PromotionenHochschulforscher schockiert über Bestnoten-Inflation bei Doktorarbeiten

Plagiate, Türschildpromotionen, zu sanfte Doktorväter: Der deutsche Doktortitel steht massiv in der Kritik. Neue Untersuchungen zeigen weitere Missstände. Von A. Burchard von Amory Burchard

Der deutsche Doktortitel ist durch die Plagiatsskandale vor allem prominenter Politiker ins Gerede gekommen. Doch wissenschaftlich oft anspruchslose Doktorarbeiten vor allem in der Medizin oder reine Türschildpromotionen werden seit den 80er Jahren kritisiert. Auch eine Inflation sehr guter Noten, überlange Promotionszeiten, die Abhängigkeit der Doktoranden von ihrem Betreuer und die Promotion im stillen Kämmerlein gelten seit längerem als problematisch.

Systematisch untersucht wurde dies nie. Nun hat das Berliner Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ) drei Studien vorgelegt, in denen die Probleme der Promotion in Deutschland erstmals umfassend dargestellt werden.

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"Schockierend" nennt IFQ-Leiter Stefan Hornbostel die Entwicklung bei der Benotung von Doktorarbeiten . Fachspezifisch gebe es eine "massive Inflation" der Note Bestnote ("summa cum laude"). Das geht aus dem neuen "Informationssystem Promotionsnoten" hervor. Danach gibt es bundesweit beispielsweise neun Universitäten, die in den Wirtschaftswissenschaften jede zweite Promotion mit "summa" bewerten. Das Informationssystem beruht auf Daten des Statistischen Bundesamts .

Auch über alle Fächer ist "eine deutliche Tendenz zu besseren Bewertungen" zu beobachten. Der Anteil der "summa cum laude"-Promotionen ist in den vergangenen acht Jahren von zwölf auf 16 Prozent gestiegen. Besonders auffällig sei die Inflation im Fach Psychologie, dort stieg der Anteil von 17 auf 25 Prozent.

Wissenschaftsrat schlägt neue Notenskala vor

Vor einem Jahr hatte bereits der Wissenschaftsrat darauf verwiesen, dass die Unis in der Mehrzahl der Fälle für Promotionen die Bestnote oder die zweitbeste Note ("magna cum laude") verleihen. Diese Praxis dürfe nicht pauschal "als Ausdruck unzureichender Qualitätsstandards" gewertet werden, hieß es. Vielfach rechtfertige die Vorauswahl der Doktoranden die guten Noten am Ende des Verfahrens. Deshalb hat der Wissenschaftsrat eine neue Notenskala vorgeschlagen. Das Promotionsverfahren solle entweder mit "Bestanden" oder mit "Mit besonderem Lob/Ausgezeichnet" bewertet werden. Einer Auszeichnung müsse zwingend ein drittes, externes Gutachten zugrunde liegen.

Als Königsweg, die Doktorandenausbildung zu verbessern, hat der Wissenschaftsrat vor zehn Jahren die flächendeckende Einführung von Graduiertenkollegs empfohlen. In ihnen sollen die Doktoranden besser betreut, in ein Forschungsprogramm integriert werden und überfachliche Kurse belegen. Doch häufig halten diese Programme nicht, was sie versprechen. Bei fast 40 Prozent derjenigen, die offiziell in einer Graduiertenschule promovieren, ist die Mitgliedschaft offenbar nur eine formale. Faktisch arbeiteten sie "unter vergleichsweise unstrukturierten Bedingungen", ergab jetzt eine erste Auswertung des "ProFile-Promovierendenpanels". "In diesen Programmen gibt es eine große Vielfalt beim Grad der Strukturierung und der Qualität", sagt Hornbostel. "Häufig ist die Freiheit ähnlich groß wie bei Individualpromotionen."

Leserkommentare
  1. Ich freue mich über jede Studie und jeden Skandal. Sind es doch alles Tropfen auf den heißen Stein der strukturierten Promotionen. Dem Wissenschaftsstandort würde man deren verpflichtende, flächendeckende lieber Heute als Morgen wünschen, auch wenn das natürlich am Machtbewusstsein und den Machtverhältnissen von Hochschullehrern gegenüber den meist prekär beschäftigten Doktoranden nagt.

