Deutsche Hochschulen : Mehr Studenten, schlechtere Betreuung

Mit 2,5 Millionen erreichen die Studentenzahlen in Deutschland einen neuen Rekordwert. Die Betreuung der Studierenden durch Fachpersonal hat sich dadurch verschlechtert.

Die Zahl der Studenten ist in diesem Wintersemester auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Nach ersten Schätzungen des Statistischen Bundesamtes waren 2,5 Millionen Studenten an deutschen Hochschulen eingeschrieben. 2001 waren es noch 1,9 Millionen.

Für den Anstieg sei demnach vor allem die steigende Zahl der Studienberechtigten verantwortlich. Der Präsident des Statistischen Bundesamtes , Roderich Egeler, sagte: "Immer mehr Eltern entscheiden sich für ein Gymnasium als weiterführende Schule für ihr Kind." Zugleich sei die Zahl der Studienberechtigten von beruflichen Schulen gestiegen.

Zwar sank die Zahl der Erstsemester im Studienjahr 2012 auf 492.700, dies war jedoch der zweithöchste jemals gemessene Wert. 518.700 Studenten wurden im Jahr 2011 gezählt – für diese hohe Zahl wird vor allem die Abschaffung der Wehrpflicht in diesem Jahr verantwortlich gemacht.

Die Betreuungssituation an den deutschen Hochschulen hat sich in der Folge trotz der zusätzlichen Milliarden-Hilfen aus dem Hochschulpakt von Bund und Ländern verschlechtert. 2010 musste ein Universitätsdozent im Schnitt noch 13 Studierende betreuen, ein Jahr später waren es schon 13,7. An den besonders gefragten Fachhochschulen verschlechterte sich das Betreuungsverhältnis Dozent zu Studenten im gleichen Zeitraum sogar von 1 zu 23,6 auf 1 zu 24,5. Auch hatten die Fachhochschulen weniger Grundmittel für die Lehre zur Verfügung.

Personalaufstockungen reichen nicht

Gleichzeitig haben die Hochschulen und Hochschulkliniken in den letzten Jahren ihr Personal aufgestockt: Im Jahr 2011 waren rund 337.100 Menschen als wissenschaftliches und künstlerisches Personal beschäftigt. Das waren 50 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.

Das Deutsche Studentenwerk (DSW) forderte Bund und Länder auf, nicht nur in zusätzliche Studienplätze zu investieren, sondern auch die soziale Infrastruktur an den Hochschulen zu verbessern. "Zum Studium gehört auch ein erschwingliches Dach über dem Kopf, ein Platz in der Mensa und eine kompetente Studienberatung", sagte DSW-Präsident Dieter Timmermann.
 

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Kommentare

18 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Die große Debatte um die Studiengebühren

1. Es gibt immer eine Möglichkeit das Studium zu bezahlen. Selbst wenn das bedeutet, drei Jahre minimalistisch zu leben.
Eine Studiengebühr sorgt allerdings dafür, dass viele von denen die "einfach so, mal eben" studieren wollen, es nicht mehr werden.

2. Stimme ich Ihnen kommentarlos zu.

3. Hierbei wäre es interessant zu wissen, wie hoch die Anzahl von akademischen Ein-/Auswanderern ist. Einem Beitrag vom November der ZEIT konnte ich nur entnehmen, dass die Anzahl der Einwanderer zumindest zugenommen hat.

Gibt es "immer" eine Möglichkeit, ein Studium zu bezahlen?

Na klar, oberhalb der Privatinsolvenz gibt es wirklich _immer_ eine Möglichkeit, ein Studium zu bezahlen.

* Man kann sich prostituieren
* man kann eine Niere verkaufen
* man kann als mittelloser Student aus einer mittellosen Familie einen Studienkredit aufnehmen. Also eine Wette auf den kommenden wirtschaftlichen Erfolg auf dem Arbeitsmarkt abschliessen. Russisches Roulette in Light-Version, sozusagen.

Und das waren nur Vorschläge, die sich im Rahmen des Legalen bewegen.

(Ende des sarkastischen Teils)

Die entscheidende Frage ist, ob die Bürger eines zivilisierten Landes dies _wollen_ und _wünschen_ sollten.

Oder ob man es als unzivilisiert begreift, wenn Menschen vor die Wahl gestellt werden, auf die blosse _Chance_ eines späteren Jobs hin ihr letztes Hemd zu verwetten.

Nach _meinem_ höchst privaten Verständnis ist es ein Indikator für Kultur und Zivilisation, wenn ein Land die Potentiale seiner jungen Bürger nutzt und fördert, indem jedem im individuell auf die Fähigkeiten abgestimmten Maße Bildungsmöglichkeiten geboten werden. Und zwar kostenlos.

Und an die Adresse derjenigen, die sich über Pseudo-Studierende ärgern:
Das ist ein Problem, das mit Prüfungsordnungen höchst einfach, effektiv, und gerecht gelöst werden kann.

Und eben nicht über Gebühren.

Die Grenze zum blanken Hohn

zu 1. Solange die Gebühren innerhalb eines gewissen Rahmens bleiben, mag es mit minimalistischer Existenz (in mancher Definition übrigens "menschenunwürdiger Existenz") gehen. Wenn die Studiengebühren aber ein Ausmaß von 10.000 Euro pro Jahr und mehr erreichen (was nicht unrealistisch ist, wenn man sich USA und UK ansieht) so wird aus dem Kommentaren "wer will, kann immer" oder "es gibt immer eine Möglichkeit..." der blanke Hohn.

zu 3. Das ist doch gut, dass es akademische Einwanderer gibt. Das gibt Deutschland die Möglichkeit mal über den Tellerrand zu schauen und gibt Kontakte für die Zukunft. Wir selbst schicken ja auch genügend Leute ins Ausland um dort auf Staatskosten zu studieren. Und Tatsache ist, wenn Sie die die in De studiert haben bestrafen wollen, dafür dass sie auch mal aus Deutschland wieder weggehen, so müssen Sie sich im Klaren darüber sein, wen das alles trifft und welche Folgen das haben wird, eben die akademische Isolation, die noch nie jemandem gut getan hat.

Studiengebühren

"die Lösung
ist doch ganz einfach Studiengebühren überall in Deutschland-"
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Das wäre bzw. war stellenweise die Lösung. Mithilfe genügend Propaganda wurden diese doch jüngst abgeschafft und diesem Problem hier erst der Weg bereitet. Die künstliche Verwunderung hierüber ist allerdings etwas merkwürdig, so war doch klar, dass die Qualität leiden wird.

Wie viel Euro bekommen Sie denn nun?

Können Sie noch angeben, wie viel Euro pro Jahr und pro Student den Hochschulen zur Verfügung steht?
Am Besten Einen inflationsbereinigten Graphen seit Entstehung der BRD.
Auch wäre es interessant zu sehen, wie viel Prozent der Angestellten Festverträge und wie viel Prozent Zeitverträge haben, gern auch im Vergleich mit der Industrie. Hat zwar nichts mit dem Artikelthema zu tun, würde mich aber interessieren ob hier die Länder die Vorbildfunktion erfüllen.