Bildung kann die Freedom-University ihm bieten, einen Abschluss allerdings nicht. "Wir sind keine Alternative zu einer echten Universität", sagt Professorin Voekel. Für Naturwissenschaften oder Fremdsprachen fehlen die Mittel und die Dozenten. Die Freedom University ist vor allem als Übergangslösung gedacht: Die fünf Professoren versuchen, die Studenten auf die Anforderungen richtiger Unis vorzubereiten. "Unsere Kurse sind anspruchsvoll und wir behandeln Inhalte, die für die Tests und Prüfungen staatlicher Unis relevant wären."

In ein paar Jahren, so hoffen Voekel und ihre Kollegen, werden ihre Studenten gut vorbereitet an einem staatlichen Vier-Jahres-College oder einer Universität studieren dürfen. Einen Anlass für diese Hoffnung gibt es aktuell jedoch kaum. Der zuständige Senator Barry Loudermilk kämpft schon seit Jahren dagegen, Kindern illegaler Einwanderer ein Studium in den USA zu ermöglichen. Er argumentiert, dass die mit Steuergeldern bezahlten Unis US-Bürgern und legalen Einwohnern vorbehalten sein sollten. Nur diese könnten nach ihrem Abschluss auch in den USA arbeiten und Steuern zahlen.

Voekel hält das für ein schlechtes Argument. "Die jungen Menschen sind in den USA großgeworden – sie sind Amerikaner", sagt sie. Auch US-Präsident Obama sieht das so. Im Juni dieses Jahres verkündete er vor dem Kongress, dass Migranten, die als Kinder oder Jugendliche ins Land gekommen sind, in den kommenden zwei Jahren nicht mehr abgeschoben werden dürfen. Seiner Ansicht nach sind sie Amerikaner, "in jeder Beziehung, nur nicht auf dem Papier".

Seit 2001 versucht Obama mit seinem Gesetzentwurf "Dream Act", Einwandererkindern eine dauerhafte Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis zu erteilen. Damit könnten Migrantenkinder die staatliche Studienförderung in Anspruch nehmen oder sich mit anständigen Löhnen ihr Studium finanzieren. Bislang konnte Obama das Gesetz nicht durchsetzen, weil die Republikaner dagegen waren. "Aber wir haben noch Hoffnung, dass es ihm in den kommenden Jahren gelingt", sagt Voekel. Bis dahin werde die Freedom University ihre Kurse weiterführen.

Auch Yovani hofft darauf. Am liebsten würde er Psychologie studieren und Sozialarbeiter werden. Dann will er anderen Einwanderern helfen, im Leben voranzukommen.