ReplikStudiengebühren sind eben nicht die Zukunft

Die Gebühr ist gerecht, kommentierte Ruben Karschnick. Nein, entgegnet Philipp Alvares. Es gebe nur eine Lösung: Der Staat muss die Ausbildung aller Bürger unterstützen. von 

Sind Studiengebühren gerecht? Ein gern genanntes Argument der Befürworter lautet: Akademiker verdienen in der Regel mehr und haben bessere Jobchancen als Menschen in Ausbildungsberufen. Diese müssen ihre Fortbildungen, zum Beispiel einen Meister, allerdings aus eigener Tasche zahlen. Da sei es nur gerecht, von Studenten ebenfalls einen Beitrag zu verlangen.

So oft dieses Argument bemüht wird, so unlogisch ist es. Ja: Akademiker sind im Durchschnitt zwar wirklich seltener arbeitslos und bekommen mehr Geld für ihre Arbeit als andere. Und ja: Es ist ungerecht und ein Privileg der Akademiker, dass sie ihr Studium von der Allgemeinheit bezahlt bekommen. Aus diesem Fakt lässt sich aber nur ein Schluss ziehen: Der Staat sollte die Ausbildung aller Bürger gleichermaßen unterstützen.

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Wie gut das geht, lässt sich in Schweden beobachten. Wer dort zum Beispiel Krankenschwester werden will, gilt als Student. Studenten müssen in Schweden keine Studiengebühren zahlen, und bekommen sogar Zuschüsse und günstige Darlehen vom Staat, um Miete und Lebensmittel zu bezahlen. Die Ausbildungskosten für nahezu alle Berufe, die über das schwedische Gymnasium – das dort fast alle Kinder besuchen – hinausgehen, trägt die Allgemeinheit.

Alle werden gleich behandelt

Die staatliche Unterstützung wird unabhängig vom Einkommen der Eltern und direkt an die Studenten gezahlt. Alle werden gleich behandelt. Junge Erwachsene dürfen wirklich erwachsen sein und hängen nicht mehr am Konto von Mama und Papa. In Deutschland können Eltern ihr studierendes Kind hingegen bis zum 25. Lebensjahr von der Steuer abziehen und bekommen zusätzlich fast 200 Euro Kindergeld. Warum überweist man dieses Geld nicht direkt an die Studenten?

In anderen skandinavischen Ländern gibt es ähnliche Systeme wie in Schweden. Sie sind eine zeitgemäße, sozial gerechte Antwort auf die Herausforderung, eine moderne Gesellschaft mit versierten Arbeitskräften zu versorgen, die sich mit Konkurrenten aus anderen Ländern messen können.

Philipp Alvares de Souza Soares

studierte von 2005 bis 2011 Politik und VWL in Marburg und Den Haag. Heute arbeitet er als freier Journalist in Berlin.

Warum auch zwischen Meister und Studium unterscheiden? Jeder sollte seinen Beruf nach Talent und Neigung wählen können und hat dabei die Unterstützung des Staates verdient. Erzieher sind genauso nötig wie Architekten. Und da mit dem technischen Fortschritt in fast allen Berufen die Anforderungen steigen, profitiert gerade eine so hoch entwickelte Wirtschaft wie die Deutsche von gut ausgebildeten Fachleuten in jedem Bereich.

Ja, Bildung ist ein Investment. Aber eines, das die Gesellschaft gemeinsam finanzieren sollte. Ein reiches Land wie Deutschland kann es sich allemal leisten, jedem Bürger eine solide und hochwertige Ausbildung zu ermöglichen. Jeden Euro, den der Staat hier reinsteckt, bekommt er in der Zukunft mehrfach zurück. Es lohnt sich also.
 

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Architekt | Ausbildung | Bildung | Darlehen | Einkommen | Eltern
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