Ministerin Schavan"Meine Dissertation ist kein Plagiat"

Die Forschungsministerin hat sich gegen das Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels verteidigt. Bildungsexperten verlangen eine Reform der Plagiatsprüfung.

Nachdem die Universität Düsseldorf ein formelles Plagiatsverfahren gegen sie eröffnet hat, verteidigt sich Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) erneut. Schavan hofft auf eine Entlastung von dem Verdacht, sie habe in ihrer Doktorarbeit Zitate nicht gekennzeichnet. Sie habe sich in den acht Monaten seit Bekanntwerden der Vorwürfe intensiv mit dem Text ihrer Dissertation befasst und mit zahlreichen Fachwissenschaftlern gesprochen, ließ Schavan mitteilen. Sie sehe sich dadurch in ihrer Überzeugung bestärkt, "dass meine Dissertation kein Plagiat ist".

Nach der Entscheidung der Universität wurde Kritik am Umgang mit solchen Fällen laut. Fachleute bemängeln, dass es keine einheitlichen Regelungen für den Umgang damit gibt, die Verfahren also je nach Hochschule anders gehandhabt werden. "Wir haben die Situation, dass an deutschen Universitäten in diesen Fragen unterschiedliche Verfahrensregeln gelten", sagte die Grünen-Bildungspolitikerin Krista Sager im Deutschlandfunk.

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Was etwa an einer Hochschule keine schwerwiegenden Konsequenzen nach sich zieht, könnte woanders strafrechtlich relevant sein: "Es war zum Beispiel reiner Zufall, dass zu Guttenberg sich in Bayreuth nicht strafbar gemacht hat", sagte Sager. Denn in Bayreuth habe der ehemalige Verteidigungsminister nur eine ehrenwörtliche Erklärung abgeben müssen, an einer anderen Universität wäre womöglich eine eidesstattliche Erklärung nötig gewesen. Auch bei Gutachten gingen die Universitäten nach eigenen Regeln vor.

Auch die Vorsitzende der Liberalen Hochschulgruppen (LHG), Josephine Dietzsch, forderte klare Regeln für die Untersuchung von Plagiatsvermutungen. "Es muss ein seriöses Verfahren geben, in das alle Beteiligten angemessen eingebunden werden", sagte sie.

Der Ministerin wird vorgeworfen, in ihrer Doktorarbeit mit dem Titel Person und Gewissen getäuscht zu haben, ihr droht darum die Aberkennung ihres Doktortitels. Der Fakultätsrat der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf, an der Schavan 1980 promoviert hatte, leitete am Dienstag ein formelles Verfahren zum Titelentzug ein. Das bedeutet aber noch nicht, dass Schavan ihren Titel verliert: Der Ausgang des Verfahrens sei offen, hieß es. Das Gremium war in seiner Entscheidung einem Gutachten der Promotionskommission der Universität gefolgt.

Schavan sagte, sie hoffe, "dass mit der Eröffnung eines ergebnisoffenen Verfahrens jetzt auch verbunden ist, externe Fachgutachten einzuholen". Sie sei davon überzeugt, "dass die unbegründeten Plagiatsvorwürfe ausgeräumt werden".

Einsatz unabhängiger Experten gefordert

Bei dieser Forderung wird sie unterstützt: Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Michael Kretschmer, verlangte den Einsatz unabhängiger Experten. "Es ist höchste Zeit, dass die Universität Düsseldorf endlich unabhängigen Expertenrat einholt", sagte er. In der Vergangenheit sei nicht immer fair mit der Bildungsministerin umgegangen worden. "Das Hauptverfahren bietet jetzt die Möglichkeit, mit Ruhe und Sorgfalt zu prüfen und Versäumtes nachzuholen."

Der Präsident der Berliner Humboldt-Universität, Jan-Hendrik Olbertz, bezeichnete es in der Berliner Morgenpost als zwingend, "dass ein zweites, unabhängiges Gutachten in Auftrag gegeben wird". Olbertz kritisierte das  Vorgehen der Universität Düsseldorf, die seit Monaten die Vorwürfe prüft. Das nun eingeleitete Verfahren biete aber die Chance einer Klärung. "Vielleicht nimmt es damit den geordneten Verlauf, den ich bisher nicht habe erkennen können", sagte er.

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Leserkommentare
    • Coolie
    • 24. Januar 2013 12:43 Uhr

    ..das sich die Vorsitzende der LHG für Schavan stark macht:

    "Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) ist ein deutscher politischer Studierendenverband, der der Freien Demokratischen Partei (FDP) nahesteht."

    Hat es doch so viele prominente FDP'ler erwischt, die ihre Doktortitel verloren haben.

    Nachtigall, ick hör dir trapsen. Ob es am Ende etwas nutzen wird, dass sich plötzlich so viele Stimmen erheben, die die Uni Düsseldorf und die Öffentlichkeit mit gut gemeinten Ratschlägen traktieren? Eine Bildungsoffensive ist das jedenfalls nicht...ich zumindestens bin nicht so doof, um nicht den Sinn der ganzen Aktionen zu erkennen.

  1. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Gutttenberg und Schavan keine Einzelfaelle sind. Wenn all Unis ihre vergebenen Doktortitel gewissenhaft untersuchen werden sie zahlreiche Doktorarbeiten finden, die strengen Massstaeben nicht standhalten.
    Die Grenze zwischen Plagiat und schlampigen Zitieren ist fliessend. Ich bin mir nicht sicher, ob dieser ganze Tanz irgendwem nutzt. Aber, na ja, die Medien haben was zu schreiben. Dabei gaebe es Skandale, die viel wichtiger waeren.

