PlagiatsvorwürfeSchavan steht zu "Flüchtigkeitsfehlern"

Trotz des Plagiatsverfahrens beharrt Bundesbildungsministerin Schavan darauf, nie getäuscht zu haben. Sie habe lediglich Flüchtigkeitsfehler gemacht.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat die nachgewiesenen Fehler in ihrer Doktorarbeit als "nicht peinlich" bezeichnet. "Flüchtigkeitsfehler sind mir nicht peinlich", sagte Schavan dem ZEITmagazin. Sie könne für sich zwar "nicht in Anspruch nehmen, keine Flüchtigkeitsfehler gemacht zu haben. Aber ich kann in Anspruch nehmen, nicht plagiiert oder gar getäuscht zu haben.

Zu der "grundsätzlichen Diskussion" gehöre, "nicht andauernd den Eindruck zu erwecken, dass Plagiate und Fehler auf der gleichen Ebene liegen." Vor 33 Jahren "gab es noch keine technischen Möglichkeiten, einen Text noch einmal zu überprüfen. Man konnte nur selbst genau lesen und auf die Prüfer vertrauen."

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Die Universität Düsseldorf hat ein Verfahren zur Aberkennung von Schavans Doktortitel eröffnet. Schavan sagte, in der Diskussion um ihre Doktorarbeit gehe es ihr "nicht um einen Titel". Es gehe um Integrität.

Auf die Frage, ob die Wissenschaftsorganisationen, die sie in einer gemeinsamen Erklärung unterstützt haben, nicht abhängig von ihr als Wissenschaftsministerin seien, antwortete Schavan: "Wenn Wissenschaftler darauf drängen, dass es in solchen Fällen Regeln gibt, die eingehalten werden müssen, kann man sie dafür doch nicht beschimpfen. Die Souveränität der Wissenschaft ist ein hohes Gut."

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Leserkommentare
  1. "Ich bin ebenfalls der Meinung, dass vor 33 Jahren technisch vieles noch nicht möglich war und sich Standards rund ums wissenschaftliche Arbeiten alleine deshalb verändert haben."

    Sie sagen es. Es hat sich viel geändert. Heute ist es meiner Meinung nach viel einfacher, dass man sich in seinen vielen aus elektronischen Dokumenten kopierten Textschnippseln verzettelt (wobei dies natürlich keine Entschuldigung sein kann). "Damals" konnte man nicht anders, als sich per Hand Exzerpte anzufertigen. Man saß entsprechend länger an der Literaturstellensuche und der Übertragung dieser. Und wenn man die Textstellen in sein fertiges Manuskript übertrug musste man sich seine Exzerpte etc. vornehmen. Und bei dieser Übertragung konnen einfach keine "Fehler" wie in Schavans Text entstehen. An welcher Stelle in diesem Arbeitsprozess sollten die Paraphrasen entstanden sein? Hat sie etwa von vornherein falsch aus dem vor ihr liegenden Buch abgeschrieben? Nein. Sie muss die korrekten Zitate vor sich liegen gehabt haben und wissentlich paraphrasiert haben.

    5 Leserempfehlungen
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    gearbeitet hat, klingt sehr plausibel.
    Über neunzig derartiger "Flüchtigkeitsfehler" auf 60 von knapp über 300 Seiten??

    Oder hat sie in Wahrheit nie richtig studiert? Nicht mal eine "Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten" belegt? (Proseminar für Erstsemester)?
    Die umstrittenen "Direktpromotionen" abseits regulärer Studiengänge und Abschlussexamina hat es ja bis Ende der Siebziger in NRW gegeben.

    Wenn die jetzige Bildungsministerin jedoch nach 33 Jahren so einen Kokolores von sich gibt, indem sie ernsthaft glauben machen will "...Man konnte nur selbst genau lesen (Unfug!) und auf die (Unachtsamkeit oder Gnade der) Prüfer vertrauen",
    zeugt das entweder von

    - purer Ahnungslosigkeit, fehlender Kenntnis der formalen Standards von Prüfungsarbeiten an deutschen Hochschulen damals wie heute (korrekte Rechtschreibung, Grammatik, wissenschaftskonforme Zitierweise),

    - oder Faulheit, sich akribisch per Hand, Schreibmaschine oder Fotokopien die Exzerpte anzufertigen und zu archivieren, um diese Belege Quellen gerecht parat zu haben (was äußerst zeitaufwändig war/ist).