    Ärgerlich ist nur, dass Auftraggeber der Studie offenbar das BMBF war, dass sich für die Umsetzung der Massnahmen natürlich wieder nicht zuständig fühlt.

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    • J-M
    • 03. Dezember 2012 21:50 Uhr

    Kann es sein, dass Sie "Wasser auf die Mühlen" meinten, anstatt "...auf den heißen Stein"? ;)

    als solchen Betrachte ich den Paradigmenwechsel in der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung. Jeder Tropfen bringt ihn hoffentlich etwas mehr zum abkühlen...

    • Mike M.
    • 10. Dezember 2012 11:30 Uhr

    Graduiertenschulen gelten seit einiger Zeit bei den Bildungspolitikern als das Nonplusultra. Ob ein strukturiertes Promotionsstudium nun wirklich Vorteile bringt, der Beweis steht noch aus. Jedenfalls gute Leute brauchen diese Strukturen nicht, sie werden eher ausgebremst(!). Ein begleitendes Studienprogramm, das aus interdisziplinären und fachspezifischen Seminaren sowie promotionsfernen Soft-Skills-Maßnahmen besteht, nimmt unnötig Zeit der Doktoranden in Anspruch, die besser an ihrem Thema arbeiten sollten. Und wer führt diese Veranstaltungen durch? Meistens sind das (gescheiterte) Wissenschaftler unterhalb der Professorenebene.

    Eine gute fachnahe Betreuung ist dann gewährleistet, wenn der Betreuer sich für den Doktoranden ausreichend Zeit nehmen kann. Für eine schlechte bzw. zu gut bewertete Arbeit sollte er und auch der Zweitgutachter von der scientific community durchaus "auf den Deckel" bekommen. Leider ist es heute jedoch ein Leistungsmerkmal (auch im Rahmen der W-Besoldung), wenn man möglichst viele Leute promoiviert. Wenn Hochschullehrer dann noch neben der Betreuung der eigenen Doktoranden immer mehr Zweit- und Drittgutachten schreiben muss, innerhalb der Graduiertenschulen noch Doktoranden aus fremden Fachrichtungen mitbetreuen soll, dann geht immer mehr Zeit verloren. Verantwortlichkeiten werden auch immer diffuser.

  2. Wenn ich ein medizinisches Problem habe, brauche ich keinen Doktor sondern einen Arzt. Ich hatte mit mehreren Ärzten ohne Promotion zu tun und wurde sehr gut versorgt. Ich denke, der Doktortitel ist ein Hilfsmittel bei der Stellensuche, bei einigen Unternehmen auch die Tüt zu Höherem. Mehr nicht.
    Aussagekräftig schon gar nicht. Gelegentlich lernt man auch Doktoren kennen, die wohl ein grösseres Problem mit dem Ego haben, bemitleidenswert.

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    • Cryt00n
    • 03. Dezember 2012 15:59 Uhr

    Theoretisch braucht den Doktortitel gerade in der Medizin kein Mensch.

    Er dient eh nur als ein Statussymbol. Leider fehlt vielen Menschen diese Einstellung, sodass sie sich eher von einem Dr. als von einem Hr. Arzt versorgen lassen wollen.

    Dabei ist es relativ egal füe die Behandlung, ob der Arzt sich vorher ein paar Wochen durch Therapieakten gewühlt und Korrelationen herausgearbeitet hat...

    Aber ob sich jeder die 2-4 Jahre für eine "richtige" Doktorarbeit herausnehmen kann, auf der 10 jährigen Ausbildung zum Facharzt sei mal dahingestellt...

