VolksbegehrenBayerns Studenten hoffen auf 940.000 Gebührengegner

500 Euro Studiengebühren müssen die bayerischen Studenten pro Semester bezahlen. Nun könnten die Bürger die Abgabe per Volksentscheid abschaffen. von Patrick Guyton

"Endlich haben wir die Chance, die Studiengebühren selbst abzuschaffen", sagt die Studentin Franziska Traube, Sprecherin der bayerischen Landes-Asten-Konferenz. Im Freistaat sollen nun die Bürger bis Ende des Monats mobilisiert werden, um sich dem Volksbegehren gegen die Studiengebühren anzuschließen.

Ein breites Bündnis wirbt für die Streichung der bisherigen Abgabe über 500 Euro pro Semester, die 2007 von Edmund Stoibers CSU-Alleinregierung eingeführt worden war. Angeführt wird der Zusammenschluss von den drei Oppositionsparteien Freie Wähler (FW), SPD und Grüne. Mit dabei sind auch Gewerkschaften sowie Lehrer- und Schülerverbände. Am Montag haben die Organisatoren in München die "heiße Phase" der Aktionen ausgerufen, von Donnerstag an können sich die Bürger in ihren jeweiligen Rathäusern in die Listen eintragen.

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Das Thema bringt die CSU/FDP-Koalition und Ministerpräsident Horst Seehofer weiter in Bedrängnis. Denn nach der abrupten Abkehr der Christsozialen von den Gebühren haben die Regierungsparteien weiterhin keine einheitliche Position. Die FDP beharrt auf der Abgabe und sieht darin ein Alleinstellungsmerkmal auch mit Blick auf die Landtagswahl am 15. September dieses Jahres.

72 Prozent lehnen die Gebühren ab

Das Bündnis gegen die Gebühren stehe hervorragend da, sagt FW-Generalsekretär Michael Piazolo, der die treibende Kraft hinter dem Volksbegehren war. Bis auf fünf gebe es in allen bayerischen Kreisen und Städten lokale Gruppen für die Initiative. Laut einer aktuellen Umfrage lehnen 72 Prozent der Bürger die Abgabe ab. SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen meint vollmundig, dass man die "erste Amtshandlung einer SPD-geführten Staatsregierung", nämlich die Abschaffung der Studiengebühren, schon vor der Wahl durchsetzen werde. Und für die Grünen-Landesvorsitzende Theresa Schopper gilt Grün-Rot in Baden-Württemberg als Vorbild: Dort seien die Studiengebühren gestrichen worden, zugleich hätten die Universitäten aber das entgangene Geld von der Landesregierung erhalten. In Bayern nehmen die Hochschulen derzeit 180 Millionen Euro jährlich über die Beiträge der Studierenden ein.

Für ein erfolgreiches Bürgerbegehren müssen sich zehn Prozent der Wahlberechtigten innerhalb von zwei Wochen eintragen, das sind 940 000 Unterschriften. Dieses Quorum gilt als hoch, allerdings wurde es in Bayern schon mehrfach erreicht, zuletzt für die Einführung des absoluten Rauchverbots in Gaststätten. Danach kann das Parlament mehrheitlich den Antrag als Gesetz übernehmen – oder aber es kommt zum Volksentscheid, bei dem die Mehrheit zählt und keine bestimmte Wahlbeteiligung verlangt wird.

CSU-Chef Horst Seehofer, der laut jüngster Umfrage mit 48 Prozent wieder auf die absolute Mehrheit der Mandate hoffen kann, stehen zumindest schwere parlamentarische Wochen bevor. Er will das Thema noch einmal am 25. Januar mit den widerspenstigen Liberalen sondieren – auch in der Hoffnung, sie noch zur Abkehr von ihrer starren Haltung zu bewegen. Gelingt dies nicht, wird die Landtagsabstimmung unangenehm: Aus Koalitionstreue müssten die Christsozialen für die Studiengebühren stimmen, auch wenn sie mittlerweile dagegen sind. Würden sie anders votieren, könnte die FDP das Bündnis platzen lassen.

Vorzeitige Neuwahlen stehen in Bayern durchaus im Raum. Welche Variante für wen am günstigsten ist, darüber werden sich die Parteistrategen einige Gedanken machen. 

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Leserkommentare
    • Mike M.
    • 15. Januar 2013 13:21 Uhr

    ...wurde bisher keine größere Bildungsmigration festgestellt. Man muss schon ehrlich sein: 500 Euro/Semester Studiengebühren sind nun wirklich nicht so viel, dass dies einen Umzug rechtfertigen würde. Was zählt sind die Lebenshaltungskosten und Jobmöglichkeiten am Studienort. In Hessen und NRW sind zudem die Beiträge für das Studentenwerk deutlich höher. Wenn man durch bessere Studienbedingungen ein Semester spart, hat man das Geld ohnehin wieder drin.

    Die "sprichwörtliche Supermarkt-Kassiererin" kann man dagegen in der Tat nicht als Argument gelten lassen.

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    was wollen wir unter "grösserer Bildungsmigration" denn verstehen? Blicken wir mal auf Bayerns Nachbarschaft - Österreich misst dem Punkt Bildungsmigration durchaus gewisse Signifikanz bei und hat dies durch Einführung von Bildungsmigrationssteuerungmechanismen (ein diplomatischeres Wort fällt mir gerade nicht ein) auch bereits deutlich zu verstehen gegeben - das war einmal anders ... vor der Zeit der Studiengebühren :-) Bildungsmigration kann sich aber auch in der Wahl alternativer Angebote wiederspiegeln: sehen Sie sich Statistiken über die Renaisance der Fernuniversität Hagen an - lange als das Kleinod berufsbegleitenden Studiums mitunter belächelt hat sie sich inzwischen zur grössten Universität des Landes aufgeschwungen und die wenigsten Absolventen kommen dabei noch aus NRW, vielmehr ist Sie durchaus zu einer veritablen Alternative auch im Vollzeitstudium geworden und die stetig steigende Zahl von Abschlüssen auf allen Ebenen unterstreicht die eingangs aufgestellte These doch nachhaltig - auch wenn es nur ein Beispiel von vielen ist ...