    - oder sie belügt nicht nur die Öffentlichkeit, sondern sogar noch sich selbst.

    Irgendwie klingt das nach "Von allem etwas" ...

  2. 50. Argh..

    Unglaublich diese Frechheit und Dreistigkeit. Erst schämt sich Frau Schavan "nicht nur heimlich" für Guttenberg, jetzt will sie uns auch noch auf die gleiche Tour für dumm verkaufen. Ausgerechnet als Bildungsministerin möchte sie sich nicht an Ansprüchen messen lassen, die für jede Hausarbeit gelten!
    Mit einem Funken Anstand wäre sie schon längst zurückgetreten. Aber solche Konsequenz kann man von der heutigen Politikerkaste nicht erwarten. Merkels Unterstützung hat sie jedenfalls sicher.

    Wie tief können wir noch sinken??

    5 Leserempfehlungen
  3. gearbeitet hat, klingt sehr plausibel.
    Über neunzig derartiger "Flüchtigkeitsfehler" auf 60 von knapp über 300 Seiten??

    Oder hat sie in Wahrheit nie richtig studiert? Nicht mal eine "Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten" belegt? (Proseminar für Erstsemester)?
    Die umstrittenen "Direktpromotionen" abseits regulärer Studiengänge und Abschlussexamina hat es ja bis Ende der Siebziger in NRW gegeben.

    Wenn die jetzige Bildungsministerin jedoch nach 33 Jahren so einen Kokolores von sich gibt, indem sie ernsthaft glauben machen will "...Man konnte nur selbst genau lesen (Unfug!) und auf die (Unachtsamkeit oder Gnade der) Prüfer vertrauen",
    zeugt das entweder von

    - purer Ahnungslosigkeit, fehlender Kenntnis der formalen Standards von Prüfungsarbeiten an deutschen Hochschulen damals wie heute (korrekte Rechtschreibung, Grammatik, wissenschaftskonforme Zitierweise),

    - oder Faulheit, sich akribisch per Hand, Schreibmaschine oder Fotokopien die Exzerpte anzufertigen und zu archivieren, um diese Belege Quellen gerecht parat zu haben (was äußerst zeitaufwändig war/ist).

    - oder sie belügt nicht nur die Öffentlichkeit, sondern sogar noch sich selbst.

    Irgendwie klingt das nach "Von allem etwas" ...

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Gerade drum."
    • ghoff
    • 31. Januar 2013 8:35 Uhr

    nicht geben. Dafür sitzt man zu lange daran.
    Man hat einen Ordner mit den Exzerpten; auf den Kopien, die man eventuell gemacht hat, hat man die korrekte Zitation ganz oben schon stehen. In einer Folie oder einem Kästchen hat man die Ausleihzettel und Fernleihezettel für die Bücher, damit man sie fristgerecht zurückgibt bzw. verlängert. Diese bilden auch die Grundlage für die Literaturliste, die man ständig im Auge hat, weil man sie gerne "auffüttern" will. Vermeintlich wirkt das wissenschaftlichER. Insbesondere die PH-Beförderten legten großen Wert auf diese Pseudo-Wissenschaftlichkeit.

    Mit den Zeitungen verhielt es sich genauso. Auf dem Zeitschriftenordner wurde obenauf jeder neue Artikel vermerkt (abgeschrieben von der Zeitung direkt und wieder von dem Exzerpt).

    Aus den Exzerpten formuliert man dann die Arbeit aus und vermerkt hinter jedem entliehenen Gedanken meist in laufender Nummerierung, woher der Gedanke stammt. Man gibt ausführlich eigenen Senf hinzu... Wenn man nicht so viele Gänsefüßchen setzen will, wandelt man die Übernahmen leicht ab und zitiert mit "Vgl." oder "Siehe (auch)"!!! War die Arbeit fertig, ging man sie seitenweise wieder durch und hakte die Zitationen ab; beim Tippen in die Schreibmaschine musste man darauf achten, dass die Zitation möglichst auf der gleichen Seite erscheint. Anhand der Zitationen prüfte man dann Seite für Seite, ob diese auch im Literaturverzeichnis erscheint.

    Flüchtigkeitsfehler??? Nicht peinlich?

