur Sprache kommt. Warum niemand darüber redet, dass das BAFÖG-Amt auch eine Schuld an einer der Miseren hat? Ist halt auch vieles noch nicht auf Bologna angepasst und die Studenten kommen unter die Räder.

    7 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich bin kein Fan der Bolognareform, aber dass es ewig dauert, bis man Korrekturen und Noten erhält, das ist beileibe keine Bologna-Erscheinung , sondern war auch im alten System je nach Prof ein übliches Ärgernis. Und dabei war es nicht unbedingt die Arbeitsüberlastung, sondern eine klare Setzung von Prioritäten seitens der Professoren.

    • fudge
    • 17. Dezember 2012 15:25 Uhr

    Dazu kommt, dass die Assistenten ja eigentlich fast alle Sekundäraufgaben der Profs übernehmen müssen und Überstunden schieben ohne Ende.
    Und gerade in den Geisteswissenschaften handelt es sich meist nicht einmal um Klausuren, sondern um ca. 10-seitige Hausarbeiten, die korrigiert werden wollen. Bei einem Kurs mit 50 Leuten (nicht unüblich) sind das mal locker 500 DIN A4-Seiten zu korrigieren. Mit einer normalen Kursgröße von 20 Leuten (also 200 Seiten Korrektur, sofern sich die Studierenden denn an die vorgegebene Länge der Arbeit halten - meist ist dies nicht der Fall) sind es immer noch rund 200 Seiten, die sich auf dem Schreibtisch stapeln.
    Und übrigens: Nimmt man einen Lehrauftrag an, bekommt man einen festen Stundensatz nur für die abgehaltenen Semesterwochenstunden. Meist wird die Korrekturzeit nicht einmal vergütet. Beziffert sich übrigens - anschließend an die neuliche Diskussion in der ZEIT zum Thema verdienst - auf ca. 800 Euro für ein ganzes Semester. Wer hat da noch Lust, 200-500 Seiten schreckliches Geschwurbel von Studierenden in möglichst kurzer Zeit zu lesen?

    4 Leserempfehlungen
  3. weniger bei den Professoren als vielmehr bei der wirklich schlampigen Umsetzung von Bologna.
    Zu viele, bisweilen sinnlose (da ungenügend tiefgründige) Prüfungen auf noch engerem zeitlichen Raum ohne Aufstockung des Lehrpersonals bei steil steigenden Studentenaufkommen hinterlassen nunmal ihre Spuren, mitunter auch existenziell wirksame. Dass das Mehraufkommen nicht ordentlich abgearbeitet werden kann, ist also nur in Ausnahmefällen dem Prüfer anzulasten. Ich selbst war auch schon in der Situation, auf ein Prüfungsergebnis rund 14 (!) Wochen warten zu müssen.
    Ist dann zu Beginn des zweiten Prüfungszeitraumes schon schön, nicht zu Wissen ob im ersten Durchgang bestanden wurde oder nicht. Als ich aber gesehen habe, was für BergKETTEN(!) an Prüfungen, zusätzlich zu Projektarbeiten, Bachelorarbeiten u.ä. in seinem Büro lagen, allesamt aus einem(!) Prüfungsfenster, da war ich dann doch eher dankbar, ÜBERHAUPT geprüft zu werden.

    Die Profs haben so schon mehr als genug um die Ohren. Da muss man Ihnen nicht noch die herben Verfehlungen der Bildungspolitiker ankreiden.
    Man sollte nur mal endlich die Fehler und Versäumnisse angehen und beseitigen und aufhören, auf Ihnen rumzureiten. Das bringt im Endeffekt mehr Zeitverlust, als Verbesserung.
    Anfangen sollte man mit dem Austausch der Bildungminister/innen durch (!)FÄHIGES(!) Personal, den die Bremsen mit Ihrer ewigen Lamentiererei mehr als dass sie Lösungen erarbeiten und auf den Weg bringen.

    Mfg

    K-F

    4 Leserempfehlungen
    • Repec
    • 17. Dezember 2012 15:24 Uhr

    In den Naturwissenschaften hält üblicherweise der Prof. die Vorlesung, der Assistent erstellt die schriftlichen Übungen und Klausur und Doktoranden korrigieren die Arbeiten.

    3 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bafög | Bewerbungsfrist | Bologna-Prozess | Diplomatie | Master | Studiengang
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