    • cb81
    • 03. Dezember 2012 20:55 Uhr

    " ich denke, der Doktortitel ist ein Hilfsmittel bei der Stellensuche, bei einigen unternehmen auch die Tür zu höherem. Mehr nicht."
    So eine Aussage kann nur von jemanden kommen, der weder promoviert hat noch weiß, was dafür notwendig ist. Bitte scheren sie nicht alle promovierten über einen Kamm. Sie haben wahrscheinlich mit einigen aussagen recht, wie z.b., dass ein guter Arzt nicht promoviert haben muss. Und der Titel hilft auch manchen bei ihrem Ego bzw. um sich gute Chancen bei unternehmen zu verschaffen. Nur, meistens zurecht! Ich kann von mir behaupten in fünf Jahren Promotion, in denen ich mir die Doktorwürde für einen Dr. rer. nat. erworben habe, enorm viel dazu gelernt zu haben. U.a. habe ich selbstständiges wissenschaftliches arbeiten, kritisches beurteilen von Ergebnissen, auswerten von Ergebnissen, Betreuung von Studenten, verfassen von Veröffentlichungen in hochrangigen Journals, schreiben einer langen Arbeit, zurechtkommen mit Rückschlägen etc. gelernt. Zudem habe ich gelernt in einem team zu arbeiten (nur so geht erfolgreiche forschung). Glauben sie mir, wenn ich für viele promovierten Kollegen spreche: diesen Titel haben wir uns verdient, leidenschaftlich erarbeitet und am Ende als wirkliche Weiterbildung erhalten. Die erworbenen Fähigkeiten qualifizieren für höhere Aufgaben bzw. Führungspositionen und das wissen die Personalabteilungen vieler unternehmen. Etwas mehr Respekt für diejenigen, die hart für die Promotion gearbeitet haben, fände ich angemessen.

    • etiam
    • 03. Dezember 2012 14:23 Uhr

    Weder die korrekte Erfassung der Doktoranden noch deren betreuung in Graduiertenkollegs noch irgendein anderes formales Gegängel lösen das ganz banale Problem: das Fehlen von objektiven Leistungsstandards.
    Dieses Problem eint das Abitur auf Bundesebene und die Promotion und so geht für beide das Niveau in die gleiche Richtung: nach unten
    Ein paar einfache Empfehlungen für eine objektivierende Qualitätssicherung wären:

    Promotionsarbeiten müssen in einem Journal veröffentlicht werden, das einem peer review Verfahren unterliegen. Hierüber kann man einfach einen Mindeststandard definieren (x Arbeiten vom Impact >y). Bei Fächern, die kein eigenes derartiges Qualitätsmanagementsystem haben, stellt sich ohnehin die Frage nach einer funktionierenden Qualitätssicherung des GANZEN Faches!

    Arbeiten sollten zur Zweitkorrektur anonym nach einem Zufallsverfahren an Gutachter anderer Universitäten vergeben werden. Ein "insufficienter" ist dabei keiner Mittelung zu unterwerfen.

    Rigorosa sollten öffentlich sein, externe Gutachter müssen daran beteiligt werden.

    Andere Länder haben derartige Mechanismen bereits heute (Frankreich, skandinavische Länder).
    Nur fürchte ich, dass es bei der Promotion so ist, wie beim Abitur: Wo ein Weg ist, ist noch lange kein Wille.

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    Nach Ihrer Ansichtsweise dürfen somit nur noch Leute promovieren, die publizierbare Ergebnise haben. Was ist mit arbeiten, die wissenschaftlich korrekt und nach allen Standards durchgeführt wurden, deren Resultat aber nunmal "kein Ergebnis" ist? Leider gilt ja in vielen Wissenschaften und Zeitschriften nicht, dass kein Ergebnis auch ein Ergebnis ist.
    Zudem sehe ich den Anstieg von möglichen Betrugsversuchen (Fälschung von Daten) sogar noch höher, wenn es letztendlich größteils nur noch um den Impactfactor geht.

    Stimme TAR86 zu.

    Veroeffentlichungen in peer-reviewed journals sagen doch auch nicht viel und auch da ist es mit Manipulationen auch nicht weit her. Das faengt schon damit an, dass man als Autor vom Herausgeber aufgefordert wird, ob man das Journal bsw. Artikel in dem man publizieren will nicht mal haeufiger zitieren koenne, um den impact factor in die Hoehe zu treiben. Und klar macht man das, man will ja nicht den Herausgeber vergraulen. Oder man hat gleich Beziehungen zum Herausgeber, dann wird einem das Peer-review gleich ganz erspart. Autoren die einen Namen haben, koennen quasi unbesehen jeden Mist veroeffentlichen, weil dies dem Journal Aufmerksamkeit bringt usw.. Die Qualitaet ist so jedenfalls nicht gesichert. Auch die Idee mit externen Gutachtern ist nicht fehlerlos, der Betreuer sucht eben eine Kollegen irgendwo auf der Welt, den er kennt und fragt den, ob er das nicht machen will. Der macht das dann auch anstandslos, weil er ja auf jeden Fall kostenguenstig ins Ausland kommt und die Zahl der Promovierten zaehlt in manchen Staaten eben auch. Skandinavien ist so klein da kennt jeder jeden. So einfach ist das alles nicht.