    Ich fasse es nicht.

    3 Leserempfehlungen
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    • angste
    • 02. Februar 2013 14:17 Uhr

    "... nur auf die Prüfern vertrauen".

    Will sie wirklich behaupten, Prüfer hätten zu der Zeit die Pflicht gehabt, sämtliche Literatur zum Thema wörtlich im Kopf zu haben, um Plagiate zu erkennen? Weil man ja schlampen darf?

    • Sikasuu
    • 31. Januar 2013 12:30 Uhr

    Nein, einer der versucht ehrliche Leute zu schädigen!
    ####
    Was dem "Naturwissenschaftler" seine Versuche und Messreihen, oft 100-1.000 Stück gerechnet auf X.Stellen nach dem Komma,
    .
    sind des "Geisteswissenschaftlers" ZITATE!
    .
    Einbindung NEUER Ideen in den Kanon der/seiner Wissenschaft.
    .
    Da ist Abschreiben oder "Flüchtigkeitsfehler" nicht hinnehmbar.
    .
    Ich möchte den sehen, der seinem Arzt "Flüchtigkeitsfehler" bei Laborwerten durchgehen lässt.
    .
    "So sorry, bei ihren Blutzuckerwerten ist das Komma verrutscht!"
    .
    oder um im Alltag zu bleiben, seinem KFZ-Betrieb, mit "Flüchtikeitsfehlern" montierte Bremsen verzeiht!
    .
    "Wir haben dort sie Sicherungsstifte vergessen, aber sehen Sie das nicht ein wenig eng?".
    .
    Eine Dis. ist keine "Zeitungsartikel", kein Heftchenroman,.....
    .
    Das müsste JEMAND der Promiviert hat wissen. Es scheint eine Dr.phil (noch) in hoher politischer Funktion zu geben, die das NICHT weiss!
    .
    Ich HOFFE die UNI-DUS sieht das wiss. Korrekt, d.h. ganz anders!
    .
    Meint
    Sikasuu

    Eine Leserempfehlung
    • angste
    • 02. Februar 2013 14:17 Uhr

    "... nur auf die Prüfern vertrauen".

    Will sie wirklich behaupten, Prüfer hätten zu der Zeit die Pflicht gehabt, sämtliche Literatur zum Thema wörtlich im Kopf zu haben, um Plagiate zu erkennen? Weil man ja schlampen darf?

  4. wie Frau Dr. Schavan nun hier und anderswo so äussert zur Sache. Mir scheint, dass die Dame selbst anscheinend kräftig an ihrem politischem Grab arbeitet. Die Diss und deren Mängel treten dabei heute in den Hintergrund. Jetzt geht es eher doch primär darum, wie die Dame die Sache weiter behandelt. Es geht doch nicht mal so um Semantik oder Rhetorik dabei, es geht immer noch schlicht nur um den gedruckten Text ihrer Diss.

    Ich kann mir nicht dem Eindruck entziehen, dass Frau Schavan halt nun fortan auf den vermeintlichen naiven Wähler baut, dem ein solches wissenschaftliches Dokument doch meist eher fremd ist.

    Wie anders ist es zu erklären, wenn Dr. S. nun z.B. die Schublade mit diesen sogenannten "Flüchtigkeitfehlern" aufmacht. Sowas ist etwas zu dürftig, um die Fachkollegen noch zu beeindrücken.

    Entscheidend wird es für ihr politisches Schicksal wahrscheinlich sein, wie sie nun mit der Sache weiter umgeht. Viele Politiker haben sich viel intelligenter aus weit grösseren Affären befreien können.

    Die Zustimmung kürzlich in ihrem Wahlkreis als Bundestagskandidatin in 2013 tut ihr gut, ist aber sicherlich kein Massstab für ihr Ansehen in der Geisteswissenschaft (sie weiss es). Man darf vermuten, dass ihr dies es ziemlich egal ist. Die einzige Perspektive, die Frau Dr. S. heute noch hat, in der Politik zu bleiben. Wenn ihr Doktorgrad abhanden kommt, bleibt ja nur das Abitur als Qualifikation in ihrem Lebenslauf. Ob sie dann noch den Schneid hat, vor Kameras aufzutreten hat?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Annette Schavan | CDU | Doktorarbeit | Doktortitel | Plagiat | Souveränität
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