HochschulwatchInternetportal will Wirtschaftseinfluss an Unis aufdecken

Welche Verbindungen gibt es zwischen Wirtschaft und Wissenschaft? Ein neues Internetportal will das herausfinden. von 

Eine neue Internetseite will Verbindungen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft öffentlich machen. Auf Hochschulwatch.de sollen Professoren, Dozenten und Studenten über  Beispiele berichten, die ihnen fragwürdig erscheinen. Nutzer können eigene Texte schreiben und Dokumente hochladen.

Initiiert wurde die Seite von der Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland, dem Freien Zusammenschluss von Studentinnenschaften (FZS) und der Tageszeitung taz. Die taz prüft Einträge, bevor sie öffentlich gemacht werden. "Wir haben die Sorge, dass (...) Wirtschaftsinteressen immer mehr Einfluss nehmen auf das, was an den Hochschulen im Bereich von Lehre und Forschung stattfindet", sagte die Vorsitzende von Transparency International Deutschland, Edda Müller, bei der Vorstellung des Projekts.

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Müller kritisiert, Kooperationsverträge zwischen Unternehmen und Universitäten müssten nicht veröffentlicht werden. Daher sei unklar, ob die Hochschulen den Unternehmen für ihr Geld Gegenleistungen einräumten. Sie befürchtet, Unternehmen könnten die Auswahl von Professoren oder die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen beeinflussen. "Der Zweck heiligt nicht die Mittel, Universitäten sind keine Werbeflächen", sagt sie.

Studenten bemängeln zunehmende Zahl von Werbeflächen

Unternehmen entdeckten Hochschulen zunehmend als Markt, sagt auch Student Erik Marquardt, Vorstand des FZS. "Man kommt sozusagen gar nicht mehr zur Mensa, ohne auch mindestens ein Angebot für ein neues Sparkonto oder einen Handyvertrag zu bekommen."

Als Beispiel für fragwürdigen Wirtschaftseinfluss nennt Hochschulwatch eine Stiftungsprofessur für Energiewirtschaft der Universität Köln, die von den Energiekonzernen EnBW, Vattenfall, RWE und E.on bezahlt werde. Die Hochschule reagiert gelassen auf den Start der Internetseite: "Wir finden gut, was Transparenz schafft. Auch wenn die Schlüsse des Portals andere sind als unsere", sagte ein Sprecher Universität Köln auf Anfrage von ZEIT ONLINE. Rechtliche Folgen befürchte die Universität nicht. Weiter erwähnt Hochschulwatch das Institut für Internet und Gesellschaft der Humboldt-Universität Berlin, das von Google mitfinanziert wird. Eine Sprecherin der Universität teilte mit: "Wissenschaftliche Kooperationsprojekte mit privaten Unternehmen und Verbänden unterliegen immer der Maßgabe des Präsidiums, damit die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre und die Autonomie der Universität gewahrt wird."

Auf der Webseite sind über 400 Hochschulen aufgelistet. Das Projekt ist auf ein Jahr begrenzt. Transparency International Deutschland will die Hinweise im Anschluss auswerten.

Hinweis: Der Text wurde im Nachhinein um ein Statement der Humboldt-Universität Berlin ergänzt. Die Redaktion.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Google | RWE | E.on | Hochschule | Internetportal | Autonomie
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