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  2. "Sie sehe sich dadurch in ihrer Überzeugung bestärkt, "dass meine Dissertation kein Plagiat ist"."

    Eine kluge Frau wie Frau Schavan hat eine so pauschale Formulierung mit Bedacht gewählt. Denn diese Aussage ist natürlich zutreffend, das hat aber auch niemand behauptet.

    Es geht darum, ob die Arbeit, neben überwiegenden eigenen Anteilen, zahlreiche Plagiate enthält, nicht ob sie ein Plagiat ist.

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  3. Auch andere Personen, denen ein Plagiat nachgewiesen werden konnten (siehe Guttenberg oder KLoch-Mehrin) haben steif und fest behauptet, unschuldig zu sein. Wie immer die Überprüfung ausfällt bleibt festzustellen: FRau Schavan hat sich selber ins Abseits gebracht. Ein freiwilliger Rücktritt von einem solch bedeutenden Amt wäre notwendig und richtig.
    Doch leider spielt auch in diesem Fall wieder einmal der pöolitische Proporz eine Rolle. Und das beschädigt unsere Demokratie sehr erheblich.

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  4. 181. [...]

    Entfernt. Bitte achten Sie auf eine sachliche Wortwahl. Danke. Die Redaktion/kvk

  5. ein Charakter- und Wesenstest muss her, für Wähler und Politiker. (Ironie)

    Aber im Ernst, mir ist es völlig gleichgültig ob ein Minister Deo benutzt oder einen Doktortitel hat, Hauptsache er macht seine Arbeit als Minister gut.
    Ich wähle doch niemanden wegen eines Titels und wenn doch, dann bin ich selbst schuld.

    Die Uni Düsseldorf hat eine ihrer Hauptaufgaben nicht erfüllt,
    diese besteht darin Doktorarbeiten zu prüfen und den wissenschaftlichen Wert zu bestätigen. Inwieweit sogar Frau Schavan daraus Entschädigungsansprüche an die Uni hat ,
    und ob keine Verjährung eintritt ?
    Ein einfacher Vergleich der Arbeit der Uni Düsseldorf mit einer TÜV-Anstalt.
    Bekommt ein Elektrogerät ein TÜV-Zertifikat und ein Nutzer stirbt durch einen nicht erkannten Sicherheitsmangel wird diesem Institut die Zulassung entzogen.
    Prüft eine Universität eine Doktorarbeit und verleiht daraufhin einen Doktortitel(Zertifikat) und bestätigt damit den wissenschaftlichen Wert, der sich im Nachhinein als Falschzertifizierung erweist, geschieht der Universität nichts.
    Warum geben wir soviel Geld für die Uni Düsseldorf aus, wenn sie nicht funktioniert ?
    Der Knackpunkt ist doch diese unselige Titel- und Namensverordnung und die teure Doktortitelschwemme an den Universitäten und das sollte doch zu lösen sein.

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    Doktoranden sind extrem billig. Die Uni kriegt eine Vollzeit-Kraft zum halben Preis. Was der Doktorand kriegt ist "Ehre". Natuerlich gibt es eine Schwemme; aber eine fuer die Uni sehr lohnende Schwemme.

    • NWJ
    • 24. Januar 2013 17:48 Uhr

    Hier kann man es nachlesen, Stück für Stück. Auf gut 300 Seiten wurden fast 100 Plagiate und Verschleierungen gefunden. Alle sind fein und säuberlich aufgelistet und wertfrei kommentiert. Für diese Analyse benötigt man kein Gutachten, denn das Ergebnis spricht für sich. Bei dieser Fülle von Verschleierungen ergibt sich natürlich ein signifikanter Schreibstiel. Legt man diesen zu Grunde, dann dürfte das nicht alles gewesen sein. Um die noch fehlenden "Fälschungen" ausfindig zu machen, benötigt man die insgesamt verwendete Literatur, die nur Frau Schavan kennt. Weitere von ihr geforderte Gutachten sind reines Ablenkungsmanöver und absolut unsinnig. Sie sollte sich den Fakten stellen und Position beziehen. Jedoch in dieser Beziehung verhält sie sich nicht anders als seinerzeit Herr zu Guttenberg. Für diesen hatte sie sich geschämt. Man stelle sich vor, diese Dame will eine Christin sein. Wie weit ist Deutschland gesunken?

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    Ich hab mit eben mal die Mühe gemacht die sog. Fundstellen http://schavanplag.wordpr... "eindeutiger Plagiate" mal anzusehen.

    Das ist nicht wirklich eindeutig - zumal sie im Grunde nur akademtisches Allgemeingut widerkaut ob nun Freud, Buber, Erikson, etc. deren Theorien wurden doch z.B. in der Psychologie rauf und runter gebetet.

    Diese Zitiertlogik ist doch typisch für die 80 er.

    Entscheidend ist doch, dass sie die Kern-Theorien die sie darstellt und die z.T. Allgemeingut sind bzw. waren - nicht als ihre eigene ausgibt !

    Die Kernfrage ist: Also welche Theorie bzw. Thesen die Schavan aufstellt - sind tatsächlich von anderen ?

    4 Quellen vergessen - ich denke davon ist keine Diss gefeit.
    Böckle war wohl ihr Lehrer.

  6. Doktoranden sind extrem billig. Die Uni kriegt eine Vollzeit-Kraft zum halben Preis. Was der Doktorand kriegt ist "Ehre". Natuerlich gibt es eine Schwemme; aber eine fuer die Uni sehr lohnende Schwemme.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, nf
  • Schlagworte Annette Schavan | CDU | Jan-Hendrik Olbertz | Krista Sager | Deutschlandfunk | Unionsfraktion
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