  1. was wollen wir unter "grösserer Bildungsmigration" denn verstehen? Blicken wir mal auf Bayerns Nachbarschaft - Österreich misst dem Punkt Bildungsmigration durchaus gewisse Signifikanz bei und hat dies durch Einführung von Bildungsmigrationssteuerungmechanismen (ein diplomatischeres Wort fällt mir gerade nicht ein) auch bereits deutlich zu verstehen gegeben - das war einmal anders ... vor der Zeit der Studiengebühren :-) Bildungsmigration kann sich aber auch in der Wahl alternativer Angebote wiederspiegeln: sehen Sie sich Statistiken über die Renaisance der Fernuniversität Hagen an - lange als das Kleinod berufsbegleitenden Studiums mitunter belächelt hat sie sich inzwischen zur grössten Universität des Landes aufgeschwungen und die wenigsten Absolventen kommen dabei noch aus NRW, vielmehr ist Sie durchaus zu einer veritablen Alternative auch im Vollzeitstudium geworden und die stetig steigende Zahl von Abschlüssen auf allen Ebenen unterstreicht die eingangs aufgestellte These doch nachhaltig - auch wenn es nur ein Beispiel von vielen ist ...

    Antwort auf "Interessanterweise..."
  2. d) gebührenfreie Kita, gebührenfinanziertes Studium.

    500 Euro Studiengebühren, d.h. weniger als hundert Euro pro Monat, scheinen mir weder unangemessen, noch überhöht. Dass diese Gebühren die Kosten des Studiums bestenfalls im einstelligen Prozentbereich abdecken, darüber braucht man wohl nicht zu diskutieren.
    Während meines Studiums habe ich mir oftmals eine kleine Gebühr gewünscht, die dazu beitragen hätte können unmittelbare Missstände unmittelbar abzustellen. Egal, ob es um die fehlende Lampe für den Beamer, einer fehlenden akustischen Dämmung in einem Hörsaal oder sonstwas ging, dessen Mangel jeder beklagte, aber sich als Position in irgendeiner Haushaltsliste darstellen ließ.

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    • Rudi01
    • 15. Januar 2013 14:15 Uhr

    ... und Studierende SIND Leute ohne Einkommen, sind 100 Euro pro Monat eine ganz gewaltige Summe Geld.

    Studierende sollen _studieren, und nicht jobben. Vor allem sollen sie nicht jobben, um dem Steuerzahler zu entlasten.

    "Während meines Studiums habe ich mir oftmals eine kleine Gebühr gewünscht, die dazu beitragen hätte können unmittelbare Missstände unmittelbar abzustellen."

    Dann haben Sie wahrscheinlich zu den Studenten gehört, die sich um finanzielle Belange keine Gedanken machen muss.
    Für jemanden, der sein Studium (größtenteils) mit Bafög finanzieren muss, sind 500 Euro im Semester sehr viel Geld.
    Leider können Sie sich wohl in diese Studentengruppe wenig hineinversetzen.

    an die Kommilitonin, die mir sagte, sie fände Studiengebühren ganz prima, dann habe sie weder mehr Platz in ihrem Seminar.
    Aber mit Papas Kreditkarte nach London fliegen.

    Und mal ehrlich: wie zweckgebunden und sinnvoll werden die Gebühren denn verwendet? Zumal sie nicht für die Lehrer verwendet dürften. Selbst wenn der letzte Hörsaal gedämmt ist, kommen trotzdem nicht mehr Dozenten rein zum Reden...

    • Rudi01
    • 15. Januar 2013 14:15 Uhr

    ... und Studierende SIND Leute ohne Einkommen, sind 100 Euro pro Monat eine ganz gewaltige Summe Geld.

    Studierende sollen _studieren, und nicht jobben. Vor allem sollen sie nicht jobben, um dem Steuerzahler zu entlasten.

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    ... die die Supermarkt-Kassiererin und andere Geringverdiener überhaupt zahlen' (!) (so Ihre Worte in Kommentar #4) sind für diese Menschen eine ganz gewaltige Stange Geld.

    Ich wäre sehr dafür, daß diejenigen, die es sich leisten können, hier Solidarität zeigen würden. Z.B. über Studiengebühren und einer damit einhergehenden Entlastung der Landeshaushalte. Diese müßte natürlich an die Steuerzahler weitergegeben werden.

  3. bezieht sich darauf das ausschliesslich die Studierten dann in Deutschland arbeiten und Steuern bezahlen.
    Das ist nun bei Weitem leider nicht der Fall.

  4. dass die Menschen verschuldet sind.
    Dann haben sie mehr Angst, sind folgsamer und kümmern sich mehr um ihre eigenen Probleme, als um Politik.

  5. In seiner Kritik am Gothaer Programm der SPD, in dem diese für die Abschaffung der Studiengebühren eingetreten ist, hat er dies massiv kritisiert und als weitere Steuergeschenk für das Bürgertum bezeichnet.

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    konnten sich die Universitäten ja auch kaum vor dem Ansturm der Arbeiterkinder retten.

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  • Schlagworte Horst Seehofer | FDP | Grüne | SPD | Volksbegehren | Gaststätte
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