    • aatvf
    • 03. Dezember 2012 14:32 Uhr

    ... verweigern, wird das nichts.
    Die Universitäten und der Deutscher Hochschulverband als Gralshüter der Promotion glauben, dass nur sie es können. Allen Versuchen einer Qualitätssicherung, z.B. durch Akkreditierung, haben sie widerstanden. Es könnten ja andere auch diese Kriterien bestehen und weg wäre das Alleinstellungsmerkmal.
    Zum Glück haben Gutenberg & Co. bewiesen, das hiesige Promotionsniveau ist niedrig. Scheinbar werden nun noch Noten verschenkt. Ach ja, da war noch die dreimonatige medizinischen Doktorkurzarbeit des Kollegen, der nun viel Wert auf seinen Titel legt. Der Dr. phil. der als erster Abschluss vergeben wird und der Dr.-Ing., den man erst nach fünf Jahren bekommt. Alles vergleichbares Niveau und natürlich nur an Universitäten machbar.
    Mit ist es nicht gelungen, trotz Dr.-Titel, das in Brüssel jemandem zu erklären.

    3 Leserempfehlungen
    • TAR86
    • 03. Dezember 2012 14:39 Uhr

    Als Teilnehmer an einem strukturierten Promotionsprogramm kann ich eindeutig feststellen, dass kein Mehrwert zu erkennen ist. Meine Kollegen können die gleichen Kurse belegen und tun dies in dem Fall interessanter Kurse, die ohnehin ausserhalb des grad school frameworks angeboten werden. Insgesamt ist es in wahrscheinlich jedem Fach schwierig, sinnvolle, Spezialgebiet übergreifende Veranstaltungen anzubieten. Dafür gibt es dann ja auch eigentlich das undergrad Studium.

    Zum Thema "x Publikationen mit Impact > y". Ist halt gefährlich. Bei einer kooperierenden Hochschule im eurpäischen Ausland ist dies der Fall und führt dazu, dass die Doktoranden sehr stark auf sich schauen, da für sie nur Publikation mit Erstautor zählen. Kooperation entsteht so nicht. Des Weiteren gilt, dass wenn die Publikationsfähigkeit gegeben sein muss, die Tendenz zu kleinschrittigen Projekten zum Schaden von riskanter Grundlagenforschung zu stark ist. Da diskutiere ich auch nicht drüber: Was nicht funktioniert hat, kriegt man nicht veröffentlicht. Das widerspricht dann aber dem Grundgedanken von Forschung.

    Ach Gott, zentrale, am besten noch fachübergreifende Standards? Komplett utopisch. Zwingende Angabe des Notenspiegels an einer Uni wäre ein sinnvoller Schritt.

    Zuletzt zeigt meine Erfahrung, dass es nicht ein Uni- oder Fachbereichsproblem ist, sondern eher ein hochschullehrerspezifisches. Dem ist durch so was eh nicht beizukommen, da ist das Kollegium gefragt.

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    • Bboy
    • 03. Dezember 2012 15:29 Uhr

    Das Problem ist, dass auf diese Weise richtig gute Promotionen gar nicht mehr entsprechend erkennbar sind. Ich stehe vor der Abgabe und kann bei meinem Doktorvater froh sein, wenn ich ein magna bekomme.

    Dafür habe ich schon mal einer Verteidigung einer Dissertation beigewohnt, die so schlecht war, dass man dem Zweitgutachter nur beipflichten konnte. Der verkündete vor versammelter Mannschaft, dass man das Schriftstück eigentlich nicht als Dissertation bezeichnen könne (!). Die Doktorandin giftete ihre Kritiker derart an, dass in den hinteren Reihen schon von "akademischem Suizid" getuschelt wurde.

    Ich habe keine Ahnung, was sich nachher hinter verschlossenen Türen abgespielt hat. Das Ergebnis war aber: magna cum laude.

    Szenen, die sich so oder ähnlich regelmäßig abspielen dürften. Trägt nicht gerade zur Motivation bei, sich reinzuhängen.

    Sie haben recht: eine strukturierte Promotion ist nicht der Koenigsweg.

    Eine Promotion wird sich nie objektiv bewerten lassen. Es ist auch nicht ihr Sinn: Noten in objektiven Tests, Klausuren und Pruefungen haben Sie in Ihrem Studium genug bekommen.

