PlagiatsvorwürfeSchavan steht zu "Flüchtigkeitsfehlern"

Trotz des Plagiatsverfahrens beharrt Bundesbildungsministerin Schavan darauf, nie getäuscht zu haben. Sie habe lediglich Flüchtigkeitsfehler gemacht.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat die nachgewiesenen Fehler in ihrer Doktorarbeit als "nicht peinlich" bezeichnet. "Flüchtigkeitsfehler sind mir nicht peinlich", sagte Schavan dem ZEITmagazin. Sie könne für sich zwar "nicht in Anspruch nehmen, keine Flüchtigkeitsfehler gemacht zu haben. Aber ich kann in Anspruch nehmen, nicht plagiiert oder gar getäuscht zu haben.

Zu der "grundsätzlichen Diskussion" gehöre, "nicht andauernd den Eindruck zu erwecken, dass Plagiate und Fehler auf der gleichen Ebene liegen." Vor 33 Jahren "gab es noch keine technischen Möglichkeiten, einen Text noch einmal zu überprüfen. Man konnte nur selbst genau lesen und auf die Prüfer vertrauen."

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Die Universität Düsseldorf hat ein Verfahren zur Aberkennung von Schavans Doktortitel eröffnet. Schavan sagte, in der Diskussion um ihre Doktorarbeit gehe es ihr "nicht um einen Titel". Es gehe um Integrität.

Auf die Frage, ob die Wissenschaftsorganisationen, die sie in einer gemeinsamen Erklärung unterstützt haben, nicht abhängig von ihr als Wissenschaftsministerin seien, antwortete Schavan: "Wenn Wissenschaftler darauf drängen, dass es in solchen Fällen Regeln gibt, die eingehalten werden müssen, kann man sie dafür doch nicht beschimpfen. Die Souveränität der Wissenschaft ist ein hohes Gut."

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Leserkommentare
    • Held S.
    • 30. Januar 2013 13:02 Uhr

    Ach Flüchtigkeitsfehler nennt man das jetzt. Also hat sie die Fehler in den Flüchtigkeitsfehlern mit abgetippt, oder welche Fehler meint Die ?
    Und sowas nennt sich Wissenschaftlerin, höchstens eine Hollywood-Wissenschaftlerin.
    Person und Gewissen, das ich nicht lache.

    12 Leserempfehlungen
  1. in Ihrer Funktion als Bildungsministerin hätte ich eine "Flucht nach Vorn " besser gefunden -- im Dienst der Sache -- ein offener Umgang, mehr Transparenz hätte weniger Polarisation hervorgerufen -- das Ausmaß dieser Angelegenheit geht ,meiner Meinung nach, schon an die Adresse der Dame -- eine öffentlichere Aufarbeitung hätte quasi die 2te Dorktorarbeit werden können -- verpasste Chance --- für demokratischere Bildung, Sympathie -- und Verständnis der jungen, Menschen, die jetzt an ihren Dissertationen sitzen, und ganz anderen Kontrollen / Standards ausgesetzt sind , zu Frau Schavan aber Frau Dr. sagen müssen --

    4 Leserempfehlungen
  2. Wir brauchen sofort Mr. Sebastian Thrun als Bildungsminister. Die Debatte von Davos verdeutlicht dies.
    http://www.youtube.com/wa...

    Bildung verändert sich radikal. Dabei ist Frau Schavan mit oder ohne Doktortitel schon wieder ein veraltetes Modell. Sie hat es bis jetzt nicht geschafft die Virtuelle Uni für alle als "Bildungs-Grundrecht" einzuführen.

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    • hairy
    • 30. Januar 2013 13:31 Uhr

    das nochmal in verstaendlichem (!) Deutsch schreiben?

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  3. es gibt eine öffentliche (politische) und eine akademische ebene. bei Bild und co wird die eine, hier die andere bedient.
    akademisch ist sie erledigt, ein kurzer blick in schavanplag reicht. das schema ist dasselbe wie damals bei KT. die titelvergebende Uni steht mit roten ohren da. in USA wird KT inzwischen als vortragender wieder ausgeladen, die Uni Bayreuth wird's freuen.
    doch die akademische debatte ist nicht ausschlaggebend.
    die Kanzlerin muss sehen, wie sie bis 22.9. ihre zwei krisenherde Euro/Schavan managed. Einen Herrn Schavan hätte sie schon längst abserviert.

    4 Leserempfehlungen
    • vommond
    • 30. Januar 2013 13:33 Uhr

    Ich hab mir ihre Arbeit auf Schavanplag angesehen.

    Flüchtigkeitsfehler? Auf über 90 Seiten? Und mit dem ständigen Versuch die "Flüchtigkeitsfehler" (Klartext: das Abschreiben aus Sekundärquellen) zu verschleiern? War es auch ein "Flüchtigkeitsfehler", als Sie aus der seitenweise kopierten Sekundärliteratur auch noch die dortigen Zitierfehler mit übernommen hat?

