In den Rebenhängen des Rheingaus westlich von Wiesbaden, zwischen Riesling, Frühburgunder und Müller-Thurgau, liegt ein prunkvolles klassizistisches Palais: die Villa Monrepos. Sie ist der Kern der zum Jahresbeginn neu gegründeten Hochschule Geisenheim University, die aber auch hochmoderne Laborgebäude auf ihrem Campus beherbergt.

"Spezialkulturen", so nennt sich profan das wichtigste Fachgebiet der neuen Institution. Gemeint sind Wein, Obst und Gartenbau, hinzu kommen Landschaftsarchitektur und Umweltmanagement. Als "Grüne Hochschule" beschreiben die Geisenheimer sich selbst. In dieser Woche bekam Gründungspräsident Hans Reiner Schultz von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) die Gründungsurkunde.

Geisenheim ist die 13. staatliche Hochschule in Hessen – die erste Neugründung seit Jahrzehnten, wie Bouffier betont. Sie soll die bundesweit erste "Hochschule neuen Typs" sein: eine Kombination aus der Praxis- und Berufsorientierung der Fachhochschule mit dem akademischem Anspruch und der Forschung einer Universität.

Diese Aufhebung der Trennung von FH und Uni, die auch der deutsch-englische Name andeuten soll, fordert der Wissenschaftsrat, der Bund und Länder in der Forschungs- und Hochschulpolitik berät, schon seit einigen Jahren. Er prüfte 2012 das Konzept der neuen Hochschule und befand es für gut).

Zum "neuen Typ" gehört, dass Geisenheim auch den Doktortitel verleihen darf, wie es sonst Universitäten vorbehalten ist, wenn auch anfangs nur in Kooperation mit der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Dafür änderte Hessen eigens sein Hochschulgesetz. Den hessischen Universitätspräsidenten ist das gar nicht recht: Sie finden, Geisenheim sei eigentlich nur eine Fachhochschule, eine kleine noch dazu, und könne die Qualität der Promotion nicht gewährleisten.

Gründungspräsident Schultz will zudem neue Lehrmethoden erproben, etwa berufsbegleitende Studiengänge und E-Learning. Die Hochschule soll auf interdisziplinäre Forschung setzen und auf internationale Zusammenarbeit. Mit Lehr- und Forschungseinrichtungen in 38 Ländern kooperiert sie bereits, meist in Weingegenden wie Burgund und Bordeaux, in Chile, Australien oder Südafrika gelegen, aber auch in Finnland, Indien und Japan. Zu den angebotenen Studiengängen zählt der Vinifera Master Europe, bei dem die Studierenden ihr erstes Jahr an der Hochschule in Montpellier absolvieren.

Neben Wein-, Obst- und Gartenbau und Getränkewissenschaften will Schultz einen neuen Schwerpunkt im Bereich Landschaftsarchitektur setzen. Auch in der Klimaforschung hat die Hochschule ein Standbein. Derzeit bietet sie fünf Bachelor- und sechs universitär ausgerichtete Master-Studiengänge an.