    Waehrend Ihrer Promotion sollen der Doktorand lernen und unter Beweis stellen,selbsstaendig wissenschaftlich arbeiten zu koennen. Dabei hilft der Betreuer; eine solche Betreuung ist aber immer ein Balanceakt zwischen "Machenlassen" und Helfen. Da sind die Beduerfnisse der Doktoranden halt sehr unterschiedlich.

    Im vielgelobten Skandinavien haben sich die Anforderungen, die im traditionellen deutschen System an die Promotion gestellt werden, uebrigens mehr und mehr in die Postdoc-Zeit verlagert.

    • etiam
    • 03. Dezember 2012 19:20 Uhr

    Schon bei der Planung einer Promotion gilt es, Unwägbares und Sicheres zu kombinieren, so dass der Promovend die Chance hat, trotz Fehlschlages im Experimentelleren Teil doch noch seine Promotionsfähigen Publikationen zu bekommen. Gleiches gilt übrigens, wenn man einen Einzelantrag bei der DFG durchbringen will eine gute Mischung aus riskantem Neuem und funktionierendem alten ist hier gefragt.
    Wer als Hochschullehrer so verfährt, wird vor der Fakultät nie blankziehen müssen, wenn es um nachvollziehbare Leistungen geht.
    Dass damit eine noch stärkere Betonung des sicherlich hinterfagenswerten Publikationswahnes Zustandekommen, ist schon klar. Es ist hier aber wie es Churchill mit der Demokratie hielt:
    Es ist ein schlechtes System( der Qualitätssicherung), aber das beste, das ich kenne.

    • dyon75
    • 03. Dezember 2012 21:39 Uhr

    Ich gebe dem Kommentator recht, dass eine auf Publikationen zielende Dissertation die falschen Anreize setzen koennte und es zum Aussterben gruendlich erarbeiterer Monographien kommen koennte. Andererseits sind viele angelsaechsische paper-based Diss (3 Artikel von international publizierbarer Qualitaet + Intro/Concl) von wesentlich hoeherer Qualitaet/groesserem wiss Mehrwert als viele Monographien, daher ist solche ein paper Orientierung vl doch nicht so schlecht. Monographien kann man als verbeamterer Prof in DEU ohne zu grossen Leistungsdruck noch schreiben :-)

    Mein Hauptproblem mit dem deutschen System (ich habe in England meinen Titel erworben) ist es aber, dass das massgebliche Urteil zur Diss vom eigenen Betreuer kommt statt von externen wie in England. Das waere doch eine einfach zu aendernde Praxis.

  3. Fleissiges Mittelmass bewertet fleissiges Mittelmass. Was soll da wohl anderes rauskommen?!?

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    • AndreD
    • 03. Dezember 2012 16:49 Uhr

    des deutschen Bildungssystem können Sie gerne fortführen, wenn Sie meinen, dass die Spitzenförderung der gesamten Gesellschaft zu Gute kommt.
    Bevor Sie aber behaupten, dass dies so sei, möchte ich gerne Beispiele und Fakten aus anderen Ländern.
    Die Stärke Deutschlands war und ist der relativ hohe Bildungsgrad einer breiten Bevölkerung. In allen anderen Ländern, wo es keine hohe Bildungsbreite gibt, ist gesamtgesellschaftliche Situation katastrophal. Zumindest so weit mir bekannt.

    • Sirisee
    • 04. Dezember 2012 23:05 Uhr

    ... Man darf nicht vergessen, dass die Notengeber in der großen Mehrzahl auch Ausbildungsgeschädigte sind, d.h. sich ihrerseits durchgemogelt haben (Schavan). Was soll da schon rauskommen?

    Beste Filmszene dazu: Aus "das Leben der Anderen", als der Stasi-Offizier erklärt, dass er einen Doktoranden habe und schön streng sei...

    • Bboy
    • 03. Dezember 2012 15:29 Uhr

    Das Problem ist, dass auf diese Weise richtig gute Promotionen gar nicht mehr entsprechend erkennbar sind. Ich stehe vor der Abgabe und kann bei meinem Doktorvater froh sein, wenn ich ein magna bekomme.