    Mir ist es halbwegs egal, ob Fr. Schavan einen Titel hat oder nicht. Nicht egal ist mir, wenn sie sich als Wissenschaftsministerin einen akad. Titel mit unlauteren Mitteln erschleicht. Ebenfalls nicht egal ist mir, wenn sie mit der Bagatellisierung ihres Verhaltens als "Flüchtigkeitsfehler" versucht, die Öffentlichkeit für dumm zu verkaufen.

    12 Leserempfehlungen
  4. In Hausarbeiten passieren Flüchtigkeitsfeher, in Briefen oder in Kommentaren wie diesem hier. Nicht aber in Doktorarbeiten. Denn diese Texte werden so oft hin- und her gewendet, überarbeitet und durchgesprochen, dass eventuelle Flüchtigkeitsfehler dabei ihre charakteristische Flüchtigeit verlieren. Dass Frau Schavan so argumentiert hat mit der Zielrichtung zu tun. Das Argument soll bei Leuten ankommen, die Doktorarbeiten nicht von kleineren Textsorten unterscheiden können oder wollen. Was die Sache noch unverschämter macht - und auch doofer. Denn der universitäre Betrieb, der jetzt über ihre Doktorarbeit entscheidet, ist nicht auf die Masse von Wählen angewiesen, die Frau Schavan sympatisch finden, weil ihr so mal der ein oder andere Lapsus passiert ist, damals ... Klar, das ist menschlich. Aber deshalb bekommt man noch lange keinen Doktortitel - oder darf ihn behalten!

    14 Leserempfehlungen
  5. Danke, dass Sie diese Position vertreten.

    Ich bin ebenfalls der Meinung, dass die nachgewiesenen Mängel keinesfalls ausreichend sind, um die Arbeit als ingesamt ungültig zu bewerten.
    Die Anforderung, dass eine Promotionsschrift die Eigenschaft der unangreifbaren Vollkommenheit haben muss, um gültig zu sein, existiert - zum Glück - nicht.

    Auch in der Bewertung wissentschaftlicher Arbeiten muss die Verhältnismässigkeit gewahrt werden. Es muss ein Unterschied gemacht werden zwischen Bagatell-Tatbeständen, schwerwiegenden wissentschaftlichen Vergehen und handfesten Straftaten.
    Alleine schon dieser harsche Inquisitorenton, der hier dominiert, ist in der Causa Schavan vollkommen unangebracht.

    In Wahrheit sind wohl die wenigsten motiviert, wirklich in der Sache zu diskutieren.
    Frau Schavan hat meinethalben die Habermas-Rezeption eines Ratzinger-Zitates so dargestellt, dass man diese für ihre eigene halten könnte? Oh my God, wie konnte sie das nur tun?

    Fair fände ich, wenn die einschlägige Uni-Kommission die Benotung dem Ergebnis der Revision anpasst.
    Einen Entzug des akademischen Grades fände ich jedoch krass unfair und ich glaube auch nicht, dass es dazu kommen wird.

    Antwort auf "Fehler ungleich Betrug"
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    • vommond
    • 30. Januar 2013 14:39 Uhr

    "In Wahrheit sind wohl die wenigsten motiviert, wirklich in der Sache zu diskutieren.
    Frau Schavan hat meinethalben die Habermas-Rezeption eines Ratzinger-Zitates so dargestellt, dass man diese für ihre eigene halten könnte? Oh my God, wie konnte sie das nur tun?"

    So wie Sie die Mängel in Schavans Diss. darstellen, habe ich auch nicht den Eindruck, dass Sie selbst wirklich in der Sache diskutieren wollen.

    "Auch in der Bewertung wissentschaftlicher Arbeiten muss die Verhältnismässigkeit gewahrt werden. Es muss ein Unterschied gemacht werden zwischen Bagatell-Tatbeständen, schwerwiegenden wissentschaftlichen Vergehen und handfesten Straftaten."

    Dass der Doktorand keine handfesten Straftaten begeht, darf wohl als selbstverständlich betrachtet werden. Sofern Sie andeuten wollen, dass es eine Bagatelle ist, wenn an derart vielen Stellen Zitate nicht kenntlich gemacht und auch in der näheren Umgebung nicht auf die Quelle aufmerksam gemacht wird und die eigentliche Herkunft auch noch aktiv verschleiert wird, können das bestimmt die wenigsten nachvollziehen.

    http://schavanplag.wordpr...

    können Sie nun selber nachlesen: Frau S. präsentiert "eigene" überlegungen zu Freuds Totem und Tabu, und gibt - selbstverständlich - DIESE quelle an. die bemerkungen sind aber - fast - wortwörtlich aus der sekundärliteratur abgeschrieben (Häfner 1959).
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    die zentrale konstruktion, die Exogamie, lag für Schavan plus "vorbilder" jenseits des geistigen horizonts.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Annette Schavan | CDU | Doktorarbeit | Doktortitel | Plagiat | Souveränität
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