    Dafür habe ich schon mal einer Verteidigung einer Dissertation beigewohnt, die so schlecht war, dass man dem Zweitgutachter nur beipflichten konnte. Der verkündete vor versammelter Mannschaft, dass man das Schriftstück eigentlich nicht als Dissertation bezeichnen könne (!). Die Doktorandin giftete ihre Kritiker derart an, dass in den hinteren Reihen schon von "akademischem Suizid" getuschelt wurde.

    Ich habe keine Ahnung, was sich nachher hinter verschlossenen Türen abgespielt hat. Das Ergebnis war aber: magna cum laude.

    Szenen, die sich so oder ähnlich regelmäßig abspielen dürften. Trägt nicht gerade zur Motivation bei, sich reinzuhängen.

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    in die Erstellung einer ordentlichen und ehrlichen Dissertation (konservativ geschätzt), dann ist es sicher kein Beinbruch, wenn man nun noch einmal 20 oder 30 Stunden freiwillig bei VroniPlag Wiki drauflegt um einen Beitrag dazu zu leisten, dass wenn schon nicht anspruchslose und völlig überbewertete Hochschulschriften, dann wenigstens offensichtlicher Betrug und Textklau dokumentiert wird - und, wie im Artikel einleitend erwähnt, über die so erzeugte Schwemme von offengelegten Plagiaten und anderer wissenschaftlicher Betrügereien das Bewusstsein für den Sittenverfall weiter wach gehalten wird. Das zumindest ist für viele dort die Motivation.

    Was mich wundert, wie viele Leute irritiert sind, wie viele Leute argwöhnen, was das wohl für seltsame Menschen sind, die dort "heimlich" mitmachen (großen Respekt allen, die das mit ihrem bürgerlichen Namen vertreten, denn erwischte Plagiatoren sind höchst dreist und klagefreudig). Anscheinend ist das Thema vielen Leuten derlei suspekt, dass sie lieber 10-15 % Betrüger und Hochstapler in allen Bereichen hätten, als mit der Wahrheit konfrontiert zu werden. Mir unerklärlich. Und dabei ist dieser Betrug nur die Spitze des Eisberges. Und von dieser Spitze ist erst die Spitze dokumentiert worden. Und doch ist das meines Erachtens ein wichtiges Signal und kann Mit machen z.B. auch all denen, die jetzt gerade an ihrer Dissertation schreiben, große Zweifel haben (hat jeder irgendewann), und sich fragen, was das eigentlich noch allers soll.

    Was ich an dem geschilderten Fall nicht verstehe ist die Tatsache, dass die Dissertation trotz der Bedenken des Zweitgutachters durchkam. Der muss dem ganzen ja nachtraeglich sein okay gegeben haben. Das ist allerdings auch nicht ganz abwegig, wenn man weiss, dass eine solche Ablehnung Konsequenzen fuer den naechsten Doktoranden des Zweitgutachter haben koennte.

  4. Nach Ihrer Ansichtsweise dürfen somit nur noch Leute promovieren, die publizierbare Ergebnise haben. Was ist mit arbeiten, die wissenschaftlich korrekt und nach allen Standards durchgeführt wurden, deren Resultat aber nunmal "kein Ergebnis" ist? Leider gilt ja in vielen Wissenschaften und Zeitschriften nicht, dass kein Ergebnis auch ein Ergebnis ist.
    Zudem sehe ich den Anstieg von möglichen Betrugsversuchen (Fälschung von Daten) sogar noch höher, wenn es letztendlich größteils nur noch um den Impactfactor geht.

    Stimme TAR86 zu.

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    wenn kein Erkenntnisgewinn da ist (ergebnis), ist es mMn keine Doktorarbeit, denn dies hebt die Doktorarbeit von der Masterarbeit ab.
    In meinem jetzigen Heimatland musste ich mindestens 5 Contributions to Knowledge nachweisen, bevor es zur Bewertung kam. Ok habe auch wie es hier in Canada üblich ist 6 Jahre (5-6 der Durchschnitt in Geisteswissenschaften bis zu 10 Jahren) gebraucht und nicht wie in D wo 2 Jahre teilweise das Maximum sind.
    Und das ein Uni im Norden herausgehoben wurde ist ja auch nicht verwunderlich, einfach mal dort die Promotionsrate in den Fachbereichen anschauen, da wird einem schwindelig und man wundert sich das die Gesellschaft nicht weiter ist.

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